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Gefoltert, vergewaltigt und getötet - das Leid der syrischen Kinder

Gefoltert, vergewaltigt und getötet - das Leid der syrischen Kinder

12.06.2012, 14:45 Uhr | dpa, AFP

Gefoltert, vergewaltigt und getötet - das Leid der syrischen Kinder . Die Gewalt des Assad-Regimes macht auch vor Kindern keinen Halt (Quelle: AFP)

Die Gewalt des Assad-Regimes macht auch vor Kindern keinen Halt (Quelle: AFP)

In Syrien werden immer mehr Kinder Opfer von unbeschreiblicher Gewalt: Assads Truppen und verbündete Milizen würden schon Neunjährige verhaften und verstümmeln, sagte die UN-Sondergesandte für Kinder in bewaffneten Konflikten, Radhika Coomaraswamy. Sie sei mit "schrecklichen" Schilderungen über gefolterte und massakrierten Kinder aus Syrien zurückgekehrt. Weit über 1000 Kinder haben bereits ihr Leben verloren - und das Morden geht wohl weiter: Regierungstruppen marschieren um die Stadt Al-Haffa auf. Die Angst vor einem neuen Massaker geht um.

Erstmals haben die Vereinten Nationen Syrien auf eine Liste mit Staaten gesetzt, in denen Kinder in bewaffneten Konflikten getötet, sexuell angegriffen und rekrutiert werden. Ebenfalls neu auf der "Liste der Schande" sind Jemen und der Sudan, teilte Coomaraswamy in New York mit.

Sie habe "selten solche Brutalität gesehen", wie sie die syrische Armee Kindern im Alter von nicht einmal zehn Jahren antue, sagte sie vor der Veröffentlichung ihres Berichts.

Kinder als menschliche Schutzschilde

Sie wirft der syrischen Führung ebenfalls vor, bei ihrem Vorgehen gegen oppositionelle Kämpfer Kinder als "menschliche Schutzschilde" zu missbrauchen.

So setzte das Militär diese vorne in Busse, mit denen Soldaten zu Einsätzen gebracht würden. Andere Kinder berichteten, sie hätten sich auf Panzer setzen müssen, damit diese nicht von Aufständischen angegriffen würden.

Coomaraswamy habe es noch nie zuvor erlebt, dass Kinder in einem Konflikten als Ziel dienten. "Wir haben Kinder gesehen, die gefoltert wurden und die noch die Spuren der Folter tragen", sagte sie. "Wir sind wirklich geschockt."

UN: Verstümmelte Kleinkinder

Viele ehemalige Soldaten hätten von Schüssen auf Wohngebiete berichtet. Sie hätten Kinder und Kleinkinder gesehen, die getötet und verstümmelt worden sein.

Zugleich erhob sie Vorwürfe gegen Assads Gegner, die ebenfalls Kinder in Gefahr bringen. "Zum ersten Mal hörten wir auch, dass Kinder von der Freien Syrischen Armee rekrutiert werden, vor allem für medizinische und Hilfsarbeiten, aber immer noch an der Front", sagte Coomaraswamy.

Unterdessen spitze sich die Lage offenbar in der von der Armee umzingelten Stadt Al-Haffa dramatisch zu. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte, angesichts von Berichten über einen massiven Aufmarsch von Regierungstruppen müssten Beobachter ungehinderten Zugang zu der Stadt erhalten.

Stadt ist von Panzern umzingelt

Rebellenpositionen in der 30.000-Einwohner-Stadt nahe der türkischen Grenze stehen unter Beschuss von Hubschraubern der Regierungstruppen, berichten Anwohner. Zudem sei die Stadt von Panzern umzingelt.

Der Syrien-Sondergesandte von UNO und Arabischer Liga, Kofi Annan, zeigte sich "tief besorgt" über die "gefährliche Zunahme bewaffneter Gewalt" in ganz Syrien in den vergangenen Tagen.

Durch "intensive Militäreinsätze" der Regierungstruppen in der Rebellenhochburg Homs und den Beschuss aus Helikoptern in anderen Städten habe es viele zivile Opfer gegeben.

Über 100 Tote an einem Tag

Nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden allein am Montag landesweit mindestens 106 Menschen getötet, darunter 77 Zivilisten. Die meisten Todesopfer habe es in der zentralen Provinz Homs, den Städten Al-Haffa und Latakia sowie in Deir as-Saur im Osten des Landes gegeben.

Allerdings beobachte man auch koordinierte Angriffe der Rebellen auf Regierungstruppen und zivile Einrichtungen, so Ban. Die bewaffnete Opposition in Syrien setzt inzwischen verstärkt auf eine militärische Lösung des Konflikts. Auch mehren sich die Hinweise darauf, dass die Bewaffnung der Assad-Gegner jetzt deutlich besser ist als noch vor etwa zwei Monaten.

"Politik des Terrors" gegen eigenes Volk

Der oppositionelle Syrische Nationalrat warf der Regierung von Präsident Baschar al-Assad vor, ihre "Politik des Terrors gegen das syrische Volk zu steigern", während die internationale Gemeinschaft von "Schwäche und Zögern" geprägt sei.

Der Rat forderte den UN-Sicherheitsrat und insbesondere die beiden Vetomächte Russland und China auf, "ihrer Verantwortung nachzukommen und auf die Verbrechen gegen Zivilisten in Syrien zu reagieren". China und Russland verhinderten bereits zwei UN-Resolutionen zu Syrien.

Annans Friedensplan vor dem Scheiten

Ein ranghoher arabischer Beamter, der anonym bleiben wollte, forderte Annan auf, zu entscheiden, ob dessen Sechs-Punkte-Plan noch umsetzbar sei, wenn das Mandat der UN-Beobachter im kommenden Monat ausläuft.

Annans Friedensplan könne nicht auf unbestimmte Zeit angelegt sein. Die Nachbarstaaten Syriens beobachteten das Blutvergießen mit zunehmender Sorge und bemühten sich angesichts einer wachsenden Flüchtlingskrise und der Befürchtung eines Übergreifens der Gewalt über die Grenzen um eine Lösung, sagte der Beamte.

Monatelanges Blutvergießen

Der syrische Staatschef Assad lässt seit Mitte März einen gewaltsamen Aufstand gegen seine Führung blutig niederschlagen. Dabei wurden nach Angaben von Menschenrechtsgruppen bisher mehr als 14.100 Menschen getötet.

Allein bei einem Massaker am 25. Mai starben in der zentralsyrischen Stadt Hula laut UNO bei Massenhinrichtungen mehr als hundert Menschen, darunter 49 Kinder. Auch bei einem Massaker in dem Dorf Al-Kubeir in der Provinz Hama am vergangenen Mittwoch sollen viele Kinder unter den mindestens 55 Toten gewesen sein.

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