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Herren-TÜV: Diese Vorsorge-Checks sollten Männer nicht versäumen

Männer-TÜV  

Was Männer über Vorsorge wissen sollten

Ann-Kathrin Landzettel

01.12.2020, 16:17 Uhr
Herren-TÜV: Diese Vorsorge-Checks sollten Männer nicht versäumen. Arzt im Gespräch mit einem Patenten: Viele Männer sind Vorsorgemuffel.  (Quelle: Getty Images/DjelicS)

Arzt im Gespräch mit einem Patenten: Viele Männer sind Vorsorgemuffel. (Quelle: DjelicS/Getty Images)

Vorsorgeuntersuchungen helfen, bestimmte Krankheitsrisiken sowie Erkrankungen früh zu erkennen. Gesetzlich Versicherte haben in Deutschland Anspruch auf verschiedene kostenfreie Vorsorgeuntersuchungen. Darüber hinaus bieten Ärzte auch kostenpflichtige Untersuchungen an.

Doch welche Vorsorge ist für Männer besonders bedeutsam und wo ist die Datenlage unsicher? Vorsorgeuntersuchungen: Was Männer wissen müssen.

Wozu Vorsorgeuntersuchungen?

Vorsorgeuntersuchungen sind Untersuchungen, die helfen, Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs frühzeitig zu erkennen. Ärzte sprechen daher von Früherkennungsmaßnahmen. Eine "echte" Vorsorge bietet beispielsweise die Darmkrebsvorsorge. Da der Arzt während der Koloskopie Krebsvorstufen entfernen kann, kann einer Darmkrebserkrankung tatsächlich vorgebeugt werden.

Die Krankheits- und Krebsfrüherkennung lässt sich für gesetzlich Versicherte grob in zwei Gruppen unterteilen: die Früherkennungsmaßnahmen, deren Kosten von den Krankenkassen übernommen werden und die sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), deren Kosten der Patient selbst tragen muss.

Welche Früherkennungsuntersuchungen für Männer?

Für Männer stehen verschiedene Früherkennungsuntersuchungen zur Verfügung. Von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden:

  • Check-up: Früherkennung unter anderem von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Die Untersuchung wird einmalig im Alter zwischen 18 und 34 Jahren übernommen. Sie beinhaltet die Erhebung der medizinischen Vorgeschichte des Patienten (Anamnese), eine körperliche Untersuchung, Blutdruckmessung, Überprüfung des Impfstatus sowie ein Beratungsgespräch zu den Untersuchungsergebnissen. Optional ergänzen Messungen der Blutfett- und Blutzuckerwerte die Untersuchung.
  • Jährliche Zahnuntersuchung: Einmal im Jahr können Männer ihre Zähne und ihr Zahnfleisch auf Karies beziehungsweise Parodontose untersuchen lassen. Zahnstein wird ebenfalls entfernt.
  • Jährliche augenärztliche Kontrolle: Untersuchung der Augen sowie Erfassung der Sehwerte.
  • Check-up 35: Ab 35 Jahren haben Männer alle drei Jahre Anspruch auf einen Check-up. Neben der körperlichen Untersuchung, der Kontrolle der Blutwerte sowie einer Urin-Untersuchung gehört auch der Check des Impfstatus dazu.
  • Hautkrebsscreening: Ebenfalls ab 35 Jahren können Männer alle zwei Jahre eine Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs in Anspruch nehmen. Dabei untersucht der Dermatologe die Haut nach Veränderungen, die auf weißen oder schwarzen Hautkrebs hindeuten.
  • Früherkennung Prostatakrebs und Krebserkrankungen des äußeren Genitals: Ab 45 Jahren können Männer einmal im Jahr die Früherkennung auf Krebserkrankungen von Prostata und Genitalbereich wahrnehmen. Dabei werden nicht nur die äußeren Geschlechtsorgane sowie die örtlichen Lymphknoten abgetastet, sondern auch die Prostata über den Enddarm.
  • Vorsorgeuntersuchung Darmkrebs: Ab 50 Jahren können Männer das Darmkrebsscreening nutzen. Sie haben die Wahl zwischen einer Darmspiegelung und einer Stuhluntersuchung auf verstecktes (okkultes) Blut. Den Stuhltest können Männer zwischen 50 und 54 Jahren einmal im Jahr wahrnehmen. Die Darmspiegelung können Männer zweimal im Abstand von zehn Jahren wahrnehmen – sofern die erste Untersuchung unauffällig ist. Ansonsten verkürzt sich der Untersuchungszeitraum. Ab 55 Jahren können Männer alle zwei Jahre einen Stuhltest durchführen lassen oder sich für die Darmspiegelung entscheiden.
  • Früherkennung Bauchaortenaneurysma: Ab 65 Jahren steht Männern einmalig die Früherkennung auf ein Bauchaortenaneurysma zur Verfügung. Dabei wird die Bauchschlagader mittels Ultraschall untersucht. Männer sind deutlich häufiger von einem Bauchaortenaneurysma betroffen als Frauen. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge haben etwa zwei Prozent aller Männer zwischen 65 und 75 Jahren ein Aneurysma der Bauchschlagader. Für Frauen zählt diese Untersuchung nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.

