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RSV: Wie gefährlich ist das RS-Virus und wer ist betroffen?


Wie gefährlich ist das RS-Virus?

  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen

Aktualisiert am 29.11.2022Lesedauer: 4 Min.
Qualitativ geprüfter Inhalt
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Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Viren in der Lunge (Symbolbild): Auffallend viele Kinder machen seit einigen Wochen Atemwegsinfekte durch.
Viren in der Lunge (Symbolbild): Auffallend viele Kinder machen seit einigen Wochen Atemwegsinfekte durch. (Quelle: Science Photo Library/imago-images-bilder)
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Aktuell steigen nicht nur die Grippezahlen – auch andere Viren feiern Hochsaison. Dazu zählt auch das RS-Virus. Für wen es gefährlich ist und warum es dieses Jahr besonders verbreitet ist.

Das Wichtigste im Überblick


RS-Viren treten eigentlich jedes Jahr und vor allem bei kleinen Kindern auf. In diesem Jahr hat die Pandemie das Verhalten des Virus allerdings verändert. Doch was ist unter "RS-Virus" überhaupt zu verstehen? Wer ist von der Krankheit besonders betroffen und wie gefährlich ist sie? Welche Auswirkungen haben die vergangenen Corona-Maßnahmen auf diese Atemwegserkrankung? Ein Überblick.

Was ist das RS-Virus?

Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ähnelt laut Robert Koch-Institut der Influenza in Saisonalität und Symptomatik. Hochsaison in Mitteleuropa ist November bis April. Grundsätzlich zählt das RSV zu den Atemwegserkrankungen, die weltweit in allen Altersgruppen und sowohl in den oberen als auch unteren Atemwegen verbreitet sind.

Nach einer Erkrankung entsteht keine langfristige Immunität, sodass erneute Infektionen häufig sind. Besonders häufig kommt dies allerdings bei Kleinkindern vor und bei Erwachsenen, die viel Kontakt zu Kleinkindern haben.

Die RS-Viren gehören zudem zur selben Virenfamilie wie Masern- oder Mumpserreger.

Wie ansteckend ist das RS-Virus?

In erster Linie wird RSV über eine Tröpfcheninfektion von einer infizierten Person auf eine andere übertragen. Es wird laut RKI jedoch auch angenommen, dass eine Übertragung über kontaminierte Flächen, Hände oder Gegenstände stattfinden kann. So könne das RSV etwa 20 Minuten auf Händen überleben, 45 Minuten auf Papierhandtüchern und Baumwollkitteln und bis zu mehreren Stunden auf Einmalhandschuhen, Stethoskopen oder Kunststoffoberflächen.

Vor allem Jugendliche und Erwachsene, die nur leichte oder gar keine Symptome entwickeln, spielen eine große Rolle bei der Übertragung des Virus. Die Inkubationszeit beträgt dann etwa zwei bis acht Tage. Wer infiziert ist, kann schon einen Tag nach der Ansteckung selbst infektiös sein.

Wer erkrankt besonders häufig an RSV?

Grundsätzlich sind alle Altersgruppen und Geschlechter gleichermaßen betroffen. Eine Infektion mit dem RS-Virus kann allerdings vor allem kleine Kinder schwerer treffen. Insbesondere bei Babys unter drei Monaten könne dieses Virus, das die unteren Atemwege angreift, eine Krankenhauseinweisung erforderlich machen, erklärt der Kinder- und Jugendarzt Hermann Josef Kahl. Schwere Erkrankungen bei Kindern betreffen zudem etwa doppelt so häufig Jungen wie Mädchen.

Wie das RKI berichtet, haben innerhalb des ersten Lebensjahres rund 50 bis 70 Prozent aller Kinder eine RSV-Infektion durchgemacht, bis zum Ende des zweiten Lebensjahres seien es sogar nahezu alle Kinder.

Was ist das Besondere in diesem Jahr?

Der Erreger geht normalerweise hauptsächlich in den Wintermonaten um, doch in den letzten Jahren beginnt die Zunahme der RSV-Infektionen laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) früher.

Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet zudem von einem starken Anstieg der Krankenhauseinweisungen wegen Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) bei Ein- bis Vierjährigen. Aktuell werden bedingt durch die ungewöhnlich starke RSV-Zirkulation deutlich mehr Fälle mit schweren akuten respiratorischen Infektionen bei den bis 4-Jährigen verzeichnet als in den vorpandemischen Jahren und im Vorjahr, wie es vom RKI hieß. Das RKI rechnet mit einem weiteren Anstieg.

