• Home
  • Politik
  • Tagesanbruch
  • Ukraine-Krieg: Baerbock macht den nĂ€chsten wichtigen Schritt


Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂŒbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Baerbock macht den nÀchsten wichtigen Schritt

  • Florian Harms
Von Florian Harms

Aktualisiert am 10.05.2022Lesedauer: 6 Min.
Kanzler Scholz und Außenministerin Baerbock werden in Kiew erwartet.
Kanzler Scholz und Außenministerin Baerbock werden in Kiew erwartet. (Quelle: /imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextArbeitslosigkeit im Juni gestiegenSymbolbild fĂŒr einen TextGehaltserhöhung fĂŒr Olaf ScholzSymbolbild fĂŒr einen TextPutin reagiert auf Witze der G7-ChefsSymbolbild fĂŒr einen TextHoeneß stichelt gegen WatzkeSymbolbild fĂŒr einen TextLieferprobleme bei wichtigen MineralienSymbolbild fĂŒr einen TextTödlicher Unfall auf A2 – lange SperrungSymbolbild fĂŒr einen TextSamsung feuert 120 deutsche IngenieureSymbolbild fĂŒr einen Text"Bachelorette": Erster Kuss hat FolgenSymbolbild fĂŒr einen TextGottschalk wettert gegen JungstarsSymbolbild fĂŒr einen TextFBI warnt vor DeepfakesSymbolbild fĂŒr einen TextUnfall mit neuem Tesla: TotalschadenSymbolbild fĂŒr einen Watson Teaser"Maischberger"-Gast mit dĂŒsterer PrognoseSymbolbild fĂŒr einen TextSchlechtes Hören erhöht das Demenzrisiko

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

Kommunikation kann ganz einfach sein. Oder furchtbar kompliziert. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, einander misszuverstehen, unbeabsichtigt oder vorsĂ€tzlich. Wenn einer A sagt, versteht der andere vielleicht B. Also antwortet der andere C, was bei seinem GegenĂŒber jedoch als D ankommt. Schon hat man den Salat. Noch komplizierter wird es, wenn der eine zwar A sagt, aber eigentlich B meint, denn dann können beim Zuhörer zwei Botschaften ankommen: eine ausgesprochene und eine verborgene. Durchschaut der Zuhörer diese Doppeldeutigkeit und wittert eine Absicht dahinter, wird er erst recht misstrauisch: Was gilt denn nun, was will der andere mir sagen? FĂŒhrt der in Wahrheit etwas ganz anderes im Schilde als das, was er laut sagt?

Loading...
Symbolbild fĂŒr eingebettete Inhalte

Embed

Politische Kommunikation ist noch viel tĂŒckischer, und die ErklĂ€rungen der Bundesregierung zum Ukraine-Krieg zeigen dies deutlich: Da herrscht eine seltsame Kakofonie. Der Kanzler hat in den vergangenen zweieinhalb Monaten zur Verwirrung beigetragen, indem er auf seine große Zeitenwende-Rede im Bundestag zunĂ€chst ein vielsagendes Schweigen folgen ließ, das er gelegentlich durch mehrdeutige SĂ€tze unterbrach. Als die Kritik zunahm, begann er, Interviews zu geben. Die Verteidigungsministerin sagte ebenfalls ein paar Dinge, die man so oder so verstehen konnte, das machte es nicht besser. Vertreter der Regierungsparteien wiederum kommen mit allerhand VorschlĂ€gen um die Ecke, was nun zu tun oder zu lassen sei. Viele Stimmen, aber keine Melodie. Weil der Chor keinem Dirigenten folgt.

Umso lauter sind die Misstöne zu hören. Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk verstĂ€rkt die Dissonanz durch gepfefferte Kritik, die angesichts der Katastrophe in seinem Heimatland zwar emotional verstĂ€ndlich, aber mitunter auch ziemlich unverschĂ€mt ist. Viele BĂŒrger hat er damit verĂ€rgert. Und dann ist da noch die Riege der Talkshow-DauergĂ€ste, die auch immer gern etwas sagen. Solange Sahra Wagenknecht, Markus Söder und Kevin KĂŒhnert abends auf der Flimmerscheibe erscheinen, kann man getrost davon ausgehen, dass in der Debatte um den Ukraine-Krieg nichts ungesagt bleibt.

