• Home
  • Politik
  • Tagesanbruch
  • Wohlstand in Gefahr? Deutschland steht am Beginn einer neuen ├ära


Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Der Beginn einer neuen Ära

  • Peter Schink
Von Peter Schink

Aktualisiert am 23.06.2022Lesedauer: 6 Min.
Eine Raffinerie in Gelsenkirchen ÔÇô hier sp├╝ren sie die Rezession besonders schnell.
Eine Raffinerie in Gelsenkirchen ÔÇô hier sp├╝ren sie die Rezession besonders schnell. (Quelle: imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild f├╝r einen TextGr├Â├čter Vermieter drosselt HeizungenSymbolbild f├╝r einen TextViele Promis bei Lindner-HochzeitSymbolbild f├╝r einen TextSalihamidzic verhandelt wohl mit JuveSymbolbild f├╝r einen TextBei der Lindner-Hochzeit wird es windigSymbolbild f├╝r einen TextDiesem Spieler gibt Flick die WM-GarantieSymbolbild f├╝r einen TextMonatlicher Gasabschlag: So stark steigt erSymbolbild f├╝r einen TextGruppe pr├╝gelt auf lesbische Frauen einSymbolbild f├╝r einen TextGazprom-Tochter bezahlt Giffey-TrickserSymbolbild f├╝r einen Text15-J├Ąhriger folterte ProstituierteSymbolbild f├╝r einen TextMilliard├Ąr ist gr├Â├čter Lufthansa-Aktion├ĄrSymbolbild f├╝r einen TextAutofahrer stirbt bei Unfall auf A1Symbolbild f├╝r einen Watson TeaserRTL-Star hat Angst vor Russland-ReiseSymbolbild f├╝r einen TextFesselndstes Strategiespiel des Jahres

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

mein Stromversorger hat mir am Wochenende eine Mail geschickt: Der Strom kostet ab August 15 Prozent mehr. Ach ja, ich k├Ânne nat├╝rlich gerne wegen der Preiserh├Âhung k├╝ndigen, steht da. Was mir auch nicht weiterhilft. ├ťberall anders sieht es nicht besser aus.

Der Finanzminister brachte am Dienstagabend die Situation auf den Punkt: "Es besteht die Gefahr einer sehr ernst zu nehmenden Wirtschaftskrise", sagte Christian Lindner im ZDF. Mit drei, vier, f├╝nf knappen Jahren rechne er, so Lindner. Manche Wirtschaftsforscher sagen, die Situation k├Ânne sich ausweiten zur gr├Â├čten Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik. Ein d├╝steres Szenario.

Loading...
Symbolbild f├╝r eingebettete Inhalte

Embed

Das sind wir in Deutschland nicht gewohnt. Hunger und existenzielle Armut sind hierzulande Randerscheinungen. Und nun soll unser Wohlstand in Gefahr sein? Bei Lindners Worten denke ich sofort an diejenigen, die jetzt schon kaum ├╝ber die Runden kommen. Sie treffen Inflation und Rezession am h├Ąrtesten. F├╝r alle anderen gilt: Nat├╝rlich geht es uns Deutschen relativ gut. Genau deshalb f├╝rchten wir schlechtere Zeiten.

Finanzminister Christian Lindner beim Tag der Deutschen Industrie am Dienstag.
Finanzminister Christian Lindner beim Tag der Deutschen Industrie am Dienstag. (Quelle: dpa-bilder)

Doch es lohnt sich, genauer hinzuh├Âren. Der Finanzminister warnte nicht nur, er zeigte zugleich Handlungsoptionen auf. Hohe Energiepreise sind nicht zwingend. Wir k├Ânnen die Erneuerbaren ausbauen, wir k├Ânnen Fl├╝ssiggas importieren, wir k├Ânnen Kohlekraftwerke l├Ąnger laufen lassen, wir k├Ânnen auf dem Weltmarkt fossile Energie einkaufen. Und ja, nat├╝rlich auch noch mal ├╝ber die verbliebenen drei Atomkraftwerke diskutieren.

