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1. Mai: Die blutige Geburtsstunde vom Tag der Arbeit

Tag der Arbeit  

Die blutige Geburtsstunde eines Feiertags

01.05.2019, 11:31 Uhr | rk, ron, t-online.de

Tag der Arbeit: Diese Geschichte steckt hinter dem Feiertag am ersten Mai. (Quelle: Christian Mang/M. Gann/Imago)
Tag der Arbeit: Darum ist der Erste Mai ein Feiertag

Weltweit ist der Erste Mai in vielen Ländern ein offizieller Feiertag. Vom „Tag der Arbeit“ bis zum „Maifeiertag“ - der Erste Mai hat viele Namen und eine vielschichtige Historie. 

Tag der Arbeit: Diese Geschichte steckt hinter dem Feiertag am ersten Mai. (Quelle: t-online.de)


Der Erste Mai – auch "Tag der Arbeit" oder Maifeiertag genannt – ist in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag. Seine politischen Wurzeln hat der 1. Mai allerdings in den USA.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern weltweit – von Argentinien bis Zimbabwe, von der Türkei bis Tansania – gibt es den "Tag der Arbeit" am 1. Mai. In vielen Staaten ist er zudem ein gesetzlicher Feiertag.

Schlechte Arbeitsbedingungen

Sein Ursprung geht zurück auf die US-amerikanische Arbeiterbewegung. Am 1. Mai 1886 riefen Handel- und Arbeitergewerkschaften zu einem mehrtägigen Generalstreik auf. Hauptgründe waren die schlechten Arbeitsbedingungen und die schlechte Bezahlung der Industriearbeiter.

Dass die Aktion auf diesen Termin gelegt wurde, war allerdings kein Zufall. Am 1. Mai, dem sogenannten "Moving Day", liefen in den USA traditionell alte Arbeitsverträge aus und es wurden neue geschlossen.

Achtstündiger Arbeitstag

Hauptsächlich ging es den Streikenden darum, dass die tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden verkürzt wird. Dafür kämpfte die Arbeiterbewegung in den USA bereits seit den 1860er-Jahren. Damals gelang es den Gewerkschaften zwar, die Arbeitszeit von dreizehn auf zehn Stunden zu verkürzen.

Dennoch malochten die Arbeiter weiterhin unter schlechten Bedingungen für das Land, das in der zweiten Welle der Industrialisierung zur weltweit führenden Wirtschaftsmacht aufstieg. Um den Achtstundentag endgültig durchzusetzen, beteiligten sich am ersten Tag des Generalstreiks in den USA rund 400.000 Beschäftigte aus 11.000 Betrieben. Ein Kundgebungsort war die Arbeiterstadt Chicago.

Bombenexplosion in Chicago

Am dritten Streiktag – es war der 3. Mai 1886 – kam es dort am Chicagoer Haymarket Square bei einer Kundgebung zu einem blutigen Zwischenfall. Nach offiziellen Angaben warfen Anarchisten und linke Radikale eine Splitterbombe auf Polizeibeamte. Das Chaos brach aus. Die Polizei eröffnete das Feuer. Einige Demonstranten schossen zurück.

Am Ende des Tages waren sieben Polizisten und mindestens vier Arbeiter tot sowie Dutzende verletzt. Der Zwischenfall hatte ein juristisches Nachspiel. In einer Gerichtsverhandlung, der sogenannten "Haymarket Affair", wurden sieben Todesurteile gegen die Anführer gefällt, vier wurden vollstreckt.

Das blutige Ende des Streiks führte letztendlich doch dazu, dass ein Teil der Forderungen umgesetzt wurde. Seit dem 1. Mai 1890 haben die US-Amerikaner nach acht Stunden Arbeit frei.

Demonstrationen in Berlin, Dresden und Hamburg am 1. Mai

Nach dem Haymarket-Zwischenfall von 1886 wurde der 1. Mai zum Kampftag für den Achtstundentag – auch in Europa. In Deutschland beteiligten sich 1890 bereits rund 100.000 Arbeiterinnen und Arbeiter an den Demonstrationen, zum Beispiel in Berlin, Dresden und Hamburg – trotz des sogenannten "Sozialistengesetzes".

Das seit 1878 gültige Dekret verbot sozialistische, sozialdemokratische und kommunistische Versammlungen, bei denen die soziale Lage angeprangert und das politische System infrage gestellt wurde.

