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Ja, die Redaktion hat f√ľr diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Narkolepsie ‚Äď mehr als nur M√ľdigkeit

Von Wiebke Posmyk

Aktualisiert am 21.06.2022Lesedauer: 11 Min.
Ein Mann schläft am Schreibtisch
Menschen mit Narkolepsie schlafen pl√∂tzlich ein ‚Äď auch w√§hrend der Arbeit. (Quelle: South_agency/getty-images-bilder)
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Sie kommt urpl√∂tzlich und ist √ľberw√§ltigend: Menschen mit Narkolepsie werden immer wieder von extremer Schl√§frigkeit √ľbermannt. Welche weiteren Symptome auf Narkolepsie hinweisen und wie sie behandelt wird.

Das Wichtigste im √úberblick


  • Welche Symptome auf Narkolepsie hinweisen
  • Ursachen & Formen der Narkolepsie
  • Narkolepsie: Diagnose & Test
  • Therapie einer Narkolepsie
  • Narkolepsie nach Schweinegrippe-Impfung

Jeder kennt Tage, an denen er so m√ľde ist, dass die Augen kaum offen bleiben. Dies passiert etwa bei Schlafmangel, nach einem Infekt oder nach Phasen langer Konzentration. Mit einer solchen gesunden M√ľdigkeit ist eine Narkolepsie nicht zu vergleichen.


Neun h√§ufige Ursachen f√ľr Schlafst√∂rungen

√úberarbeitete √§ltere Frau sitzt am Tisch und fasst sich ins Gesicht: Stress ist die h√§ufigste Ursache f√ľr Schlafst√∂rungen. Das st√§ndige Nachdenken √ľber private oder berufliche Probleme h√§lt viele vom Ein- oder Durchschlafen ab.
M√ľde junge Frau trinkt Kaffee: Koffeinhaltige Wachmacher wie Kaffee und Tee, aber auch Alkohol, sollte man nicht vor dem Schlafen gehen trinken. Das Koffein verz√∂gert das Einschlafen und kann die Schlafqualit√§t beintr√§chtigen. Alkoholkonsum macht zwar m√ľde, doch der Schlaf ist nicht erholsam und wird oft von Wachphasen unterbrochen.
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Die Erkrankten werden in verschiedensten Situationen von einer Schl√§frigkeit heimgesucht, die so stark ist, dass sie ihr nicht standhalten k√∂nnen ‚Äď etwa in der Badewanne, beim Lesen oder w√§hrend des Gespr√§chs. Daher z√§hlt die Narkolepsie zur Gruppe der Hypersomnien. Das sind Schlafst√∂rungen, die mit einem erh√∂hten Schlafbed√ľrfnis einhergehen.

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Ein weiteres typisches Narkolepsie-Symptom ist die Kataplexie: Die Muskelspannung lässt plötzlich nach, und die Betroffenen sacken abrupt in sich zusammen.

Narkolepsie kommt selten vor: Von 100.000 Personen erkranken Sch√§tzungen zufolge etwa 26 bis 50. Die Erkrankung kann grunds√§tzlich in jedem Alter vorkommen ‚Äď auch schon bei Kindern. Meist zeigen sich erste Symptome bei Teenagern oder jungen Erwachsenen. M√§nner und Frauen erkranken etwa gleich h√§ufig. Bei Frauen tritt die Narkolepsie meist etwas fr√ľher auf.

Eine Narkolepsie hat keinen Einfluss auf die Lebenserwartung. Ihre Auswirkungen auf den Alltag k√∂nnen jedoch erheblich sein. Die exzessive Schl√§frigkeit empfinden viele Patientinnen und Patienten als sehr belastend. Nicht zuletzt ist das Risiko f√ľr Unf√§lle deutlich erh√∂ht.

Schon gewusst?
Narkolepsie wird umgangssprachlich h√§ufig als Schlafkrankheit bezeichnet. Sprechen Fachleute von der Schlafkrankheit, meinen sie damit jedoch in der Regel ein anderes Krankheitsbild: die Afrikanische Trypanosomiasis. Dabei handelt es sich um eine in √Ąquatorialafrika vorkommende Infektionskrankheit. Die ausl√∂senden Erreger werden durch den Stich der Tse-Tse-Fliege √ľbertragen. Mit dieser Erkrankung hat die Narkolepsie nichts zu tun.