Der Staat kann au├čerdem "Druck von den Preisen nehmen", wie Lindner sich ausdr├╝ckt. Das ist ├Âkonomisch diffizil, aber nat├╝rlich haben die massiven Ausgaben des Bundes die Inflation bef├Ârdert. Die Europ├Ąische Zentralbank hat mit ihrer Geldmarktpolitik ihr ├ťbriges dazugetan. Das muss sich ├Ąndern, die Preise m├╝ssen runter.

So schnell wird das vermutlich nicht gehen. Den ├ärmsten in der Gesellschaft muss deshalb geholfen werden. Ungef├Ąhr 3,5 Millionen Menschen beziehen in Deutschland Hartz-IV-Leistungen. Der DGB fordert f├╝r sie bereits eine dauerhafte Aufstockung. Auch der CDU-Arbeitnehmerfl├╝gel wirbt f├╝r "zielgerichtete Hilfen". Der Druck auf Scholz steigt. Doch der will erst am 4. Juli mit Arbeitgebern und Gewerkschaften beraten, und k├╝ndigt eine "konzertierte Aktion" an. Scholz versucht, Zeit zu gewinnen.

Nat├╝rlich ist nicht nur die Regierung, wir alle sind gefragt. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten m├╝ssen wir zusammenstehen. Das klingt abstrakt, ist es aber nicht. Ein Beispiel: Nat├╝rlich hilft gegen die Inflation, wenn Lohnverzicht ge├╝bt wird. Weil aber die Einkommensschwachen in schwierigen Jahren am meisten unter stagnierenden L├Âhnen zu leiden h├Ątten, brauchen gerade sie h├Âhere Eink├╝nfte. Der gut verdienende Facharbeiter kann eher verzichten.

Auf jeden Fall sind kreative Ideen gefragt. Man mag ├╝ber die Verzichts-Werbekampagne von Wirtschaftsminister Robert Habeck schmunzeln. Aber nat├╝rlich helfen Energiesparma├čnahmen im Moment enorm, auch gegen hohe Energiepreise.

Doch klar ist auch: Sollte die Inflation hoch bleiben, die Wirtschaft unter den Rahmenbedingungen leiden und die Zahl der Arbeitslosen steigen, dann wird die Unzufriedenheit der B├╝rgerinnen und B├╝rger steigen. Darauf freuen sich dann vor allem die Populisten am linken und rechten Rand, sie werden am meisten davon profitieren. Die n├Ąchste Bundestagswahl ist nur drei Jahre entfernt.

Doch ich bin optimistisch, dass unsere Gesellschaft zusammenhalten kann. Warum? Wir haben schon andere Krisen und Herausforderungen gemeistert. Wichtig ist nur, dass wir ein gemeinsames Ziel (oder einen gemeinsamen Gegner) im Blick halten. Im Moment: Die Demokratie gegen Wladimir Putins Gro├čmachtstreben zu verteidigen. Auch wenn es uns ein St├╝ck Wohlstand kostet.


Ein frommer Wunsch

Interessieren Sie sich f├╝r Nachrichten? Vermutlich, sonst w├╝rden Sie das hier nicht lesen. Das Interesse an der Welt ist wichtig, w├╝ssten wir nichts, k├Ânnten wir nichts um uns herum begreifen. Meinungsbildung, Demokratie und so. Sie wissen schon.

Auf der anderen Seite: Nachrichten sind oft auch nicht einfach. Corona, Ukraine-Krieg, Inflation, Klimakrise, G7-Gipfel sind nicht leicht verdaulich. Deswegen sch├Ątzen viele Menschen auch Leichteres: die Royals, den neuesten Fu├čball-Transfer oder das perfekte Promidinner. Geh├Ârt eben auch zum Leben. Genauso wie Wissenswertes ├╝ber Gesundheit, Haus und Garten.