"Es gibt leider im Moment eine Zuspitzung", sagte Jakob Maske, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, der in Berlin eine Kinderarztpraxis hat. "Wir haben etwas mehr kranke Kinder als sonst zu dieser Zeit und immer weniger Betten in den Kinderkrankenhäusern, weil Personal fehlt." Die Mediziner sorgen sich um die Versorgung schwerkranker Kinder im Herbst und Winter. Maske zufolge ist es schon jetzt sehr mühsam, kleine Patienten stationär unterzubringen. Hintergrund sei auch, dass zu wenige Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger ausgebildet würden.

"Die Kinderkliniken sind sehr früh zugelaufen", sagte auch der hannoversche Kinderarzt Thomas Buck, Vorstandsmitglied der niedersächsischen Ärztekammer. Patienten von ihm hätten schon in rund 40 Kilometer entfernte Kliniken im Umland ausweichen müssen.

Wieso sind die Zahlen in diesem Jahr so hoch?

In den letzten Pandemie-Jahren haben laut Experten "Hygiene- und Lockdown-Maßnahmen" eine starke Ausbreitung des RS-Virus verhindert. Die Lockerung dieser Maßnahmen führe jetzt zu einem bedrohlichen Anstieg der Fallzahlen.

Denn wesentlich mehr Kinder als in den vorangegangenen Jahren seien ohne Abwehr gegen diese Viren und deutlich mehr Minderjährige könnten einen schweren Verlauf entwickeln.

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Welche Symptome weisen auf das RS-Virus hin?

Grundsätzlich kann die Erkrankung laut RKI auf die oberen Atemwege (Husten, Schnupfen) beschränkt sein, sich aber auch zu einer schweren Bronchitis oder auch Lungenentzündung entwickeln. Bei etwa fünf Prozent der Fälle kann es zu keuchhustenähnlichen Symptomen kommen.

Die Erkrankung beginnt demnach normalerweise mit Schnupfen und trockenem Husten, nach ein bis drei Tagen kann es auch zu Symptomen der unteren Atemwege kommen. Dann wird der Husten stärker, es kann zu einer steigenden Atemfrequenz, Halsschmerzen und auch Fieber kommen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Das RS-Virus wird meist nur symptomatisch behandelt. Das heißt, der Erkrankte sollte möglichst viel Flüssigkeit zu sich nehmen, Nasenspülungen oder Nasenspray können ebenso hilfreich sein wie Hustensäfte oder andere schleimlösende Mittel. Auch Fiebersenker können die Symptome lindern.

Je nachdem, wie sich der Zustand des Patienten entwickelt, kann auch eine Sauerstoffgabe oder Intubation und Beatmung notwendig werden.

Wie gefährlich ist das RSV?

Insbesondere Säuglinge und kleine Kinder sind gefährdet, schwere Verläufe mit einer Entzündung der Bronchien, Luftröhre oder Lunge zu entwickeln. Gefährlich kann dieser Infekt der oberen Luftwege vor allem für Frühgeborene sowie vorerkrankte Kinder im ersten Lebensjahr werden. Besonders gefährdet seien Kinder mit einem Herzfehler, einer Lungenerkrankung oder einer Immunschwäche.

Aber auch Erwachsene, die an Herz oder Lunge vorerkrankt sind oder ein geschwächtes Immunsystem haben, zählen zu den Risikogruppen des RSV.

Wann sollten Sie mit Ihrem Kind ins Krankenhaus fahren?

Spätestens, sobald zum Husten ein sogenanntes "Giemen", pfeifende Atemgeräusche, hinzukommt und das Kind unregelmäßig atmet oder längere Pausen beim Luftholen macht, sollten Sie dringend zum Kinderarzt gehen. Der kann dann auch schnell in die nächste Klinik überweisen, wenn sich der Verdacht einer RSV-Infektion sowie ein schwerer Verlauf bestätigen.

Besonders bei vorerkrankten Kindern und Erwachsenen sowie Frühgeborenen sollten aber bereits erste Warnzeichen wie Husten oder Fieber ernstgenommen und ärztlich untersucht werden.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Robert Koch-Institut: "ARE-Wochenbericht" (Stand: November 2022)
  • Robert Koch-Institut
  • Lungeninformationsdienst
  • Apotheken Umschau
  • Nachrichtenagentur dpa
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