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Jens Lehmann am Starnberger See: Was macht er im Fußball-Feindesland?


Lehmann am Starnberger See: Was macht er im Fußball-Feindesland?

Von Christof Paulus

Aktualisiert am 28.07.2022Lesedauer: 3 Min.
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Jens Lehmann verfolgt ein Fußballspiel in der Allianz Arena (Archivbild): Für Bayern-Fans ist er ein Feindbild, dennoch wohnt er in der Nähe von München und macht dort Schlagzeilen mit einem Nachbarschaftsstreit.
Jens Lehmann verfolgt ein Fußballspiel in der Allianz Arena (Archivbild): Für Bayern-Fans ist er ein Feindbild, dennoch wohnt er in der Nähe von München und macht dort Schlagzeilen mit einem Nachbarschaftsstreit. (Quelle: Action Pictures/imago-bilder)
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Jens Lehmann soll einem Nachbarn die Garage zersägt haben. Die Geschichte verwundert gleich doppelt: Oliver Kahns Rivale wohnt ausgerechnet in Bayern?

Man hatte es schon lange ahnen können, aber im September 2008 machten die Bayern-Fans ganz klar, was sie von Jens Lehmann halten. Damals beendete Oliver Kahn seine Karriere als Fußballer, mit einem Freundschaftsspiel in der Allianz Arena zwischen dem FC Bayern und der Nationalmannschaft. Jens Lehmann stand damals nicht auf dem Platz, ausgepfiffen wurde er trotzdem – und das war noch das Harmloseste, was die Bayern-Fans auf einen Video-Gruß an Oliver Kahn erwiderten.

Und deshalb wundert es fast, dass Jens Lehmann jetzt genau dort wohnt, wo die meisten Fußballfans in der Umgebung nicht viel von ihm halten dürften. Wo der frühere Torhüter von Borussia Dortmund und dem FC Arsenal zu Hause ist, ist gerade in vielen Schlagzeilen zu lesen: Am Starnberger See soll er seinem Nachbarn die Garage zersägt haben, weil diese ihm den Blick auf den See verstellt habe.

Jens Lehmanns Streit am Starnberger See: Warum wohnt er dort?

Lehmann hat hier sein Zuhause gefunden, am Ostufer des Starnberger Sees, rund eine halbe Stunde südlich von München und damit mitten im fußballerischen Feindesland, das bestätigen die Nachbarn. Er ist jetzt umgeben von Bayern-Fans, die Lehmann zu aktiven Zeiten nur Schlechtes gewünscht haben. Doch woher kam diese tiefe Feindschaft?

Die Erklärung ist so einfach wie einleuchtend: Immer wieder sägte Lehmann am Stuhl der Münchner Vereinslegende Kahn, wollte ihn über Jahre als Nummer 1 der Nationalmannschaft ablösen. Meist blieb er damit erfolglos, fuhr von 1998 bis 2004 ohne Einsatz als Ersatztorwart zu Welt- und Europameisterschaften. Bis Jürgen Klinsmann Nationaltrainer wurde – der bei den Bayern inzwischen ähnlich unbeliebt sein dürfte wie Lehmann.

Der erklärte gleich zu Beginn der Amtszeit, einen offenen Wettkampf zwischen Kahn und Lehmann starten zu wollen. Zwei Jahre lang wechselten sich die beiden im Tor ab, bis einige Wochen vor der WM 2006 im eigenen Land Klinsmann plötzlich Lehmann als Nummer 1 benannte. Und weil Klinsmann und Lehmann schon vorher als Kumpel bekannt waren und die Verkündung just in eine kurze Schwächephase von Kahn fiel, blieb bei den Bayern-Fans der Eindruck hängen: Das war von Anfang an ein abgekartetes Spiel – Klinsmann und seine Clique hatten sich gegen Kahn regelrecht verschworen.

Fans des FC Bayern München mögen Jens Lehmann nicht

Der Bayern-Fan Ferdinand Bohlig wohnt jetzt in München, lebte früher aber auch am Starnberger See. Dass Lehmann jetzt dort wohnt, stört ihn aber nicht. "Hier ist es eben am schönsten, und wer es sich leisten kann, der will hier wohnen", sagt er, argwöhnische Bayern-Fans hin oder her. "Ich habe den See ja ohnehin nicht für mich gepachtet", scherzt er mit Blick auf Lehmann: "Und er kann super Fußball in der Nähe schauen!" – solange er beim FC Bayern denn erwünscht ist. Zumal man Promis hier gewohnt sei und sie in Ruhe lasse, egal ob man sie möge oder nicht, berichtet Bohlig.

Bayern-Fan Ferdinand bei einer Diskussion mit Bayern-Fans (Archivild): Er kennt den Starnberger See gut, wo jetzt Jens Lehmann wohnt.
Bayern-Fan Ferdinand bei einer Diskussion mit Bayern-Fans (Archivild): Er kennt den Starnberger See gut, wo jetzt Jens Lehmann wohnt. (Quelle: Christof Paulus)

Deshalb könne er sich vorstellen, dass Lehmann es sich am Seeufer gut gehen lassen könne – sieht man von den Geschichten über seinen angeblichen Ausraster einmal ab. Womöglich habe auch das Engagement beim FC Augsburg vor drei Jahren eine Rolle gespielt. Im schwäbischen Teil Bayerns war Lehmann 2019 drei Monate lang als Co-Trainer angestellt, Sportchef dort ist übrigens sein langjähriger Dortmunder Teamkollege Stefan Reuter.

Wie seine Amtszeit dort endete auch sein Engagement im Aufsichtsrat bei Hertha BSC 2021 nach kurzer und unrühmlicher Zeit. Vor dem Kettensägen-Vorfall vom Starnberger See produzierte Lehmann viele weitere Aufreger in den vergangenen Jahren – etwa eine rassistische Whatsapp-Nachricht über Ex-Fußballprofi Dennis Aogo. Womit wir wieder bei Oliver Kahn wären.

Viele Skandale um Jens Lehmann in den vergangenen Jahren

Denn der war während seiner aktiven Karriere als ungestümer Wilder auf dem Platz regelrecht gefürchtet, auch bei seinen Mitspielern. Gegenspieler Thomas Brdaric gestand einmal, er habe nach einer Begegnung mit Kahn Todesangst gehabt. Lehmann galt dagegen als reflektierter, ruhiger, wenngleich nicht weniger ehrgeizig. Über ein Jahrzehnt später hat sich das Bild völlig gedreht.

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Während Lehmann seine Rolle 14 Jahre nach der Profizeit immer noch nicht gefunden hat, ist Kahn inzwischen Vorstandschef beim FC Bayern. Zuvor arbeitete er als Experte für das ZDF, erhielt stets gute Kritiken für seine Fernseharbeit, überzeugte mit Rhetorik und Expertise. Dass Kahn schon immer abseits des Platzes einen Sinn für Literatur und Philosophie hatte, wurde während seiner Profi-Laufbahn verkannt.

Noch während der WM hatte er sich mit Lehmann versöhnt, während seines Abschiedsspiels versuchte er die gegen Lehmann pöbelnden Fans zu besänftigen. Das Duell in Stilfragen hat Kahn gegen Lehmann inzwischen haushoch gewonnen. Immerhin das dürfte die Bayern-Fans besänftigen.

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Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Ferdinand Bohlig
  • Rheinische Post: "Riesen-Ärger um Jens Lehmann"
  • Eigene Beobachtungen
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  • Robert Hiersemann
  • Florian Wichert
Von Robert Hiersemann, Florian Wichert
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