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Ausfall des Karnevals 2021 wegen Corona kostet 1,5 Milliarden Euro


Konjunkturfaktor Fasching  

Karneval-Ausfall wegen Corona kostet 1,5 Milliarden Euro

06.02.2021, 13:14 Uhr
Ausfall des Karnevals 2021 wegen Corona kostet 1,5 Milliarden Euro. Strüßje, aber keine Maske: Der Kölner Rosenmonatsumzug 2020. (Quelle: imago images/Future Images)

Strüßje, aber keine Maske: Der Kölner Rosenmonatsumzug 2020. (Quelle: Future Images/imago images)

Karneval bedeutet nicht nur Spaß. Es geht auch um viel Geld – das wegen Corona dieses Jahr nicht ausgegeben wird. Ökonomen haben jetzt berechnet, wie groß der wirtschaftliche Schaden des Fasching-Ausfalls ist.

Kein Alaaf und auch kein Helau: Schon seit dem Herbst ist klar, dass die fünfte Jahreszeit 2021 wegen der Corona-Pandemie ausfällt. Auf den Straßen der Karnevalshochburgen Köln, Mainz und Düsseldorf werden in der kommenden Fastnachtswoche keine Straßenumzüge stattfinden, auch die traditionellen Prunksitzungen mit Hunderten Gästen sind gestrichen.

Was in den evangelisch geprägten Teilen Deutschlands kaum einen Unterschied macht, gleicht für viele Menschen im Rheinland einer Katastrophe; emotional – aber auch ökonomisch. Denn: Der Karneval ist längst ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Fällt er aus, bleiben viele Kassen leer.

Karneval ist ein Milliardengeschäft

Wie groß die Summe ist, die fehlt, hat jetzt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln ermittelt. Die Studie, die t-online exklusiv vorliegt, beziffert die wirtschaftlichen Schäden durch den Ausfall des Karnevals bundesweit auf rund 1,5 Milliarden Euro. Diese enorme Summe setzt sich wie folgt zusammen:

  • 330 Millionen Euro entfallen auf entgangene Einnahmen im Einzelhandel. Von diesen Umsätzen wiederum macht der Kostümverkauf mit 280 Millionen Euro den größten Teil aus.
  • Weitere 160 Millionen Euro entgehen dem Hotelgewerbe, etwa durch ausbleibende Übernachtungsgäste, die extra für den Karneval aus anderen Teilen des Landes anreisen.
  • Rund 660 Millionen Euro Einnahmeausfälle verzeichne die Gastronomie, die während des Faschings vor allem am Verkauf von Alkohol verdient.
  • Zusätzliche rund 240 Millionen Euro fließen nicht in den Transportsektor, der durch die An- und Abreise der Jecken ebenfalls stark von der Karnevalszeit profitiert.

"Gastronomen, Hoteliers und Veranstalter werden jetzt in der Karnevalszeit schmerzlich daran denken, wie einschneidend der seit November währende Lockdown ist", sagt IW-Direktor Michael Hüther t-online. Zwar sei der Ausfall der Karnevalsession epidemiologisch natürlich begründet.

"Ob allerdings Gastronomie, Hotellerie und Veranstaltungswirtschaft alle schließen mussten und denen dann wirklich effektiv geholfen wurde, werden wir erst noch sehen", so Hüther weiter. "Die Auszahlung der sogenannten November- und Dezemberhilfen war jedenfalls nicht überzeugend und hat zu lange gedauert."

Bekannter Ökonom: Michael Hüther leitet das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft. (Quelle: imago images/Jürgen Heinrich)Bekannter Ökonom: Michael Hüther leitet das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft. (Quelle: Jürgen Heinrich/imago images)

600 Millionen Euro Umsatz allein im Kölner Karneval

Besonders hart trifft der Ausfall des Karnevals Köln, wie Michael Kramp vom Festkomitee Kölner Karneval erläutert. "Im Kölner Karneval werden rund 600 Millionen Euro umgesetzt", sagt Kramp t-online. "98 Prozent dieser Umsätze fallen dieses Jahr aus. Gerade für weniger bekannte Künstler ist das eine Katastrophe."

Positiv, so Kramp, sei allerdings, dass es wenigsten im Kleinen Veranstaltungen gebe, etwa Online-Sitzungen. "Die Menschen dürsten nach Ablenkung", sagt er. "Ein bisschen was bleibt von der Session also trotzdem noch übrig."

Diesen Umstand berücksichtigen auch die IW-Ökonomen. So sei etwa damit zu rechnen, dass auch ohne Straßenkarneval und Büttensitzung der Verkauf alkoholischer Getränke in der Karnevalswoche zunehme.

Karnevalszeit ist 2021 kürzer als sonst

Die berechneten Summen sind dabei "sessionsbereinigt". Das heißt: Die Studie rechnet ein, dass die Karnevalszeit – abhängig vom Datum des Osterfestes – jedes Jahr unterschiedlich lang ist. Mal dauert die Session, die stets am 11. November um 11.11 Uhr startet, 87 Tage, mal 103, mal 118 Tage.

Dadurch, dass sie dieses Jahr mit 98 Tagen kürzer ausfällt als im Schnitt, sind auch die errechneten wirtschaftlichen Schäden geringer als im Falle einer längeren Karnevalszeit. "Es bleibt zu hoffen, dass wir dank einer gelingenden Impfkampagne nächstes Jahr wieder wie gewohnt feiern können", sagt IW-Chef Hüther.

Immerhin: Im kommenden Jahr 2022 fällt der Aschermittwoch erst auf den 3. März. Die Jecken können dann also zwölf Tage länger feiern, als sie es dieses Jahr gekonnt hätten.

Verwendete Quellen:
  • IW-Nachricht: Die wirtschaftliche Bedeutung des Karnevals
  • Gespräch mit Michael Hüther
  • Gespräch mit Michael Kramp
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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