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Coronavirus: Wer gehört eigentlich wirklich zur Risikogruppe?

Infektionswege und Risikogruppen  

Wer zählt zu den Risikogruppen?

26.05.2020, 17:26 Uhr | dpa-tmn, mwe, msc, nsa, sms, t-online.de, ari

Corona-Lockerungen: Warum Abstandhalten jetzt umso wichtiger ist

Die Corona-Schutzmaßnahmen in Deutschland werden in den kommenden Wochen gelockert. Ein Experiment der Bauhaus-Universität Weimar zeigt, warum Abstandhalten dadurch umso wichtiger wird. (Quelle: t-online.de)

Im Video: Dieses Experiment zeigt, warum das Abstandhalten in der Öffentlichkeit auch bei gelockerten Corona-Maßnahmen so wichtig ist. (Quelle: t-online.de)


Die Zahl der Corona-Infizierten erhöht sich noch immer, wenn auch langsamer.  Mit den ersten Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Deutschland sinkt bei einigen Menschen die Sorge vor dem Virus. t-online.de erklärt, was zum Coronavirus bis jetzt bekannt ist, welche Risikogruppen besonders gefährdet sind und wer das Virus unbewusst verbreitet.

Was sind "Superspreader" und wie gefährlich sind sie?

Einige Menschen könnten das Coronavirus viel stärker verbreiten als andere, sagen Gesundheitsexperten. Diese werden als Superspreader (Superverbreiter) bezeichnet. Sie sind mit dem Virus infiziert und geben dieses – meist unwissentlich – an deutlich mehr Menschen weiter als der Durchschnittsbürger.

Wie genau ein Mensch zum Superspreader wird, darüber ist noch wenig bekannt. Biologische Ursachen wie ein geschwächtes Immunsystem werden genauso diskutiert wie das Verhalten und das Umfeld der Person.

Fest steht: Eine wesentliche Rolle bei der Ausbreitung des Virus spielt laut Experten das eigene Sozialverhalten. Menschen, die sich nicht sozial isolieren und Menschenmassen nicht meiden, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Coronavirus anzustecken und es anschließend an andere weiterzugeben.

Untersuchungen aus Südkorea zeigen, dass junge Menschen dort die Hauptträger des Coronavirus sind. Sie könnten wesentlich zur Verbreitung des Virus beitragen, da viele von ihnen ihr Verhalten der Krise nicht ausreichend anpassen und weiterhin soziale Kontakte pflegen. Die meisten jungen Menschen zählen nicht zur Risikogruppe von Covid-19, doch viele gefährden besonders alte und kranke Personen, die vor dem Virus geschützt werden müssen.

Wie gefährlich ist das Coronavirus?

Die Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Laut einer von Chinas Gesundheitsbehörde Mitte Februar vorgestellten Analyse führt der Erreger bei mehr als 80 Prozent der infizierten Menschen lediglich zu erkältungsähnlichen Symptomen. Wie schwer die Erkrankung verläuft, hängt offenbar auch vom Alter der Betroffenen ab. Kinder und gesunde Erwachsene entwickeln in der Regel nur milde Symptome wie Schnupfen und leichtes Fieber oder bemerken nicht einmal, dass sie sich angesteckt haben.

Bei Menschen über 80 Jahren liegt die in der offiziellen chinesischen Analyse errechnete Todesrate bei knapp 15 Prozent, es sterben also in dieser Altersgruppe in China im Mittel etwa 15 von 100 Infizierten. Auch bei Menschen mit schweren Vorerkrankungen ist das Risiko für einen schweren oder gar tödlichen Verlauf höher. In der Gruppe der 10 bis 39 Jahre alten Menschen sterben 0,2 Prozent der Infizierten, also etwa 2 von 1.000 Betroffenen.