Welche Symptome auf Narkolepsie hinweisen

Eine Narkolepsie entwickelt sich h√§ufig relativ pl√∂tzlich innerhalb weniger Tage. Sie kann aber auch schleichend √ľber Wochen und Monate hinweg entstehen. Charakteristische Symptome einer Narkolepsie sind

  • eine ausgepr√§gte Tagesschl√§frigkeit und
  • ein durch starke Emotionen hervorgerufener, pl√∂tzlicher Verlust der Muskelspannung (sog. Kataplexie).

Zudem gibt es weitere Symptome, die häufig im Rahmen einer Narkolepsie vorkommen. Dazu zählen unter anderem ein gestörter Nachtschlaf, Sinnestäuschungen beim Einschlafen oder Aufwachen sowie die sogenannte Schlaflähmung. Die häufigsten Symptome der Narkolepsie werden im Folgenden erläutert.

Typisches Narkolepsie-Symptom: Extreme Schläfrigkeit am Tag

Personen, die an Narkolepsie erkrankt sind, f√ľhlen sich tags√ľber immer wieder extrem schl√§frig ‚Äď auch, wenn sie in der Nacht ausreichend Schlaf bekommen haben. Insbesondere bei monotonen T√§tigkeiten werden sie von regelrechten Schlafattacken √ľbermannt, zum Beispiel

  • beim Lesen,
  • beim Zuh√∂ren, etwa in der Schule oder am Arbeitsplatz,
  • im Gespr√§ch,
  • beim Essen,
  • beim Fernsehen oder
  • vor dem Computer.

Zu Beginn der Erkrankung gelingt es ihnen manchmal noch, sich durch Aktivit√§t wachzuhalten. Im weiteren Verlauf der Narkolepsie ist das nicht oder kaum mehr m√∂glich: Die Betroffenen schlafen dann ein. Nach etwa 15 bis 30 Minuten Schlaf f√ľhlen sie sich wieder f√ľr einige Stunden wach.

Eine junge Frau schläft am Arbeitsplatz.
Menschen mit Narkolepsie schlafen pl√∂tzlich ein ‚Äď auch w√§hrend der Arbeit. (Quelle: AntonioGuillem/getty-images-bilder)

Auf Außenstehende wirken die Schlafattacken mitunter wie Nickerchen. Womöglich werten sie sie sogar als Zeichen von Faulheit. Die Narkolepsie ist jedoch eine Erkrankung, die mit erheblichem Leidensdruck einhergeht.

Kataplexie: Deutliches Symptom einer Narkolepsie

Ein Gro√üteil der Betroffenen leidet unter einem weiteren typischen Symptom: der Kataplexie. Die Erkrankten verlieren pl√∂tzlich die Spannung in Muskeln, die f√ľr die Haltung wichtig sind, zum Beispiel den Bein- oder Nackenmuskeln.

Meist sind intensive Gef√ľhle der Ausl√∂ser, vor allem Emotionen wie Freude, √úberraschung, Erschrecken, Aufregung, Stolz oder √Ąrger. Je nachdem, welche Muskeln betroffen sind und wie lange der Spannungsverlust anh√§lt, √§u√üert sich das durch unterschiedliche Symptome. So kann zum Beispiel der Gesichtsausdruck vor√ľbergehend erschlaffen. Auch kann die Sprache pl√∂tzlich verwaschen wirken. In anderen F√§llen sacken die Knie f√ľr einen kurzen Moment weg.

Ist die komplette Haltemuskulatur betroffen, kann die Person st√ľrzen und sich verletzen. F√ľr Au√üenstehende k√∂nnen die Symptome an einen epileptischen Anfall erinnern. Im Gegensatz zum epileptischen Anfall bleiben die Erkrankten jedoch bei Bewusstsein.

Die Kataplexie kann unterschiedlich lange anhalten. Normalerweise ist die Muskelspannung nach f√ľnf Sekunden bis zwei Minuten wieder da. Selten vergehen bis zu 30 Minuten. Wie h√§ufig die Kataplexie auftritt, ist sehr unterschiedlich.

