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Vor Atomgesprächen: Iran bereitet umstrittene Uran-Anreicherung vor

Vor Atomgesprächen  

Iran bereitet umstrittene Uran-Anreicherung vor

14.04.2021, 23:48 Uhr | dpa, AFP, aj

Vor Atomgesprächen: Iran bereitet umstrittene Uran-Anreicherung vor. Die iranische Nuklearanlage Natanz: Irans oberster Führer Chamenei sagte, die Vorschläge, die bei den Verhandlungen in Wien zum iranischen Atomprogramm gemacht werden, seien es nicht wert beachtet zu werden. (Quelle: AP/dpa/Planet Labs Inc.)

Die iranische Nuklearanlage Natanz: Irans oberster Führer Chamenei sagte, die Vorschläge, die bei den Verhandlungen in Wien zum iranischen Atomprogramm gemacht werden, seien es nicht wert beachtet zu werden. (Quelle: Planet Labs Inc./AP/dpa)

Der Iran steht kurz vor einer wesentlichen Steigerung seiner nuklearen Aktivitäten, wie Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde bestätigten. In der EU wird der Schritt mit großer Sorge beobachtet.

Der Iran hat seine Vorbereitungen für eine Urananreicherung auf 60 Prozent laut der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) "fast abgeschlossen". Die "notwendigen Rohrleitungen" würden fertiggestellt und die Zentrifugen in der Atomanlage Natans könnten "bald danach starten", erklärte die IAEA am Mittwochabend in Wien. Zuvor hatte die IAEA mitgeteilt, dass Inspektoren die Anlage in Natans besucht hätten.

In der Anlage im Zentrum des Iran hatte es am Sonntag – nur Stunden nach der Inbetriebnahme neuer, nach dem Atomabkommen verbotener Zentrifugen – einen Zwischenfall gegeben. Die iranischen Behörden sprachen von einem "Terrorakt", für den sie Israel verantwortlich machten. Teheran kündigte als "Vergeltung" an, ab der kommenden Woche Uran auf 60 Prozent anzureichern.

Ruhani: "Antwort auf Eure Bosheit"

Die Erhöhung der Urananreicherung auf 60 Prozent sei "die Antwort auf Eure Bosheit", sagte Präsident Hassan Ruhani am Mittwoch. "Was Ihr tut, ist nuklearer Terrorismus. Was wir tun, ist legal", sagte Ruhani in einer Erklärung vor dem Ministerrat, die im Fernsehen übertragen wurde.

Auch israelische Medien führten den Angriff auf die Atomanlage – nur Stunden nach der Inbetriebnahme neuer, nach dem Atomabkommen verbotener Zentrifugen – auf einen Einsatz des Geheimdienstes Mossad zurück. Offiziell hat Israel jedoch keine Verantwortung für den Angriff übernommen. Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehnt das Atomabkommen mit dem Iran vehement ab und wirft Teheran vor, den Bau einer Atombombe anzustreben. Dies weist der Iran zurück.

Nach wenigen letzten Schritten sei dann bald die eigentliche Anreicherung geplant, berichtete ein IAEA-Sprecher. Deutschland, Frankreich und Großbritannien warnten zuvor, dass dies den Verhandlungen zur Rettung des Atomabkommens von 2015 zuwiderlaufe. Eine neue Gesprächsrunde soll an diesem Donnerstag in Wien beginnen.

Sorge im Ausland

"Dies ist eine ernste Entwicklung, da die Herstellung von hoch angereichertem Uran einen wichtigen Schritt zur Produktion einer Nuklearwaffe darstellt", erklärten die Außenministerien der drei europäischen Länder am Mittwoch. Teheran hatte sich 2015 verpflichtet, nur niedrig angereichertes Uran als Brennstoff für Atomreaktoren herzustellen.

Am Donnerstag sollen in Wien erneut Diplomaten aus diesen drei Ländern sowie aus den USA, Russland, China und dem Iran direkt oder indirekt miteinander sprechen. Um den Pakt wiederherzustellen, müsste Washington Sanktionen aufheben, während der Iran sein Atomprogramm wieder zurückfahren müsste. 

Das 2015 geschlossene internationale Atomabkommen gestattet dem Iran lediglich eine Urananreicherung von 3,67 Prozent für eine zivile Nutzung von Atomenergie. Bereits im Januar hatte der Iran aber mit der Erhöhung der Urananreicherung auf 20 Prozent begonnen. Der Schwellenwert der Urananreicherung für eine militärische Nutzung von Atomkraft liegt bei 90 Prozent.

USA ist bereit zu neuen Verhandlungen

Die neue US-Regierung von Joe Biden hat sich grundsätzlich zu neuen Verhandlungen mit dem Iran bereit erklärt, dringt allerdings darauf, dass das Land zunächst zu seinen Verpflichtungen aus dem Abkommen zurückkehren müsse. Der Iran wiederum macht die Aufhebung der US-Strafmaßnahmen zur Vorbedingung.

Mit Blick auf die Verhandlungen in Wien sagte Ruhani an Israel gerichtet: "Ihr wollt, dass wir mit leeren Händen an den Verhandlungen teilnehmen, aber wir werden dort hingehen mit noch mehr Karten in der Hand."

Irans oberster geistlicher Führer, Ayatollah Ali Chamenei, warnte am Mittwoch im staatlichen Fernsehen, dass die Gespräche sich nicht hinziehen und "schädlich" für die islamische Republik werden dürften.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen afp und dpa

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