Doch eine Vielzahl von Menschen findet Nachrichten nicht mehr so wichtig. Um genau zu sein: Nur noch 57 Prozent der Deutschen geben an, dass Nachrichten f├╝r sie "wichtig" oder "sehr wichtig" sind. Das ist das erschreckende Ergebnis der weltweiten News-Studie des Reuters Institute (PDF). Vor sieben Jahren waren es noch 74 Prozent.

Es ist ein weltweites Ph├Ąnomen. Der klassische Medienkonsum geht zur├╝ck. In den USA im gleichen Zeitraum von 67 auf 47 Prozent, in Gro├čbritannien sogar von 70 auf 43 Prozent. In ein paar L├Ąndern sieht es besser aus: den Niederlanden, Finnland und Schweden zum Beispiel.

Aber wieso? Gerade in einer komplizierten Welt brauchen wir gute Einsch├Ątzungen, Erl├Ąuterungen, Detailwissen.

So ganz einfach zu erkl├Ąren ist es nicht. Die Autoren der Studie schreiben, die J├╝ngeren seien abgetaucht im Konsum diverser Internetplattformen: Facebook, Instagram, YouTube, TikTok, Spotify. Ihr Medienverhalten habe sich so tiefgreifend gewandelt, dass es einen Weg zur├╝ck voraussichtlich nicht gebe. Doch auch die ├älteren seien der Nachrichten m├╝de. In Deutschland hat sich der Trend vor allem in den vergangenen zwei Corona-Jahren versch├Ąrft.

Was hilft? Heulen jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Jede einzelne Geschichte muss heute im Netz zeigen, dass sie wert ist, gelesen zu werden. Wir Journalisten m├╝ssen weniger schwadronieren und langweilen. Mit unseren Themen nah bei unseren Leserinnen und Lesern sein. Vertrauen schaffen. Und auch erkl├Ąren, wie unsere Geschichten zustande kommen. Es versteht sich, daran arbeiten wir hier, jeden Tag.

Doch ein gemeinsames Grundverst├Ąndnis brauchen wir dann doch: Es gibt Themen, die gehen uns alle an. Ohne tagesaktuelles Wissen geht es nicht. Demokratie stirbt durch Unwissenheit.


Eine Gipfeltour

Drei Gipfeltreffen in acht Tagen ÔÇô Bundeskanzler Olaf Scholz ist darum nicht zu beneiden. Heute Nachmittag beginnt das zweit├Ągige Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs. Es geht um nicht weniger als die EU-Beitrittsperspektive f├╝r Moldau und die Ukraine. Auch die Idee einer erweiterten EU-Partnerschaft des franz├Âsischen Pr├Ąsidenten Emmanuel Macron steht auf der Tagesordnung. Eigentlich sollte der Klimaschutz zentrales Thema des Gipfels sein, wegen der Zerstrittenheit der EU-Staaten wird dar├╝ber nun nur am Rande geredet.

Loading...
Loading...
Loading...
Tagesanbruch - Was heute wichtig ist
Was heute wichtig ist

Erhalten Sie jeden Morgen einen ├ťberblick ├╝ber die Themen des Tages als Newsletter.

Nach einem Tag Pause geht es dann f├╝r Scholz am Samstag weiter mit dem G7-Gipfel in Elmau, dann reist er weiter zum Treffen der Nato-Staaten in Madrid. Mit knapp 50 Staats- und Regierungschefs wird er am Ende dann gesprochen haben. Immerhin einen Termin kann der Bundeskanzler jetzt ausfallen lassen: Die documenta in Kassel wird er laut Medienberichten nicht besuchen, wegen des Antisemitismus-Skandals.


Ein Urteil

Das Bundesverfassungsgericht muss ├╝ber einen Eilantrag der AfD-Bundestagsfraktion entscheiden. Sie hatte geklagt, weil drei AfD-Kandidaten mit ihrer Kandidatur f├╝r Ausschussvorsitze im Bundestag gescheitert waren. Die AfD f├╝hrt an, es handele sich um eine Missachtung des Rechts auf faire Mitwirkung im Parlament.

