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Neues Klimaschutzgesetz: China, Deutschland, USA – Wer ist der größte Sünder?


Internationaler Vergleich  

China, Deutschland, USA – Wer ist der größte Klimasünder?

Von Saskia Leidinger

13.05.2021, 10:47 Uhr
Neues Klimaschutzgesetz: China, Deutschland, USA – Wer ist der größte Sünder?. Häuser mit Windanlagen im Hintergrund: Die Energiewende ist zentraler Baustein der Klimapolitik in Deutschland. (Quelle: imago images/Jochen Tack)

Häuser mit Windanlagen im Hintergrund: Die Energiewende ist zentraler Baustein der Klimapolitik in Deutschland. (Quelle: Jochen Tack/imago images)

2045 soll Deutschland klimaneutral sein. Doch wie gut steht das Land mit seinen Zielen international da? Als Vorbild stufen Forscher die Bundesrepublik trotz der neuen Ziele nicht mehr ein. 

Es gehe um nicht weniger als die zentrale Zukunftsfrage Deutschlands, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) bei der Präsentation der neuen Klimaziele vergangene Woche. Jetzt wurden diese vom Bundeskabinett verabschiedet.

Deutschland will nun schon fünf Jahre früher als bisher geplant klimaneutral sein: Statt 2050 ist das neue Ziel 2045. Bis zum Jahr 2030 sollen die Treibhausgasemissionen in Deutschland um 65 Prozent gesenkt werden. "Niemand kann sich mehr wegducken", sagte Umweltministerin Svenja Schulze im ARD-"Morgenmagazin".

Ist Deutschlands Klimaschutzziel ehrgeizig?

Aber wie steht Deutschland mit seinen neuen Zielen im internationalen Vergleich wirklich da?

In absoluten Zahlen ist China bisher der größte Klimatreiber. Dahinter folgen die USA, Indien und Russland. Deutschland kommt auf Rang acht. Bei den künftigen Ambitionen, vor allem für das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens, zeigen sich große Unterschiede. Zwei Länder überraschen in einer Analyse der Klimaziele des Projekts Climate Action Tracker (CAT) vom NewClimate Institute.

China ("Höchst unzureichend")

China hat das Pariser Klimaabkommen unterschrieben und entsprechende Ziele an die UN gesendet (UNCCR). Diese sind allerdings eher unkonkret formuliert. Vor 2030 will die Volksrepublik den Höhepunkt der CO2-Emissionen erreicht haben und vor 2060 will China klimaneutral sein. Allerdings ist laut CAT nicht klar, ob damit nur der CO2-Ausstoß gemeint ist oder alle Klimagase zusammen.

Auch nach der virtuellen Klimakonferenz, die US-Präsident Joe Biden vor einigen Wochen durchführte, beließ es Chinas Präsident Xi Jinping bei der bisherigen Strategie. "Es ist enttäuschend, dass China einen so großen Fokus darauf legt, seine Abhängigkeit von Kohle – und Öl und Gas – fortzusetzen", kritisierte Bill Hare, Chief Executive von Climate Analytics.

USA ("Bedenklich unzureichend")

Die USA haben unter Präsident Joe Biden neue Klimaziele verfasst. Bis 2030 will der US-Präsident die Treibhausgase um 50 Prozent im Vergleich zu 2005 verringern. Das ist eine deutliche Veränderung zur Ära von Donald Trump. "Ich bin sehr froh, dass die Vereinigten Staaten von Amerika wieder zurück in der Klimapolitik sind", kommentierte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

 (Quelle: Climate Action Tracker) (Quelle: Climate Action Tracker)

Doch aktuell sind die USA Schlusslicht im Klimaindex und werden als "Bedenklich unzureichend" im Kampf gegen die Klimakrise bezeichnet. Selbst ihr neues Ziel würde laut dem NewClimate Institute nicht ausreichen, um die Welt auf 1,5 Grad Erderwärmung zu begrenzen, dafür bräuchte es eine Reduzierung von 57 bis 63 Prozent. Vor allem im Bereich Transport müssten die USA noch kräftig aufholen. Bis 2030 müssten demnach nahezu alle verkauften Autos elektrisch oder wasserstoffbasiert sein.

Deutschland ("Höchst unzureichend")

Das einstige Vorzeigeland Deutschland hängt mit seinen ergriffenen Maßnahmen bislang deutlich hinter dem erklärten Ziel des Pariser Klimaabkommens zurück. Das neue Klimaschutzgesetz soll das jetzt ändern und Deutschland auf den Weg zur Klimaneutralität bringen. "Es ist ein ehrgeiziges Klimaschutzziel, das aber auch machbar ist", sagte Bundesfinanzminister Scholz. Die Treibhausgasemissionen werden im Vergleich zum Jahr 1990 schrittweise reduziert. Bis zum Jahr 2030 sollen es mindestens 65 Prozent sein, bis zum Jahr 2040 mindestens 88 Prozent.

 (Quelle: Climate Action Tracker) (Quelle: Climate Action Tracker)

Damit würde sich Deutschland stark verbessern, läge laut CAT 2030 allerdings immer noch etwas unter der nötigen Marke von 69 Prozent weniger Treibhausgasen. Doch die neuen Ziele sind nur Rahmenbedingungen, für die konkrete Umsetzung müssen die einzelnen Ministerien sorgen. Zudem werden Wälder und Moore als CO2-reduzierender-Faktor mit eingerechnet. "Viel Schönrechnerei" und "unausgegorene Pläne", lautet deshalb das Urteil der Fridays-for-Future-Aktivistin Carla Reemtsma.

Marokko ("1,5°C Paris Abkommen kompatibel")

Unter den einzigen zwei Ländern, die derzeit entsprechend dem Pariser Klimaabkommen handeln, sind im CAT Gambia und Marokko aufgeführt. Mit Windenergie und Solarkraftwerken wie "Ouarzazate", einem der größten der Welt, will Marokko bis 2030 die Hälfte seines Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnen. Derzeit ist das Königreich allerdings noch auf Kohlekraftwerke und Importe angewiesen. Marokko kommt es zugute, dass die Pro-Kopf-Emission historisch bedingt niedrig ist.

Solarkraftwerk in Marokko: Das Königreich will seine Produktion von erneuerbaren Energien erhöhen. (Quelle: imago images/Xinhua)Solarkraftwerk in Marokko: Das Königreich will seine Produktion von erneuerbaren Energien erhöhen. (Quelle: Xinhua/imago images)

Ambitioniertes Schweden

Nicht alle Länder sind im Climate Action Tracker derzeit einzeln erfasst. Das NewClimate Institute und die Nichtregierungsorganisation Germanwatch veröffentlichen allerdings seit Jahren den Klimaindex. Den weltweiten Spitzenplatz nimmt hier Schweden ein, vor England und Dänemark. "Schweden war immer ein Land, das gesagt hat, 'wir müssen ambitionierter werden'", sagt die Analystin Marie-Jeanne Kurdziel vom NewClimate Institute dem "Focus". Deutschland liegt auf Rang 19. Allerdings wird kein einziges Land als tatsächlicher Vorreiter gewertet. Deshalb bleiben die ersten drei Plätze momentan noch leer.

Dennoch: "Das Argument, 'wir machen ja was, aber die anderen sind nicht dabei', das gilt nun nicht mehr", sagt Niklas Höhne, der Leiter des NewClimate Institute zur "Deutschen Welle".

Sind Chinas Bürger größere Klimatreiber als die Deutschen?

Zwei Aspekte werden bei solchen Vergleichen jedoch schnell vergessen: Um vergleichen zu können, wie groß der Einfluss auf den Klimawandel pro Land ist, ist es wichtig, auch die Anzahl der Menschen einzuberechnen, die in einem Land leben. So hat China deutlich mehr Bürger als die gesamte Europäische Union. Laut der Emissionsdatenbank für die globale Atmosphärenforschung (EDGAR) hat Deutschland einen etwas höheren CO2-Ausstoß pro Kopf als China, beide liegen aber mit knapp über 8 Tonnen deutlich hinter den USA mit 15 Tonnen.


Zudem sind Länder für ihre Emissionen nicht allein verantwortlich. China wird oft als "Werkbank der Welt" bezeichnet. Produktionsstätten sind mittlerweile aus Europa nach Asien verlagert worden. Damit verlagern sich auch die CO2-Emissionen ins Ausland. Wenn also ein Auto in China produziert, aber in Deutschland gekauft wird, schlägt sich das vor allem negativ in der Klimabilanz Chinas nieder.

Das führt beispielsweise dazu, dass der Inselstaat Palau im Pazifik mit seinen rund 19.000 Einwohnern fast 60 Tonnen CO2 pro Kopf verbraucht. Doch die Inselbewohner selbst sind nicht das eigentliche Problem. Etwa hunderttausend Touristen kommen jährlich auf die Inseln – mit Schiffen und Flugzeugen.

"Europas Mann-auf-dem-Mond-Moment"

Wissenschaftler, die eine Studie zu CO2-Emissionen im Handel in dem Magazin "Nature Climate Change" veröffentlicht haben, kommen deshalb zu dem Ergebnis, dass das "Herkunftsland als Investor mehr Verantwortung für die Reduzierung der Kohlenstoffemissionen tragen" sollte.

Das Industrieland Deutschland will mit dem neuen Gesetz nun mehr Verantwortung für den Klimaschutz übernehmen. Doch bereits in einigen Wochen könnten die Ziele wieder verändert werden müssen. Denn auch die EU will beim Klimaschutz vorangehen. "Das ist Europas Mann-auf-dem-Mond-Moment", hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gesagt. Im Juli sollen nun die konkreten Vorgaben für die einzelnen Mitgliedsländer folgen und damit könnte wieder ein neues Klimaschutzgesetz für Deutschland nötig werden.

Verwendete Quellen:

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