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Wie Bildschirmarbeit unseren Augen schadet


Folgen von Homeoffice und Homeschooling
Wie die Bildschirmarbeit unseren Augen schadet


Aktualisiert am 26.05.2021Lesedauer: 4 Min.
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Erschöpfte Frau vor einem Computer-Display. Müde, brennende Augen sind ein Warnzeichen, dass die Augen zu trocken sind und eine Pause brauchen.Vergrößern des Bildes
Erschöpfte Frau vor einem Computer-Display. Müde, brennende Augen sind ein Warnzeichen, dass die Augen zu trocken sind und eine Pause brauchen. (Quelle: Delmaine Donson/getty-images-bilder)

Texte lesen, an Videokonferenzen teilnehmen und nebenbei die sozialen Medien checken. Im Zuge der Pandemie verbringen immer mehr Menschen – ob jung oder alt – zu viel Zeit an Bildschirmen und Handy-Displays. Augenärzte beobachten diese Tendenz mit Sorge und warnen vor Spätfolgen.

So wichtig Homeoffice und Homeschooling zur Eindämmung der Pandemie auch sind: Für die Augen bedeutet intensive Bildschirmarbeit eine Strapaze. Die trockene Raumluft und die Fokussierung der Augen auf den Bildschirm führen dazu, dass derzeit viele Menschen über trockene, gerötete Augen klagen.

Doch auch die Gefahr für Kurzsichtigkeit steigt. Und mit ihr indirekt auch das Risiko für gefährliche Augenkrankheiten wie Glaukom, Makuladegeneration und Netzhautablösung.

Gerötete, trockene Augen – Folge der Bildschirmarbeit

Jeder, der viel am Bildschirm arbeitet, kennt das Gefühl: Nach einiger Zeit beginnen die Augen zu brennen und zu tränen. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die Luftfeuchtigkeit, die in Innenräumen niedriger als draußen ist. Während sich die Augen im Freien ständig bewegen und sich damit die Tränenflüssigkeit gleichmäßig verteilt, reduziert sich beim stundenlangen Starren auf den Bildschirm die Frequenz der Augenbewegung.

"Die Blinzelfrequenz wird etwa auf die Hälfte herabgesetzt, wenn wir am Bildschirm sitzen", warnt Professor Pfeiffer, Direktor der Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz auf einer Presskonferenz der "Stiftung Auge". Dadurch werde die Oberfläche der Augen rau und sie trockneten schneller aus.

Bedingungen im Homeoffice sind andere als im Büro

"Das Homeoffice in der Corona-Pandemie hat die Probleme, die wir von der Computerarbeit kennen, noch dramatisch verstärkt", sagt der Experte. Im Büro werde die Arbeit immer wieder unterbrochen durch Aufstehen, Umhergehen, Holen von Gegenständen und Gesprächen.

Der Blick sei weniger stark auf einen Bereich fixiert und schweife öfter umher. Hinzu komme, dass der Homeoffice-Platz in der Regel schlechter ausgestattet sei der Arbeitsplatz im Büro. Der Monitor sei meist kleiner und die Beleuchtung meist alles andere als optimal.

"Unser Auge empfindet es als schwierig, mit diesen Bedingungen fertigzuwerden und reagiert darauf mit einer Art Verkrampfung", so Pfeiffer. Bei geringem Lichteinfall an trüben Tagen oder schlechter Beleuchtung am Arbeitsplatz werde das Sehen sogar noch anstrengender. Denn wenn wenig Licht ins Auge fällt, erweitert sich die Pupille und die Tiefenschärfe nimmt ab.

Kurzsichtigkeit als Folge von Homeschooling?

Anfang des Jahres sorgte eine Studie aus China für Aufsehen, nach der das Homeschooling im Pandemiejahr 2020 bei den Sechs- bis Achtjährigen zu mehr Kurzsichtigkeit geführt habe. Obwohl keine aktuellen Erhebungen für deutsche Schüler vorliegen, vermutet Pfeiffer einen ähnlichen Effekt hierzulande.