Insgesamt sterben nach aktuellem Stand in China mehr als zwei Prozent der mit SARS-CoV-2 Infizierten. Ob diese Zahl die tatsächliche Situation erfasst, ist jedoch unsicher. Viele Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Sterberate geringer ist. Der Grund: Vermutlich bleiben viele Infizierte wegen eines milden Krankheitsverlaufs oder gar völliger Symptomfreiheit unerkannt, werden also gar nicht in der Statistik erfasst.

Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), erklärte Ende Februar: "Das Virus ist leicht übertragbar, die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist sehr hoch. Ein bis zwei Prozent sterben laut aktuellen Zahlen." Damit sei das Coronavirus tödlicher als die Grippe. Wie viel höher die Sterberate ausfalle, werde man nach dem Ende der Epidemie sehen.

Ob von Covid-19 genesene Menschen immun sind, lesen Sie hier.

Große Unterschiede bei den Sterberaten

Allerdings werden mit der zunehmenden Ausbreitung von SARS-CoV-2 deutliche Unterschiede bei den Sterberaten je nach Land sichtbar. Während sie in Italien Mitte März bei bei rund acht Prozent lag, bewegte sie sich zur gleichen Zeit in Deutschland bei deutlich unter einem halben Prozent. 

Experten vermuten hinter den sehr unterschiedlichen Zahlen mehrere Ursachen: Zum einen spielt die Altersstruktur der Bevölkerung eine Rolle. Je mehr Ältere es gibt, desto höher liegt statistisch die Sterberate. Zudem dürften die Ausstattung der Krankenhäuser sowie die Häufigkeit der Tests eine Rolle spielen.

Was unterscheidet Covid-19 von einer Grippe oder einer Allergie?

Wenn Sie vermuten, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, kontaktieren Sie bitte zunächst Ihren Arzt, rufen Sie die Telefonnummer 116117 oder lokale Corona-Hotlines an. Fragen Sie auch nach, ob das zuständige Gesundheitsamt informiert werden muss.

Erste Hinweise, ob es sich um Covid-19 oder möglicherweise eine Grippe oder eine Allergie handelt, können Sie der folgenden Übersicht entnehmen. 

Coronavirus oder Grippe? Das sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten:

Das Coronavirus, so scheint es bislang, ist leichter übertragbar als das Grippevirus. Die Ansteckungsrate von Covid-19 ist nach der bisherigen Datenlage höher als bei Influenza. Beide Viren werden hauptsächlich per Tröpfcheninfektion übertragen. Das heißt, es kann beim Sprechen, Niesen, Husten oder auch beim Händeschütteln von einem Menschen auf den anderen übergehen.

Die anfänglichen Symptome der Grippe und des neuen Coronavirus ähneln sich. Zu Beginn zeigen sich bei beiden Erkrankungen Erkältungssymptome.

Bei der Grippe setzt das Krankheitsgefühl sehr plötzlich ein. Das RKI nennt Symptome wie:

  • Schnupfen
  • Fieber
  • Husten
  • Halsschmerzen
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • allgemeine Schwäche
  • Schweißausbrüche

Bei der Lungenkrankheit scheint die Symptomatik nach bisherigen Erkenntnissen ähnlich. Jedoch kann sie laut RKI anfangs sogar ohne Symptome verlaufen. In den meisten Fällen treten zunächst Fieber, Kopfschmerzen, trockener Husten und Atemnot auf.

Die Viren können aber auch – anders als bei einer Grippe oder SARS-Infektion – die unteren Atemwege infizieren und bei manchen Betroffenen zu einer Lungenentzündung führen. Besonders ältere oder immungeschwächte Menschen sind davon gefährdet. Todesfälle traten allerdings bisher vor allem bei Patienten auf, die bereits zuvor an schweren Grunderkrankungen litten.

Worin genau sich Grippe, SARS und Covid-19 unterscheiden, lesen Sie hier. 

Corona-Infektion: Sind Grippe-Infizierte besonders gefährdet?

