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Meinung zur WM 2018: Egal, wer Weltmeister wird: Hauptsache Deutschland

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MEINUNGVorbei die Saison, vor uns die WM  

Egal, wer Weltmeister wird: Hauptsache Deutschland

14.05.2018, 09:14 Uhr | Gerhard Spörl, t-online.de

Meinung zur WM 2018: Egal, wer Weltmeister wird: Hauptsache Deutschland. Das DFB-Team nach dem Gewinn der WM 2014 in Rio: Dass ein Team den Titel vier Jahre später verteidigt hat, ist lange her. (Quelle: imago/Action Pictures)

Das DFB-Team nach dem Gewinn der WM 2014 in Rio: Dass ein Team den Titel vier Jahre später verteidigt hat, ist lange her. (Quelle: Action Pictures/imago)

Seit 56 Jahren konnte keine Nationalmannschaft mehr ihren Titel verteidigen. Ein schlechtes Omen für ein seit 2014 nur mäßig verändertes Team. Und was wird mit Neuer, Hummels und Boateng? 

Die Saison ist vorbei, Gott sei Dank. Mein FC Bayern Hof tummelt sich im Mittelfeld der Bayernliga, und das ist gut so. Mein Borussia Dortmund hat sich auf den vierten Platz gerettet, und das ist nicht gut so. Für die erstaunliche Instabilität über die Saison hinweg gibt es mehrere Gründe, aber der wichtigste Grund ist der Rauswurf eines erfolgreichen Trainers vor der neuen Saison. Was Thomas Tuchel zustande gebracht hatte, hielt über die ersten Monate unter Peter Bosz an. Von da an ging es bergab, dann mal wieder bergauf und schnell wieder bergab.

National hat der BVB den Anschluss verloren an – nein, nicht die Bayern –, sondern an den FC Schalke 04, den größten aller denkbaren Rivalen, die Skandalnudel, die cool und strategisch von einem jungen Trainer eingestellt wird, der mit der Vizemeisterschaft den Verein beruhigt hat. International war diese Saison ein BVB-Desaster, für das die beiden Unentschieden gegen Nikosia in der Gruppenphase der Champions League in trauriger Erinnerung bleiben. Und Dortmund, bisher ein Muster an Beständigkeit und Kompensationskunst, sorgte mit dem Theater um Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang für die Höhepunkte an Trostlosigkeit. 

Jetzt schnell noch das Pokalendspiel am Samstag in Berlin. Aus Gewohnheit gehe ich ins Olympiastadion und lehne mich entspannt zurück, weil mir egal ist, wer gewinnt, wenn es nur ein irgendwie interessantes Spiel ist. Am Samstag darauf das Champions-League-Endspiel Real Madrid gegen den FC Liverpool, wobei ich noch nicht weiß, für wen ich sein will: Real ist für mich der wunderbare Toni Kroos und der wunderbare Marcelo. Liverpool wird von Jürgen Klopp so aufgeputscht wie früher der BVB. Irgendwie Déjà-vu, aber auch nicht zu verachten.

Die Verletztenserie macht mir Sorgen

Und nun die Gretchenfrage: Wer wird am 15. Juli 2018 Weltmeister? Eigentlich steht der Teilnahme am Endspiel nichts entgegen, da doch Italien, an dem Deutschland zuverlässig scheitert, nicht dabei ist. Aber, aber, aber: diese Verletztenserie. Jérôme Boateng und Mats Hummels sind das beste Innenverteidigerpaar der Welt, wenn sie gesund sind. Wenn. Sind sie aber nicht, jedenfalls nicht dauerhaft, denn einer humpelt immer und momentan humpeln beide. Niklas Süle traue ich viel zu, aber einer von beiden, Hummels oder Boateng, muss schon dabei sein, um mich zu beruhigen.

Ein strahlender Thomas Müller (M.) mit dem WM-Pokal 2014: Das deutsche Team plagen jedoch Verletzungssorgen. (Quelle: imago/Ulmer)Ein strahlender Thomas Müller (M.) mit dem WM-Pokal 2014: Das deutsche Team plagen jedoch Verletzungssorgen. (Quelle: Ulmer/imago)

Manuel Neuer ist in guter Verfassung der beste Torhüter der Welt, keine Frage, weil er sich wie ein Handballtorwart groß machen kann und lange stehen bleibt. Ist er nicht fit, spielt Marc-André ter Stegen, der auch Weltklasse ist, aber nicht so beruhigend auf mich wirkt.

Nichts ist schwerer, als den Titel vier Jahre später erfolgreich zu verteidigen. Italien hat es geschafft: 1934 und 1938, verdammt lang her. Brasilien: 1958 und 1962 in der Pelé-Ära. Argentinien (1990) und Brasilien (1998) schafften es als Titelverteidiger ins Finale, das sie dann jedoch verloren. Seit 1962 also, immerhin 56 Jahre lang, ist es keiner Nationalelf gelungen, zweimal hintereinander die Weltmeisterschaft zu gewinnen.

