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Mehr- oder Einfamilienhaus - Was ist besser fĂŒrs Klima?

Von dpa
Aktualisiert am 25.02.2021Lesedauer: 3 Min.
EinfamilienhÀuser schneiden bei der Klimabilanz meist schlechter ab als Wohnungen in MehrfamilienhÀusern.
EinfamilienhÀuser schneiden bei der Klimabilanz meist schlechter ab als Wohnungen in MehrfamilienhÀusern. (Quelle: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - EinfamilienhĂ€user als neue SĂŒndenböcke in der Klimakrise. Nach dem Wirbel um Äußerungen von GrĂŒnen-Fraktionschef Anton Hofreiter zu dieser Wohnform bleibt die Frage: Ist ein eigenes Haus mit Garten in Zeiten des Klimawandels noch zeitgemĂ€ĂŸ?

BEHAUPTUNG: Ein eigenes Haus zu bewohnen ist schĂ€dlicher fĂŒr das Klima als eine Wohnung.

BEWERTUNG: Das stimmt, wenn es keine gravierenden Unterschiede bei der GrĂ¶ĂŸe der WohnflĂ€che und dem Energiestandard gibt.

FAKTEN: Die Sehnsucht ist da: Viele Menschen wollen raus aus ihren Wohnungen in der Stadt in ein Einfamilienhaus auf dem Land ziehen, so eine Erhebung des Bundesinstituts fĂŒr Bevölkerungsforschung. Aus ökologischer Sicht wĂ€re es jedoch oft sinnvoller, wenn sie in ihrer Stadtwohnung blieben. "Das liegt an der Kompaktheit", erklĂ€rt Jens Schuberth vom Fachgebiet Energieeffizienz im Umweltbundesamt (UBA). "Ein Einfamilienhaus hat in der Regel eine grĂ¶ĂŸere HĂŒlle als eine Ă€hnlich große Wohnung im Mehrfamilienhaus und verliert daher mehr Energie." NatĂŒrlich gebe es auch Ausnahmen - wie etwa eine "ungĂŒnstige Wohnung mit vielen kalten AußenwĂ€nden".

Bereits der Bau eines jeglichen Beton-GebĂ€udes schadet der Umwelt. Rund acht Prozent der globalen Treibhausgasemissionen gehen nach SchĂ€tzungen auf die Produktion des fĂŒr den Beton nötigen Zements zurĂŒck - mehr als auf den gesamten Flugverkehr weltweit. Bei einem Neubau kommt es auf die FlĂ€che je Einwohner an, und das bedeutet meist: Ein Einfamilienhaus tut der Umwelt besonders weh.

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Dabei ist der Trend zu Ein- und ZweifamilienhĂ€usern nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seit geraumer Zeit rĂŒcklĂ€ufig. Seit 2005 sank der Anteil der Wohnungen in diesen HĂ€usern zugunsten von UnterkĂŒnften in MehrfamilienhĂ€usern, wie die Wiesbadener Behörde am Donnerstag mitteilte.

"FĂŒr den Klimaschutz ist es sinnvoller, den alten GebĂ€udebestand zu sanieren anstatt neu zu bauen (...) Und wenn neu gebaut wird, dann mit hohen Energiestandards", sagt Schuberth vom UBA. So könne der negative Umweltaspekt beim Bauen durch Energiesparen beim Leben im Objekt etwas ausgeglichen werden.

Die meisten Menschen hĂ€tten gern ein nachhaltiges Haus, sagt Dietmar Stephan vom Institut fĂŒr Bauingenieurwesen der Technischen UniversitĂ€t Berlin. "Aber dann ist es doch so wie beim Billigfleisch: Eigentlich weiß man um die Probleme und findet das nicht gut, aber dann kauft man es doch, weil man nicht bereit ist, mehr zu bezahlen."

Energie-, Ressourcen- und FlĂ€chenverbrauch seien bei einem Einfamilienhaus einfach immens. "Es ist vernichtend fĂŒr die Ökobilanz, ein Einfamilienhaus im GrĂŒnen zu bauen", sagt Stephan. FĂŒr MehrfamilienhĂ€user spreche, dass auf dem gleichen GrundstĂŒck mehr Menschen leben könnten.

Eine Studie der Behörde hat Energieverbrauch und Modernisierungsstand von WohngebĂ€uden ausgewertet. Ergebnis: Seit 2012 verbessert sich die Energieeffizienz bei EinfamilienhĂ€usern kaum - anders als bei MehrfamilienhĂ€usern. GebĂ€ude in Deutschland verursachen im Betrieb etwa fĂŒr Beleuchten, Klimatisieren und vor allem Heizen rund 30 Prozent aller in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgase.

"Momentan leisten sich die meisten lieber mehr WohnflÀche als ein nachhaltiges Zuhause", sagt Stephan.

Zahlen vom Statistischen Bundesamt zeigen: In den vergangenen Jahren stieg die WohnflĂ€che pro Wohnung und pro Einwohner. Ende 2019 war eine Wohnung durchschnittlich 91,9 Quadratmeter groß - ein Plus von einem Quadratmeter verglichen mit 2010. Die WohnflĂ€che je Einwohner betrug 47 Quadratmeter (2010: 45 Quadratmeter). Auch neue EinfamilienhĂ€user werden mit einer durchschnittlichen WohnflĂ€che von 157 Quadratmetern immer grĂ¶ĂŸer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind das 14 Prozent mehr Wohnraum als vor 20 Jahren.

Neu ausgewiesene Baugebiete sind laut UBA ein "bedeutender Treiber der FlĂ€chen-Neuinanspruchnahme in Deutschland". Eine Rolle spielt dabei die Bodenversiegelung, also die luft- und wasserdichte Abdeckung: FĂŒr ein Einfamilienhaus - mit wenigen Menschen - muss in Relation mehr Boden betoniert werden als fĂŒr ein Mehrfamilienhaus. Die steigende WohnflĂ€che pro Kopf macht zudem Fortschritte bei der Energieeffizienz im Bestand zunichte. Stephan erklĂ€rt: "Es ließen sich eine Menge Einsparungen hinbekommen allein mit kleineren Wohnungen."

Auf weniger Platz zu leben, darauf zielt das vom Bund geförderte Projekt "LebensRĂ€ume" des Instituts fĂŒr sozial-ökologische Forschung: Mehr als ein Drittel der deutschen Haushalte befanden sich im Jahr 2018 in einem ein Ein- oder Zweifamilienhaus. 60 Prozent davon wurden nur von ein oder zwei Menschen bewohnt. Etwa drei Viertel von ihnen wĂ€ren nicht abgeneigt, sich rĂ€umlich zu verkleinern. Zudem gab etwa die HĂ€lfte der Befragten im Alter ab 55 Jahren an, ĂŒber ungenutzte RĂ€ume im eigenen Haus zu verfĂŒgen. "Hier besteht erhebliches Potenzial fĂŒr den Klima- und Ressourcenschutz", sagt Projektleiterin Corinna Fischer.

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