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Alkoholismus: Definition, Symptome, Folgen und Therapie

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Alkoholabhängigkeit  

Welche Symptome auf Alkoholismus hinweisen

Alkoholismus: Definition, Symptome, Folgen und Therapie. Ein Mann sitzt allein mit Wein auf dem Sofa: Menschen, die an Alkoholismus leiden, verheimlichen ihre Sucht vor anderen. (Quelle: Getty Images/laflor)

Ein Mann sitzt allein mit Wein auf dem Sofa: Menschen, die an Alkoholismus leiden, verheimlichen ihre Sucht vor anderen. (Quelle: laflor/Getty Images)

Alkoholismus entwickelt sich schleichend: Betroffene merken zunächst nicht, dass sie ihren Alltag ohne Alkohol nicht mehr bewältigen können. An welchen Symptomen Sie eine Alkoholabhängigkeit erkennen und welche Behandlung am besten hilft.

Von 100 Erwachsenen in Deutschland gelten 3 als alkoholabhängig. Vom gelegentlichen Feierabendbier bis zur Alkoholsucht ist es oft nur ein kleiner Schritt – zumal Alkohol in der Gesellschaft zu bestimmten Gelegenheiten als "normal" oder sogar selbstverständlich angesehen wird.

Viele Erkrankte schämen sich, Hilfe zu holen. Oder sie sind unsicher, ob sie wirklich eine Behandlung möchten oder benötigen. Alkoholismus im Alleingang zu überwinden, ist jedoch sehr schwer. Das Risiko für einen Rückfall ist ohne professionelle Unterstützung hoch. Darüber hinaus kann ein Entzug auf eigene Faust gefährlich sein: Wer alkoholabhängig ist und plötzlich auf Alkohol verzichtet, kann schwere Entzugserscheinungen bekommen.

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Ein erster Schritt aus der Alkoholabhängigkeit kann eine unverbindliche Beratung sein. Diese kann auch anonym stattfinden.

Schon gewusst?
Etwa 18 von 100 Erwachsenen in Deutschland trinken so viel oder so oft Alkohol, dass Fachleute von einem riskanten Konsum sprechen. Das bedeutet, dass das Risiko für Folgeschäden und/oder einer Abhängigkeit deutlich erhöht ist. 

Ist Alkoholismus eine Krankheit?

Ja. Alkoholismus hat nichts mit einem schwachen Charakter zu tun. Es handelt sich um eine behandlungsbedürftige Erkrankung.

Menschen, die alkoholabhängig sind, können ihren Alkoholkonsum nicht mehr kontrollieren. Sie schaffen es in der Regel nicht oder nur mit großer Anstrengung, ohne professionelle Hilfe längere Zeit ohne Alkohol auszukommen. Daher sollte eine Alkoholsucht so rasch wie möglich behandelt werden.

Definition: Ab wann handelt es sich um Alkoholismus?

Wenn der Gedanke an Alkohol immer mehr Raum einnimmt, andere Dinge nach und nach unwichtiger werden und der Konsum nicht mehr kontrolliert werden kann, könnte es sich um eine Alkoholabhängigkeit handeln.

Alkoholismus ist immer mit einer körperlichen und/oder psychischen Abhängigkeit verbunden:

  • Eine psychische Abhängigkeit zeichnet sich durch ein unbändiges Verlangen nach Alkohol aus (craving).
  • Bei einer körperlichen Abhängigkeit gewöhnt sich der Körper zunehmend an den Alkohol. Es sind immer höhere Mengen nötig, um eine Wirkung zu erzielen. Fehlt Alkohol, treten Entzugserscheinungen auf.

Aber wann ist der Alkoholkonsum noch im Rahmen – und wann ist die Grenze zum Alkoholismus überschritten? Um diese Frage beantworten zu können, haben Fachleute weltweit anerkannte, allgemeingültige Diagnosekriterien aufgestellt. Diese sind zum Beispiel in einer internationalen Klassifikation festgehalten, der ICD 10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems).