Des Weiteren stehen Männern eine Reihe verschiedener IGeL zur Verfügung, die meist von den Krankenkassen nicht übernommen werden, darunter beispielsweise:

  • Professionelle Zahnreinigung
  • Glaukom-Früherkennung
  • Untersuchung der Haut über eine Lichtlupe
  • PSA-Test
  • Ultraschalluntersuchung der Prostata
  • Ultraschalluntersuchung des Harntrakts zur Feststellung von Blasenkrebs
  • Urinuntersuchung zur Früherkennung von Blasenkrebs

Vorsorge: Welche Früherkennungsuntersuchungen für Männer sind besonders wichtig?

"Die drei gesetzlichen Krebs-Früherkennungsuntersuchungen für Männer sind die Darmkrebsvorsorge, die Hautkrebs- und die Prostatakrebs-Früherkennungsuntersuchung", sagt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. "Jeder Mann sollte sich über die Früherkennungsuntersuchungen ausführlich informieren und individuell schauen, was er sich erhofft und welche Risiken mit der Untersuchung möglicherweise verbunden sind."

Darmkrebsvorsorge: Darmspiegelung oder Stuhltest besser?

Bei der Darmkrebsfrüherkennung empfiehlt die Krebsexpertin Männern, die Darmspiegelung als Vorsorgeinstrument zu nutzen. "Mit der Darmspiegelung lassen sich präzise Krebsvorstufen, sogenannte Polypen, erkennen – und gleich entfernen. Die Stuhluntersuchung auf verstecktes Blut hingegen erkennt einen Darmtumor nur dann, wenn er Blut abgibt. Mit dem Stuhltest ist das Risiko höher, dass Darmkrebs übersehen wird."

Prostatakrebs-Vorsorge: Reicht die Tastuntersuchung?

Beim Thema Prostatakrebs-Früherkennung ist es für Männer oft schwierig, eine Entscheidung zu treffen. Der Tastuntersuchung, die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird, steht die individuelle Gesundheitsleistung "PSA-Test" gegenüber. Beide Früherkennungsuntersuchungen werden stark diskutiert und haben sowohl Vor- als auch Nachteile. Je früher und ausführlicher sich Männer informieren, desto leichter können sie eine Entscheidung treffen.

"Man muss sagen, dass über die Tastuntersuchung nur Tumoren erkannt werden können, die an der dem Darm zugewandten Seite der Prostata wachsen und die größer als ein Zentimeter sind", erklärt Weg-Remers. "Frühe Tumoren kann die Tastuntersuchung nicht erfassen." Der PSA-Test hingegen hat den Vorteil, dass er Prostata-Krebs im Frühstadium erkennen kann. Sind beispielsweise in der Familie, etwa beim Vater, beim Onkel oder vergleichbaren Familienmitgliedern, Prostatakarzinome aufgetreten, kann es durch aus empfehlenswert sein, den PSA-Test ergänzend zur Tastuntersuchung in Anspruch zu nehmen.

Risiko falsch-positives Ergebnis beim PSA-Test

Beim PSA-Test, der über die Untersuchung einer Blutprobe den Wert des prostataspezifischen Antigens ermittelt, besteht allerdings eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für falsch-positive Ergebnisse. Dann kann es passieren, dass sich Männer aufgrund erhöhter PSA-Werte einer Biopsie unterziehen, obwohl kein Krebs vorliegt.

"Hinzu kommt, dass Prostatakrebs oft wenig aggressiv ist. Viele Männer möchten aber mit der Diagnose Prostatakrebs nicht leben. Zwar ließe sich in vielen Fällen zuwarten und eine Behandlung hinauszögern, wenn der Tumor nicht aggressiv wächst. Doch die meisten Männer entscheiden sich für den Eingriff. Sie möchten den Krebs aus dem Körper haben", sagt Weg-Remers. So kann es sein, dass ein Tumor operiert oder bestrahlt wird, der vielleicht niemals ernsthafte Probleme verursacht hätte. Und die Männer müssen mit den Risiken und Nebenwirkungen der Prostata-Operation oder der Strahlentherapie leben, beispielsweise zeitweise oder dauerhafte Inkontinenz oder Impotenz.

Hautkrebsscreening für Männer: Optische Untersuchung oder IGeL Dermatoskopie?

Bei der Früherkennung von Hautkrebs spielen verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten zusammen. Zum einen sollten Männer selbst ihre Haut im Auge behalten und immer wieder nach Veränderungen schauen oder schauen lassen. Bei Veränderungen in Farbe, Form, Größe, Begrenzung oder Erhabenheit sollte ein Dermatologe die Hautveränderung anschauen – unabhängig von der Hautkrebsfrüherkennung. Das gilt auch für juckende, immer wieder blutende oder nässende Hautstellen.

Bei der Hautkrebsfrüherkennung können Männer zwischen der optischen Untersuchung durch den Hautarzt und der IGeL mit einer Lichtlupe, der sogenannten Dermatoskopie, wählen. "In der Regel ist die optische Untersuchung zuverlässig", sagt die Krebsexpertin. "Zudem gibt es noch keine Studien, die belegen, dass das optische Hautkrebsscreening oder die Auflichtmikroskopie die Hautkrebssterblichkeit senken. Für Menschen, die die Sicherheit erhöhen wollen, dass keine bösartige Hautveränderung übersehen wird, ist die Dermatoskopie aber eine gute Ergänzung zu der Kassenleistung." Allerdings muss hierbei auch das Risiko für eine Überbehandlung berücksichtigt werden. Es kann hier eher passieren, dass ein falscher Verdacht besteht und sich der Patient einem Eingriff unterzieht, der nicht notwendig wäre.

Vorsorge für Männer: Ultraschall von Prostata und Blase

Drei weitere häufig empfohlene IGe-Leistungen sind die Ultraschalluntersuchung der Prostata zur Prostatakrebs-Früherkennung, ein Ultraschall der Blase zur Früherkennung von Blasenkrebs sowie der sogenannte NMP22-Test zur Früherkennung von Blasenkrebs. Bei allen drei IGeL fehlen der Expertin zufolge Nachweise, dass durch die Untersuchung das Sterberisiko sinkt. "Der PSA-Test zur Krebsfrüherkennung ist in Studien untersucht – nicht jedoch der Ultraschall der Prostata", sagt Weg-Remers.

Der Nachteil der Ultraschalluntersuchung der Blase ist, dass diese nur größere Tumoren erkennen kann, die bereits in einem fortgeschrittenen Stadium sind. Doch auch der NMP22-Test, der im Urin nach speziellen Tumormarkern sucht, ist laut IGeL-Monitor als "tendenziell negativ" einzustufen: "In Studien mit Hochrisikogruppen zeigte sich, dass sich die allermeisten positiven Testbefunde am Ende als Fehlalarm herausstellen. Zudem übersieht der Test Tumore. Vor allem die Fehlalarme führen zu unnötigen, auch belastenden Abklärungsuntersuchungen. Wir sehen insgesamt keine Hinweise auf einen Nutzen, aber Hinweise auf geringe Schäden", so die Einschätzung der Experten des IGeL-Monitors.

Immer ernst nehmen: Blut im Urin und Veränderungen

Laut Weg-Remers sollten Männer ihren Urin immer im Blick behalten und sobald sie Anzeichen für Blutbeimengungen sehen, sofort einen Arzt aufsuchen. "Blasenkrebs zeigt sich oft durch schmerzfreie Blutungen. Blutungen sind immer ein Warnzeichen, das ernst genommen werden muss", betont die Expertin. Zudem rät sie Männern, einmal im Monat nach dem Duschen die Hoden auf Veränderungen abzutasten. "Veränderungen sollten immer aufmerksam machen, egal ob im Genitalbereich, auf der Haut, beim Urinieren oder beim Stuhlgang. Bleiben Sie aufmerksam und lassen Sie Veränderungen ärztlich abklären."


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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