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Infektionsgefahr: Warum man nicht mit Kontaktlinsen schlafen sollte

Infektionsgefahr  

Warum Sie nicht mit Kontaktlinsen schlafen sollten

20.12.2018, 08:56 Uhr | Stephen Wolf, dpa

Infektionsgefahr: Warum man nicht mit Kontaktlinsen schlafen sollte. Kontaktlinse (Quelle: dpa/Daniel Reinhardt)

Hygiene: Wer Kontaktlinsen mit schmutzigen Fingern einsetzt oder heraus nimmt, riskiert eine Entzündung der Hornhaut. (Quelle: Daniel Reinhardt/dpa)

Wer Kontaktlinsen zu viele Stunden getragen hat oder damit eingeschlafen ist, sollte sie so bald wie möglich aus den Augen nehmen und diesen dann eine Pause gönnen, bis sie sich erholt haben. Wenn sie rot bleiben und sich entzünden, führt kein Weg an einem Arztbesuch vorbei.

Keine Frage, Träger von Kontaktlinsen müssen besonders diszipliniert sein. Sie sollten die hygienischen Vorgaben streng einhalten. Dazu gehört es, alte Linsen rechtzeitig auszutauschen, um eine Hornhautinfektion zu vermeiden.

Besonders riskant sei es dagegen, mit den Linsen einzuschlafen, schreiben die Mediziner Jon Femling und Justin Baca in den "Annals of Emergency Medicine" (Januarausgabe).

Ausgerechnet über diese Marotte berichten Jugendliche und Erwachsene mit Kontaktlinsen nach Angaben der Autoren am häufigsten. Schon ein Nickerchen mit Kontaktlinsen könne aber das Risiko für eine Hornhautentzündung erhöhen. "Mit Kontaktlinsen zu schlafen ist riskant und kann zu Infektionen oder in manchen Fällen zu bleibenden Schäden führen", heißt es in dem Bericht.

Kontaktlinsenträger haben regelmäßig Hornhautentzündungen

Die Autoren haben Daten ausgewertet und nennen Fallbeispiele, bei denen der unsachgemäße Umgang mit Kontaktlinsen zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führte.

Es gibt wenig konkrete Zahlen. Ein Drittel der Befragten hätten angegeben, zumindest gelegentlich mit den Linsen einzuschlafen, schreiben die Autoren mit Verweis auf eine britische Studie von 2008. Dies Verhalten erhöhe das Risiko einer Infektion durch Kontaktlinsen nach Angaben derselben Studie um das Sechs- bis Achtfache. Normalerweise bekommen von 10.000 Kontaktlinsenträgern demnach ein bis vier pro Jahr eine mikrobielle Hornhautentzündung. Das Verhältnis könne sich aufgrund neuer Linsen aber gebessert haben, meint Steve Arnoff vom American College of Emergency Physicians.

Kein Leitungswasser verwenden

In jedem Fall müssen die praktischen Sehhilfen ganz grundsätzlich mit Vorsicht behandelt werden. Wie die US-Autoren, so mahnt etwa auch der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) zur Sorgfalt. Erreger können direkt in das weiche Material der Linsen einwandern, heißt es vom Verband. Werden Linsen länger als empfohlen verwendet, seien Komplikationen zu befürchten. Händewaschen vor dem Einsetzen und Herausnehmen der Linsen, gründliche Reinigung und sorgfältige Aufbewahrung der Sehhilfen seien unverzichtbar.

Linsen sollten nicht mit Leitungswasser in Berührung kommen: "Vernachlässigt man diese Regeln, ebnet man Krankheitserregern den Weg ins Auge." Oliver Hoppe, Facharzt für Augenheilkunde in Köln und Leiter des Arbeitskreises Kontaktlinsen im BVA rät Patienten dringend davon ab, handelsübliche Kontaktlinsen während der Nacht zu tragen. Zwar müssten bei einer Infektion die allerwenigsten Patienten tatsächlich eine Erblindung befürchten. Geschehen könne dies aber dennoch, etwa wenn Akanthamöben – winzige Parasiten – durch Mikroverletzungen in die Hornhaut eindringen. "Dann wird es sehr gefährlich", warnt Hoppe.

Geschwüre und Löcher in der Hornhaut möglich 

Nach Angaben des BVA liegt die Zahl der Kontaktlinsenträger in Deutschland bei etwa 3,4 Millionen Menschen. Das mache die Dimension und damit die Notwendigkeit umfassender Aufklärung deutlich. In den USA tragen schätzungsweise 45 Millionen Menschen Kontaktlinsen. Die von den US-Autoren genannten Fälle zeigen nicht nur, dass eine Infektion der Hornhaut auf banale Weise hervorgerufen werden kann. Sie belegen auch, wie kompliziert die Behandlung oftmals ist.

Einige Patienten entwickelten Geschwüre und Perforationen (Löcher), die eine Hornhauttransplantation erforderlich machten. Eine mikrobielle Hornhautentzündung erfordert häufig die stündliche Gabe von Antibiotikatropfen. In einem Fall geht es etwa um einen Mann, der mit seinen Linsen mehrmals in der Woche geschlafen hat und mit den Sehhilfen auch noch schwimmen ging. Nachdem sich seine Augen gerötet hatten und er nur noch verschwommen sah, wurde er wegen bakterieller und pilzartiger mikrobieller Hornhautentzündung behandelt.



Weil sie mit Linsen geschlafen hatte, entwickelte eine Jugendliche sogar ein Hornhautgeschwür am Auge. Das führte zur Narbenbildung. Und bei einem Mann, der zwei Wochen lang die gleichen Linsen trug, diagnostizierten die Ärzte eine perforierte Hornhaut sowie eine bakterielle Infektion. Sein Auge konnte durch eine Hornhauttransplantation gerettet werden.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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