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Wetter: Ex-Hurrikan "Dorian" erreicht Europa – müssen wir Angst haben?

MEINUNGNach Katastrophe auf den Bahamas  

Ex-Hurrikan "Dorian" erreicht Europa – wird er gefährlich?

Eine Kolumne von Michaela Koschak

11.09.2019, 15:48 Uhr
 (Quelle: Reuters)
Dorian auf den Bahamas: Rettungskräfte bergen Leichen

Die Zahl der Menschen, die auf den Bahamas durch Sturm Dorian ums Leben gekommen sind, steigt mit jedem Tag. (Quelle: Reuters)

Dorian auf den Bahamas: Hier hat der Sturm eine Spur der Verwüstung hinterlassen, mehrere Menschen sind ums Leben gekommen. (Quelle: Reuters)


Die Bahamas hat es besonders schlimm getroffen: Hurrikan "Dorian" hat Verwüstung hinterlassen. Nun kommen seine Reste nach Europa. Müssen wir Angst haben?

Hurrikan "Dorian" war ein sehr heftiger tropischer Wirbelsturm und der zweite Hurrikan der Saison. Vor einer Woche hat er auf den Bahamas fürchterliche Verwüstungen angerichtet, bis jetzt zählen die Behörden 50 Todesopfer, es werden aber noch Menschen vermisst. Mit gewaltiger Kraft und der höchstmöglichen Stufe fünf der Saffir-Simpson-Skala ging "Dorian" am 1.September auf den Bahamas an Land und war damit der verheerendste Sturm, den es seit Beginn moderner Wetteraufzeichnungen dort je gab.

Zum Teil wurden Windgeschwindigkeiten von knapp 300 km/h registriert. Nun stellen Sie sich vor, wie die Hütten auf den Bahamas wohl aussehen, sehr windfest sind sie mit Sicherheit nicht. Deshalb gab es so schlimme Verwüstungen. Zudem müssen Sie wissen – und das sollten Sie sich auch für die Zukunft merken: Hurrikans rasen nicht! Nie werden sie das tun, um das Auge herum können sehr hohe Windgeschwindigkeiten erreicht werden, aber der Hurrikan selbst ist meist eher gemächlich unterwegs.

"Dorian" war so zerstörerisch, weil er langsam war

Im Falle von "Dorian" sogar sehr gemächlich, und das war auch das Schlimme. Denn die Zuggeschwindigkeit lag gerade mal bei zwei km/h, das ist weniger als Schrittgeschwindigkeit. Sie hätten also theoretisch neben dem Sturmmonster herlaufen können, natürlich aber nur theoretisch.

Verwüstung auf den Bahamas: Hurrikan "Dorian" ist nicht gerast, er bewegte sich langsam – das machte ihn verheerend. Einzig ums Auge des Sturms kommt es zu enormen Geschwindigkeiten.  (Quelle: AP/dpa)Verwüstung auf den Bahamas: Hurrikan "Dorian" ist nicht gerast, er bewegte sich langsam – das machte ihn verheerend. Einzig ums Auge des Sturms kommt es zu enormen Geschwindigkeiten. (Quelle: AP/dpa)

Deshalb hat der Hurrikan auf den Bahamas auch so große Schäden angerichtet, denn er verweilte fast 24 Stunden über den Inseln und brachte dort extrem hohe Regenmengen und Windgeschwindigkeiten. Dann schwächte er sich ab und zog Richtung Norden.

Am 5. September hat der Hurrikan dann mit Hurrikanstärke zwei von fünf die Ostküste der USA erreicht. Dabei müssen Sie sich die Größe des Hurrikans vorstellen: Der Wolken- und Windwirbel hatte einen Radius von 350 Kilometern. Das ist in etwa die Entfernung Köln-Stuttgart. In diesem Gebiet traten sehr hohe Windgeschwindigkeiten, teils heftige Tornados und viel Regen auf. 