Eine Frau blickt nachdenklich auf eine offene Weinflasche: Alkoholismus ist eine Erkrankung, die behandelt werden muss. (Quelle: Getty Images/RuslanDashinsky)Eine Frau blickt nachdenklich auf eine offene Weinflasche: Alkoholismus ist eine Erkrankung, die behandelt werden muss. (Quelle: RuslanDashinsky/Getty Images)

Diese Symptome weisen auf Alkoholismus hin

Erst wenn eine Person innerhalb eines Jahres gleichzeitig mindestens drei der folgenden sechs Symptome aufweist, sprechen Medizinerinnen und Mediziner von einem "Alkoholabhängigkeitssyndrom":

Der oder die Betroffene

  1. hat den starken Drang/Zwang, Alkohol zu trinken.
  2. kann Beginn, Ende und Menge des Alkoholkonsums kaum oder nicht kontrollieren.
  3. reagiert mit körperlichen Entzugssymptomen (wie Zittern, Angstzustände), wenn sie oder er den Alkoholkonsum stoppt oder verringert – oder versucht, Entzugserscheinungen durch Alkohol oder anderen Substanzen zu entgehen.
  4. benötigt immer größere Mengen Alkohol, um eine Wirkung zu spüren.
  5. vernachlässigt zunehmend Freunde, Hobbys oder Verpflichtungen; wendet viel Zeit dafür auf, Alkohol zu beschaffen, zu trinken oder sich davon zu erholen.
  6. trinkt weiterhin Alkohol, obwohl der Konsum bereits zu drastischen Folgen geführt hat (wie einem Leberschaden, Arbeitsplatzverlust, Konflikten).

Bestimmte körperliche Auffälligkeiten können der Ärztin oder dem Arzt Hinweise auf eine mögliche, meist langjährige Alkoholabhängigkeit geben. Mögliche Anzeichen sind zum Beispiel gerötete Augen, ein unsicherer Gang und ein reduzierter Allgemeinzustand der Person.

Veränderungen im Gesicht durch Alkoholismus

Bei fortgeschrittenem Alkoholismus fallen häufig Veränderungen im Bereich des Gesichts auf. Das Gesicht wirkt aufgedunsen und gerötet, kann aber auch besonders fahl erscheinen. An anderen Stellen des Körpers können ebenfalls Hautveränderungen auftreten.

Auch sogenannte Teleangiektasien können ein Anzeichen sein. Dabei handelt es sich um stark erweiterte, kleinste Blutgefäße unter der Haut, die man mit bloßem Auge erkennen kann. 

Mann mit Teleangiektasen: Eine längere Alkoholabhängigkeit kann im Gesicht erkennbar sein.  (Quelle: Getty Images/John Sommer)Mann mit Teleangiektasen: Eine längere Alkoholabhängigkeit kann im Gesicht erkennbar sein. (Quelle: John Sommer/Getty Images)

Alkoholismus kann Veränderungen an der Nase begünstigen

Häufiger Alkoholkonsum begünstigt zudem ein sogenanntes Rhinophym, eine Form der Hauterkrankung Rosacea. Die Nase ist gerötet und nimmt ein knollenartiges Aussehen an. Das Rhinophym tritt hauptsächlich bei Männern auf.

Wichtige Information
Solche Anzeichen sind keinesfalls ein Beweis für eine Alkoholsucht. Sie können viele Ursachen haben. In den meisten Fällen sind diese Symptome nicht auf eine Alkoholabhängigkeit zurückzuführen.

Symptome bei Alkoholentzug

Fehlt Alkohol, treten bei erkrankten Personen Entzugserscheinungen auf. Zu möglichen Symptomen zählen dann

Bei längerer Abstinenz können weitere Symptome hinzukommen – etwa Herzrasen, Krämpfe oder Halluzinationen.

