Deutsche Wirtschaft um 0,4 Prozent geschrumpft
Mit Milliarden versucht der Staat Verbraucher und Unternehmen bei den gestiegenen Energiekosten zu entlasten. Das reiΓt LΓΆcher in den Staatshaushalt und auch die Wirtschaft schwΓ€chelt zum Jahresende.
Die deutsche Wirtschaft ist zum Ende des vergangenen Jahres stΓ€rker geschrumpft als zunΓ€chst angenommen. Gesunkene Konsumausgaben der Verbraucher und verringerte Investitionen der Unternehmen bremsten die Konjunktur aus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im vierten Quartal gegenΓΌber dem Vorquartal um 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. In einer ersten SchΓ€tzung war die Wiesbadener BehΓΆrde von einem RΓΌckgang der Wirtschaftsleistung von 0,2 Prozent ausgegangen.
Die hohe Inflation belastete im Schlussquartal 2022 vor allem den Privatkonsum, der nach dem Ende der Corona-BeschrΓ€nkungen die Konjunktur im Laufe des vergangenen Jahres zunΓ€chst gestΓΌtzt hatte. Die Bauinvestitionen nahmen wie schon in den beiden vorangegangenen Quartalen preis-, saison- und kalenderbereinigt ab. Die Investitionen der Unternehmen in AusrΓΌstungen wie Maschinen, GerΓ€te und Fahrzeuge sanken ebenfalls.
Manche Γkonomen erwarten leichtes Wachstum
Nach EinschΓ€tzung von Volkswirten dΓΌrfte das Bruttoinlandsprodukt auch im ersten Vierteljahr des laufenden Jahres schrumpfen. "Die Wirtschaftsleistung dΓΌrfte im ersten Quartal 2023 abermals geringer als im Vorquartal ausfallen", schrieb die Deutsche Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. Damit wΓ€re Deutschland in eine Winterrezession gerutscht: Sinkt das Bruttoinlandsprodukt zwei Quartale in Folge, sprechen Γkonomen von einer technischen Rezession.
Weil der Staat Privathaushalte und Unternehmen mit Milliardensummen bei den krΓ€ftig gestiegenen Energiekosten entlastet, erwarten manche Γkonomen inzwischen ein leichtes Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr. Zuletzt hob auch die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose fΓΌr dieses Jahr an. Sie rechnet mit einem Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent statt mit einem RΓΌckgang des Bruttoinlandsprodukts.
Besonders groΓes Defizit im Bundeshaushalt
Der deutsche Staat gab auch 2022 mehr Geld aus als er einnahm. Vor allem die Milliardenhilfen in der Energiekrise belasteten den Staatshaushalt. Betroffen war vor allem der Bundeshaushalt. LΓ€nder, Gemeinden und Sozialversicherungen verzeichneten jeweils FinanzierungsΓΌberschΓΌsse. Insgesamt summierte sich das Minus auf 101,3 Milliarden Euro. Das Defizit verringerte sich damit im Vorjahresvergleich um 32,9 Milliarden Euro.
Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung lag das Defizit von Bund, LΓ€ndern, Gemeinden und Sozialversicherungen bei 2,6 Prozent. Die Wiesbadener BehΓΆrde bestΓ€tigte damit eine erste SchΓ€tzung.
Trotz des Defizits hielt Deutschland nach zwei AusreiΓern in den Corona-Jahren 2020 und 2021 wieder die europΓ€ische Verschuldungsregel ein. Der europΓ€ische StabilitΓ€ts- und Wachstumspakt erlaubt den EU-Staaten ein Haushaltsdefizit von hΓΆchstens drei Prozent und eine Gesamtverschuldung von hΓΆchstens 60 Prozent des nominalen BIP. Zurzeit sind diese Regeln aufgrund der Belastungen durch die Corona-Pandemie bis 2024 ausgesetzt. In der EuropΓ€ischen Union (EU) wird ΓΌber eine Reform der Regeln beraten.