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Neuer Kurs beim FC Bayern? Was jetzt in München passieren muss

Neuer Kurs in München?  

Was beim FC Bayern jetzt passieren muss

18.04.2021, 10:31 Uhr
Flick will Bayern München verlassen: "Gründe bleiben intern"

Hansi Flick wird den deutschen Rekordmeister Bayern München im Sommer verlassen und könnte Nachfolger des scheidenden Bundestrainers Joachim Löw werden. Flicks Abschiedsankündigung überstrahlte das 3:2 der Bayern beim VfL Wolfsburg, durch das der Titel wieder ein Stück näher kam. (Quelle: SID)

"Flurfunk ging schon rum": Hier äußert sich Flick zu seinem Wunsch, Bayern München zu verlassen. (Quelle: SID)


Hansi Flick hat die Bayern um eine Vertragsauflösung gebeten. Das angespannte Verhältnis zu Hasan Salihamidzic ist kein Einzelfall. Sie ist das Symptom einer Denkweise in München, die auch in Zukunft für Probleme sorgen könnte.

Bayerns Hansi Flick hat am Samstag verkündet, dass er die Münchner um eine Vertragsauflösung gebeten hat. Eine Aussage, die für Wirbel im Kosmos des Rekordmeisters sorgt. Doch neben der Personalie Flick ist auch die sportliche Situation ein Thema.

Dem FC Bayern bleibt im Idealfall "nur" die Meisterschale am Saisonende. Das ist seit vergangenem Dienstagabend klar. Auf das Pokalaus im Januar folgte das vorzeitige Ende in der Champions League. Ein enttäuschendes Resultat für den Verein, der 2020 gleich sechs Titel feiern durfte. 2021 läuft hingegen durchwachsen. Verletzte Topstars, verpasste Pokalerfolge, verkrachte Führungspersonen – die Lage beim deutschen Rekordmeister war schon einmal besser.

Und ruhiger wird es in München auch nicht werden in den kommenden Wochen. Denn es stehen einige Entscheidungen an. Im Zentrum: Trainer Hansi Flick, der bereits seinen Wunsch zum Gehen geäußert hat, und Sportvorstand Hasan Salihamidzic.

Ein Blick nach England

Trainer und Sportvorstand sind eigentlich zwei Personen, die mit einer Stimme sprechen sollten. Denn für den langfristigen Erfolg braucht es Einheit in der Kaderplanung. Normalerweise entscheiden Coach und Manager gemeinsam über Spielerkäufe. Das letzte Wort, auch aus finanzieller Sicht, hat dabei aber der Manager. Doch Alleingänge sollte es bei Transfers nicht geben.

Deshalb stellen Premier-League-Vereine auch immer "Teammanager" an. In diesem Fall ist der Trainer verantwortlich für die Kaderzusammenstellung. Er weiß schließlich am besten, was für Spieler er braucht, um erfolgreicher zu werden. So zumindest ist die Denkweise auf der Insel.

Daher ist es auch in Deutschland üblich, dass Trainer und Sportdirektor gemeinsam über Spieler entscheiden. Enge Zusammenarbeit wie zwischen Bruno Hübner/Fredi Bobic und Adi Hütter in Frankfurt oder Jochen Saier und Christian Streich in Freiburg basieren auf Vertrauen und einer gemeinsamen Kaderplanung – und führen meist zu Erfolg.

Jochen Saier (l.) und Christian Streich arbeiten in Freiburg eng zusammen. (Quelle: imago images/Beautiful Sports)Jochen Saier (l.) und Christian Streich arbeiten in Freiburg eng zusammen. (Quelle: Beautiful Sports/imago images)

"Man will bei der Kaderplanung eingebunden werden"

Doch in München ist die Linie unter Salihamidzic eine andere. Das bestätigte auch Niko Kovac (AS Monaco), der von Sommer 2018 bis Herbst 2019 Bayern-Trainer unter "Brazzo" war, der "Sport Bild": "Wir wissen alle, wie es in München abläuft: Dort ist es genau das Gegenteil. Die Situation, welche ich in Monaco vorfinde, ist die gleiche wie damals in Frankfurt – und genau das möchte man als Trainer. Man will bei der Kaderplanung mitgenommen und eingebunden werden."