In schweren Fällen entsteht ein lebensgefährliches Delirium tremens. Darunter verstehen Fachleute ein schweres Entzugssyndrom, das sich unter anderem auf Bewusstsein, Wahrnehmung und Emotionen auswirkt. Mögliche Symptome eines Delirium tremens sind Verwirrtheit, Wahnvorstellungen, starke Ängste, Orientierungsstörungen oder Halluzinationen.

Vier Stufen der Alkoholsucht

Alkoholismus entsteht in der Regel nicht plötzlich, sondern über Monate oder Jahre hinweg.

Wie sich Alkoholismus vom riskanten Konsum bis hin zur chronischen Abhängigkeit entwickelt, lässt sich anhand von vier Stufen darstellen.

Stufe 1: Präalkoholische Phase

In der sogenannten präalkoholischen Phase verträgt der Körper nach und nach immer mehr Alkohol (Toleranzentwicklung). Typisch für diese erste Stufe von Alkoholismus ist das Erleichterungstrinken: Die oder der Betroffene konsumiert Alkohol, um sich in Stresssituationen oder bei Problemen kurzfristig zu entspannen.

Stufe 2: Prodromalphase

Die nächste Stufe bezeichnen Fachleute als Prodromalphase. Damit ist eine Art "Vorläuferphase" gemeint. In der Prodromalphase nimmt der Gedanke an Alkohol immer größeren Raum ein. Charakteristisch ist, dass die Person versucht, ihren Konsum vor anderen zu verheimlichen und daher bevorzugt allein trinkt. Das erste Glas wird dabei oft rasch und ohne Genuss geleert. Erste Gedächtnisprobleme können auftreten.

Stufe 3: Kritische Phase

In der kritischen Phase schreitet der Kontrollverlust voran. Einmal mit dem Trinken begonnen, kann die Person die Menge nicht kontrollieren. Nach einem Alkoholexzess versucht sie meist, abstinent zu bleiben, was jedoch häufig nicht gelingt. Erste körperliche Symptome und Folgeschäden einer Abhängigkeit werden deutlich.

Außenstehende bemerken möglicherweise bereits einige Anzeichen für Alkoholismus: Der oder die Erkrankte verhält sich anders als gewohnt. Er oder sie verliert das Interesse an Aktivitäten, ist weniger leistungsfähig und zieht sich von Freunden und Bekannten zurück.

Stufe 4: Chronische Phase

In der chronischen Phase einer Alkoholabhängigkeit benötigt der oder die Betroffene meist schon nach dem Aufstehen Alkohol. Im Endstadium sind deutliche soziale, körperliche und psychische Folgen ersichtlich. Einige Betroffene befinden sich tagelang im Rauschzustand. Konzentrations- und Merkfähigkeit sind deutlich vermindert. Bei plötzlicher Abstinenz treten deutliche, teils gefährliche Symptome auf.

Im Endstadium drohen ernste, bleibende Organschäden – bis zum Tod.

Typen von Alkoholabhängigkeit

Je nach Grad der Abhängigkeit und Trinkverhalten lassen sich unterschiedliche Typen von Alkoholismus unterscheiden (sog. Typologie nach Jellinek).

  • Typ Alpha: Alphatrinkerinnen und -trinker gelten als Konflikttrinker: Sie konsumieren vor allem, wenn sie unter großer Belastung stehen. In der Regel sind sie in der Lage, längere Zeit abstinent zu bleiben, und können ihre Trinkmenge weitgehend kontrollieren.
  • Typ Beta: Diese Typen sind Gelegenheitstrinker. Sie können zeitweise auf Alkohol verzichten.
  • Typ Gamma: Gammatrinkerinnen und -trinker haben die Kontrolle über ihren Konsum verloren. Sie können jedoch für eine begrenzte Zeit abstinent bleiben. Sie brauchen immer höhere Mengen Alkohol, um eine Wirkung zu spüren.
  • Typ Delta: Dieser Typ wird auch als Pegel- oder Spiegeltrinker bezeichnet. Betroffene benötigen täglich eine gewisse, vergleichsweise geringe Menge Alkohol im Blut, um leistungsfähig zu sein. Sie wirken nicht betrunken. Fehlt Alkohol, treten rasch Entzugserscheinungen wie zum Beispiel Schweißausbrüche oder Zittern auf.
  • Typ Epsilon: Die sogenannten Quartalstrinkerinnen und -trinker konsumieren nur phasenweise – aber dann unkontrolliert und in großen Mengen. Einmal angefangen, stoppen die Betroffenen den Konsum erst, wenn sie schwer betrunken sind.