Grundsätzlich ist es möglich, dass Menschen gleichzeitig an Covid-19 und an einer Grippe erkranken, da beide Erkrankungen von verschiedenen Viren verursacht werden. Influenzaviren lösen die Grippe, Coronaviren die Lungenkrankheit Covid-19 aus.

Wer eine Grippe hat, dessen körpereigene Abwehrkräfte sind geschwächt. Dadurch ist auch das Risiko erhöht, sich mit dem Coronavirus zu infizieren und schwer zu erkranken. Denn kommt eine Infektion mit dem Coronavirus hinzu, muss das Immunsystem gegen zwei Krankheitserreger gleichzeitig ankämpfen.

Generell zählen Patienten mit Vorerkrankungen beziehungsweise einem geschwächten Immunsystem zu den Risikogruppen für einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung. Für sie kann eine Infektion lebensgefährlich sein.

Mediziner raten deshalb vor allem gefährdeten Personen, sich gegen Grippe und Pneumokokken impfen zu lassen. Beide Erkrankungen können Lungenentzündungen hervorrufen.

Coronavirus oder Allergie? Das sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten:

Nicht nur das Coronavirus breitet sich rasant aus, auch die Pollensaison ist wieder gestartet und sorgt bei vielen Menschen für Schnupfen und Husten. Daran merken Sie, wovon Sie betroffen sind.

Die Lungenkrankheit Covid-19 ruft teils ähnliche Beschwerden wie eine Allergie hervor. Dazu zählen trockener Husten und manchmal auch Kopfschmerzen.

Einer der größten Unterschiede zwischen den Covid-19-Symptomen und denen einer saisonalen Allergie sind nasale Symptome. "Neben Niesen, Naselaufen und verstopfter Nase klagen Allergiker meistens über Augenjucken. Das kommt bei Infekten inklusive Covid-19 nicht vor", erklärt der Allergologe Prof. J. Kleine-Tebbe.

Entscheidend kann zudem das Krankheitsgefühl sein. Corona-Infizierte leiden dem Robert Koch-Institut zufolge häufig unter Fieber und fühlen sich müde und schwach. Allergiker hingegen fühlen sich nicht wirklich krank. "Außerdem sind Infektsymptome dauerhaft – also den ganzen Tag – vorhanden und nicht wie bei Allergien spontan einsetzend mit Pausen dazwischen", sagt Prof. Kleine-Tebbe.

Corona-Infektion: Sind Allergiker besonders gefährdet?

Experten vermuten, dass das Infektrisiko bei einigen Allergikern leicht erhöht ist. Denn wer Heuschnupfen und allergisches Asthma hat, ist durch die entzündlichen Reaktionen, die im Körper stattfinden, generell etwas anfälliger für Viren. Das gilt zum Beispiel für Rhinoviren (Krankheitserreger, die Schnupfen und Erkältungen auslösen) oder das Influenzavirus. Das Risiko einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 könnte deshalb bei Allergikern – ähnlich wie bei Rauchern – leicht erhöht sein. Es gibt allerdings bisher keine Beweise dafür.

Bei welchen Vorerkrankungen sind Infizierte besonders gefährdet?

Bei bestimmten Risikogruppen ist die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf erhöht. Neben dem Alter (ab etwa 60 Jahren nimmt das Risiko für einen schweren bis lebensgefährlichen Verlauf der Krankheit stetig zu) scheinen vor allem diese Vorerkrankungen für Infizierte besonders gefährlich zu sein:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (etwa koronare Herzerkrankung oder Bluthochdruck
  • chronische Erkrankungen der Lunge (etwa COPD)
  • chronische Lebererkrankungen
  • Diabetes Mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Krebserkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen (etwa entzündliches Rheuma oder Multiple Sklerose)

Zu den Risikogruppen gehören außerdem Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, sei es aufgrund einer Erkrankung oder der Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr beeinflussen oder herabsetzen können, etwa Cortison. Auch Raucher scheinen anfällig für einen vergleichsweise schweren Infektionsverlauf zu sein.

