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Tagesanbruch: Die Volksparteien müssen für junge Wähler attraktiver werden

MEINUNGWas heute wichtig ist  

Eine schöne Überraschung

Von Florian Harms

25.04.2019, 07:09 Uhr
Tagesanbruch: Die Volksparteien müssen für junge Wähler attraktiver werden. Kanzlerin Merkel mit den Ministern Scholz und Braun. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)

Kanzlerin Merkel mit den Ministern Scholz und Braun. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

Ob zum Geburtstag, im Kino oder aus Schokolade: Überraschungen sind eine feine Sache. In der Politik hingegen nicht. Wenn man nach 13-jähriger Regierungszeit plötzlich von der Digitalisierung überrascht wird, die das Bildungs-, Arbeits- und Sozialleben revolutioniert, oder vom Klimawandel, der das Antlitz unseres Planeten verändert, dann muss man sich der Frage stellen, ob man womöglich bisher a) schlechte Berater hatte, b) beide Augen zugedrückt, c) die falschen Prioritäten gesetzt oder gar d) die Optionen a) bis c) allesamt wahrgenommen hat.

Feier- und Ferientage wie rund um Ostern bieten auch den Regierenden endlich einmal die Gelegenheit, Abstand vom hektischen Alltagsbetrieb zu bekommen, die großen Linien der Politik in den Blick zu nehmen und das eigene Handeln zu hinterfragen: Was tue ich da mit meinen Leuten eigentlich, packen wir die richtigen Themen an, machen wir eine Politik, die auch in zehn, zwanzig, fünfzig Jahren noch trägt, oder lavieren wir bloß um die Probleme herum und besänftigen unsere wichtigste Wählerklientel? Kurz: Stellen wir die Weichen für unser Land richtig? Eine große Frage, die sofort weitere Fragen nach sich zieht: Würde man es dann zulassen, dass Deutschland ein Klimaschutzziel nach dem anderen verfehlt, dass der Ausbau mit schnellem Internet jahrelang auf dem Niveau eines Schwellenlandes stagniert, dass zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen krasse Unterschiede in der Schulbildung bestehen?

Guten Gewissens kann man diese Fragen kaum mit ja beantworten, was uns gleich zu weiteren Fragen führt: Warum wurden entscheidende Reformen und Projekte so lange verzögert, warum müssen erst Schüler Freitag für Freitag auf die Straßen gehen, um daran zu erinnern, dass es höchste Eisenbahn ist, das Ruder in der Klimapolitik herumzureißen? Vielleicht ist die Antwort auf diese Fragen einfacher, als wir gemeinhin denken.

Das Durchschnittsalter der Mitglieder in den Regierungsparteien CDU und SPD beträgt 60 Jahre, Tendenz steigend. Das Durchschnittsalter der Bundesregierung liegt etwas tiefer: bei 51 Jahren, was aber immer noch rund sieben Jahre mehr als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung sind. Die Bundeskanzlerin feiert im Juli ihren 65. Geburtstag. Nun sollte man um Himmels Willen nicht annehmen, dass ältere Menschen keine jungen Gedanken, Elan und neuen Ideen haben können. Können sie natürlich. Aber man darf sich schon fragen, ob erstens die Lebenswelten von Bürgern zwischen 18 und 40 in den wichtigsten politischen Entscheidungsgremien überhaupt noch bekannt sind. Und ob die Entscheider zweitens ein gesteigertes Interesse daran haben, sich mit Fragen zu beschäftigen, die erst lange nach ihrem eigenen Ableben ihre volle Relevanz entfalten werden. Da liegt die siebte Rentenreform halt schon biologisch einfach näher. Man mag von Sebastian Kurz (32 Jahre) und Emmanuel Macron (41 Jahre) halten, was man will, aber man wird schwerlich behaupten können, dass sie die Belange junger Menschen nicht verstehen.

In den deutschen Volksparteien klagt man oft und laut nicht nur über den Mitglieder-, sondern auch über den Wählerschwund, sowohl die CDU als auch die SPD kann ein langes Lied davon singen. Mir scheint, um das zu ändern genügt es nicht, mit begrenztem Horizont weiterzuwurschteln wie bisher. Um gerade auch für junge Wähler attraktiver zu werden, müsste man sich ernsthaft deren Themen annehmen und bereit sein, eine Politik zu machen, die nicht nur fünf Jahre trägt. Sondern fünfzig. Eine radikale Klimapolitik, die weltweit Staaten zum Vorbild gereicht, könnte ebenso dazugehören wie das Ziel, Deutschland zum Vorreiter der Digitalisierung zu machen – nicht nur in der Industrie, sondern auch in Schulen, Behörden, Innenstädten, Zügen, auf dem Land.

"Das Alter wägt, die Jugend wagt", hat der Dramatiker Ernst Raupach einst notiert. In diesem Sinne dürfen wir hierzulande gern endlich mehr wagen. Das wäre doch mal eine schöne Überraschung.