Ursachen: Wer wird alkoholabhängig?

Nicht jeder Mensch, der häufig und/oder besonders viel trinkt, erkrankt automatisch an Alkoholismus. Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Faktoren im Zusammenspiel eine Alkoholsucht begünstigen.

An der Entstehung von Alkoholismus sind zum einen genetische Faktoren beteiligt. Dafür sprechen die Ergebnisse von Adoptionsstudien. Kinder, deren leibliche Eltern alkoholkrank sind, die aber in Familien ohne Alkoholprobleme aufgewachsen sind, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, ebenfalls alkoholkrank zu werden.

Zum anderen spielen neurobiologische Einflüsse eine Rolle. An der Entstehung einer Alkoholsucht scheint unter anderem das sogenannte dopaminerge Belohnungssystem im Hirn beteiligt zu sein, welches zur Ausbildung eines Suchtgedächtnisses beiträgt. Mit jedem Glas Alkohol schütten Nervenzellen verschiedene Botenstoffe wie Dopamin aus. Sie führen dazu, dass Konsumenten ein Gefühl von Wohlbefinden oder Glück empfinden – das sogenannte Belohnungssystem wird aktiviert.

Bei wiederholter Belohnung bilden sich im Hirn Verknüpfungen, sodass ein Suchtgedächtnis entsteht. Das Suchtgedächtnis macht es schwer, dauerhaft abstinent zu bleiben: Sobald die Person wieder Alkohol sieht oder schmeckt, wird das Suchtgedächtnis aktiv und führt zu einem unbändigen Drang, Alkohol zu konsumieren.

Nicht zuletzt wird eine Alkoholsucht von psychologischen Faktoren beeinflusst. Kinder, die in Familien mit hohem Alkoholkonsum aufwachsen, nehmen das Trinkverhalten als "normal" an – und übernehmen es unter Umständen auch im Erwachsenenalter. Sehr belastende Ereignisse können Alkoholismus ebenfalls begünstigen, etwa der Tod eines geliebten Menschen.

Folgen von Alkoholismus

Alkohol begünstigt zahlreiche Erkrankungen und Schäden im Körper: Über das Blut gelangt die Substanz nicht nur ins Gehirn, sondern auch in alle anderen Organe und Gewebe. Bei einer fortgeschrittenen Alkoholabhängigkeit ist der körperliche Verfall häufig von Außenstehenden sichtbar.

Schon gewusst?
Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 20.000 Personen an den Folgen von Alkohol. Dabei muss eine Person nicht zwangsläufig alkoholabhängig sein, um ihren Körper zu schädigen. Auch wer häufig und/oder sehr viel Alkohol trinkt, riskiert körperliche und psychische Folgen.

Nicht zuletzt hat Alkoholismus soziale Folgen – etwa in der Beziehung, am Arbeitsplatz oder in Freundschaften.

Erkrankungen der Leber

Alkohol schadet der Leber. Zu möglichen Folgen zählen vor allem Leberentzündung (Hepatitis), Fettleber und Leberzirrhose.

Da die Leber Alkohol abbaut, ist sie besonders gefährdet, bei übermäßigem Konsum Schaden zu nehmen.

Arzt mit Modell einer Leber: Alkoholismus kann auf Dauer zu schweren Leberschäden führen. (Quelle: Getty Images/Shidlovski)Arzt mit Modell einer Leber: Alkoholismus kann auf Dauer zu schweren Leberschäden führen. (Quelle: Shidlovski/Getty Images)

Schäden im Hirn durch Alkohol

Durch Alkohol kann das Hirngewebe schrumpfen. Dies führt zu einer verminderten Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit. Langfristig wird die Intelligenz beeinträchtigt.

