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Effenberg über FC Bayern: Wie soll das mit Niko Kovac in Zukunft funktionieren?


MEINUNGAufruhr bei Bayern  

Wie soll das mit Kovac in Zukunft funktionieren?

Eine Kolumne von Stefan Effenberg

14.05.2019, 17:51 Uhr
Stefan Effenberg stellt sich hinter Niko Kovac (Quelle: Imago)
Stefan Effenberg stellt sich hinter Niko Kovac

Franz Beckenbauer kritisierte die Spielweise der Bayern unter Niko Kovac. Für t-online.de-Kolumnist Stefan Effenberg unverständlich. Er erklärt, warum er von Kovac begeistert ist.

Stefan Effenberg: Schon im Doppelpass stellte sich der t-online.de-Kolumnist hinter Niko Kovac und kritisierte den Umgang mit dem Bayern-Trainer. (Quelle: Sport1)


Was der FC Bayern im Umgang mit seinem Trainer falsch macht und ob das Auswirkungen auf den Showdown im Kampf um die Meisterschaft hat.

Der letzte Spieltag steht an und die Meisterschaft ist noch nicht entschieden – das ist nicht nur für jeden Fußballfan ein großes Geschenk. Diese Saison ist für die ganze Bundesliga ein Erfolg. Sie hat den Verfolgern von Bayern Mut gemacht. Sie haben gesehen: Wenn wir aufrüsten und Konstanz reinbekommen, dann können wir mithalten. Das betrifft natürlich insbesondere Dortmund und Leipzig.

Der Bayern-Umbruch darf nicht zu groß werden

Ich bin mir sicher, dass es in den kommenden Jahren so spannend bleibt wie in dieser Saison. Der FC Bayern investiert zwar einen dreistelligen Millionenbetrag in die Mannschaft. Er muss aber auch erstmal die Abgänge von Franck Ribéry, Arjen Robben, Rafinha, Jérôme Boateng und vielleicht auch Mats Hummels verkraften. Nicht nur sportlich, sondern vor allem menschlich. Das ist nicht einfach.

Zumal es weitere Fragezeichen gibt bei den Bayern. Wie schnell helfen Benjamin Pavard und Lucas Hernandez weiter? Was passiert im Tor, wenn Manuel Neuer immer häufiger auch über einen längeren Zeitraum verletzt ist? Da geht die Tendenz leider hin. Auch wenn Sven Ulreich ihn in der Regel gut vertritt, ist es sicherlich sinnvoll, noch mal einen erstklassigen Torwart zu verpflichten. Zumindest im kommenden Jahr, damit der Umbruch in diesem nicht zu groß wird. Das wäre nämlich auch nicht gut für einen Verein wie Bayern München.

Bayern können das Fass gar nicht mehr schließen

Die wichtigste Frage, die ich mir beim FC Bayern stelle, ist aber eine andere: Wie soll das mit Niko Kovac als Trainer in Zukunft funktionieren, nachdem sich die Verantwortlichen immer noch nicht zu einem Bekenntnis haben durchringen können? Wie soll ein Trainer, der nicht das volle Vertrauen bekommt, einen Umbruch mitgestalten? Das ist doch unmöglich. Die Bayern haben ein Fass aufgemacht, das sie gar nicht mehr schließen können. Die Diskussion kann jederzeit wieder aufflammen, selbst wenn sie das Double holen.

Für mich ist es ein Rätsel, wie Hasan Salihamidzic als Sportdirektor im "Sportstudio" der Saison im Fall der Meisterschaft die Note 2+ geben kann. Wenn der FC Bayern das Double holt, ist es immer eine 1. Und wenn er in einer Saison die Champions League gewinnt, ist es eine 1 mit vielen Sternchen. Ganz einfach.