Status Kataplektikus: Anhaltende Kataplexie
H√§lt eine Kataplexie √ľber Stunden bis Tage an oder tritt in rascher Folge immer wieder auf, sprechen Fachleute von einem Status Kataplektikus. Dieser Zustand kann vor allem dann auftreten, wenn Erkrankte Medikamente gegen Kataplexie pl√∂tzlich absetzen.

Automatisches Verhalten und gestörter Nachtschlaf

Bevor die Betroffenen einschlafen, setzen sie ihre aktuelle T√§tigkeit manchmal noch f√ľr einige Sekunden oder Minuten monoton fort ‚Äď trotz der starken Schl√§frigkeit. Zum Beispiel bedienen sie weiterhin das Auto oder schreiben etwas. Dabei reagieren sie jedoch h√§ufig verz√∂gert oder machen Fehler. Die Erkrankten nehmen diese automatischen Verhaltensweisen nicht bewusst wahr und erinnern sich sp√§ter nicht daran.

Ein Mann schläft hinter dem Lenkrad ein.
Bevor sie endg√ľltig einschlafen, setzen Menschen mit Narkolepsie ihre T√§tigkeit oft noch f√ľr Minuten fort. (Quelle: DjelicS/getty-images-bilder)

Menschen mit Narkolepsie schlafen nachts oft schlecht. Sie haben einen leichten Schlaf, wachen nachts h√§ufig auf und/oder liegen bisweilen lange wach. Dadurch sind sie tags√ľber h√§ufig umso schl√§friger.

Schlaflähmung und Halluzinationen bei Narkolepsie

Patientinnen und Patienten mit Narkolepsie berichten h√§ufiger von einer sogenannten Schlafl√§hmung: Sie sind beim Aufwachen oder Einschlafen vor√ľbergehend nicht in der Lage, sich zu bewegen oder zu sprechen, obwohl sie bei vollem Bewusstsein sind.

Das Gef√ľhl, im eigenen K√∂rper wie gel√§hmt zu sein, kann sehr bedrohlich wirken, ist jedoch nicht gef√§hrlich. Die Schlafl√§hmung vergeht nach wenigen Sekunden bis Minuten von selbst. Sie ist kein Beweis f√ľr eine Narkolepsie, denn sie kann auch im Rahmen anderer Erkrankungen oder bei Gesunden auftreten.

Etwa die Hälfte der Erkrankten erlebt beim Übergang vom Wachen zum Schlafen Sinnestäuschungen. Diese sogenannten hypnagogen Halluzinationen können verschiedene Sinne betreffen, insbesondere das Sehen, das Hören und Tasten.

Betroffene sehen zum Beispiel eine Person an ihrem Bett sitzen, oder sie h√∂ren Stimmen, obwohl niemand im Raum ist. Die Halluzinationen k√∂nnen sehr be√§ngstigend sein, sind jedoch harmlos. Sie treten h√§ufig im Zusammenhang mit einer Schlafl√§hmung auf. Nach dem Aufwachen sind sich die Erkrankten dar√ľber bewusst, dass es sich um eine Sinnest√§uschung gehandelt hat.

Weitere mögliche Symptome und Folgen einer Narkolepsie

Eine Narkolepsie kann mit weiteren Symptomen oder Erkrankungen einhergehen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Albtr√§ume
  • Schlafwandeln
  • pl√∂tzliches Hochschrecken aus dem Schlaf (Nachtschreck)
  • Migr√§ne
  • Verhaltensst√∂rungen in der sog. REM-Phase des Schlafs, etwa lebhafte Bewegungen
  • schlafbezogene St√∂rungen der Atmung (Schlafapnoe)
  • unwillk√ľrliche, periodische Bewegungen w√§hrend des Schlafs, etwa der Beine
  • Depressionen
  • Konzentrationsprobleme
  • Leistungsminderung

Viele Patientinnen und Patienten nehmen im Laufe der Erkrankung zu. Vermutlich ist eine gestörte Appetitregulation der Grund, an der auch der Botenstoff Hypocretin beteiligt ist.

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Ursachen & Formen der Narkolepsie

Wann ein Mensch schl√§ft und wann er wach ist, steuert das Gehirn √ľber verschiedene Botenstoffe. Bei einer Narkolepsie funktioniert diese Steuerung nicht richtig. Warum, ist bislang nicht v√∂llig gekl√§rt.