Ein alkoholbedingter Vitamin B1-Mangel kann zu einer Wernicke-Enzephalopathie führen. Dies ist eine Störung, die unter anderem zu Verwirrtheit, Augenmuskellähmungen und Gleichgewichtsstörungen führt.

Die Wernicke-Enzephalopathie kann in ein Korsakow-Syndrom münden. Dieses schwere Hirnschädigung kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Sie kann unbehandelt tödlich sein.

Krebserkrankungen durch Alkohol

Ein dauerhaft zu hoher Alkoholkonsum begünstigt zahlreiche Krebserkrankungen, insbesondere

  • in der Leber,
  • in Mund, Speiseröhre und Rachen,
  • im Enddarm und
  • in der Brustdrüse.

Alkoholismus und Sexualität

Alkoholismus hat Auswirkungen auf die Sexualität. Zu viel Alkohol kann mit der Zeit zu Impotenz führen.

Darüber hinaus verringert Alkohol auf Dauer die sexuelle Erlebnisfähigkeit – sowohl beim Mann als bei der Frau. Beim Mann kann Alkoholismus eine Prostatavergrößerung begünstigen.

Psychische Folgen einer Alkoholabhängigkeit

Langfristig wirkt sich Alkoholismus auf die Psyche aus. Zu häufigen Folgen zählen Angstzustände und/oder depressive Verstimmungen/Depressionen – bis hin zu Suizidgedanken.

Nahestehende Personen bemerken zudem oft eine Persönlichkeitsveränderung. Der oder die Betroffene ist reizbarer als gewohnt. Auch starke Unruhe, übertriebene Eifersucht oder Unzuverlässigkeit sind mögliche Anzeichen.

Weitere mögliche Folgen von Alkoholismus

Zu weiteren Folgen einer Alkoholsucht zählen unter anderem

Wichtige Information
Nicht zu vergessen sind die möglichen akuten Folgen eines Alkoholrausches. Mit zunehmender Alkoholkonzentration im Blut nimmt die Risikofreudigkeit zu – und gleichzeitig verliert die Person immer mehr die Kontrolle. Das Risiko für Unfälle steigt. Bei sehr hohem Alkoholkonsum droht eine Alkoholvergiftung, die in schweren Fällen tödlich enden kann.

Therapie einer Alkoholabhängigkeit

Wichtiges Element der Therapie ist die körperliche Entgiftung: Der Körper muss unter ärztlicher Aufsicht vom Alkohol entwöhnt und mögliche Vergiftungssymptome behandelt werden. Oft passiert dies im Rahmen eines stationären Aufenthalts. Verschiedene Medikamente können die damit verbundenen Entzugserscheinungen lindern.

Wichtige Information
Alkoholismus ohne professionelle Hilfe behandeln zu wollen, ist gefährlich. Keinesfalls sollten Erkrankte auf eigene Faust einen "kalten Entzug" versuchen und von jetzt auf gleich komplett auf Alkohol verzichten. Andernfalls drohen schwere körperliche Komplikationen wie zum Beispiel Krampfanfälle.

Die körperliche Entgiftung ist jedoch nur ein Teil der Behandlung. Neben körperlichen Entzugserscheinungen sind auch psychische Folgen zu erwarten. Nach einem rein körperlichen Entzug ist zudem das Risiko hoch, einen Rückfall zu erleiden. Daher spielt die psychologische/psychotherapeutische Betreuung bei der Behandlung einer Alkoholabhängigkeit eine große Rolle.

Fachleute setzen bei Alkoholismus auf eine sogenannte qualifizierte Entzugsbehandlung: Sie beinhaltet neben der körperlichen Entgiftung auch psychische und soziale Komponenten.

