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Massaker an Grundschule in Texas erschĂŒttert die USA

Von dpa
Aktualisiert am 25.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Mahnwache nach dem Massaker: Nicht nur im texanischen Uvalde herrschen nach der Bluttat Trauer und Entsetzen - in den ganzen USA sollen bis Samstag die Flaggen auf Halbmast wehen.
Mahnwache nach dem Massaker: Nicht nur im texanischen Uvalde herrschen nach der Bluttat Trauer und Entsetzen - in den ganzen USA sollen bis Samstag die Flaggen auf Halbmast wehen. (Quelle: Billy Calzada/The San Antonio Express-News/AP/dpa./dpa)
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Washington (dpa) - Nach dem schlimmsten Schulmassaker in den USA seit fast zehn Jahren hat US-PrÀsident Joe Biden Konsequenzen aus den wiederkehrenden AmoklÀufen mit Schusswaffen gefordert.

"Als Nation mĂŒssen wir uns fragen, wann in Gottes Namen wir der Waffenlobby die Stirn bieten werden", sagte Biden am Dienstagabend im Weißen Haus. "Wir mĂŒssen handeln." Ein SchĂŒtze hatte zuvor in einer Grundschule im Bundesstaat Texas 19 Kinder und zwei Lehrer getötet, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Zu dem Massaker in der Robb Elementary School in der Gemeinde Uvalde kam es laut Polizei in dem Klassenraum, in dem sich der 18-JĂ€hrige verschanzt hatte. Offiziellen Angaben zufolge wurden 17 Menschen verletzt, darunter drei Polizisten.

Die Tat von Uvalde - eine von ihrer hispanischen Gemeinde geprĂ€gten Kleinstadt mit rund 16.000 Einwohnern - ist eines der Schulmassaker in der US-Geschichte mit den meisten Opfern. Nur beim Shooting an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown im Bundesstaat Connecticut im Dezember 2012 starben mehr Menschen. Viele HintergrĂŒnde der Tat waren am Mittwoch noch unklar - zum Beispiel die Frage, warum die Robb Elementary School zum Ziel wurde. Der Chef der Behörde fĂŒr Öffentliche Sicherheit in Texas, Steven McCraw, sagte am Mittwoch, ein Motiv des TĂ€ters sei weiterhin nicht bekannt. Nach Angaben der Behörden kĂŒndigte er seine Tat kurz zuvor auf Facebook an.

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Gouverneur schildert die schrecklichen Details

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sagte bei einer Pressekonferenz in Uvalde, der AmoklĂ€ufer habe zunĂ€chst seiner Großmutter ins Gesicht geschossen, bei der er gelebt habe. Die 66-JĂ€hrige, die ĂŒberlebte, habe daraufhin die Polizei gerufen. Der TĂ€ter sei in einem Fahrzeug davongefahren und habe nahe der Grundschule einen Unfall gebaut. Er sei dann vor der Polizei in die Schule und dort in einen Klassenraum geflohen. US-Medienberichten zufolge handelte es sich um den Raum einer vierten Klasse. Abbott sagte, ein Grenzschutzbeamter habe den TĂ€ter schließlich erschossen.

Das Massaker zwei Tage vor dem Beginn der Sommerferien an der Grundschule sorgte in den Vereinigten Staaten und weit darĂŒber hinaus fĂŒr Entsetzen. AmoklĂ€ufe, auch an Schulen, kommen in den USA mit trauriger RegelmĂ€ĂŸigkeit vor. PlĂ€ne von Bidens Demokraten, die Waffengesetze zu verschĂ€rfen, scheitern regelmĂ€ĂŸig am Widerstand der mĂ€chtigen Waffenlobby-Organisation NRA und der Republikaner. Biden schrieb am Mittwoch auf Twitter: "Wir wissen, dass vernĂŒnftige Waffengesetze nicht jede Tragödie verhindern können und werden. Aber wir wissen, dass sie funktionieren und eine positive Wirkung haben."