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WAS STEHT AN?

Kim, Hut, Zug.  (Quelle: Uncredited/Primorsky Regional Administration/Press Service/AP/dpa)Kim, Hut, Zug. (Quelle: Uncredited/Primorsky Regional Administration/Press Service/AP/dpa)

Man kann es einen Gipfel nennen, man kann es aber auch als Spektakel bezeichnen: Herr Kim ist per Zug nach Russland getuckert, um dort heute Herrn Putin zu treffen. Zug, Hut, große Gesten: Mit seinem theatralischen Auftritt verfolgt der nordkoreanische Diktator eine Strategie, die schon sein Großvater beherrschte, beobachtet mein Kollege Patrick Diekmann. Er hat Kims Spiel mit den Großmächten analysiert.

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Nach den Gelbwesten-Protesten und der anschließenden Bürgerdebatte will Frankreichs Präsident Macron heute seine lang erwarteten Reformpläne vorstellen. Darunter könnten die Abschaffung der Elite-Hochschule ENA und Steuererleichterungen für die Mittelklasse sein.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung stellt heute ihre "Mitte-Studie" vor, in der rechtsextreme und menschenfeindliche Einstellungen in Deutschland untersucht werden.

Bundesweit rufen Aktivisten heute zur Solidaritätsaktion #7000gegenIsolation auf: Gegenwärtig sollen sich rund 7.000 politische Gefangene in türkischen Gefängnissen im Hungerstreik befinden, um gegen ihre Haftbedingungen zu demonstrieren.

In London werden heute Einzelheiten zum nächsten James-Bond-Film bekannt gegeben, der 2020 in die Kinos kommen soll. Daniel Craig spielt vermutlich zum letzten Mal die Doppel-Null, irgendein Bösewicht ist vermutlich auch dabei.

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Konrad Adenauer bei Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949. (Quelle: dpa)Konrad Adenauer bei Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949. (Quelle: dpa)

Ein "neues Deutschland" verkündete Konrad Adenauer den (West-)Deutschen am 23. Mai 1949. Ein demokratisches Land sollte es sein, nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Diktatur. Garant dieser Demokratie war das Grundgesetz, das einen Tag später in Kraft trat und die Bundesrepublik Deutschland begründete. Bald dürfen wir den 70. Geburtstag unserer Republik feiern, wir von t-online.de möchten das zum Anlass für einen ausgiebigen Rückblick nehmen – und zwar gemeinsam mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Gab es in Ihrer Familiengeschichte ein besonderes Ereignis im Jahr 1949, das Sie mit der Gründung der Bundesrepublik verbinden? Falls ja, dann schreiben Sie bitte meiner Kollegin Charlotte Janus zwei, drei Sätze an leseraufruf@t-online.de. Wir melden uns bei Ihnen.

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WAS LESEN?

Hemsworth, Johansson, Rudd in London. (Quelle: t-online.de)Hemsworth, Johansson, Rudd in London. (Quelle: t-online.de)

Es wird Ihnen nicht anders gehen als mir: Auch Sie bewundern bestimmt wunderbare Musiker, hochtalentierte Sportler, fesselnde Bücher oder begnadete Künstler, die Sie in Begeisterung und kindliche Freude versetzen. Für meinen Kollegen David Digili sind das (man mag es verstehen oder nicht) die Kinofilme über die Superhelden aus den "Marvel"-Comics. Gestern ist "Avengers: Endgame" in den deutschen Kinos angelaufen – und Kollege Digili hat in den letzten Tagen keine Gelegenheit ausgelassen, uns wieder und wieder daran zu erinnern, dass er im Vorfeld zu einem Pressetermin in London weilte. Dort hat er mit den beiden Regisseuren Joe und Anthony Russo gesprochen sowie mit den Hauptdarstellern Scarlett Johansson, Chris Hemsworth und Paul Rudd. Stolze vier Minuten lang. Wie so ein Termin mit Hollywoodstars abläuft, hat er beschwingt für Sie aufgeschrieben.

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Wo landen eigentlich unsere Computer, Kühlschränke und Laptops, wenn sie nicht mehr gebraucht werden? Zum Großteil in Afrika – und dort verpesten die enthaltenen Gifte und Chemikalien die Lebensmittel der Einheimischen. Eine Analyse von Wissenschaftlern zeigt jetzt: Schon ein einziges Ei übersteigt dort die EU-Grenzwerte für Dioxine um das 220-fache. Mein Kollege Tibor Martini empfiehlt Ihnen dazu diesen Artikel aus dem "Guardian".

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WAS AMÜSIERT MICH?

So so, jetzt besucht der Kim also auch noch den Wladimir. Was sagt eigentlich der Donald dazu? Schnell mal den Mario fragen:

 (Quelle: Mario Lars) (Quelle: Mario Lars)

Ich wünsche Ihnen einen vergnügten Tag.

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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