Selbsthilfegruppe: Manchen Menschen mit Alkoholabhängigkeit hilft der Austausch mit anderen Erkrankten. (Quelle: Getty Images/ SDI Productions)Selbsthilfegruppe: Manchen Menschen mit Alkoholabhängigkeit hilft der Austausch mit anderen Erkrankten. (Quelle: SDI Productions/Getty Images)

Langzeittherapie kann Rückfälle verhindern

Um das Risiko für Rückfälle so gering wie möglich zu halten, sollten Menschen mit Alkoholabhängigkeit nach der Entzugsbehandlung weiter begleitet werden.

Eine Langzeittherapie kann sehr unterschiedlich aussehen. Sie richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen und Voraussetzungen der oder des Erkrankten. Teil der Langzeittherapie kann etwa sein, körperliche oder psychische Folgeschäden zu behandeln – zum Beispiel einen Leberschaden oder eine depressive Verstimmung.

Hilfreich ist für viele

  • eine Psychotherapie,
  • der regelmäßige Besuch einer Beratungsstelle oder
  • der Besuch einer Selbsthilfegruppe.

Ist Alkoholismus heilbar?

Kann es bei einer Alkoholabhängigkeit gelingen, den Alkoholkonsum auf ein risikoarmes Maß zu reduzieren, anstatt gänzlich auf Alkohol zu verzichten? Diese Frage stellen sich viele Menschen, deren Trinkverhalten bedenklich ist.

Die Antwort lautet: wahrscheinlich nicht. Zumindest gibt es bislang keine Studien, die dies belegen. Besser ist es also, nach der Therapie konsequent auf Alkohol zu verzichten.

Auf alkoholhaltige Speien verzichten

Schon kleinste Mengen Alkohol können zu einem Rückfall führen. Daher sollten alkoholabhängige Personen nicht nur auf alkoholische Getränke verzichten, sondern grundsätzlich auf alle Speisen, die Alkohol enthalten.

Alkohol kann zum Beispiel enthalten sein in

  • Nachspeisen (wie Zabaione)
  • Soßen
  • Konfekt/Pralinen

Alkoholismus vorbeugen: Ab wann ist es zu viel?

Völlig risikofreien Alkoholkonsum gibt es vermutlich nicht. Vielmehr sprechen Fachleute von einem risikoarmen Konsum: Die Trinkmenge oder -häufigkeit ist dann in einem Rahmen, in dem keine oder nur minimale gesundheitliche Folgen zu erwarten sind.

Wichtige Information
Die folgenden Empfehlungen richten sich an gesunde Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren ohne Alkoholproblem. Zudem handelt es sich um Durchschnittswerte: Selbst wer sich an einen risikoarmen Konsum hält, kann – wenn auch mit geringerem Risiko – alkoholabhängig werden. Schwangere sollten keinen Alkohol trinken.

In Anlehnung an die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gelten diese Empfehlungen:

  • Für Frauen: Nehmen Sie pro Tag höchstens 12 Gramm Alkohol zu sich. Dies entspricht zum Beispiel einem Bier (0,3 Liter) oder einem kleinen Glas Wein (0,125 Liter)
  • Für Männer: Nehmen Sie pro Tag höchstens 24 Gramm Alkohol zu sich. Dies entspricht zum Beispiel zwei Bier (0,6 Liter) oder einem großen Glas Wein (0,25 Liter)

Darüber hinaus gilt: An mindestens zwei Tagen in der Woche sollten Sie keine alkoholischen Getränke zu sich nehmen. Andernfalls besteht die Gefahr der Gewöhnung.

Alkoholismus: Bin ich gefährdet?

Wenn Sie regelmäßig öfter oder mehr konsumieren als empfohlen, ist das Risiko erhöht, in eine Abhängigkeit zu rutschen – oder bereits abhängig zu sein. Dann kann es sinnvoll sein, sich Hilfe zu holen.