Doch die kommunikative Klarheit aus den ersten Kriegstagen hat sich aufgelöst. Weil eine von allen BĂŒrgern respektierte AutoritĂ€t fehlt, die das Land durch die Krise lotst, so wie es Bundeskanzler Helmut Schmidt im Deutschen Herbst 1977 getan hat. Als Ergebnis der Kakofonie ist bei vielen BĂŒrgern der Eindruck entstanden: Die Regierenden haben keinen klaren Kurs. Die wissen nicht, was sie wollen. Die haben die Lage nicht im Griff. So ist das Vertrauen in Olaf Scholz und seine Leute von Tag zu Tag gesunken, und wir Journalisten sparen natĂŒrlich auch nicht mit Kritik.

Im Kanzleramt hat man diese Entwicklung zwar frĂŒh gesehen, aber spĂ€t gehandelt. Wer lange genug nachfragt, kann erfahren, dass man dort selbst nicht glĂŒcklich mit der Wirkung der eigenen Kommunikation ist. Dass die politischen Entscheidungen in der Bevölkerung nicht gut genug verstanden werden, und dass daran nicht allein die Leitartikler schuld sind. Auch deshalb hat sich der Kanzler am Sonntagabend vor das deutsche Fernsehpublikum gesetzt und seine Positionen zum Krieg wiederholt. Seine Worte klangen schlĂŒssig und glaubwĂŒrdig, doch Neues sagte er nicht. Vielleicht droht seine Ansprache deshalb schon nach zwei Tagen zu verpuffen. Vielleicht geht die Debatte ĂŒber leichte Waffen und schwere Waffen, ĂŒber diesen Panzer und jene Haubitze, ĂŒber kluge oder verkorkste KanzlersĂ€tze deshalb weiter.

Wie kommt man raus aus der kommunikativen Sackgasse? Wie lĂ€sst sich die Verstimmung zwischen Berlin und Kiew endgĂŒltig auflösen? Indem man miteinander statt ĂŒbereinander spricht. Nicht per Telefon oder Videokonferenz, sondern von Angesicht zu Angesicht. Deshalb ist es höchste Zeit, dass Außenministerin Annalena Baerbock nun nach Kiew reist. Dass auch Finanzminister Christian Lindner eine Reise in die Ukraine angekĂŒndigt hat. Dass BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas gerade dort war (und ja, auch OppositionsfĂŒhrer Friedrich Merz). Wer aber noch fehlt, das ist der Kanzler.

Eine Reise in die Ukraine ist kein Spaziergang. Sie ist riskant. EU-RatsprĂ€sident Charles Michel musste sich gestern in Odessa vor einem Raketenangriff in Sicherheit bringen. Trotzdem ist die Bedeutung eines Treffens von Olaf Scholz mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj nicht zu ĂŒberschĂ€tzen. Vor dem russischen Angriff haben sich die beiden kurz gesehen, doch aus heutiger Sicht war das in einer anderen Welt.

Der Krieg hat alles verĂ€ndert. Die Ukrainer erleiden seit 75 Tagen Tod, Angst, Trauer, Verlust. Sie haben ihr bisheriges Leben verloren, und sie können nicht sicher sein, dass sie Sicherheit und Frieden irgendwann zurĂŒckbekommen. Um zu verstehen, was das bedeutet, muss man sich nur fĂŒr einen Augenblick in die Lage einer ukrainischen Mutter versetzen, deren Sohn im Donbass gegen die Russen kĂ€mpft. Oder in einen Ukrainer, der vor der Ruine seines Wohnhauses steht.

t-online-Reporter Daniel MĂŒtzel (rechts) bei der Recherche in einem befreiten Dorf östlich von Charkiw.
t-online-Reporter Daniel MĂŒtzel (rechts) bei der Recherche in einem befreiten Dorf östlich von Charkiw. (Quelle: /T-Online-bilder)

Unser Reporter Daniel MĂŒtzel ist gerade in der Ostukraine unterwegs, diese Beobachtungen hat er mir gestern Abend geschickt: "Wenn man an die ukrainische Front reist, kann man nur den Kopf schĂŒtteln ĂŒber so manche Debatte in der Heimat, wo deutsche Intellektuelle den Ukrainern aus der Ferne RatschlĂ€ge erteilen. So unterschiedlich das Leid der Menschen in der Ukraine auch ist, eines eint die Menschen hier. Die 71-JĂ€hrige, die ihr ausgebombtes Haus nicht verlĂ€sst, weil sie Putin nicht weichen will. Die Mutter, die mit ihrer neunjĂ€hrigen Tochter zwei Monate lang russischen Bombenterror erlebte. Den Ex-Soldaten, der nun schwört, wieder in die Armee einzutreten. Sie alle sagen: Die Ukraine wird sich nicht ergeben. Russlands Krieg hat die Menschen hier zusammengeschweißt – auf eine Weise, die man nur verstehen kann, wenn man hierherkommt. Das GefĂŒhl der Einigkeit und auch des Trotzes, sich niemals Putins GrĂ¶ĂŸenwahn zu unterwerfen, ist ĂŒberall greifbar."

