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Hochwasser Bayern 2013: Pegelstände übersteigen alle Dimensionen

Hochwasser in Bayern "übersteigt alle Dimensionen"

07.06.2013, 08:59 Uhr | rtr, t-online.de, dpa

Hochwasser Bayern 2013: Pegelstände übersteigen alle Dimensionen. Im bayerischen Landkreis Deggendorf stehen große Flächen unter Wasser - und es könnte trotz gleichbleibender Pegel noch schlimmer kommen (Quelle: dpa)

Im bayerischen Landkreis Deggendorf stehen große Flächen unter Wasser - und es könnte trotz gleichbleibender Pegel noch schlimmer kommen (Quelle: dpa)

Die Hochwasserlage in Bayern schien sich aufgrund sinkender Pegelstände schon zu entspannen. Nun mussten aber bereits mehr als 4000 Menschen in der Krisenregion um Deggendorf und Straubing ihre Häuser verlassen. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) machte sich vom Hubschrauber aus ein Bild von der Lage und kam zu dem Schluss: "Es ist unbeschreiblich schlimm. Das übersteigt alle Dimensionen." Im Gebiet Deggendorf steht eine Fläche so groß wie der Tegernsee unter Wasser.

Überhaupt machen nur Vergleiche das Ausmaß des Katastrophenszenarios deutlich. Sollte im nah gelegenen Osterhofen doch noch der einstweilen gesicherte 2,5 Kilometer lange Damm brechen, wären 2500 Menschen und eine Fläche von mehr als 100 Fußballfeldern von Überflutung bedroht.

"Wir erwarten, dass er nicht bricht", sagte Thomas Linddörfer von der Wasserwacht im Landkreis Deggendorf, wo die Donau mit acht Metern ihren höchsten je gemessenen Pegel erreicht hat. Die Bevölkerung werde dennoch auf eine mögliche Evakuierung vorbereitet. Bei fast gleichbleibenden Pegelständen sei der Kollaps des Deiches immer noch nicht ausgeschlossen.

Helfer stirbt in Sachsen-Anhalt

Unermüdliche Helfer sind überall im Einsatz. In Sachsen-Anhalt kam es dabei zu einem tragischen Vorfall. Beim Sandsack-Füllen ist in Barby im Salzlandkreis ein freiwilliger Helfer gestorben, wie der Katastrophenschutzstab mitteilte. Ein Notarzt habe ihm nicht mehr helfen können. Bereits am Mittwoch sei eine Frau in Aderstedt kollabiert und gestorben, als sie vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht werden sollte.

Weiterhin höchste Alarmstufe

In Deggendorf gilt wie auch in Passau weiter die höchste Meldestufe vier, Regensburg hat den Katastrophenalarm aufgehoben. So auch in Straubing einige Kilometer flussaufwärts. Dort sank das Wasser bis von knapp acht auf 7,19 Meter. Der Wasserstand an den Messstellen bis nach Passau stagnierte. Der Pegel in der Dreiflüssestadt ist zwar drei Meter unter seinem Höchststand, seit 40 Stunden aber herrscht Stillstand.

Der Verkehr im Freistaat ist weiter stark beeinträchtigt. Die Autobahnen 3 und 92 bleiben bei Deggendorf gesperrt. Die Bahn sperrte die Strecke zwischen Übersee und Traunstein bis Montag. Hunderte Einsatzkräfte versuchen, die aufgeweichten Dämme zu schützen.

Norden muss sich auf nächste Woche einstellen

Niedersachsen erwartet die höchsten Pegelstände zwar erst in der nächsten Woche. Aber schon jetzt wurde in den Landkreisen Lüchow-Dannenberg und Lüneburg vorsorglich Katastrophenalarm ausgerufen. Tag und Nacht patrollieren Deichwachen. Tausende Helfer sind rund um die Uhr im Einsatz, füllen Millionen Sandsäcke und verstärken Deiche.

Vor allem die Dauer des Hochwassers bereitet den Experten vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Sorgen.

Vorsichtige Entwarnung

Zunächst hieß es, die Behörden rechneten aufgrund der Elbe-Flut mit einem Rekordhochwasser. Nun gaben der NLWKN vorsichtige Entwarnung: Prognosen für die höchsten Pegelstände wurden am Donnerstag erneut um rund einen halben Meter nach unten korrigiert, wie die Behörden mitteilten.

Für die besonders bedrohte Kleinstadt Hitzacker werden nun für Dienstag und Mittwoch Höchststände von 7,65 Metern vorhergesagt. Das wäre knapp weniger als die bisherige Höchstmarke von 7,70 Meter und 1,15 Meter weniger als noch vor zwei Tagen prognostiziert wurde.

Außerdem könnte der Scheitelpunkt der Elbe in Niedersachsen eventuell schon Mitte der Woche überschritten sein, sagte ein NLWKN-Sprecher. Zuvor war vom übernächsten Wochenende die Rede gewesen und der Norddeutsche Rundfunk hatten von Evakuierungen in Hitzacker gesprochen, die für diesen Samstag geplant seien.

Grund zur Entspannung gibt es nicht: Einsatzkräfte waren rund um die Uhr damit beschäftigt, die Elbdeiche vor den kommenden Wassermassen zu sichern. "Man füllt Sandsäcke Tag und Nacht", sagte ein Polizeisprecher.

"Szenario, das wir noch niemals gehabt haben"

In Schleswig-Holstein wird das Rekordhochwasser der Elbe voraussichtlich Mitte nächster Woche ankommen, dennoch wird In Lauenburg erstmals die von der Elbeflut bedrohte Unterstadt evakuiert. Bewohner in Ufernähe müssen am Freitag ihre Häuser verlassen. Das Umweltministerium in Schleswig-Holstein befürchtet laut ARD "noch nie dagewesene Wasserstände".

