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ISW: Putin könnte Strategie ändern und auf Zermürbung setzen


Theorie des Sieges
Ändert Putin jetzt seine Strategie?

Von t-online, wan

Aktualisiert am 09.06.2024Lesedauer: 3 Min.
imago images 0302191979Vergrößern des BildesWladimir Putin mit russischen Soldaten (Archivbild): Offenbar setzt er jetzt auf die Zermürbung der Ukraine – und nachlassende Hilfe aus dem Westen. (Quelle: IMAGO/Maksim Blinov/Kremlin Pool/imago)
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Russland könnte seine Strategie ändern und nicht mehr auf einen schnellen Gewinn des Ukraine-Kriegs setzen. Das schätzen US-Experten nach einer Putin-Rede ein.

Die russischen Truppen haben bislang nicht die Stadt Charkiw einnehmen können, und auch an anderen Teilen der Front sind die Geländegewinne eher gering. In manchen Bereichen schlagen die ukrainischen Streitkräfte auch zurück. Von einer groß angelegten russischen Sommeroffensive kann derzeit keine Rede sein – doch genau das könnte die neue Strategie Putins sein.

Auf dem St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum ließ sich Putin nach Angaben des amerikanischen Instituts für Kriegsstudien (ISW) auch zum Krieg gegen die Ukraine aus. Und seinen Worten, so die Analysten, konnte man eine "Theorie des Sieges" entnehmen. Demnach rechne der Kremlherrscher nicht mit einem schnellen Erfolg, sondern wolle die Ukraine zermürben. Ziel sei, mit andauernden Angriffen die ukrainischen Soldaten zu ermüden und gleichzeitig zu verhindern, dass Kiew zurückschlagen kann. Außerdem hoffe er, so das ISW, dass der Westen ebenfalls müde wird und seine Unterstützung verringert oder gar einstellt.

Keine weiteren Massen-Rekrutierungen geplant

"Putin räumte ein, dass das derzeitige russische Militärkontingent für den Krieg in der Ukraine für einen schnellen Sieg nicht ausreichen würde, deutete aber an, dass die russischen Streitkräfte stattdessen einen schrittweisen Ansatz verfolgen", schreibt das ISW. Das werde auch dadurch unterstützt, dass Putin wohl derzeit nicht vorhat, weitere Rekrutierungen durchzuführen.

Stattdessen setze die russische Militärführung darauf, den Druck auf ukrainische Streitkräfte an mehreren Stellen ständig zu erhöhen, um sie zum Verlassen zu bringen. Putin sprach dabei nach Angaben des Instituts von "Gebieten, die unter russischer Kontrolle" sein sollten. Das könnte ein Indiz sein, dass er von seinem ursprünglichen Vorhaben einer Eroberung der gesamten Ukraine abgerückt ist, und sich auf die Grenzregionen beschränken will. Details, wo er die Grenzen ziehen wolle, nannte er nicht.

Hoffnung, dass westliche Hilfe nachlässt

Nach Einschätzung des ISW gehe Putin davon aus, dass die Ukraine nicht in der Lage sei, signifikante Geländegewinne zu erreichen oder besetztes Gebiet zurückzuerobern. Gleichzeitig könne das russische Militär nach Ansicht Putins weitere kleinere Offensiven erfolgreich durchführen.

Putins Siegestheorie beruht nach Ansicht der US-Analysten auf der Hoffnung Russlands, die westliche Hilfe für die Ukraine aussitzen zu können – bis sie weniger wird oder gar ganz nachlässt. Außerdem gehe man in Moskau wohl davon aus, dass Kiew nicht in der Lage ist, seine wirtschaftlichen Kräfte ausreichend zu mobilisieren.

Während im Westen noch immer versucht wird, auf dem Weltmarkt Material wie Munition für die Ukraine zu kaufen, weil die eigenen Reserven schwinden und die Produktion nicht nachkommt, hat Russland auf Kriegswirtschaft umgestellt. Putin hat vor wenigen Tagen nach Angaben von Vizeregierungschef Denis Manturow eine ganze Liste von Anweisungen für die Entwicklung des Rüstungssektors unterschrieben, um noch mehr Waffen und Munition zu produzieren. Bei einer Veranstaltung in St. Petersburg, in der es um Rüstungsfragen ging, betonten Teilnehmer, dass Russland schneller und zu einem Viertel der Kosten des Westens Waffen und Munition produziere.

Unterstützung des Westens wichtig

Nach Ansicht des ISW könne die russische Strategie nur aufgehen, wenn es in der Lage sei, an allen Teilen der Front die Initiative zu behalten. Doch weitere westliche Hilfe – auch die bald einsatzbereiten F-16-Kampfjets – und mögliche Rekrutierungen könnten der Ukraine genügend Spielraum geben, um dem entgegenzutreten, so die Analysten. "Putins Siegestheorie beruht auf der Annahme, dass der Westen die Ukraine einem russischen Sieg überlassen wird", so das ISW.

Truppenstärke spielt dabei eine besondere Rolle. Auch wenn offizielle Zahlen nicht genannt werden, hat Russland in den Grabenkämpfen nach Experteneinschätzung deutlich höhere Verluste als die Ukraine. Putin scheint dennoch davon auszugehen, genügend Soldaten zu haben. In Kiew wird derweil weiter versucht, mehr Rekruten zu gewinnen, um die Verluste auszugleichen. Während der Westen derzeit weiter gewillt ist, Material zu schicken, stehen Einsätze von Soldaten an der Front nicht zur Debatte.

Verwendete Quellen
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