Wie gefährlich ist Covid-19 für Ältere?

Laut aktuellem Forschungsstand gehören ältere Menschen zu den Risikogruppen. Sind sind besonders oft unter den Infizierten und können, bedingt durch das weniger gut reagierende Immunsystem, nach einer Infektion schwerer erkranken. Da unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber die Antwort des Immunsystems auf eine Infektion sind, können diese im Alter schwächer ausfallen oder fehlen, wodurch Erkrankte dann auch erst später zum Arzt gehen.

Ab etwa 50 bis 60 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf einer Infektion mit dem Coronavirus stetig. 86 Prozent der Menschen, die in Deutschland an Covid-19 gestorben sind, waren laut Angaben den Robert Koch-Instituts 70 Jahre oder älter. 

"Wir müssen die älteren Menschen schützen", sagt der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, Christian Drosten, im NDR-Podcast "Coronavirus-Update". Drosten zählt Menschen ab dem Rentenalter – also ab etwa 65 Jahren – zur Risikogruppe einer Coronavirus-Infektion. 

Gerade diese Altersgruppe sollte verstärkt Vorsichtsmaßnahmen treffen, um sich einer möglichen Infektionsgefahr nicht weiter auszusetzen. Dazu gehört etwa, auf Betreuung und Besuch der Enkelkinder zu verzichten sowie öffentliche Verkehrsmittel und Kontakt zu haushaltsfremden Menschen zu meiden. Viele Städte und Gemeinden bieten Nachbarschaftshilfen an, etwa Einkaufsservice für Risikogruppen, bei denen die Einkäufe dann kontaktlos vor der Haustür abgestellt werden. 

Wie gefährlich ist Covid-19 für Kinder?

Was sich schon nach den ersten Wochen des Corona-Ausbruchs in China zeigte, bestätigen auch neuere Beobachtungen aus anderen Teilen der Welt: Bislang scheinen kaum Kinder von Covid-19 betroffen zu sein. Außerdem verläuft die Erkrankung bei Kindern in der Regel offenbar sehr mild. Das unterscheidet den neuen Erreger klar von der Influenza und anderen Atemwegserkrankungen, die für Kinder oft besonders riskant sind.

Die bislang größte Studie des chinesischen Center for Disease Control (CDC) hatte vor einigen Wochen gezeigt, dass unter rund 45.000 Fällen nur 416 Kinder im Alter von unter neun Jahren waren. Etliche Forscher vermuteten anfangs, dass Kinder seltener Kontakt zu möglichen Überträgern haben oder die Erkrankung bei ihnen aufgrund des milden Verlaufs meist unerkannt bleibt.

Konkret untersuchten der Forscher Qifang Bi und seine Kollegen von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore 391 Personen, die sich nachweislich mit dem neuen Erreger infiziert hatten. Von diesen durchschnittlich 45 Jahre alten Patienten zeigten 91 Prozent lediglich leichte oder mäßige Symptome.

In einem weiteren Schritt untersuchten die Mediziner insgesamt 1.286 Menschen, die in engerem Kontakt mit den Infizierten gewesen waren und analysierten, wie viele von ihnen sich in der Folge auch mit dem Virus infizierten. Das Ergebnis: Die Infektionsrate der Kontaktpersonen war bei allen Altersgruppen etwa gleich hoch. Im Schnitt lag sie bei 7,9 Prozent. Bei den Kindern im Alter von unter zehn Jahren infizierten sich 10,7 Prozent. Allerdings zeigten die positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Kinder kaum Krankheitssymptome, wie Bi und seine Kollegen berichten. Zudem erholten sie sich schneller wieder von der Erkrankung als die positiv getesteten Erwachsenen.

Wie gefährlich ist Covid-19 für Schwangere?