Kriege verĂ€ndern das Leben der Betroffenen fĂŒr immer. Das erklĂ€rt, warum Menschen nicht nur verzweifeln, sondern sich vielleicht auch mal unverschĂ€mt Ă€ußern. Erst recht, wenn sie als PrĂ€sident oder Diplomat Verantwortung fĂŒr ihr leidendes Volk tragen. Sich ihre bedrĂŒckenden ErzĂ€hlungen anzuhören, MitgefĂŒhl und SolidaritĂ€t zu zeigen und dann gemeinsam zu ĂŒberlegen, wie man im Rahmen der eigenen Möglichkeiten helfen kann – auch dann, wenn man nicht alle WĂŒnsche erfĂŒllen kann oder will –, diese Entscheidungen sodann der eigenen Bevölkerung ĂŒberzeugend zu erklĂ€ren, dafĂŒr bietet ein GesprĂ€ch von Angesicht zu Angesicht die beste Grundlage. In Berlin heißt es, der Kanzler könne nur nach Kiew reisen, wenn er PrĂ€sident Selenskyj etwas mitbringe. Sprich: noch mehr Waffen, noch mehr Geld. Mag sein, doch da wird sich ja wohl etwas finden lassen. Als Entschuldigung, den Besuch noch lĂ€nger hinauszuzögern, taugt diese ErklĂ€rung jedenfalls nicht.

Loading...
Loading...
Loading...
Tagesanbruch - Was heute wichtig ist
Was heute wichtig ist

Erhalten Sie jeden Morgen einen Überblick ĂŒber die Themen des Tages als Newsletter.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau besuchte den ukrainischen PrÀsidenten Selenskyj gestern.
Kanadas Premierminister Justin Trudeau besuchte den ukrainischen PrÀsidenten Selenskyj gestern. (Quelle: Efrem Lukatsky/ap-bilder)

Termine des Tages

Statt in Kiew trifft Olaf Scholz heute erst einmal in Berlin einen anderen Regierungschef: Er empfÀngt den belgischen MinisterprÀsidenten Alexander De Croo. Auch da wird es um den Krieg gehen.

Wie viele Deutsche hegen antisemitische Vorurteile? Das Allensbach-Institut fĂŒr Demoskopie stellt die Ergebnisse einer Befragung vor.

Nehmen die politisch motivierten Kriminaltaten zu oder ab? BKA-PrĂ€sident Holger MĂŒnch stellt neue Zahlen vor.

BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier will die Distanz zwischen StaatsreprĂ€sentanten und BĂŒrgern verringern. DafĂŒr reist er durchs Land, verbringt mehrere Tage an einem Ort und sucht das GesprĂ€ch mit den Menschen. Heute ist Quedlinburg in Sachsen-Anhalt an der Reihe.

Normalerweise eröffnet die Queen mit einer Rede die Sitzungsperiode des britischen Parlaments und verliest eine RegierungserklĂ€rung des Premierministers. Da ihre MajestĂ€t im fortgeschrittenen Alter ist, könnte heute Prinz Charles die Aufgabe ĂŒbernehmen.


Was lesen?

Putin mit seinem Verteidigungsminister Sergei Shoigu wÀhrend der Parade in Moskau.
Putin mit seinem Verteidigungsminister Sergei Shoigu wÀhrend der Parade in Moskau. (Quelle: Maxim Shemetov/Reuters-bilder)


Kaum wiedergewÀhlt, legt Frankreichs PrÀsident Macron VorschlÀge zur Reform der EU vor. Die haben es in sich.


Nach der Wahlschlappe in Schleswig-Holstein eskaliert in der AfD der parteiinterne Streit. Es könnte zum Showdown kommen, berichtet unsere Reporterin Annika Leister.


Was amĂŒsiert mich?

Selbst wenn alles eskaliert, manche Typen bleiben entspannt.

Ich wĂŒnsche Ihnen einen entspannten Tag. Morgen kommt der Tagesanbruch von David Schafbuch, am Donnerstag wieder von mir.

Herzliche GrĂŒĂŸe

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

Den tÀglichen Tagesanbruch-Newsletter können Sie hier kostenlos abonnieren.

Alle Tagesanbruch-Ausgaben finden Sie hier.

Alle Nachrichten lesen Sie hier.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
Das Kassandra-Prinzip
  • Peter Schink
Von Peter Schink
Annalena BaerbockBundesregierungBundestagEUKiewMarkus SöderOlaf ScholzPrinz CharlesSahra WagenknechtUkraineWolodymyr Selenskyj
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website