Das Aus gegen Liverpool muss man relativieren

Man muss doch auch mal die Voraussetzungen sehen, unter denen Niko Kovac in dieser Saison gearbeitet hat. Er musste den Umbruch vorantreiben, Serge Gnabry und Kingsley Coman als Nachfolger von Robben und Ribéry aufbauen, während die noch da waren. Dann waren Coman und Robben aber jeweils eine halbe Saison verletzt. Corentin Tolisso hat sogar die ganze Saison verletzungsbedingt verpasst. Und mit Sandro Wagner hat Bayern den einzigen Backup für Lewandowski im Winter verkauft.

Da will ich mal einen anderen Trainer sehen, der unter diesen Bedingungen neun Punkte in der Bundesliga aufholt und die Mannschaft ins Pokalfinale führt. Und auch das Gejammer rund um das Aus in der Champions League müssen wir relativieren. Bayern ist gegen Liverpool rausgeflogen, hat dabei aber in Liverpool im Hinspiel kein Gegentor bekommen. Der FC Barcelona dagegen hat an der Anfield Road im Halbfinale vier Stück kassiert – und Liverpool steht nun im Finale. So schlecht war das also gar nicht, was die Bayern da insgesamt abgeliefert haben.

Warum Kovac nicht hinwerfen wird

Dementsprechend habe ich für die Kritik und die ausbleibenden Bekenntnisse für Niko Kovac kein Verständnis. Wenn sie Vierter wären, um die Champions-League-Quali kämpfen würden und im Pokal raus wären, könnte ich vielleicht nachvollziehen, dass es Diskussionen gibt. So aber nicht.

Kovac wird sich sagen: Das ist mein Job und ich mache den gewissenhaft weiter. Er war schon als Spieler ein Kämpfer. Das ist er auch als Trainer. Deshalb wird er auch nicht von sich aus hinwerfen. Auch wenn es für ihn eine krasse Situation ist: Das mussten auch schon einige andere Trainer erleiden – Felix Magath oder Louis van Gaal. Ein Problem entsteht immer, wenn Spieler die Chance bekommen, sich bei der Vereinsführung auszuheulen. Und das war in der Vergangenheit schon häufiger der Fall.

Ein Bayern-Trainer sollte die Sprache beherrschen

Für mich ist klar: Der Verein sollte sich endlich zu einhundert Prozent zu Kovac bekennen. Vielleicht kriegen das die Verantwortlichen ja auch mal hin innerhalb der nächsten 14 Tage. "Wir stehen ohne Wenn und Aber zu Niko Kovac und gehen mit ihm in die neue Saison." Das kann doch nicht so schwer sein. Es ist traurig, dass sie das bisher nicht geschafft haben.

Zumal ich auch nicht wüsste, wen sie statt Kovac als Trainer holen wollen würden. Der Trainer des FC Bayern sollte die deutsche Sprache schon perfekt sprechen oder zumindest gut beherrschen, um Emotionen transportieren zu können. Bei Ancelotti war das ein Problem. Und auch bei Tottenhams Pochettino würde das schwierig werden.

Die Bayern wissen, was jetzt zu tun ist

Mir persönlich wäre wichtig, dass die Aussagen von Rummenigge nicht nur für den Trainer gelten, sondern auch für die Vereinsspitze: Dass es keine Jobgarantie für niemanden gibt und jeder am Erfolg gemessen wird. Die Verantwortlichen sind immer in einer komfortablen Situation. Sie können den Daumen heben oder senken und die Schuld auf den Trainer scheiben. Sie sollten sich aber nicht zu sicher sein. Das kann bei der nächsten Jahreshauptversammlung auch mal wie ein Bumerang zurückkommen.

Was bedeuten die Diskussionen um Kovac nun für das Meisterrennen und den Showdown am Samstag?

Ich behaupte: nichts. Für Bayern hat sich die Situation nicht groß verändert. Sie müssen aufpassen, aber ich gehe schwer davon aus, dass sie sich im Heimspiel gegen Frankfurt durchsetzen werden. Sie wissen, was sie zu tun haben. Nach 2000 können sie zum ersten Mal wieder die Meisterschaft im eigenen Stadion in München feiern. Allein das ist ein riesiger Ansporn.

