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Eugen Weidmann: Als ein Deutscher als letzter öffentlich unter Frankreichs Guillottine starb

Letzte öffentliche Hinrichtung  

Deutscher starb unter Frankreichs Guillottine

17.06.2019, 22:50 Uhr | AFP

Eugen Weidmann: Als ein Deutscher als letzter öffentlich unter Frankreichs Guillottine starb. Exekutionsplatz in Versailles: Schon am Morgen des 17. Juni hatten sich Hunderte versammelt, um später dem grausamen Schauspiel beizuwohnen. (Quelle: picture alliance/Mary Evans Picture Library)

Exekutionsplatz in Versailles: Schon am Morgen des 17. Juni hatten sich Hunderte versammelt, um später dem grausamen Schauspiel beizuwohnen. (Quelle: picture alliance/Mary Evans Picture Library)

Vor 80 Jahren wurde der deutsche Serienmörder Eugen Weidmann in Versailles hingerichtet. Prozess und Exekution waren ein Spektakel. Frankreichs damaligem Präsidenten ging die Sensationsgier zu weit.

Ein dumpfes Geräusch, dann strömte das Blut: Vor 80 Jahren, am 17. Juni 1939, wurde der deutsche Serienmörder Eugen Weidmann in Versailles vor zahlreichen Schaulustigen mit der Guillotine hingerichtet. Der gebürtige Frankfurter war der Letzte, der in Frankreich öffentlich enthauptet wurde. Der "Mörder mit den Samtaugen" faszinierte am Vorabend des Zweiten Weltkriegs die Nation. Das unwürdige Spektakel seiner Hinrichtung sorgte dafür, dass die Guillotine für die kommenden Jahrzehnte hinter Gefängnismauern verschwand.

"Das Erscheinen Weidmanns sorgt für Furore: Er ist groß, schlank und leichenblass", schreibt an jenem Juni-Morgen 1939 ein Reporter der Abendzeitung "Paris-Soir". Zahlreiche Neugierige und Journalisten drängen sich vor dem Gefängnis Saint-Pierre in Versailles westlich von Paris, vor dessen Toren das Fallbeil errichtet ist. Aus der Menge sind Pfiffe und Rufe zu hören.

An einem Zufall liegt es, dass die Hinrichtung des 31-jährigen Deutschen mit Pressefotos und einem Film so gut dokumentiert ist wie kaum eine andere. Um Massenaufläufe zu vermeiden, wird die Todesstrafe üblicherweise vor dem Morgengrauen vollstreckt. Doch diesmal dauern die Vorbereitungen länger als geplant, und so ist es bereits hell, als Weidmann zum Schafott geführt wird, im weißen Hemd mit abgeschnittenem Kragen.

"Ich traf einen Gentleman"

Während Deutschland fest im Griff der Nazis ist, erliegt die französische Öffentlichkeit dem Charme des Mörders, der fast akzentfrei die Sprache Molières beherrscht: "Ich glaubte, ein Monster zu verteidigen – ich traf einen Gentleman", zitieren Zeitungen einen seiner Anwälte.

Auf dem Weg zur Hinrichtung: Eugen Weidmann wurde wegen sechsfachen Mordes zum Tode verurteilt. (Quelle: imago images/United Archives International)Auf dem Weg zur Hinrichtung: Eugen Weidmann wurde wegen sechsfachen Mordes zum Tode verurteilt. (Quelle: United Archives International/imago images)

Der Prozess gegen den Deutschen und drei seiner Komplizen ab März 1939 wird zum Spektakel. Filmaufnahmen aus dem Gerichtssaal zeigen, wie Weidmann mit sanfter Stimme auf die Fragen des Richters antwortet. Im Gefängnis erreichen ihn Liebesbriefe weiblicher Fans, die in Frankreich "Weidminettes" genannt werden, noch im Gerichtssaal soll er Autogrammkarten unterzeichnet haben.

Weidmanns Verbrechen geraten dadurch fast in den Hintergrund: Sechs Raubmorde weist ihm das Gericht nach, darunter den an einer Tänzerin aus den USA sowie einem Kunstagenten. Aus Deutschland hatte der junge Mann aus Frankfurt am Main bereits ein langes Vorstrafenregister. Tod durch Guillotine, lautet das Urteil des Gerichts.

Taschentücher in Weidmanns Blut getaucht

In der Menge, die am 17. Juni 1939 auf Weidmanns Hinrichtung wartet, ist auch der 17-jährige Brite Christopher Lee, der später die Rolle des Dracula in der berühmten Verfilmung von 1958 spielen wird. Ein mit seiner Familie befreundeter Journalist hat ihn mit zu der Köpfung genommen.

In seiner Autobiografie beschrieb Lee später "das laute Gejohle und die durchdringenden Schreie" der Menge, als Weidmann von den Gefängniswärtern herausgeführt wird. Nach der Exekution seien die Menschen "zu der Leiche gedrängt", schreibt er. "Einige tauchten Taschentücher und Schals in das Blut auf dem Pflaster, um ein Souvenir zu erhaschen."

Rachsüchtige Frauen hätten gerufen: "Er hat gemordet, jetzt hat er dafür bezahlt!", erzählen auch andere Zeitzeugen. Die Bilder und Berichte von dem unwürdigen Spektakel rufen Präsident Albert Lebrun auf den Plan. Er zeigt sich schockiert und verbietet "die öffentliche Vollstreckung der Kapitalstrafe", die zur Abschreckung dienen sollte.
 

 
Hinter dicken Gefängnismauern tut die Guillotine aus der Zeit der Französischen Revolution dann noch fast 40 Jahre lang ihren Dienst: Erst 1977 wird letztmals ein Mensch in Frankreich per Fallbeil hingerichtet, 1981 schafft das Land die Todesstrafe dann endgültig ab.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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