Als posttropischer Sturm – das heißt, er hatte keine Hurrikanstärke mehr, war aber dennoch gefährlich – verursachte "Dorian" dann am Sonntag in Kanada noch viele Stromausfälle, entwurzelte Bäume, eine 20 Meter hohe Flutwelle auf den Magdalenen-Inseln, einen umgestürzten Baukran, abgedeckte Häuser und überflutete Straßen.

Keine Angst vor "Dorian" in Europa

Nun ist der Ex-Hurrikan über den Atlantik Richtung Europa unterwegs. Aber Sie brauchen keine Angst haben. Erstens ist das normal und zweitens hat "Dorian" viel an Kraft verloren. Er nimmt seine Energie aus dem mindestens 27 Grad warmen Wasser, das es in den Tropen gibt. Die Wassertemperaturen bei uns liegen aber gerade bei 13 Grad vor Schottland und 17 Grad an der Nordseeküste, also kein wirkliches Futter für Hurrikans.
 

 
Dennoch wird am Mittwoch an der Nordsee etwas der Wind auffrischen, stürmische Böen können dabei sein. Zudem wird es im Nordwesten Deutschlands etwas wechselhafter mit Schauerwolken. Aber nicht nur der Ex-Hurrikan "Dorian" ist Richtung Europa gewandert, auch der Ex-Hurrikan "Gabrielle". Der bringt uns durch seine Lage Südwestwind.

In Kombination mit einem Hochdruckgebiet, das am Wochenende in unsere Nähe wandert, stehen uns verbreitet recht freundliche und vor allem angenehm warme Altweibersommertage am Wochenende bevor. Im Südwesten könnte es am Sonntag und Montag bis zu 27 Grad werden.

Gibt es bald mehr Hurrikans?

Nun fragen sich sicher viele: Werden durch die Klimaerwärmung Hurrikans häufiger und stärker? Erst einmal würde man das vermuten, da ja auch die Meerestemperaturen steigen und sie verantwortlich für die Stärke der Hurrikans sind. Aber so einfach ist das nicht. 

"Dorian" von oben: Eine Satelliten-Aufnahme zeigt die enormen Ausmaße des Hurrikans. Auf einen Radius von 350 Kilometern hat der Wind- und Wolkenwirbel es gebracht. Von der Landzunge, auf der der US-Bundesstaat Florida liegt, ist fast nichts zu erkennen.  (Quelle: imago images)"Dorian" von oben: Eine Satelliten-Aufnahme zeigt die enormen Ausmaße des Hurrikans. Auf einen Radius von 350 Kilometern hat der Wind- und Wolkenwirbel es gebracht. Von der Landzunge, auf der der US-Bundesstaat Florida liegt, ist fast nichts zu erkennen. (Quelle: imago images)

Die Atmosphäre ist ein chaotisches System und die Wechselwirkungen zwischen Meer und Atmosphäre sind vielschichtig. Es gab schon immer Jahre mit vielen, heftigen Hurrikans und dann wieder ruhigere Hurrikansaisons. Es wird viel dazu geforscht, aber die Wissenschaftler sind sich recht einig, dass man derzeit noch nicht unterscheiden kann, ob es natürliche Schwankungen sind oder vom Menschen gemacht durch den Ausstoß der Treibhausgase und der damit verbundenen Erwärmung – beides sei möglich.

Erst durch die täglichen Satellitenbilder seit 1966 kann man wirklich sinnvolle Statistiken der Stürme machen, das ist bezogen auf eine globale Klimaentwicklung eine sehr kurze Zeit. Man kann also noch keinen Trend statistisch belegen.
 

 
Klar ist, Hurrikan "Dorian" war ein außergewöhnlicher Sturm mit heftigen Folgen, aber auf den Bahamas und an der Ostküste Amerikas. Bei uns ist er ein ganz gewöhnliches Tiefdruckgebiet, das nicht wirklich aufregendes Wetter bringt. Freuen wir uns also auf ein meist schönes, warmes Spätsommerwochenende.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen

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