Damalige Wunschspieler für seinen Spielstil, wie Kevin Vogt, Kevin Volland oder Ante Rebic bekam Kovac in München nicht. Auch Vorgänger Jupp Heynckes war nicht in jede Kaderentscheidung involviert. Als Heynckes Ende 2017 mit einer vorzeitigen Rückkehr von Renato Sanches (damals an Swansea City verliehen) konfrontiert wurde, sagte er: "Es ist überhaupt nicht darüber gesprochen worden, ihn wieder zurückzuholen." Salihamidzic widersprach ihm wenige Tage später und schloss eine Rückholaktion trotz der "nicht optimalen Entwicklung" nicht aus.

Heynckes, Kovac und nun Flick

Was Heynckes in einem und Kovac in mehreren Beispielen erlebte, bekam auch Flick zu spüren. Im Sommer bekam er mehrere Wunschspieler nicht, dafür aber Akteure, die er gar nicht wollte oder brauchte. Und mit Alexander Nübel auch einen Neuzugang, der von Salihamidzic angeblich Einsätze versprochen bekam, die mit Flick nicht abgesprochen waren.

Alexander Nübel kam in dieser Saison auf lediglich drei Pflichtspieleinsätze. (Quelle: imago images/Sven Simon)Alexander Nübel kam in dieser Saison auf lediglich drei Pflichtspieleinsätze. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Dazu kamen die Abgänge von Thiago (im Sommer 2020) und der bevorstehende von Jérôme Boateng, die Flick gerne verhindert hätte. Immer wieder sprach er sich für beide aus, die sportlichen Leistungen passten auch. Doch Salihamidzic entschied sich dafür, die Spieler abzugeben.

Die Folge: Flick und er gerieten verbal aneinander, die negative Stimmung kochte hoch. Und nun scheint es so, als würde Flick den Verein im Sommer Richtung DFB verlassen.

Ein Umdenken ist nötig

Der FC Bayern muss sich nun die Frage stellen, wie er die Kaderplanung in Zukunft handhaben will. Wenn die Verantwortung weiter komplett in der Hand von Salihamidzic bleibt und dieser die Wünsche der Trainer nur ab und zu erfüllt, wird es auch zukünftig Spannungen geben.

Selbst dann, wenn Julian Nagelsmann als Trainer nach München wechseln sollte, wie Lothar Matthäus es vermutet. Denn jeder Coach hat einen besonderen Spielstil und bestimmte Prinzipien, nach denen er Spieler auswählt. Damit das aber zu Erfolg führt, ist voller Rückhalt und volles Vertrauen vonnöten, sodass auch die gewünschten Spieler kommen. Das scheint in München aktuell aber nicht gegeben zu sein.

Drei Szenarien

Die Bosse, in erster Linie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, sein Nachfolger Oliver Kahn und Präsident Herbert Hainer müssen ein klares Anforderungsprofil aufstellen, was beim Verein der Trainer und was der Sportdirektor/Sportvorstand macht. Und da gibt es drei Szenarien:

Szenario 1: Der Sportvorstand, aktuell Hasan Salihamidzic, entscheidet allein über die Transfers. Zukünftige Trainerkandidaten werden sich genau überlegen, ob sie unter diesen Umständen den Bayern zusagen.

Szenario 2: Der Trainer bekommt die Oberhand, erstellt eine Liste von Spielern, die er sich wünscht, und bekommt, je nach finanzieller Lage, möglichst viele Wünsche erfüllt. Das würde Salihamidzic wohl nicht gefallen, weil es ihn in seiner jetzigen Arbeit beschneiden würde.

Szenario 3: Trainer und Sportvorstand entscheiden gemeinsam, klären die Transfers bei Unstimmigkeiten mit einer dritten Person, beispielsweise Rummenigge oder zukünftig Kahn ab. Auch das würde Salihamidzic teilweise entmachten und würde eine klare Aussprache von allen Beteiligten vonnöten machen.

Für welchen Weg sich die Klub-Bosse am Ende auch entscheiden, sie müssen zum Wohle ihres Vereins einen Entschluss fassen, um dadurch auch zukünftig das Konfliktpotenzial zu mindern.

Zur Information: Dieser Artikel erschien erstmals am 14. April 2021. Nun wurde dieser Bericht aktualisiert.

Verwendete Quellen:

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