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"Der Oberkellner" könnte schon bald freikommen

  • Jonas Mueller-Töwe
Von Jonas Mueller-Töwe

Aktualisiert am 05.06.2020Lesedauer: 3 Min.
Das "Ocean Resort" in Praia da Luz: Hier verschwand Maddie McCann aus dem Apartment 5A. Die Ermittler verdächtigen einen Deutschen des Mordes.
Das "Ocean Resort" in Praia da Luz: Hier verschwand Maddie McCann aus dem Apartment 5A. Die Ermittler verdächtigen einen Deutschen des Mordes. (Quelle: Steve Parsons/dpa-bilder)
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Der Verdächtige im Fall Madeleine McCann kämpft um seine Freilassung. Möglicherweise könnte er schon bald das Gefängnis verlassen. Trotz erheblicher Vorstrafen.

Die überraschend öffentlich gemachten Mordermittlungen gegen einen deutschen Verdächtigen im Fall der vermissten Madeleine McCann stehen möglicherweise unter besonderem Zeitdruck. Der Verdächtige könnte aus der JVA Kiel freikommen, sollte er in juristischen Kämpfen vor Bundesgerichtshof und Europäischem Gerichtshof Recht erhalten. Das geht aus zwei Beschlüssen des BGH vom 21. April hervor.


Demnach muss höchstrichterlich geklärt werden, ob der Verdächtige aufgrund eines Verbrechens in Deutschland hätte angeklagt und verurteilt werden dürfen, obwohl er wegen eines anderen aus Portugal ausgeliefert wurde. Die Lage gestaltet sich aufgrund der Vielzahl der Verurteilungen des Mannes unübersichtlich.

Zahlreiche Verurteilungen belegt

Derzeit verbüßt der Mann noch eine Haftstrafe in Kiel, weil er mit größeren Mengen Marihuana gehandelt hat. Anschließend müsste er dann wohl eine siebenjährige Haftstrafe wegen einer schweren Vergewaltigung antreten – derzeit liegt die Revision dazu allerdings noch beim Bundesgerichtshof, der auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs im Eilverfahren wartet.

Bereits am Sonntag hat der 43-Jährige allerdings zwei Drittel seiner Drogenhaftstrafe verbüßt. Dann muss richterlich geprüft werden, ob der Rest zur Bewährung ausgesetzt wird und der Mann frei kommt - oder ob beispielsweise Untersuchungshaft, das noch nicht rechtskräftige Urteil oder die Ermittlungen gegen ihn im Fall McCann dem entgegenstehen. Dann wird mutmaßlich auch sein Strafregister zur Sprache kommen.

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Mehrere Sexualstraftaten an Kindern

Denn der 43-jährige Deutsche hat eine lange Geschichte wiederkehrender Konflikte mit dem Gesetz. Darunter sind schwerste Verbrechen wie Kindesmissbrauch und eine Vergewaltigung in Praia da Luz, dem Ort von Maddies Verschwinden, aber auch sehr viele kleinere Delikte wie Diebstahl, Urkundenfälschung und Widerstand. Gerichtsunterlagen, die t-online.de vorliegen, listen die Verurteilungen des Mannes detailliert auf.

  • 1993: Diebstähle und Fahren ohne Fahrerlaubnis
  • 1995: Mehrere Sexualstraftaten an Kindern
  • 2005: Führen eine Fahrzeugs ohne Haftpflichtversicherung und eines verbotenen Gegenstands
  • 2006: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte
  • 2006: Schwerer Diebstahl
  • 2010: Urkundenfälschung
  • 2011: Handeltreiben mit Betäubungsmitteln
  • 2013: Gemeinschaftlicher Diebstahl
  • 2015: Vergehen gegen das Waffengesetz
  • 2015: Versuchter Diebstahl
  • 2016: Urkundenfälschung und vorsätzliche Trunkenheit im Verkehr
  • 2017: Körperverletzung
  • 2017: Sexueller Missbrauch eines Kindes und Kinderpornographie
  • 2019: Schwere Vergewaltigung und räuberische Erpressung (noch nicht rechtskräftig)


Inwiefern sich der Tatverdacht gegen den Mann im Fall McCann bereits erhärtet hat, ist noch unklar. Aus den Gerichtsunterlagen geht allerdings hervor, dass sich der Mann im Tatzeitraum seit Jahren in der portugiesischen Küstenregion aufhielt, wo Maddie McCann am 3. Mai 2007 aus dem "Ocean Club" verschwand. Sogar am Tatabend soll er nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts in direkter Nähe gewesen sein. Demnach haben die Ermittler dem Mann ein Mobiltelefon zuordnen können, mit dem er eine Stunde vor Maddies Verschwinden in der Umgebung mit einem Unbekannten telefonierte.

Darüber hinaus scheint der Modus Operandi des verurteilten Sexualstraftäters zum vermuteten Tatablauf zu passen: Er war ortskundig, hielt sich jahrelang in der Region mit Gelegenheitsjobs und Kleinkriminalität über Wasser und stieg laut Zeugen in Hotelzimmern und Ferienwohnungen ein, um Touristen zu bestehlen. Zudem arbeitete er wohl auch immer wieder in Hotels – einer der Zeugen in einem früheren Strafverfahren hatte ihm deswegen einen Spitznamen gegeben: "der Oberkellner". Schließlich sei er stets elegant gekleidet gewesen.

Oben im Video erfahren Sie die wesentlichsten Informationen zum mysteriösen Verschwinden Maddies, oder Sie klicken hier.

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