Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Unternehmen & Verbraucher > Unternehmen >

Peng-Aktivisten legten Bosse von RWE & Co. mit Fake-Amt rein

"Peng" bekennt sich  

Aktivisten legten Wirtschaftsbosse mit Fake-Amt rein

03.08.2020, 18:42 Uhr
Peng-Aktivisten legten Bosse von RWE & Co. mit Fake-Amt rein. Falsches Bundesamt: Die Gesprächspartnerin "Frau Kohlmann", die mit einer Kollegin vom angeblichen Bundesamt für Krisenschutz und Wirtschaftshilfen hochrangigen Wirtschaftsführern Fragen stellte, gehört tatsächlich zum "Peng"-Kollektiv. (Quelle: Screenshot)

Falsches Bundesamt: Die Gesprächspartnerin "Frau Kohlmann", die mit einer Kollegin vom angeblichen Bundesamt für Krisenschutz und Wirtschaftshilfen hochrangigen Wirtschaftsführern Fragen stellte, gehört tatsächlich zum "Peng"-Kollektiv. (Quelle: Screenshot)

Was verraten Wirtschaftsbosse, wenn die Politik nach Strategien für die Zukunft fragt und mit Geld winkt? Mit einer gefälschten Webseite haben Aktionskünstler unverblümte Antworten bekommen. 

Mit einer professionell wirkenden Webseite eines vermeintlichen "Bundesamts für Krisenschutz und Wirtschaftshilfe" ("BAKW") haben Mitglieder des "Peng"-Kollektivs offenbar Zugang zu Wirtschaftsbossen bekommen. Die Aktivistengruppe hat in der Vergangenheit unter anderem schon den Bundeswahlleiter mit einer gefälschten Seite in helle Aufregung versetzt. Jetzt wurden Chef-Etagen großer Unternehmen getäuscht.

Die neue Seite des nicht existierenden Bundesamts war zunächst ein Rätsel, nachdem der heute in der Krisen-PR tätige frühere "Bild"-Chef Kai Diekmann darauf aufmerksam gemacht hatte. Sie wirkte sehr echt, das Wirtschaftsministerium selbst vermutete zunächst sogar Betrüger, die in der Corona-Krise Geld machen wollen. Recherchen von Netzpolitik.org legten nahe, dass es anders ist.

"Klingelstreich beim Kapitalismus"

Das hat sich jetzt bestätigt: "Peng" hat sich bekannt und nennt die Aktion einen "Klingelstreich beim Kapitalismus". Es ging der Gruppe von Aktionskünstlern und Journalisten offenbar darum, mit dieser Tarnung die Einstellung von führenden Managern für "radikalen Wandel" abzufragen.

Was sagt ein Wirtschaftsboss zu der Frage, ob vermeintlich immerwährendes Wachstum nicht auf Kosten der Zukunft geht? Und wie steht er zu dem Gedanken, dass eine Beteiligung des Staats wichtig sein könnte, um das Gemeinwohl stärker zu berücksichtigen? Vom vermeintlichen Bundesamt, das künftige Förderstrategien entwirft, wurden Unternehmen mit derartigen Fragen konfrontiert.

"Bundesamt für Krisenschutz und Wirtschaftshilfe": Auf der Seite fand sich unter anderem ein Zitat von Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Daten führten zu seinem Ministerium. (Quelle: Screenshot)"Bundesamt für Krisenschutz und Wirtschaftshilfe": Auf der Seite fand sich unter anderem ein Zitat von Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Daten führten zu seinem Ministerium. (Quelle: Screenshot)

Das (echte) Bundeswirtschaftsministerium berichtete, dass dort mehrere Unternehmen die Kontaktaufnahme gemeldet hatten. Peng hat es nach eigenen Angaben bei 30 Großunternehmen und Konzernen versucht, "etliche" hätten Telefontermine vereinbart. Nach Informationen von t-online.de sind darunter mehrere Dax-Unternehmen. Auf der gefälschten Internetseite waren die Befragungen angekündigt worden.

RWE-Chef ein "Wachstumsaktivist"

Antworten hatte etwa der Vorstandsvorsitzende von RWE, Rolf Martin Schmitz, gegeben. Das hat der reingelegte Wirtschaftsboss selbst danach der "Welt" gesagt. Das Gespräch habe nach Fragen von Umweltaktivisten geklungen, berichtete die Zeitung. "Peng" ist allerdings zu vielen gesellschaftlichen Themen aktiv. Jean Peters von "Peng" erklärte gegenüber t-online.de: "Der Aktivist ist hier der RWE-Vorsitzende, er ist ein Wachstums-Aktivist." 

Das würden die Inhalte des Gesprächs zeigen, die "Peng" am Mittwoch mit Infos zu weiteren Gesprächen veröffentlichen werde. Man habe die Unternehmen damit erst konfrontieren wollen. Unter einer ähnlichen Adresse wie die der vom Netz genommenen Seite des falschen Bundesamts BAKW soll es dann die Einblicke geben. Die neue Adresse setzt sich aus der alten Adresse und einem angehängten "hahaha" zusammen, das gemeinhin für Lachen steht.

Auch RWE-Seite gefälscht

Möglicherweise finden sich dann auch Aussagen des RWE-Chefs zum Verhältnis von Erneuerbarer Energie zur Kohleenergie bei dem Energieriesen. Am Montag ging eine vermeintliche RWE-Seite online, die ein Bekenntnis zum Pariser Klimaabkommen mit weitreichenden Konsequenzen verkündete. Doch diese Seite ist ebenfalls eine Fälschung, wie die RWE-Pressestelle mitteilte.

Wer hier dahinter steckt, war zunächst unklar. Die angegebenen Kontaktdaten und das Impressum führen zum RWE-Konzern. Unter anderem "Fridays for Future" verbreiteten die Seite.

Gefälschte RWE-Seite: Dort wird unter anderem der Maschinenpark des Tagesbaus Garzweiler II zum Verkauf angeboten. (Quelle: Screenshot)Gefälschte RWE-Seite: Dort wird unter anderem der Maschinenpark des Tagesbaus Garzweiler II zum Verkauf angeboten. (Quelle: Screenshot)

Sie kam auch für Peng überraschend, so Peters zu t-online.de. "Damit haben wir nichts zu tun, ich wusste davon nichts. Aber es freut uns, dass auch Andere drängende Fragen in dieser Form thematisieren."

Auf der Seite bekennt sich vermeintlich RWE zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens, verkündet die Aufgabe des Baunkohletagebaus Garzweiler II und erklärt, bis 2025 klimaneutral sein zu wollen. RWE erklärte, konsequent gegen unwahre Behauptungen über das Unternehmen vorgehen zu wollen. Klimaneutral werde das Unternehmen 2040 sein – so die Hoffnung.


Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team von t-online

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal