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Corona-Impfstoff: Wer soll zuerst gegen Covid-19 geimpft werden?

Corona-Impfstrategie  

Wer soll zuerst gegen Covid-19 geimpft werden?

11.11.2020, 09:36 Uhr
Corona-Impfstoff: Wer soll zuerst gegen Covid-19 geimpft werden?. Impfung: Es wird nicht möglich sein, die gesamte Bevölkerung zeitgleich gegen Covid-19 zu impfen. (Symbolbild) (Quelle: imago images/MiS)

Impfung: Es wird nicht möglich sein, die gesamte Bevölkerung zeitgleich gegen Covid-19 zu impfen. (Symbolbild) (Quelle: MiS/imago images)

Anfang nächsten Jahres könnte der erste Corona-Impfstoff in Deutschland verfügbar sein. Doch reichen wird er zunächst nur für wenige. Deshalb müssen die Prioritäten rechtzeitig geklärt werden.

Noch wird weiter an einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht. Sollte er in Deutschland endlich verfügbar sein, stellen sich viele Fragen – vor allem zu seiner Verteilung.

Wer wird zuerst gegen Covid-19 geimpft?

Wer soll zuerst gegen das Coronavirus geimpft werden, wenn es erst einmal einen Impfstoff gibt? Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres könnte es nach Schätzung der Bundesregierung so weit sein. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte in einer Pressekonferenz am 9. November, es werde "so schnell wie noch nie in der Menschheitsgeschichte" einen Impfstoff gegen eine neuartige Krankheit geben. Studien der Phase 3, also Studien mit vielen Tausend Probanden, seien vorhanden, so Spahn.

Doch angesichts der zunächst erwarteten vergleichsweise geringen Mengen dürfte er nicht für alle reichen, doch ein Rennen darum soll verhindert werden. Deshalb sollen Vorranggruppen definiert werden.

Wissenschaftliche Regierungsberater haben an diesem Montag in Berlin entsprechende Vorschläge vorgestellt. Der Deutsche Ethikrat, die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina und die am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Ständige Impfkommission (Stiko) legten ein gemeinsames Papier dazu vor.

Corona-Impfung zuerst für Alte, Kranke und zentrale Mitarbeiter

Demnach sollen nach der Zulassung eines Corona-Impfstoffs Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen sowie Mitarbeiter in Krankenhäusern und Pflegeheimen zuerst gegen das Virus geimpft werden. Ebenso sollen Menschen in Schlüsselstellungen in der Gesellschaft und für die öffentliche Ordnung zuerst geimpft werden, also Mitarbeiter von Gesundheitsämtern, Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer und Erzieher, wie die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, mitteilte.

Auch Menschen, die etwa in Heimen für Obdachlose oder Asylbewerber sehr beengt untergebracht seien, sollten dazuzählen. Noch seien genaue Feststellungen zur Priorisierung nicht getroffen, also nicht alle Gruppen genau identifiziert. Es fehlten dazu noch Daten. "Sehr alte Patienten (...) haben mit Abstand die höchste Risikokonstellation", betonte Buyx aber.

Spahn begrüßt Empfehlungen zu Prioritätenfolge bei Impfungen

Die nun auf den Weg gekommenen Empfehlungen der Wissenschaftler seien noch keine Entscheidung, wie der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, erläuterte. "Die Priorisierung muss von den Verantwortungsträgern der Politik festgesetzt werden auf Basis der Empfehlungen." Die letzte Priorisierung müssten diejenigen vor Ort treffen, "die die Spritze führen".

Gesundheitsminister Spahn hat die Empfehlungen der Wissenschaftler zur Organisation und Reihenfolge von Impfungen gegen das Coronavirus begrüßt. "Es ist wichtig, dass wir zuerst diejenigen schützen sollten, die das höchste Risiko haben", sagte Spahn. Gleiches gelte für diejenigen im Gesundheitswesen und Pflege, "die sich um diese Risikogruppen kümmern" und für alle "die das öffentliche Leben am laufen halten".

Wie lange dauert es, bis die Bevölkerung geimpft ist?

Der Vorsitzende der Stiko, Thomas Mertens, geht davon aus, dass eine Impfung der gesamten Bevölkerung gegen das Coronavirus auch bei schneller Entwicklung eines Impfstoffs Ende 2021 noch nicht abgeschlossen sein wird. "Es wird längere Zeit dauern, bis wir durch die Impfung eine spürbare Veränderung des Infektionsgeschehens sehen werden, dass wir sagen können, jetzt kann wieder Ruhe einkehren", sagte der Virologe den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Wenn man etwa pro Tag 100.000 Menschen impfen würde, brauche man 150 Tage, um 15 Millionen Menschen zu impfen. Dieses Tempo wäre nach Mertens Ansicht bereits eine Herausforderung.

"Der Start der Impfungen darf nicht übereilt passieren: Es kommt nicht darauf an, vier Wochen früher oder später mit dem Impfen anzufangen", sagte der Virologe. Vor allem Transport und Lagerung, die Einrichtung der regionalen Impfzentren und die bundesweit zeitgleiche Dokumentation der Impfungen müssten gut vorbereitet werden, ebenso die Auswertung der Sicherheitsaspekte und des medizinischen Impferfolgs.

So lief es bei der Schweinegrippe-Pandemie ab

Bei der Schweinegrippe 2009/2010 konnte kein Impfstoff für die gesamte Bevölkerung produziert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfahl, medizinisches Personal sowie systemrelevante Gruppen wie Polizei und Feuerwehr mit oberster Priorität zu behandeln. Außerdem wurden chronisch Kranke, Kleinkinder und Schwangere vorrangig geimpft.

Wird es eine Corona-Impfpflicht geben?

Der Deutsche Ethikrat, die Ständige Impfkommission und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina sind gegen eine generelle Pflicht zur Impfung gegen das Coronavirus in Deutschland. Impfungen setzten eine aufgeklärte, freiwillige Zustimmung voraus, erklärten die Wissenschaftsorganisationen. Eine undifferenzierte Impfpflicht sei deshalb auszuschließen. Allenfalls beim Vorliegen schwerwiegender Gründe lasse sich für eine klar definierte Gruppe von Menschen eine Impfpflicht rechtfertigen – etwa für Mitarbeiter in ständigem Kontakt mit Hochrisikopatienten.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betonte in einer Pressekonferenz am 9. November die Freiwilligkeit der Impfung.

Wie sicher wird ein neuer Covid-19-Impfstoff?

Laut Robert Koch-Institut (RKI) wird ein neuer Covid-19-Impfstoff intensiv geprüft, bevor er auf den Markt kommt – so wie jeder andere auch. Auch nach der Zulassung erfolge eine ständige Kontrolle zum Erfassen von Wirksamkeit und möglichen Nebenwirkungen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Instituts geht davon aus, dass die Covid-19-Impfstoffe bei einem Teil der geimpften Personen Reaktionen an der Einstichstelle und Beeinträchtigungen des Allgemeinbefindens auslösen können. Generell sei es auch möglich, dass sehr seltene Nebenwirkungen eines Impfstoffs erst im Verlauf der Kontrolle erfasst werden. "Sehr selten" bedeutet in diesem Zusammenhang ein Fall auf mehr als 10.000 Geimpfte.

Kann ich mich schon jetzt gegen Covid-19 impfen lassen?

Noch gibt es in Deutschland keinen verfügbaren Impfstoff, der vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt. Es ist noch nicht einmal klar, welches Pharmaunternehmen einen wirksamen Impfstoff bis zur Marktreife bringen wird. Denn dieser muss zunächst seine Wirksamkeit, Verträglichkeit und Zuverlässigkeit in mehreren Testphasen beweisen, bevor er zugelassen wird. Warum die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19 so lange dauert, erfahren Sie hier.

Das für die Arzneimittelzulassung zuständige Paul Ehrlich-Institut (PEI) zeigt sich mit Blick auf die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 weiter zuversichtlich. Frühestens Ende dieses, Anfang nächsten Jahres könnte dem PEI zufolge ein Mittel zugelassen werden.

Doch auch die Zulassung eines Impfstoffs bedeute noch nicht, dass dieser sofort für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung stehe, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) auf Anfrage von t-online.

Verwendete Quellen:
  • Positionspapier
  • Robert Koch-Institut
  • Paul Ehrlich-Institut
  • Ärzteblatt
  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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