Je nachdem, ob eine Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie einhergeht, unterscheiden Fachleute zwei Typen:

  • Narkolepsie Typ 1 (Narkolepsie mit Kataplexie) und
  • Narkolepsie Typ 2 (Narkolepsie ohne Kataplexie).

Bei der Entstehung der Narkolepsie Typ 1 spielt der Botenstoff Hypocretin eine Rolle, der unter anderem die Wachheit reguliert. Bei gesunden Menschen wird Hypocretin von Nervenzellen in einem Teil des Zwischenhirns gebildet: im Hypothalamus. Bei den meisten Personen, die an Narkolepsie Typ 1 erkrankt sind, sind diese Nervenzellen nicht mehr oder nur noch in geringer Zahl vorhanden, sodass kein oder nur wenig Hypocretin produziert wird.

Was genau zum Mangel an diesen Nervenzellen f√ľhrt, ist unklar. Wahrscheinlich sind Autoimmunprozesse daran beteiligt. Autoimmun bedeutet: Zellen des Immunsystems richten sich irrt√ľmlicherweise gegen k√∂rpereigenes Gewebe. Bei der Narkolepsie greifen m√∂glicherweise T-Zellen (eine bestimmte Art von Abwehrzellen) die Hypocretin produzierenden Nervenzellen an und zerst√∂ren sie. Darauf deuten jedenfalls neuere Untersuchungen hin.

Das w√ľrde auch erkl√§ren, warum die f√ľr Narkolepsie typische Kataplexie meist durch starke Emotionen ausgel√∂st wird: Die Nervenzellen, die Hypocretin freisetzen, versorgen unter anderem einen Bereich im Gehirn, der f√ľr die Erzeugung und Steuerung von Emotionen von Bedeutung ist. Dieser Bereich hei√üt Amygdala.

Welche Rolle spielen die Gene?

Vor allem die Narkolepsie Typ 1 ist wahrscheinlich zum Teil erblich bedingt. Die Betroffenen haben also genetische Voraussetzungen, die die Erkrankung beg√ľnstigen. Eine Rolle spielen wohl vor allem Gene, aus denen das sogenannte Humane Leukozyten-Antigen-System, kurz HLA, besteht.

Dieses ist f√ľr die Funktion des Immunsystems wichtig. Die meisten Erkrankten sind Tr√§ger bestimmter HLA-Merkmale, insbesondere des sogenannten HLA-Merkmals HLA DQB1*0602. Allerdings entwickelt nicht jeder, der das Merkmal in sich tr√§gt, eine Narkolepsie.

Die Ursachen der Narkolepsie Typ 2 sind weitgehend unbekannt. Anders als beim Typ 1 lassen sich keine erniedrigten Hypocretinkonzentrationen nachweisen.

Narkolepsie: Diagnose & Test

Der erste Schritt zur Diagnose ist ein Gespr√§ch: Die √Ąrztin oder der Arzt wird sich durch gezielte Fragen ein genaueres Bild von den Beschwerden der eventuell erkrankten Person machen. Symptome wie bereits mehrere Monate anhaltende Tagesschl√§frigkeit und pl√∂tzliche Muskelerschlaffung (Kataplexie) sind ‚Äď neben anderen Beschwerden wie etwa Schlafl√§hmung oder Halluzinationen im Schlaf ‚Äď typische Anzeichen einer Narkolepsie. Um die Einschlafneigung im Alltag beurteilen zu k√∂nnen, kann die √Ąrztin oder der Arzt spezielle Frageb√∂gen einsetzen, etwa die sogenannte Epworth Sleepines Scale (ESS).

Eine junge Patientin im Gespr√§ch mit einer √Ąrztin.
Um eine Narkolepsie diagnostizieren zu können, sind verschiedene Untersuchungen nötig. (Quelle: FG Trade/getty-images-bilder)

Die Symptome allein reichen allerdings nicht immer aus, um die Erkrankung sicher feststellen zu können. Selbst die Kataplexie, die fast nur im Rahmen der Narkolepsie vorkommt, ist kein Beweis. Denn nicht alle Erkrankten leiden unter diesem Symptom.

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Daher sind f√ľr eine eindeutige Diagnose meist noch weitere Schritte n√∂tig, vor allem eine Untersuchung im Schlaflabor. Vorab sollten Patientinnen und Patienten f√ľr einige Zeit ein Schlaftagebuch f√ľhren sowie Faktoren meiden, die die Untersuchung beeinflussen k√∂nnten ‚Äď zum Beispiel Nikotin und Koffein.

Polysomnographie und Multipler Schlaflatenztest

Wie tief ist der Schlaf? Wie ver√§ndert er sich im Laufe einer Nacht? Mithilfe der Polysomnographie l√§sst sich das messen. Meist muss die Person hierf√ľr eine Nacht oder mehrere N√§chte im Schlaflabor verbringen.

Die Polysomnographie setzt sich aus einer Reihe von Tests zusammen, bei denen verschiedene K√∂rperfunktionen untersucht werden, zum Beispiel die Hirnaktivit√§t, Herzfrequenz, Atmung, Muskelspannung, K√∂rperbewegungen oder die Sauerstoffs√§ttigung des Blutes. Es ergibt sich ein individuelles Schlafprofil, aus dem die √Ąrztin oder der Arzt m√∂gliche Ursachen f√ľr die Beschwerden eingrenzen oder ausschlie√üen kann.

Im Rahmen des Multiplen Schlaflatenztests (MSL) wird die Patientin oder der Patient mehrmals an einem Tag gebeten, in einem abgedunkelten Raum einzuschlafen. W√§hrenddessen werden verschiedene Messungen durchgef√ľhrt. Typisch bei einer Narkolepsie ist, dass die Person innerhalb von weniger als acht Minuten einschl√§ft.

Ebenfalls charakteristisch f√ľr eine Narkolepsie ist, dass eine bestimmte Schlafphase verfr√ľht einsetzt, n√§mlich die sogenannte REM-Phase. REM bedeutet Rapid Eye Movement (schnelle Augenbewegungen). In dieser Phase bewegen sich die Augen sehr schnell hin und her, und die Gehirnt√§tigkeit nimmt im Vergleich zu anderen Phasen deutlich zu. Bei gesunden Menschen tritt die erste REM-Phase meist erst etwa 90 Minuten nach dem Einschlafen auf. Bei Menschen mit Narkolepsie hingegen setzen bereits innerhalb von 15 Minuten nach dem Einschlafen REM-Phasen ein. Kommt dies im Rahmen des Tests im Schlaflabor bei mindestens zwei von f√ľnf Einschlafversuchen vor, so ist dies ein deutlicher Hinweis f√ľr Narkolepsie.

Weiterf√ľhrende Tests bei Verdacht auf Narkolepsie

Ist nicht auszuschließen, dass eine andere Ursache hinter den Beschwerden steckt, kann das Nervenwasser untersucht werden. Bei einer Narkolepsie Typ 1 ist die Konzentration des Botenstoffs Hypocretin im Vergleich zu Gesunden deutlich vermindert.

Zus√§tzlich kann im Rahmen einer genetischen Untersuchung bestimmt werden, ob die Person ein bestimmtes genetisches Merkmal, den HLA-Marker DQB1*0602, aufweist. Allerdings w√§re dies kein sicherer Beweis f√ľr eine Narkolepsie, da der Marker auch in der Normalbev√∂lkerung h√§ufiger vorkommt. Zudem gibt es Patientinnen und Patienten, bei denen der Marker nicht zu finden ist ‚Äď insbesondere bei Narkolepsie Typ 2.

Therapie einer Narkolepsie

Eine Narkolepsie gilt bislang als nicht heilbar. Bei der Behandlung geht es daher darum, die Symptome zu lindern. Die Therapie muss individuell auf die erkrankte Person und ihre Beschwerden abgestimmt sein. Dabei werden in der Regel Medikamente mit nicht-medikamentösen Behandlungsmaßnahmen kombiniert.

Nicht-medikamentöse Behandlung der Narkolepsie

F√ľr Patientinnen und Patienten mit Narkolepsie ist es besonders wichtig, ausreichend zu schlafen und dabei feste Schlafenszeiten einzuhalten. Tags√ľber sind regelm√§√üige Pausen und kurze Schlafphasen empfehlenswert, um anschlie√üend wieder f√ľr einige Stunden leistungsf√§hig zu sein.

In puncto Ernährung ist es sinnvoll, auf sehr schwere Mahlzeiten zu verzichten, da diese die Schläfrigkeit noch verstärken können. Bewegung ist ebenfalls förderlich, auch, weil viele Erkrankte an Gewicht zunehmen.