Der Republikaner Abbott sagte mit Blick auf den TĂ€ter: "Das ist das schiere Gesicht des Bösen selbst." Der 18-JĂ€hrige habe zunĂ€chst auf Facebook geschrieben, dass er seine Großmutter erschießen werde. In einem zweiten Beitrag habe er verkĂŒndet, dass er auf seine Großmutter geschossen habe. Etwa eine Viertelstunde vor Ankunft an der Schule habe er geschrieben, dass er in einer Grundschule um sich schießen werde. Abbott sagte, ĂŒber Vorstrafen des AmoklĂ€ufers sei nichts bekannt. Dasselbe gelte fĂŒr psychische Erkrankungen.

Abbott fĂŒhrte diese und Ă€hnliche Taten trotzdem nicht auf den leichten Zugang zu Waffen, sondern auf eine Zunahme von psychischen Erkrankungen zurĂŒck. Er argumentierte, dass 18-JĂ€hrige in Texas seit 60 Jahren Gewehre kaufen könnten, es aber nie zu einem Schulmassaker diesen Ausmaßes gekommen sei. Zudem hĂ€tten von Demokraten regierte StĂ€dte oder Bundesstaaten wie Chicago oder Kalifornien strengere Waffengesetze als in Texas, wĂŒrden aber dennoch mehr Opfer durch Schusswaffen verzeichnen.

WĂ€hrend der Pressekonferenz kam es zu einem politischen Eklat: Der Demokrat Beto O'Rourke unterbrach den Auftritt und kritisierte Abbott fĂŒr seine Haltung zu den Waffengesetzen im Land. O'Rourke, der im November bei der nĂ€chsten Gouverneurswahl in Texas als Herausforderer antreten will, warf dem Republikaner vor, nichts gegen die grassierende Waffengewalt in den USA zu unternehmen. "Sie tun nichts", kritisierte O'Rourke. Abbott reagierte auf die VorwĂŒrfe nicht, wĂ€hrend andere Offizielle O'Rourke zur Ordnung riefen und teils beschimpften. O'Rourke verließ nach der verbalen Auseinandersetzung den Raum.

Flammt die Debatte um das Waffenrecht wieder auf?

McCraw von der Behörde fĂŒr Öffentliche Sicherheit sagte, der TĂ€ter habe am 17. MĂ€rz ein Sturmgewehr gekauft, am Tag darauf dann 375 Schuss Munition. Am 20. MĂ€rz habe er ein zweites Sturmgewehr erworben. US-PrĂ€sident Biden hatte am Dienstagabend gesagt, die Vorstellung, dass ein 18-JĂ€hriger in ein WaffengeschĂ€ft gehen und zwei Sturmgewehre kaufen könne, sei einfach falsch.

Die Waffenlobby-Organisation National Rifle Association (NRA) plant an diesem Freitag ihre Jahresversammlung in Texas. Bei dem Treffen in Houston soll nach frĂŒheren Angaben der NRA Bidens republikanischer VorgĂ€nger Donald Trump sprechen. Trump ist ein strikter Gegner einer VerschĂ€rfung der Waffengesetze.

Biden ordnete an, bis Samstag die Flaggen auf allen öffentlichen GebĂ€uden in den USA auf halbmast zu setzen. Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Barack Obama sprach den betroffenen Familien auf Twitter sein Beileid aus und kritisierte die Republikaner sowie die Waffenlobby. Beide hĂ€tten "keine Bereitschaft gezeigt, in irgendeiner Weise zu handeln, um diese Tragödien zu verhindern".

Vor knapp zehn Jahren hatte das Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule in Connecticut besondere ErschĂŒtterung in den USA ausgelöst: Im Dezember 2012 hatte ein 20-JĂ€hriger dort um sich geschossen, 20 Schulkinder und sechs Lehrer wurden getötet. Und erst vor gut einer Woche hatte ein SchĂŒtze mit einem Sturmgewehr in Buffalo im US-Bundesstaat New York in einem Supermarkt das Feuer eröffnet und zehn Menschen erschossen. Den Ermittlern zufolge war die Tat rassistisch motiviert - elf der 13 Opfer waren schwarz.

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