Sie sind hier: Home > Finanzen > Geld > Geldanlage >

Prokon und Co.: Darum ist der graue Kapitalmarkt so gefährlich

Prokon und Co.  

Das ist so gefährlich am grauen Kapitalmarkt

14.01.2014, 17:49 Uhr | dpa, t-online.de

Prokon und Co.: Darum ist der graue Kapitalmarkt so gefährlich. Acht Prozent Rendite trotz Niedrigzinsen sind verdächtig (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Acht Prozent Rendite trotz Niedrigzinsen sind verdächtig (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zehntausenden Anlegern des wackelnden Windkraft-Finanzierers Prokon drohen derzeit hohe Verluste. Sie alle könnten in eine Geldfalle getappt sein auf dem sogenannten grauen Kapitalmarkt. Wie hoch das Risiko einer Geldanlage dort sein kann, ist vielen nicht bewusst.

Etwas Gutes für die Umwelt tun, das Geld in alternative Energien stecken und dafür auch noch bis zu acht Prozent Zinsen pro Jahr kassieren. Da kann man ja nichts falsch machen, dachten sich zehntausende Kleinanleger, die ihr Geld in Genussrechte des Windkraftspezialisten Prokon investiert haben. Nun drohen dem Itzehoer Unternehmen das Aus und den Investoren hohe Verluste.

Dreiste Zocker teilen sich den Markt mit seriösen Anbietern

Bei geplatzten Anlagemodellen rückt regelmäßig der lange kaum regulierte "graue Kapitalmarkt" in den Fokus, auf dem sich neben seriösen Anbietern auch dreiste Zocker und leichtgläubige Laien tummeln. Der Ruf nach dem Staat und strengeren Regeln wird nun wieder laut.

Anzeige
Jobs im Bankenwesen
Jobs im Bankenwesen

Wählen Sie eine Bank:


Dabei hat es an Warnungen vor Prokon-Genussrechten und dem Finanzgebaren des Unternehmens nicht gemangelt. Zudem ist davon auszugehen, dass die schwarz-rote Koalition schon bald Genussrechte als wichtige Finanzierungsquelle vor allem aufstrebender Unternehmen genauer unter die Lupe nimmt. Weitere schärfere Vorgaben für den "grauen Kapitalmarkt" sind möglich. Doch Regulierer wie Finanzexperten sind sich auch einig: Gegen Gier von Anlegern und windige Geschäfte nützen letztlich auch mehr Gesetze nur wenig.

Acht Prozent Rendite trotz Niedrigzinsen sind verdächtig

Mancher Prokon-Privatanleger hat sich offenbar nicht über die immer noch vorhandenen Fallen auf dem "grauen Kapitalmarkt" schlaugemacht sowie Werbebroschüren und Prospekte nur oberflächlich gelesen. Schließlich handelt es sich bei Genussrechten generell um hoch riskante Papiere, bei denen Privatanlegern schlimmstenfalls ein Totalverlust droht. Ganz abgesehen davon, dass angesichts des derzeitigen Leitzins-Tiefs von nur 0,25 Prozent bei Renditeversprechen von bis zu acht Prozent eigentlich sämtliche Alarmglocken schrillen müssten.

Experten raten Privatanlegern, die eine sichere Geldanlage suchen, grundsätzlich von Genussrechten ab. Denn diese ließen den Anbietern große Freiheiten, unterlägen keiner staatlichen Kontrolle und keiner Einlagensicherung, klärt etwa "Finanztest" auf. Anleger hätten keine Mitbestimmungsrechte und könnten ihre gesamten Einlagen verlieren.

"Finanztest" warnte schon im Jahr 2010

Die "Stiftung Warentest" warnt Verbraucher seit langem, Genussrechte von Prokon zu erwerben, weil sie für Privatanleger zu riskant seien. Schon im Jahr 2010 wurden die Papiere, mit denen der Windkraftspezialist über Jahre mehrere Milliarden Euro einwerben wollte, auf die Warnliste von "Finanztest" gesetzt. Im August befanden die Tester dann: "Zu riskant für Privatanleger".

In den vergangenen Jahren hat der Gesetzgeber den bis dato weitgehend unkontrollierten "grauen Kapitalmarkt" durchaus stärker an die Kandare genommen. Im Juni 2012 etwa trat das "Graumarktgesetz" in Kraft. Es schrieb Anbietern von Graumarktprodukten unter anderem einen "Beipackzettel" vor, auf dem leicht verständlich, kompakt und übersichtlich über Risiken informiert werden muss. Zuvor wurden die Auflagen für Vermittler verschärft. Lücken gibt es aber weiterhin.

Genussrechte fielen bisher durchs Regulierungs-Raster

"Prokon ist tatsächlich durch alle Lücken geschlüpft, die es gab", sagt Renate Daum von "Finanztest". Viele Anlageformen, insbesondere geschlossene Fonds, würden inzwischen sehr viel strenger reguliert. "Aber ausgerechnet Genussrechte sind außen vor geblieben." Auch seien die Beratungspflichten gegenüber Anlegern strenger gefasst worden - nicht aber für den Direktvertrieb von Genussrechten.

Genussrechte seien nicht per se schlecht, räumt Daum ein. Jungen Firmen sollte diese Finanzierungsform auch keinesfalls durch überbordende Regulierung verbaut werden. Und wer sich gut auskenne, Bilanzen lesen und Genussrechte gut beurteilen könne, solle weiter auf diese Weise sein Geld investieren können. Wenn aber ein einzelner Anbieter Genussrechte in einer Größenordnung von einer Milliarde Euro und mehr einsammle, sollten Grenzen eingezogen werden.

Große Koalition muss Spreu vom Weizen trennen

Die vor fast einem Monat gestartete große Koalition war bisher vor allem mit sich selbst beschäftigt. Angesichts der Tragweite des Prokon-Falles werden sich Finanz- und Verbraucherpolitiker des Regierungsbündnisses aber wohl schon in Kürze mit Konsequenzen befassen. Dabei dürfte es vor allem darum gehen, einerseits Genussrechte als eine Form der Unternehmensfinanzierung weiter zu ermöglichen - aber gleichzeitig Zockern das Handwerk zu legen und die Spreu vom Weizen zu trennen.

In ihrem Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, Regulierungsmaßnahmen zusammen mit der Finanzaufsicht BaFin "auf Praktikabilität und Zielgenauigkeit" zu überprüfen. Zugleich heißt es aber: "Dauerhaftes Wachstum braucht langfristig orientierte Investitionen. Deshalb werden wir bei allen Finanzmarktregulierungen auf diese Notwendigkeit achten."

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Hier finden Sie Ostergeschenke für jeden Geschmack
jetzt Gutschein einlösen und sparen bei Weltbild
Anzeige
Nichts für Warmduscher: coole Badezimmereinrichtungen
jetzt auf otto.de
Gerry Weberbonprix.deOTTOCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2019