Auch die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern stellen sich auf das Hochwasser ein. Der Kreis Ludwigslust-Parchim löste nach Angaben von Umweltminister Backhaus Katastrophenalarm aus. "Die Prognosen deuten auf ein Szenario hin, das wir wirklich noch niemals gehabt haben", betonte der Minister. Er gehe davon aus, dass Anfang kommender Woche mit der vollen Wucht der Flut zu rechnen sei.

Die Bundeswehr unterstützt die Vorbereitungen auf das Hochwasser der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern derzeit schon mit 400 Soldaten. Weitere 350 werden noch abkommandiert werden, wie das Landeskommando in Schwerin mitteilte.

Bisher füllten Soldaten rund 40.000 Sandsäcke und schafften diese an die zu verstärkenden Deichabschnitte bei Dömitz. Insgesamt würden rund zwei Millionen Sandsäcke zur Verstärkung und Erhöhung der Deiche um etwa 30 Zentimeter gebraucht.

Tausende von Evakuierung bedroht

In Sachsen-Anhalt halten die Wassermassen besonders den Raum Bitterfeld und die Stadt Halle im Griff. "Wir hoffen, dass die Deiche halten", sagte eine Sprecherin des Krisenstabs in Magdeburg. Die Landeshauptstadt selbst rüstet sich für den zum Wochenende erwarteten Hochwasserscheitel. Die Vorhersagen sind für die Experten aber schwierig. In mehreren Straßen wurden Sandsack-Dämme errichtet.

In Bitterfeld droht der angrenzende Goitzschesee über die Ufer zu treten und die Stadt zu überfluten. Zwei Sprengungen eines Dammes haben keine Entlastung gebracht, eine dritte lehnte Sachsen auf seinem Gebiet ab. Das Gebiet solle am Donnerstag noch einmal überflogen werden, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden, hieß es aus dem Krisenstab. Die Gefahr sei aber weiter akut.

Weil Dammbrüche an der Saale drohen, werden in Halle Evakuierungen vorbereitet, von denen im schlimmsten Fall 30.000 Einwohner betroffen sein könnten. Nach Angaben der Landesregierung von Sachsen-Anhalt droht weiterhin ein Damm mitten im Stadtgebiet nachzugeben. Sollte die Barriere brechen, würde der Stadtteil Halle-Neustadt überschwemmt werden.

Die Anspannung hielt an, obwohl der Pegelstand etwas zurückging. Teile der Altstadt stehen bereits unter Wasser, Häuser sind geräumt, darunter nach Angaben der Stadt zwölf Altenheime. Insgesamt mussten in Sachsen-Anhalt bislang 2500 Menschen ihre Häuser wegen des Hochwassers verlassen.

Hochwasser in Brandenburg wird anhalten

In Brandenburg zittert besonders der 4000-Einwohner-Ort Mühlberg im Elbe-Elster-Kreis. Ein Pflegeheim in der Altstadt wurde bereits am Mittwoch evakuiert, die Behörden forderten rund 2100 Anwohner auf, freiwillig ihre Wohnungen zu verlassen.

Auch der Landkreis Prignitz bereitet sich auf den Ernstfall vor. "Wir wissen dort nicht, wie hoch das Wasser stehen wird", sagte ein Sprecher des Krisenstabs in Potsdam. Das Wasser werde in Brandenburg nicht rasch zurückgehen und daher noch etwa zehn Tage lang auf die Deiche drücken.

Dresden zwischen Hoffen und Bangen

Unterdessen hat der Scheitel des Elbhochwassers Sachsens Hauptstadt Dresden erreicht. Dort wurden 8,76 Meter gemessen. Normal sind knapp zwei Meter. Die gute Nachricht: Bisher wurde der Pegelstand der Jahrhundertflut von 2002 nicht übertroffen. Damals wurden 9,40 Meter erreicht und Sachsens weltberühmte Kunsttempel wie Semperoper, Sempergalerie, Zwinger und Schloss geflutet.

Diesmal blieben sie zur allgemeinen Erleichterung verschont. Ein mobiler Damm sowie 20 Entlastungsbrunnen bewahren Oper, Zwinger und Schloss zudem vor dem mit dem anschwellenden Fluss aufsteigenden Kanal- und Grundwasser.

Lange Hochwasserphase erwartet

Da das Wasser allgemein sehr langsam steigt, rechnen die Experten nicht mit einem Scheitelpunkt, sondern mit einer Scheitelwelle. Die Dresdner Bürger müssten sich daher auf eine langanhaltende Hochwasserphase einstellen, teilte die Stadtverwaltung mit.

In der Sächsischen Schweiz sind viele Touristenorte überflutet, darunter Pirna, Meißen und Riesa. Die Behörden rechnen damit, dass die Elbe noch einige Tage gewaltige Wassermassen aus Tschechien mit sich bringen wird.

Neue Regenfälle drohen

Wetter (Quelle: Meteomedia)Niederschlagssummenkarte bis Dienstag des europäischen ECMWF-Modells (Quelle: Meteomedia) Auch die Wetteraussichten machen Sorgen. Am Sonntag und Montag kann es in der Südhälfte erneut starke Regenfälle geben. Lokal könnten bis zum Montag noch einmal 30 bis 50 Liter Wasser pro Quadratmeter dazu kommen, sagt Fabian Ruhnau vom Wetterdienst Meteomedia.

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