Hellhörig werden sollten Sie, wenn Sie

  • Alkohol trinken, weil Sie Probleme haben und kurzfristig Erleichterung suchen
  • Alkohol trinken, um "funktionieren" zu können, etwa bei einem geschäftlichen Treffen
  • es nicht schaffen, Ihre Trinkgewohnheiten zu verändern
  • aufgrund Ihres Alkoholkonsums Probleme bekommen haben, etwa bei der Arbeit oder in der Beziehung
  • viel an Alkohol denken und/oder ein schlechtes Gewissen haben, weil Sie zu viel trinken
  • Ihren Konsum vor anderen verheimlichen
  • öfter die Kontrolle über Ihren Alkoholkonsum verlieren (bis zum Rausch)

Anlaufstellen für Betroffene & Angehörige

Bei möglichen Anzeichen für eine Alkoholabhängigkeit kann die hausärztliche Praxis eine erste Anlaufstelle sein. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann gegebenenfalls den Kontakt zu entsprechenden Therapieangeboten vermitteln.

Über ein mögliches Alkoholproblem zu sprechen, fällt vielen allerdings nicht leicht. Hilfreich kann es dann sein, sich anonym Hilfe zu suchen – zum Beispiel in einer Suchtberatungsstelle. Wer den direkten Kontakt in der Beratungsstelle scheut, dem stehen Online-Beratungen oder der telefonische Kontakt zur Verfügung.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Suchtberatungsstelle können in der Regel gut beurteilen, wie gefährlich der Alkoholkonsum der Person ist und ob es sich bereits um eine Abhängigkeit handelt. Außerdem unterstützen sie bei der Suche nach einer Behandlung – oder aber sie bieten selbst spezielle Entwöhnprogramme an. Auch nach einer Therapie stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung: Sie vermitteln an Selbsthilfegruppen und stehen beratend zur Seite.

Gut zu wissen
Im Suchthilfeverzeichnis der Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen können Sie eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden. 

Unterstützung in der Selbsthilfegruppe

Viele Erkrankte empfinden die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe als hilfreich. Sich mit Menschen auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht und vielleicht bereits ihre Abhängigkeit im Griff haben, kann motivierend sein und Halt geben.

Kontakte zu Selbsthilfegruppen erhalten Sie zum Beispiel

Entlastung für Angehörige

Einen alkoholabhängigen Menschen zu unterstützen, kann sehr viel Energie kosten und immer wieder zu Konflikten führen. Wichtig ist, als Angehörige die eigenen Grenzen zu erkennen und für sich selbst zu sorgen.

Angehörige können für die Person da sein – um das Problem jedoch in den Griff zu bekommen, bedarf es einer professionellen Behandlung.

Für nahestehende Personen ist es oft sehr belastend, wenn das Gegenüber ein Alkoholproblem hat. Dann kann es für sie hilfreich sein, ebenfalls eine Beratungsstelle und/oder eine Selbsthilfegruppe zu besuchen.

Es gibt spezielle Selbsthilfegruppen, in denen sich Angehörige untereinander austauschen können.

In einer Beratungsstelle können sich Angehörige zum Beispiel Hilfe holen, wenn Sie nicht wissen, wie sie eine betroffene Person auf ihr Problem ansprechen können – oder wenn es aufgrund des Alkoholkonsums immer wieder Konflikte gibt.

Verwendete Quellen:
  • Online-Informationen des Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.kenn-dein-limit.de (Abrufdatum: 18.8.2021)'
  • S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen. AWMF-Leitlinien-Register-Nr. 076-001 (Stand: 1.1.2021)
  • Alkoholabhängigkeit (PDF). Suchtmedizinische Reihe. Online-Publikation der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen: www.dhs.de (Stand: Juni 2020)
  • Alkohol. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 6.11.2019)
  • Alkoholatlas Deutschland 2017 (PDF). Online-Publikation des Deutsches Krebsforschungszentrums in der Helmholtz-Gesellschaft: www.dfkz.de (Stand: 2017)
  • Möller, H., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015
  • weitere Quellen
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Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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