Die Chancen stehen f├╝r die AfD allerdings schlecht. Erst im vergangenen August war sie in Karlsruhe mit einem Eilantrag gescheitert, nachdem ihr Kandidat f├╝r das Amt des Vizepr├Ąsidenten des Bundestages durchgefallen war.


Eine Katastrophe

Ein Mann sitzt in der N├Ąhe seines Hauses in Khost, das bei einem Erdbeben zerst├Ârt wurde.
Ein Mann sitzt in der N├Ąhe seines Hauses in Khost, das bei einem Erdbeben zerst├Ârt wurde. (Quelle: dpa-bilder)

Nach dem Erdbeben in Afghanistan mit mehr als 1.000 Toten und noch mehr Verletzten zeichnet sich eine humanit├Ąre Katastrophe ab. Der afghanische Vize-Regierungssprecher Bilal Karimi schrieb auf Twitter: "Wir rufen die Hilfsorganisationen auf, den Opfern des Erdbebens sofortige Hilfe zu leisten, um eine humanit├Ąre Katastrophe zu verhindern."

Das Problem ist, dass viele Hilfsorganisationen gar nicht mehr im Land vertreten sind. Und so etwas wie einen Katastrophenschutz gibt es in Afghanistan nicht. Hilfe zu organisieren ist deshalb eine logistische Herausforderung. Schweres Ger├Ąt f├╝r die Bergung muss jetzt schnell in die Region gebracht werden, unter den Tr├╝mmern sind vermutlich noch viele Menschen versch├╝ttet.


Was lesen

Wladimir Putin bekriegt die Ukraine weiterhin, Hilfe aus Deutschland trifft dort sp├Ąrlich ein. Wie kann das sein? Weil sich Bundeskanzler Olaf Scholz die Spielregeln vom Kremlchef diktieren l├Ąsst. Davon sind die Osteuropa-Experten Marieluise Beck und Ralf F├╝cks ├╝berzeugt. Das Gespr├Ąch mit meinem Kollegen Marc von L├╝pke lesen Sie hier.


Vor zwei Jahren, Ende Juni 2020, implodierte der Wirecard-Konzern. Der einstige ├ťberflieger in der deutschen B├Ârsenlandschaft entpuppte sich als Luftnummer, als riesiger Betrug. Mein Kollege Mauritius Kloft hat anl├Ąsslich des zweiten Jahrestages mit Politikern, Anw├Ąlten, Anlegersch├╝tzern, Finanzexperten und gar einem Ex-Wirecard-Manager gesprochen.

Seine Artikel zu den gesch├Ądigten Anlegern, den gefallenen Topmanagern und den politischen Verwicklungen des Wirecard-Skandals, die auch Kanzler Olaf Scholz sowie Kremlchef Wladimir Putin betreffen, kann ich ihnen nur w├Ąrmstens empfehlen.

Mehr aus dem Ressort
Das Stehaufm├Ąnnchen ist gefallen
Boris Johnson: Der Konservative ist nach etlichen Skandalen zur├╝ckgetreten.



Was mich am├╝siert

Ende Juni laufen die kostenlosen Corona-Tests aus (sofern nicht noch anderes beschlossen wird). Doch das ist kein Grund zum Jammern, findet unser Karikaturist Mario Lars.

(Quelle: Mario Lars)

Morgen schreibt Florian Harms wieder an dieser Stelle. Heute w├╝nsche ich einen friedlichen Donnerstag.

Ihr

Peter Schink
Stellvertretender Chefredakteur t-online.de

Was denken Sie ├╝ber die wichtigsten Themen des Tages? Schreiben Sie es uns per Mail.

Den t├Ąglichen Newsletter von Florian Harms hier abonnieren.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Florian Harms
Von Florian Harms
AfDBundestagCDUChristian LindnerDGBDeutschlandEUEZBGelsenkirchenGewerkschaftenHartz IVInflationOlaf ScholzRobert HabeckUkraineWladimir PutinZDF
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website