Ob Schwangere das Virus an ihr ungeborenes Kind weitergeben können, ist zwar zurzeit noch nicht abschließend geklärt. Laut dem britischen Royal College of Obstetricians & Gynaicologists gibt es jedoch bislang "keine Anzeichen, die auf ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko hindeuten". Es gebe demnach auch "keine Hinweise darauf, dass das Virus während der Schwangerschaft auf das Baby übergehen kann" und so beim Baby zu Fehlbildungen führe.

Das Robert Koch-Institut vermutet zwar, dass aufgrund der "physiologischen Anpassung und immunologischen Änderungen während der Schwangerschaft eine erhöhte Empfänglichkeit für Infektionen" durch das Coronavirus nicht ausgeschlossen werden kann. Es gebe jedoch keine Hinweise darauf, dass Schwangere durch das Coronavirus gefährdeter sind als andere Frauen. Darauf weisen der Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) hin.

Ob Covid-19 für ungeborene Kinder gefährlich ist, kann die derzeitige Forschung noch nicht eindeutig beantworten. Grundsätzlich kann hohes Fieber der Schwangeren während des ersten Trimesters der Schwangerschaft das Risiko für Komplikationen und Fehlbildungen erhöhen, so das Robert Koch-Institut. 

Wie verhalte ich mich als Schwangere bei Symptomen, die auf Covid-19 hinweisen?

Bei Symptomen wie Fieber, Husten oder Atembeschwerden sollten betroffene Frauen telefonisch ihren Arzt oder die Klinik kontaktieren. Der Arzt entscheidet, ob und welche weiteren Maßnahmen nötig sind. Keinesfalls sollten Schwangere ohne Rücksprache mit dem Arzt eigenständig zu Medikamenten greifen.

Wie gefährlich ist Covid-19 für Männer?

Dass Covid-19 bei älteren Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen häufiger schwer verläuft, ist offenbar gesichert. Erste große Analysen und die Fallzahlen aus verschiedenen Ländern fördern zudem eine weitere Auffälligkeit zutage: Bei Männern scheint die Erkrankung häufiger tödlich zu verlaufen als bei Frauen.

So zeigte der Ende Februar veröffentlichte Seuchenbericht des Chinese Center for Disease Control and Prevention zur Ausbreitung des neuartigen Coronavirus anhand von Daten von mehr als 40.000 Covid-19-Patienten: Die Zahl der infizierten Männer (22.981) und Frauen (21.691) war zwar etwa gleich groß. Die Sterblichkeitsrate lag bei den Männern allerdings mit 2,8 Prozent wesentlich höher als bei den Frauen (1,7 Prozent). 

Auch in Deutschland sterben mehr Männer im Zusammenhang mit SARS-Cov-2

Die höhere Sterberate bei Männern beschränkt sich nicht nur auf China, sondern zeigt sich auch hierzulande immer deutlicher. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts (Stand 5. April) sind in Deutschland bislang 1.342 Personen im Zusammenhang mit einer Erkrankung an Covid-19 gestorben. Darunter liegt die Anzahl der Männer mit 63 Prozent deutlich höher als der der Frauen mit 36 Prozent, für drei Personen ist das Geschlecht unbekannt. Bei den Infektionsraten zeigt sich den Angaben des RKI zufolge hingegen kein Unterschied: Männer und Frauen infizieren sich demnach genauso häufig mit SARS-CoV-2.

Schon bei der durch ein Coronavirus verursachten SARS-Epidemie war in Hongkong ein ähnlicher Trend beobachtet worden: Damals lag einer im Fachmagazin "Annals of Internal Medicine" veröffentlichten Studie zufolge die Sterblichkeitsrate bei männlichen SARS-Infizierten 50 Prozent höher als bei den Frauen.

Das männliche Immunsystem ist anders

Dass die Sterberate bei Männern höher liegt, erklären viele Experten damit, dass Frauen grundsätzlich über eine etwas bessere Immunabwehr verfügen. In einem Bericht der "New York Times" erläuterte die Forscherin Sabra Klein, die unter anderem Geschlechtsunterschiede bei Virusinfektionen untersucht: "Wir haben dieses Muster bereits bei vielen Atemwegserkrankungen gesehen. Frauen können sie besser bekämpfen." 