Au√üenstehende k√∂nnen Symptome wie starke Schl√§frigkeit leicht falsch deuten ‚Äď und etwa mit Faulheit in Verbindung bringen. Auch deshalb ist es f√ľr Betroffene wichtig, dass ihnen ihr direktes Umfeld Verst√§ndnis entgegenbringt und ihnen R√ľckhalt gibt. F√ľr nahestehende Personen ist es daher empfehlenswert, dass sie sich gut √ľber die Erkrankung informieren.

Medikamente bei Narkolepsie

Es gibt verschiedene Medikamente, die bei Narkolepsie zum Einsatz kommen. Die meisten wirken entweder gegen die Tagesschl√§frigkeit oder gegen den pl√∂tzlichen Verlust der Muskelspannung (Kataplexie). F√ľr eine optimale Wirkung werden h√§ufig verschiedene Wirkstoffe miteinander kombiniert.

Ein Arzt verschreibt ein Rezept.
Narkolepsie wird unter anderem mit Medikamenten behandelt. (Quelle: zoranm/getty-images-bilder)

Manche Wirkstoffe sind speziell f√ľr die Behandlung einer Narkolepsie zugelassen. F√ľr andere gilt ein sogenannter Off-Label-Use. Das bedeutet: Sie sind eigentlich zur Behandlung einer anderen Erkrankung entwickelt worden und haben keine Zulassung zur Therapie einer Narkolepsie ‚Äď etwa, weil der Hersteller keine entsprechende Zulassung beantragt hat.

Da sich aber diese Medikamente zur Behandlung der Narkolepsie bewährt haben, können sie nach ärztlichem Ermessen dennoch verschrieben werden.

Gegen die Tagesschl√§frigkeit verschreiben √Ąrztinnen und √Ąrzte Erwachsenen vor allem Medikamente aus der Gruppe der Stimulanzien wie

  • Modafinil,
  • Methylphenidat oder
  • Natriumoxybat.

Stimulanzien erh√∂hen die Wachheit, sodass sich die Erkrankten weniger m√ľde f√ľhlen. Der Wirkstoff Natriumoxybat kann nicht nur gegen die Tagesschl√§frigkeit, sondern auch bei Kataplexien oder Schlafl√§hmung helfen. Neben Stimulanzien kann zudem der Wirkstoff Pitolisant bei Tagesschl√§frigkeit (mit oder ohne Kataplexie) helfen.

Einige Stimulanzien ("Aufputschmittel") wie Natriumoxybat fallen unter das Bet√§ubungsmittelgesetz. Die √Ąrztin oder der Arzt muss sie nach sorgf√§ltiger Abw√§gung einsetzen.

Bei Kataplexie und/oder Symptomen wie Schlaflähmung und Halluzinationen können zudem Antidepressiva wie der Wirkstoff Clomipramin wirksam sein.

Medikamente gegen Narkolepsie k√∂nnen zu verschiedenen Nebenwirkungen f√ľhren, etwa zu starker Erregbarkeit, Kopfschmerzen, Magenproblemen, Reizbarkeit oder Herzrhythmusst√∂rungen. Auch kann es sein, dass ihre Wirkung mit der Zeit nachl√§sst. Dar√ľber hinaus sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und eventuelle Gegenanzeigen zu beachten. Daher sind regelm√§√üige Kontrollen durch die behandelnde √Ąrztin oder den behandelnden Arzt n√∂tig.

Narkolepsie nach Schweinegrippe-Impfung

2009 verbreitete sich das Grippevirus H1N1 ‚Äď bekannt als Schweinegrippe ‚Äď rasant. Zur Eind√§mmung der Pandemie wurden neue Impfstoffe entwickelt, die millionenfach zum Einsatz kamen. Darunter war auch das Medikament Pandemrix.

Fast ein Jahr sp√§ter fielen in Skandinavien vermehrte F√§lle von Narkolepsie an: Einige Kinder und junge Erwachsene waren offenbar nach der Impfung mit Pandemrix an Narkolepsie erkrankt. Auch in Deutschland wurden nach der Impfung F√§lle von Narkolepsie bekannt. Bis Ende Oktober 2016 erhielt das Paul-Ehrlich-Institut (das deutsche Bundesinstitut f√ľr Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel) 86 Meldungen √ľber entsprechende F√§lle.