Wenn Kinder beim Lernen am Computer über einen längeren Zeitraum auf Dinge in geringer Entfernung schauten, komme es zu einem erhöhten Längenwachstum des Auges. Das führe dazu, dass sich der Abstand zwischen Netzhaut und Linse vergrößere und es zu Kurzsichtigkeit komme.

Schuld daran sei unter anderem der Arbeitsabstand zwischen Augen und Bildschirm, der sehr viel geringer sei als der Abstand zwischen Auge und Tafel im Klassenraum. Darüber hinaus schweife das Auge sehr viel seltener in die Ferne. "Daher gehen wir davon aus, dass es auch in Deutschland einen ähnlichen Effekt wie in China geben wird", sagt Pfeiffer.

Der Augenarzt betont, dass eine lange Schulausbildung und Kurzsichtigkeit – unabhängig von der Pandemie – ohnehin in engem Zusammenhang stehen. "Jedes Jahr, das wir in die Schule gehen, werden wir immer ein bisschen kurzsichtiger", so der Experte. Er verweist auf eine Studie der Universität Mainz mit 15.000 Probanden. Das Ergebnis habe gezeigt, dass der Einfluss der Gene bei der Entwicklung der Fehlsichtigkeit sehr viel geringer sei als die Tatsache, wie lange die Ausbildung gewesen sei.

"Je höher der Bildungsabschluss, umso stärker die Kurzsichtigkeit." Den Grund hierfür sieht der Augenarzt in der intensiven Beanspruchung des Auges im Nahbereich durch das Lesen. Umso belastender sei es für die Augen, wenn sie durch lange Phasen des Homeschoolings zusätzlich durch die forcierte Naharbeit an Bildschirmen und Displays belastet würde.

Erhöhtes Risiko für Glaukom, Netzhautablösung und Makuladegenration

"Kurzsichtigkeit hat erhebliche Auswirkungen auf unsere Augengesundheit", sagt Pfeiffer. Das Risiko für gefährliche Erkrankungen wie Netzhautablösung, Glaukom (Grüner Star) und altersabhängige Makuladegeneration sei bei den Betroffenen deutlich erhöht.

Daher sei es wichtig, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um die gravierenden Folgen zu verhindern. Hierzu gehöre zum einen eine gute Beleuchtung am Arbeitsplatz. Zum anderen sollte jeder, der viel am Bildschirm arbeitet, die Augen regelmäßig in die Ferne schweifen lassen und das Auge öfter zu bewegen. Besonders für Kinder sei dies enorm wichtig.

Der Experte empfiehlt außerdem, täglich mindestens zwei Stunden im Freien bei hellem Tageslicht zu verbringen, ohne dabei aufs Handy zu schauen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass dadurch die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit gebremst werden könne.

Kommt es dennoch zu Beschwerden, sollten Betroffene einen Augenarzt aufsuchen. Durch die Gabe von Tränenersatzmitteln, die auf die individuelle Störung beim Patienten abgestimmt seien, könnten akute Beschwerden meist schnell behoben werden.

Transparenzhinweis
  • Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Verwendete Quellen
  • "Die Kehrseite der digitalen Arbeitswelt: Was Homeoffice und ständiges Arbeiten am Bildschirm mit unseren Augen machen." Vortrag von Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer, Vorstandsmitglied der Stiftung Auge und Direktor der Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge - Stiftung der DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V., 19.5.2021
  • Kurzsichtigkeit nimmt mit höherer Bildung und längerer Schulzeit zu. Pressemeldung der Johannes Gutenberg Universität Mainz zu einer Studie der Universitätsmedizin Mainz, 10.7.2014
  • Myopia and level of education: results from the Gutenberg Health Study Ophthalmology 2014:2047-52.
  • Jiaxing Wang et al.: Progression of Myopia in School-Aged Children After COVID-19 Home Confinement, JAMA Ophthalmology. Published online January 14, 2021. DOI: 10.1001/jamaophthalmol.2020.6239
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