Nicht nur ein schwächeres Immunsystem, sondern auch ein bei Männern anderer Lebensstil könnte zudem eine Rolle spielen. So ernähren sich Männer im Schnitt ungesünder als Frauen, trinken mehr Alkohol und rauchen häufiger, was wiederum das Risiko etwa für Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Herzerkrankungen erhöht. "In China rauchen 50 Prozent der Männer, aber nur zwei Prozent der Frauen." Sind die Lunge und die Atemwege vorgeschädigt, könne das womöglich das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 erhöhen, meint der Virologe Hendrik Streeck. Mit abschließender Sicherheit lasse sich das aber noch nicht beurteilen.


Wie gefährlich ist Covid-19 für Raucher?

Grundsätzlich gehören Raucher zu den Risikogruppen. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit Covid-19 erhöht ist. "Studien aus China und USA zeigen, dass diese Gefahr bei häufig tabakbedingten Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen und Krebs höher ist", sagte Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Einzelne Studien verwiesen auf eine erhöhte Mortalität für diese Gruppe.

Es ist zwar noch nicht ganz klar, ob durch das Rauchen die Infektionsgefahr steigt. Es spreche aber vieles dafür, so Prof. Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. "Raucher haben grundsätzlich ein höheres Risiko, Virusinfektionen zu erleiden", sagt der Experte. 

Der Grund dafür: Durch die Belastung des Rauchens sind die Abwehrkräfte des Bronchialsystems eingeschränkt. Viren und Co. haben so leichteres Spiel. "Das wissen wir aus dem klinischen Alltag – bei dem aktuellen Coronavirus ist es aber noch nicht nachgewiesen."

Mehr Informationen gibt es dagegen zum Verlauf der Krankheit. "Da haben wir aus Wuhan relativ eindeutige Daten", so Pfeifer. "Die geben zumindest einen Hinweis darauf, dass das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs mit einer echten Lungenentzündung deutlich höher ist."

"Eine Vorschädigung der Lunge und der Atemwege könnte womöglich ein Co-Faktor für einen schweren Verlauf von Covid-19 sein", sagt auch der Virologe Hendrik Streeck im Gespräch mit t-online.de. Aber auch er mahnt zur Vorsicht: Sicher lasse sich das aber noch nicht sagen – "sowohl virologisch als auch epidemiologisch haben wir noch keine Daten", so Streeck.

Ist es also sinnvoll, wegen des Corornavirus mit dem Rauchen aufzuhören? Erstens lohne sich das natürlich immer – unabhängig von Corona. Aber tatsächlich, meint der Experte Michael Pfeifer, könne ein solcher Schritt jetzt noch Wirkung haben: "Es ist durchaus möglich, das Krankheitsrisiko und den Krankheitsverlauf auch jetzt noch zu beeinflussen, wenn man mit dem Rauchen aufhört. Es macht immer einen Unterschied, ob man aktiver oder ehemaliger Raucher ist."

Coronavirus-Fälle: Wer hat Vorrang bei der Behandlung?

Die Krankenhäuser in Deutschland rechnen mit einer zunehmenden Zahl an schweren Coronavirus-Fällen und bereiten sich zurzeit auf die dringlichste Versorgung vor.

Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft sind die Häuser für Epidemien und Pandemien gerüstet, verfügen über Isolierzimmer und hervorragend ausgebildetes Personal. Außerdem seien alle Krankenhäuser in die Katastrophenpläne der Länder eingebunden.

28.000 Intensivbetten stehen üblicherweise insgesamt bereit, um Patienten zu versorgen. Diese sind im Durchschnitt zu 80 Prozent ausgelastet, teilte die Deutsche Krankenhausgesellschaft auf Anfrage von t-online.de mit. Das heißt, grundsätzlich sind noch Kapazitäten für die Versorgung von Corona-Patienten mit schwerem Verlauf vorhanden.