Nach der Schweinegrippe-Impfung wurden gehäuft Fälle von Narkolepsie beobachtet.
Nach der Schweinegrippe-Impfung wurden gehäuft Fälle von Narkolepsie beobachtet. (Quelle: PeopleImages/getty-images-bilder)

Diesen ersten Hinweisen auf einen Zusammenhang zwischen der Impfung und Narkolepsie gingen Fachleute auf den Grund. In Studien konnten sie nachweisen, dass eine Impfung mit Pandemrix das Risiko f√ľr Narkolepsie tats√§chlich leicht erh√∂ht: Studien zufolge traten pro 100.000 verimpften Dosen zwischen 2 und 6 zus√§tzliche Narkolepsief√§lle bei Kindern und Jugendlichen auf. Bei Erwachsenen ist von 0.6 bis 1 zus√§tzlichen F√§llen pro 100.000 Impfdosen auszugehen.

Allerdings ist das Risiko f√ľr eine Narkolepsie auch nach einer Infektion mit der Schweinegrippe leicht erh√∂ht. Das spricht daf√ľr, dass es etwas mit der Immunreaktion des K√∂rpers zu tun hat, welche sowohl durch die Impfung als auch durch die Infektion hervorgerufen wird.

Ein bestimmtes Protein auf der Oberfl√§che des Schweinegrippe-Virus l√∂st eine Immunantwort aus. Diese richtet sich bei einigen Menschen gegen bestimmte Nervenzellen im Gehirn, welche den Botenstoff Hypocretin bilden, oder gegen die Rezeptoren f√ľr diesen Botenstoff. Der Untergang dieser Zellen f√ľhrt zur Narkolepsie.

Dies passiert aber nur, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen, unter anderem genetische Komponenten. Das Oberfl√§chenprotein war im Impfstoff von Pandemrix enthalten. M√∂glicherweise trug zudem ein bestimmter Impfstoffverst√§rker zur Erh√∂hung des Risikos f√ľr Narkolepsie bei.

Wer bereits mit Pandemrix geimpft wurde, muss sich aber keine Sorgen machen, nun an Narkolepsie zu erkranken. Denn Betroffene entwickelten bereits innerhalb weniger Tage bis Wochen nach der Impfung eine Narkolepsie ‚Äď und nicht erst nach Monaten. Es handelt sich also um eine direkte Impfnebenwirkung und nicht um eine Langzeitfolge.

Dass der Zusammenhang zur Impfung erst Monate später erkannt wurde, hatte einen anderen Grund: Die Nebenwirkung war so selten, dass sie in klinischen Studien nicht auffallen konnte, da diese zu wenig Teilnehmende hatten.

Gut zu wissen
Pandemrix wird derzeit in der EU nicht mehr eingesetzt. Der darin enthaltende Impfverstärker findet ebenfalls keine Verwendung mehr.

Corona-Impfung: Können auch hier seltene Nebenwirkungen unentdeckt sein?

Grunds√§tzlich gilt: Je mehr Menschen geimpft wurden, desto eher kommen Nebenwirkungen zutage. Damit sehr seltene Beschwerden eindeutig mit einem Impfstoff in Verbindung gebracht werden k√∂nnen, m√ľssen sehr viele Menschen geimpft sein.

Alle zugelassenen Covid-19-Impfstoffe wurden in Studien mit insgesamt mehr als 20.000 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern getestet. Dass es Nebenwirkungen gibt, die bei ihnen noch nicht erkannt wurden, ist nicht auszuschlie√üen. Daher werden alle neuen Arzneimittel und Impfstoffe auch nach einer Zulassung weiter √ľberpr√ľft. Allerdings handelt es sich bei den Nebenwirkungen, die nach einer Zulassung noch bekannt werden, meist um extrem seltene Nebenwirkungen.

Die bisherigen Corona-Impfstoffe und ihre möglichen (seltenen) Nebenwirkungen gelten nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts bereits als gut untersucht. Seit der Zulassung haben bereits so viele Menschen eine Impfung erhalten, dass eine weitere seltene Nebenwirkung zudem vermutlich längst aufgefallen wäre.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Andrea Goesch
HalluzinationenSchweinegrippe

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