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Eurovision Song Contest 2016: ESC-Finale so politisch wie nie

Finale so politisch wie noch nie  

Ukraine und Russland kämpfen um den ESC-Sieg

14.05.2016, 13:17 Uhr | t-online.de

Eurovision Song Contest 2016: ESC-Finale so politisch wie nie. Die ukrainische Sängerin Jamala tritt mit ihrem Song "1944" im ESC-Finale an. (Quelle: dpa)

Die ukrainische Sängerin Jamala tritt mit ihrem Song "1944" im ESC-Finale an. (Quelle: dpa)

Aus Stockholm berichtet Sonja Riegel

Die Songs des Eurovision Song Contest dürfen keine politischen Botschaften enthalten – so steht es in den Regeln. Politik soll möglichst gar keine Rolle im größten Musikwettbewerb der Welt spielen. Und doch birgt das Finale am Samstagabend in Stockholm politische Brisanz wie noch nie.

Sergey Lazarev aus Russland ist der Top-Favorit auf den Sieg in diesem Jahr. Sein Song "You Are The Only One" ist pompöser, eingängiger Pop, seine Bühnenshow perfekt dargeboten. Und doch könnte ihm die aktuelle politische Situation in Europa den Sieg kosten.

Zudem tauchte jüngst ein zwei Jahre altes Video mit Lazarev auf. Laut eurovision.de und taz antwortet er darin auf die Frage eines ukrainischen Senders, ob die Krim zu Russland gehöre, mit einem klaren "Nein". Vitali Milonow, Stadtabgeordneter von St. Petersburg, hatte daraufhin getwittert:  "Ab jetzt kann er nur noch in seinem Klo singen." Im Falle eines Sieges wäre Lazarev vermutlich rehabilitiert, würde er Russland damit doch die Möglichkeit einer großen Inszenierung für den ESC im kommenden Jahr geben.

Krimtatarin Jamala erzählt Geschichte ihrer Großmutter

Brisanterweise ist die Ukraine einer der größten Konkurrenten Russlands um den Sieg in Stockholm – mit einem Song, der schon im Vorfeld polarisiert. Sängerin Jamala ist Krimtatarin und singt in "1944" die Geschichte ihrer Großmutter, die unter Josef Stalin deportiert wurde. Angesichts der aktuellen politischen Situation – Russland hat die Halbinsel Krim vor gut zwei Jahren annektiert, international wird das aber größtenteils nicht anerkannt – eine Provokation in Richtung des Nachbarn.

So war es durchaus eine Überraschung, dass die Europäische Rundfunkunion (EBU) den Beitrag für den ESC 2016 zuließ – eben als historischen und nicht politischen Song. Auch Jamala ist bemüht, kein unnötiges Öl ins Feuer zu gießen: "Es geht um meine Großmutter und meine Performance ist komplett ihr gewidmet", betonte sie nach ihrem Finaleinzug erneut.

Flaggen-Eklat um Armenien 

Und dann war da auch noch der Vorfall im ersten Halbfinale mit der Wahl-Hamburgerin Iveta Mukuchyan, die für Armenien antritt und während der Live-Sendung eine Flagge von Bergkarabach in die Kamera hielt. Die Region wird überwiegend von Armeniern bewohnt, gehört aber zu Aserbaidschan. Die Unabhängigkeitserklärung Bergkarabachs wurde international nie anerkannt.

Die EBU verurteilte den klaren Regelverstoß und hat Sanktionen gegen den öffentlichen Rundfunksender Armeniens angekündigt. Diese sollen aber erst im Juni festgelegt werden, Mukuchyan darf im Finale am Samstag antreten.

Profiteur Australien?

Von all diesen Scharmützeln könnte der sympathische Gast aus Australien profitieren: Dami Im sang sich mit "Sound Of Silence" im zweiten Halbfinale unter die Favoriten. Gegen sie und ihr Land dürfte es keine politischen Vorbehalte bei der Abstimmung geben.

Die deutsche Kandidatin Jamie-Lee lässt die Aufregung übrigens komplett kalt. "Davon habe ich nichts mitbekommen", sagte sie im Interview mit t-online.de. "Ich finde das sollte einen beim ESC auch nicht erreichen. Man ist hier, um mit anderen Musik zu machen und die Freude an der Musik zu teilen. Ich glaube es ist gut, wenn man diesen ganzen politischen Kram ein bisschen ausblenden kann."

Startliste für Samstag

Jamie-Lee geht im Finale mit der Startnummer 10 ins Rennen. Die komplette Startliste für das große Finale:

1. Belgien: Laura Tesoro - "What's The Pressure"

2. Tschechische Republik: Gabriela Gunčíková - "I Stand"

3. Niederlande: Douwe Bob - "Slow Down"

4. Aserbaidschan: Samra Rahimli - "Miracle"

5. Ungarn: Freddie - "Pioneer"

6. Italien: Francesca Michielin - "No Degree Of Separation"

7. Israel: Hovi Star - "Made Of Stars"

8. Bulgarien: Poli Genova - "If Love Was A Crime"

9. Schweden: Frans - If I Were Sorry"

10. Deutschland: Jamie-Lee - "Ghost"

11. Frankreich: Amir - "J'ai cherché"

12. Polen: Michał Szpak - "Colour Of Your Life"

13. Australien: Dami Im - "Sound Of Silence"

14. Zypern: Minus One - "Alter Ego"

15. Serbien: Sanja Vučič - "Goodbye (Shelter)"

16. Litauen: Donny Montell - "I've Been Waiting For This Night"

17. Kroatien: Nina Kraljić - "Lighthouse"

18. Russland: Sergey Lazarev - "You Are The Only One"

19. Spanien: Barei - "Say Yay!"

20. Lettland: Justs - "Heartbeat"

21. Ukraine: Jamala - "1944"

22. Malta: Ira Losco - "Walk On Water"

23. Georgien: Young Georgian Lolitaz - "Midnight Gold"

24. Österreich: Zoë - "Loin d'ici"

25. Großbritannien: Joe and Jake - "You're Not Alone"

26. Armenien: Iveta Mukuchyan - "Love Wave"

Wie die neuen Regeln zur Punktevergabe funktionieren, erfahren Sie hier.

Hinweis: In einer ersten Version des Textes war fälschlicherweise zu lesen, Lazarev habe auf die Frage, ob die Krim zur Ukraine gehöre, geantwortet. Korrekt ist: ob die Krim zu Russland gehöre. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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