Mein Tipp: Bayern und Gladbach gewinnen

Da spielt es auch keine Rolle, dass Frankfurt den Bayern im vergangenen Jahr den DFB-Pokal weggeschnappt hat. Das sind jetzt komplett andere Voraussetzungen. Frankfurt ist gerade im harten Kampf im Europa-League-Halbfinale gegen Chelsea ausgeschieden – und leidet unter den Nachwirkungen. Die Kraft schwindet, das haben wir beim 0:2 gegen Mainz gesehen. Dieses Spiel am letzten Spieltag in München ist zwar ein Highlight, bei dem sie Geschichte schreiben können und aus dem sie ihre ganze Kraft ziehen werden. Ich glaube aber trotzdem nicht, dass das am Ende reicht.

Und noch ein Punkt spricht für Bayern: Die Spieler von Borussia Mönchengladbach können Trainer Dieter Hecking mit der Qualifikation für die Champions League ein ganz großes Geschenk machen zum Abschied. Dafür müssen sie nur Dortmund schlagen. Mein Tipp lautet deshalb: Bayern und Gladbach werden gewinnen.

Beim BVB waren wahnsinnig unnötige Punktverluste dabei

Die Dortmunder können im Vorfeld natürlich trotzdem noch in der Vergangenheit kramen und Beispiele finden, wo sich am letzten Spieltag alles gedreht hat. Gerade letzte Woche hat die Champions League bewiesen, dass wirklich alles möglich ist im Fußball. Sie müssen keine große Strecke mehr hinter sich bringen, sondern nur noch ein einziges Spiel erfolgreich gestalten.

Die Dortmunder wissen: Wenn sie nicht Meister werden, haben sie den Titel nicht am letzten Spieltag verloren. Man kann nicht jedes Spiel gewinnen, aber da waren wahnsinnig unnötige Punktverluste dabei. Ich erinnere mich an ein 0:0 in Nürnberg und in Hannover, oder ein 1:2 in Augsburg. Ich persönlich habe mich als Spieler immer tierisch geärgert, wenn ich am Ende der Saison über die Punkte nachgedacht habe, die man hat liegengelassen. Ich kann mir vorstellen, dass das bei Dortmund am Samstag um 17.30 Uhr ähnlich sein wird.


Am Ende ist man leider selbst schuld, wenn man solche Spiele nicht noch gewinnt und neun Punkte verspielt. Was nicht heißt, dass das nicht eine große Leistung war, den Kampf um die Meisterschaft bis zum letzten Spieltag offen zu halten nach sechs überlegenen Bayern-Titeln in den letzten sechs Jahren. Man muss dem BVB ein großes Kompliment machen. Egal, wie es am Samstag ausgeht.

Hannes Wolf und eine krasse Aussage

Zum Schluss möchte ich als gebürtiger Hamburger noch ein paar Sätze zum HSV verlieren – einfach, weil es ein Desaster ist, was dort passiert. Der HSV hat den Aufstieg in die Bundesliga nicht am vergangenen Wochenende verschenkt, sondern in der ganzen Rückrunde. Das 1:4 in Paderborn war nur das i-Tüpfelchen. Ich mag Trainer Hannes Wolf. Wir haben gemeinsam den Fußballlehrer gemacht. Aber eine Aussage von ihm ist mir im Kopf geblieben. Er hat vor dem Spiel in Paderborn gesagt, der HSV hätte nichts mehr zu verlieren. Es ging um Jobs auf der Geschäftsstelle, um Sponsoren, TV-Gelder, die Zukunft von Spielern, dem Trainer selbst und vieles mehr. Er hatte alles zu verlieren – und das hat er dann auch eindrucksvoll. Diese Aussage war krass und ein klares Zeichen nach dem Motto "Sollte es nicht mehr klappen, versuchen wir es eben nächstes Jahr."

Wir reden immer noch vom HSV und nicht von Regensburg oder Kiel. Du kannst so nicht einfach weitermachen wie bisher. Zumal es jetzt mit jedem Jahr schwieriger wird, wieder in die erste Liga aufzusteigen.

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