Das werden voraussichtlich vor allem Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen und angeschlagenem Immunsystem sein. Wie auch vom Bundesgesundheitsminister immer wieder betont, sei es aber wichtig, die Zahl der gleichzeitig schwer erkrankten Personen so gering wie möglich zu halten.

Viele Kliniken in Deutschland sind zudem in der Lage, innerhalb von 24 Stunden weitere Intensivbetten zu schaffen. Einen Überblick dazu bietet die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin

Krankenhauszahlen Deutschland: 
497.000 Betten insgesamt
28.000 Intensivbetten
Ca. 50 Unterdruckzimmer 
1.200 Intensivstationen

Wer Vorrang bei einer Behandlung hat, müsse immer im Einzelfall vom medizinischen Personal entschieden werden. Es folgt dabei dem System der Triage: Die Ärzte bewerten bei Kapazitätsengpässen, wie hoch die Überlebenschancen der einzelnen Patienten sind.

Bei der Behandlung der Covid-19-Patienten werde der Deutschen Krankenhausgesellschaft zufolge darauf geachtet, dass diese möglichst wenig Kontakt mit anderen Patienten haben. Da es noch keine Therapie gegen die Lungenkrankheit Covid-19 gibt, arbeiten die Krankenhäuser mit begleitenden Maßnahmen, bekämpfen Folgeerkrankungen, halten die Flüssigkeitsversorgung aufrecht oder geben den Patienten zusätzlichen Sauerstoff.

Als weitere Maßnahme können bereits geplante Operationen verschoben werden. Sogenannte "elektive" Eingriffe wie beispielsweise der Einsatz von künstlichen Hüft- und Kniegelenken sind zu einem späteren Zeitpunkt durchführbar.

Um glimpflich durch die Epidemie zu kommen, müsse die Bevölkerung mitdenken, sagt Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin in München. Er hat dort die ersten deutschen Covid-19-Patienten behandelt. Die stationären Kapazitäten seien prinzipiell in Deutschland verfügbar. "Wir müssen nur die Ressourcen sehr vernünftig nutzen und uns nicht gegenseitig blockieren."

Wie lange dauert ein Test auf Covid-19?

Besteht bei einem Patienten der Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion, kann der Hausarzt den Test nicht vor Ort vornehmen. Die Probe – üblicherweise ein Abstrich aus der Rachen- und Nasenschleimhaut oder hochgehustetes Sekret – muss erst an ein Labor geschickt werden. "Der Test selbst dauert etwa vier bis sechs Stunden", erklärt eine Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung auf Anfrage von t-online.de. Hinzu kämen der Transport zum Labor, die Auswertung der Ergebnisse und die Kommunikation an die entsprechende Stelle.

Laut der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit sollte das Ergebnis nach rund zwölf Stunden vorliegen. Allerdings ist in der Praxis zum Teil deutlich mehr Geduld erforderlich – und das selbst bei Ärzten. So berichtete ein Berliner Facharzt, dessen Praxis aufgrund eines Coronavirus-Falls vorübergehend unter Quarantäne gestellt wurde, im Gespräch mit t-online.de, dass er auch drei Tage nach seiner Testung noch nicht von den Behörden informiert worden sei: "Das Ergebnis liegt vor, aber das Gesundheitsamt hat es mir noch immer nicht mitgeteilt." Am Ende musste er selbst dutzende Anrufe machen, um überhaupt ein Ergebnis zu bekommen.

Auch aus anderen Bundesländern berichten medizinisches Personal und Patienten zum Teil, von der zuständigen Stelle trotz begründeten Infektionsverdachts abgewiesen oder hinsichtlich eines Tests auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet worden zu sein.