Viele aus der Mannschaft von Rio 2014 sind bei der WM 2018 noch dabei, vielleicht sogar zu viele. Thomas Müller ist mal so, mal so. Sami Khedira ist enorm erfahren und weniger schnell. Kroos: absolut wunderbar, mein Lieblingsspieler. Mesut Özil: mal genial, mal neben sich. Und so weiter, und so fort. Die neuen Jungs sind Joshua Kimmich, Timo Werner und Leroy Sané. Julian Draxler? Spielt gut mit oder geht brav mit unter. 

Auf Jogis Händchen wird es ankommen

Na ja, sei's drum. Ohnehin hängt alles am Händchen von Jogi Löw: wie viel er will, wie viel er sich zutraut, wie er die Mannschaft komponiert und einstellt und was er sich einfallen lässt, wenn es nicht läuft oder der Gegner zu gut auf die Deutschen eingestellt ist und Systemumstellung nötig wird. Traue ich ihm viel zu? Ja. An seiner Willenskraft dürfte es nicht scheitern. An der Willenskraft der Spieler womöglich schon.

Meine erste WM erlebte ich 1958 als Achtjähriger. Die Mannschaftsaufstellung kann ich heute noch singen. Ich sehe ganz genau vor mir, wie Erich Juskowiak im Halbfinale von dem Schweden Kurt Hamrin so lange mit kleinen Gemeinheiten traktiert wird, bis er wie gewünscht die Nerven verliert und vom Platz fliegt. Als dann auch noch Fritz Walter sanktionslos schwer gefoult wird, verlieren wir 3:1. Wir! Nie wieder habe ich mich so vollkommen eins mit meiner Mannschaft, mit meinem Land gefühlt wie damals. Wir haben die Schweden kollektiv gehasst, was sich in meinem Fall erst legte, als Jahre später zum ersten Mal schwedische Austauschschülerinnen nach Hof kamen.

Der Stil und die Haltung einer Mannschaft, ihr Selbstbewusstsein und ihre innere Stärke, hängen immer auf vertrackte Weise mit dem großen Ganzen zusammen, mit der Kraft und dem Selbstvertrauen des Landes. 1954 ist Deutschland selbst im Siegestaumel demütig gewesen: Der Krieg noch nicht lange her. 1958 ging es auf das Wirtschaftswunder zu, während sich allerdings eine Berlin-Krise an die nächste reihte und Krieg mitten in Deutschland jederzeit denkbar war. Zum Gefühl, Opfer der bipolaren Welt zu sein, passte das Gefühl prächtig, Opfer eines Heimschiedsrichters zu sein.

Diesen Teams traue ich den Titel zu

Oder 1974: Deutschland ist ein Vorbild an Stabilität, Wirtschaftserfolg und Dynamik und auch wenn Holland die bessere Mannschaft hat, gewinnt Deutschland, weil sein Siegeswille tiefer gründet. Dann 1990: Die Wiedervereinigung ist gelungen, die Weltmeisterschaft die natürliche Folge in einem Land, dem alles gelingt, selbst mit Rumpelfußball. Schließlich 2014: Aus der Finanzkrise gehen wir gestärkt hervor und schlagen die instabilen Länder reihenweise, weil wir unbedingt auch noch Weltmeister werden wollen. 

Wenden wir uns dem Wesentlichen zu: Welchen Mannschaften traue ich den Titel zu? Frankreich, natürlich: War 1998 Weltmeister und schied vier Jahre später in der Vorrunde aus. Das machen wir aber bitte nicht nach. England nennen Experten immer wieder als Geheimfavoriten – keine Ahnung, warum. Brasilien: Hat einiges wieder gut zu machen. Zur Einstimmung auf den Juni/Juli empfehle ich die Kurzfassung des Spiels auf YouTube: 7:1! Immer wieder, immer noch unfassbar! Spanien ist in jedem Turnier zu beachten, hat den Umbruch hinter sich, den Deutschland nach der WM, so oder so, vor sich hat. Belgien hat feine Einzelspieler, die zur Abwechslung mal im entscheidenden Moment nicht versagen sollten.

Als ich meine erste WM erlebte, hieß der deutsche Trainer Sepp Herberger. Er formulierte die wirklich besten Sätze über den Fußball aus dem Geist der Lakonik. Er sagte: Die Leute schauen sich Spiele an, weil sie nicht wissen, wie sie ausgehen. Oder auch: Der Ball (auch der Flatterball) ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten. Das wollen wir nicht vergessen: Egal, wer Weltmeister wird: Hauptsache Deutschland. 

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