Kanzler Bismarck (l) begrüßt Kaiser Wilhelm II.: Im Mai 1890 war in Deutschland noch das Bismarck'sche "Sozialistengesetz" in Kraft, das Versammlungen verbot. (Quelle: dpa/Archiv)Kanzler Bismarck (l) begrüßt Kaiser Wilhelm II.: Im Mai 1890 war in Deutschland noch das Bismarck'sche "Sozialistengesetz" in Kraft, das Versammlungen verbot. (Quelle: Archiv/dpa)

In Hamburg kam es zu einem besonders hart geführten Streik, an dem sich zeitweise bis zu 20.000 Arbeiter beteiligten. Er zog sich bis in den Sommer 1890 hin, jedoch ohne dass die Forderungen nach einem Achtstundentag durchgesetzt werden konnten.

Gesetzlicher Feiertag in Deutschland

In den folgenden Jahrzehnten engagierte sich die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) dafür, den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag durchzusetzen. Im April 1919 war es schließlich so weit: Die Nationalversammlung der Weimarer Republik erklärte den "Tag der Arbeit" erstmals deutschlandweit zum gesetzlichen Feiertag – allerdings nur für das geltende Jahr.

1. Mai 1927 in Berlin: Auf dem Schlossplatz demonstrieren Arbeiter mit einem Lenin-Plakat und der Aufschrift "Lenin zeigt den Weg". (Quelle: dpa/Archiv)1. Mai 1927 in Berlin: Auf dem Schlossplatz demonstrieren Arbeiter mit einem Lenin-Plakat und der Aufschrift "Lenin zeigt den Weg". (Quelle: Archiv/dpa)

Zwar blieb der "Tag der Arbeit" in Lübeck, Sachsen und Schaumburg-Lippe als gesetzlicher Feiertag bestehen, im übrigen Deutschland wurde er jedoch wieder abgeschafft. Dennoch riefen die Gewerkschaften zu Maifeiern und politischen Aktionen auf. Im Jahr 1933 führten die Nationalsozialisten den "Tag der Arbeit" erneut deutschlandweit als gesetzlichen Feiertag ein – missbrauchten ihn aber für ihre eigene Propaganda.

Der 1. Mai war fortan als staatlich verordneter "Feiertag der Nationalen Arbeit" Hintergrund für Paraden, Aufmärsche und Leistungsschauen der deutschen Wirtschaft.

Der 1. Mai in Ost und West

Als Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in vier Besatzungszonen aufgeteilt wurde, bestätigten die Alliierten den 1. Mai als Feiertag. Ost und West begingen dieses Datum allerdings recht unterschiedlich:

In der DDR war der 1. Mai der "Internationale Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus" – eine Pflichtveranstaltung, bei der die DDR-Bürger an Tribünen mit Parteimitgliedern und Ehrengästen vorbeimarschieren mussten.

1. Mai 1987 in West-Berlin: Damals trafen sich rund 50.000 Teilnehmer vor dem Reichstagsgebäude zur zentralen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). (Quelle: dpa/Archiv)1. Mai 1987 in West-Berlin: Damals trafen sich rund 50.000 Teilnehmer vor dem Reichstagsgebäude zur zentralen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). (Quelle: Archiv/dpa)

In der BRD organisierten die Gewerkschaften die Kundgebungen am 1. Mai, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Die Demonstrationen wurden mit kulturellen Veranstaltungen kombiniert. Neben den Großveranstaltungen gab es seit Ende der 1980er-Jahre auch gewaltsame Demonstrationen autonomer Gruppen, vor allem in Berlin.

Deshalb versuchte die Polizei seit den 2000er-Jahren gezielt mit Familienfesten gegenzusteuern. So wurde 2003 das Berliner "Myfest" ins Leben gerufen, um Krawallen und gewalttätigen Ausschreitungen im Stadtbezirk Kreuzberg etwas entgegenzusetzen.

In Österreich und der Schweiz offizieller Feiertag

Heute ist der 1. Mai in vielen Ländern ein offizieller Feiertag – so auch in Teilen der Schweiz und in Österreich. Hier wie dort wird der Tag der Arbeit traditionell für politische Aktionen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen genutzt. In seinem Ursprungsland, den USA, wird der "Tag der Arbeit" allerdings nicht als offizieller Feiertag begangen.

Verwendete Quellen:


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