Das bislang genutzte Testverfahren heißt "Real-time PCR" (zu Deutsch: Polymerase-Kettenreaktion). Es gilt als äußerst verlässlich, weil es Spuren der Erbsubstanz des Erregers bereits in sehr geringen Konzentrationen nachweisen kann. Ein verlässlicher Schnelltest, mit dem Betroffene eine Infektion mit SARS-CoV-2 selbst nachweisen können, existiert noch nicht. Nach Ansicht von Experten wären schnellere und einfach anzuwendende Tests auf das neuartige Coronavirus dringend notwendig.

Allerdings könnte ein solcher Schnelltest womöglich bald vorliegen. Forscher der taiwanesischen Wissenschaftsakademie Academia Sinica gaben Anfang März bekannt, erfolgreich einen Test auf das neue Coronavirus erprobt zu haben, der das Ergebnis innerhalb von 15 Minuten liefert. Die beteiligten Forscher vom Genomics Research Center der Akademie in Taipeh hoffen auf eine Validierung der neuen Methode in den kommenden Monaten. Noch ist jedoch unklar, ob das Verfahren sensibel genug ist, um Infektionen sicher nachzuweisen.

Doch auch in Deutschland forschen Wissenschaftler bereits an einem Schnelltest. Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Universität Bonn, kündigte kürzlich die erste Erprobung eines solchen Tests an seinem Institut an. Der erste Probelauf an mehreren Covid-19-Patienten sei erfolgreich verlaufen, twitterte Streeck am 11. März. Ob das Verfahren verlässlich sei, gelte es nun zu überprüfen.

Kann man sich mit Covid-19 mehrfach anstecken?

In Japan sorgte Ende Februar der Fall einer Frau für Aufsehen, die nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus wegen Covid-19 ein zweites Mal positiv auf Coronavirus getestet wurde. Auch aus China wurden kurz danach mehrere solcher Fälle gemeldet.

Doch viele Forscher stellen infrage, ob diese Fälle wirklich ein Beweis dafür sind, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 Menschen mehrfach kurz hintereinander infizieren kann. Zum einen lehrt die Erfahrung mit anderen Viruserkrankungen – darunter auch mit SARS sowie MERS und Influenza: Wer kürzlich von einem Erreger genesen ist, dessen Immunabwehr kann, zumindest eine gewisse Zeit lang, eine erneute Ansteckung verhindern. Zum anderen sind laut Experten Fehler bei dem aktuellen in einzelnen Fällen nicht auszuschließen.

Wie lange die körpereigene Abwehr nach einer Infektion gegen das SARS-Cov-Virus gefeit ist, ist allerdings noch nicht sicher. Nach RKI-Annahmen könnte ein ehemals Erkrankter nach der Bildung von Antikörpern voraussichtlich für ein paar Jahre immun sein. Andere Experten gehen davon aus, dass eine Ansteckung wie bei einem grippalen Infekt bereits nach weniger als einem Jahr wieder möglich sein könnte.

Was sind "Superspreader" und wie gefährlich sind sie?


Coronavirus: Es ist momentan noch nicht geklärt, wie leicht übertragbar das Virus ist. (Quelle: imago images/Reiner Zensen)Coronavirus: Es ist momentan noch nicht geklärt, wie leicht übertragbar das Virus ist. (Quelle: Reiner Zensen/imago images)

Wo gibt es aktuelle Infos?

Das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben entsprechende Webseiten eingerichtet. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es weitere Tipps auf Englisch – darunter auch Infos zu gängigen Mythen und Falschinformationen rund um das Virus. Für telefonische Fragen hat die Krankenkasse Barmer eine kostenlose Hotline (0800 / 84 84 111) eingerichtet. Sie ist rund um die Uhr erreichbar.

Alle wichtigen Informationen gibt es außerdem auch bei t-online.de: Alle News zum Coronavirus in Deutschland und der Welt finden Sie hier. Die aktuellen Zahlen zu Infektionen und Verstorbenen finden Sie hier. Alle Hintergründe und hilfreichen Artikel und Interviews zum Virus finden Sie hier.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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