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Norbert Blüm zeltet im Flüchtlings-Camp in Idomeni

Ex-Arbeitsminister im Elendscamp  

Norbert Blüm zeltet bei den Flüchtlingen in Idomeni

13.03.2016, 08:52 Uhr | dpa, AFP, t-online.de

Norbert Blüm zeltet im Flüchtlings-Camp in Idomeni. Der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm besucht das Flüchtlingslager bei Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. Nachdem die Balkanroute geschlossen wurde, leben in diesem Lager gut 12.000 Flüchtlinge. (Quelle: dpa)

Der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm besucht das Flüchtlingslager bei Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. (Quelle: dpa)

Der ehemalige deutsche Arbeitsminister Norbert Blüm besucht das griechische Elendscamp bei Idomeni. Aus Solidarität mit den Flüchtlingen verbringt der 80-Jährige dort selbst eine Nacht in einem Zelt. Er bezeichnete die miserablen Zustände in dem Lager als "Anschlag auf die Menschlichkeit".

Blüm stellte am Samstag ein eigenes Zelt neben die Behausungen von Flüchtlingen, in dem er die Nacht zum Sonntag verbringen wollte. Bei der Besichtigung eines Großzeltes auf dem Gelände scharten sich Menschen um ihn und riefen: "Thank you, Germany!"

Lager ist "unwürdig der europäischen Kultur"

Blüm kritisierte Österreich und andere mittel- und osteuropäische EU-Länder, die sich aktiv dafür eingesetzt hatten, dass die Grenzen entlang der Balkanroute für Flüchtlinge geschlossen wurden. "Was ist das eigentlich für eine Lösung? Die ziehen sich bequem zurück und sagen, Griechenland soll damit zurechtkommen", sagte er. Sein Europa sei das nicht. 

"Diese Art von Brutalität ist unwürdig der europäischen Kultur", sagte Blüm mit Blick auf schlimmen Bedingungen in dem improvisierten Camp. "Es ist eine Kulturschande." 

In Griechenland sitzen wegen der Grenzsperren weiter nördlich etwa 42.000 Flüchtlinge fest, davon 12.000 allein im Camp Idomeni, das unmittelbar an der Grenze zu Mazedonien liegt.

Flüchtlingsprotest in Idomeni: "Öffnet die Grenze"

Derweil wachsen bei den Flüchtlingen Frust und Unmut. Hunderte Flüchtlinge protestierten in der Nähe des griechischen Grenzorts Idomeni und forderten die Öffnung der Grenze zu Mazedonien. Vor allem Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak setzten sich mit ihren Kindern auf die Bahngleise und skandierten "Öffnet die Grenze", wie ein Fotograf der Agentur AFP berichtete.

Ein syrischer Flüchtling, der 44-jährige Nasim Serhan, trat in den Hungerstreik. Er ist mit drei Kindern unterwegs und will zu seiner krebskranken Frau und dem vierten Kind, die sich nach seinen Angaben in Deutschland aufhalten. "Ich möchte sie sehen, nur für einen Tag", sagte Serhan.

Kind an Hepatitis erkrankt

Die schlechten hygienischen Zustände führen zu ersten Erkrankungen. Ein neun Jahre alter syrischen Flüchtlingsjunge leide unter der Infektionskrankheit Hepatitis A, wie Ärzte diagnostizierten. Laut griechischem Zentrum für Seuchenbekämpfung und -prävention werde das Kind in einem Krankenhaus in der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki behandelt, sein Zustand sei stabil.

Vor Ort seien bereits Maßnahmen ergriffen worden, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Alle Menschen, die in Kontakt mit dem Jungen standen, sollen bald geimpft werden, hat die "Bild"-Zeitung erfahren.

Das Hepatitis-A-Virus kann eine akute Leberentzündung verursachen. Es bestehe keine Gefahr für die griechische Bevölkerung, heißt es in der Behörden-Mitteilung weiter. Das Virus wird vornehmlich durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen.

Griechische Regierung will "Einsatz von Gewalt" vermeiden

Der stellvertretende griechische Verteidigungsminister Dimitris Vitsas sagte, er hoffe, dass sich die Lage in Idomeni binnen einer Woche verbessern werde - ohne dass ein "Einsatz von Gewalt" nötig sei. Die Regierung versuche, die festsitzenden Flüchtlinge davon zu überzeugen, dass sie sich in die über das Land verteilten Aufnahmezentren begeben sollten, sagte Vitsas dem Fernsehsender Mega.

Sie würden deshalb in auf Arabisch, Farsi und Paschtu verfassten Flugblättern informiert und aufgerufen, mit den griechischen Behörden zusammenzuarbeiten. Am Freitag verließen ein paar hundert Migranten bereits das Zeltlager.

Kritik an Flüchtlingspakt mit der Türkei wächst

Die meisten der gestrandeten Flüchtlinge in Griechenland kommen über die Türkei. Derzeit verhandelt die Europäische Union mit dem Land über ein Rücknahmeangebot aus Ankara. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte der EU Anfang der Woche angeboten, Flüchtlinge aus dem Nachbarland zurückzunehmen.

Im Gegenzug verlangt Ankara unter anderem sechs Milliarden Euro von der EU sowie Visa-Freiheit für türkische Bürger und beschleunigte Beitrittsverhandlungen mit Brüssel. 

Wenige Tage vor dem EU-Gipfel zur Flüchtlingskrise wächst der Widerstand gegen das geplante Abkommen mit der Türkei. Nach Wien wandte sich auch Paris dagegen, der Türkei im Gegenzug für die Rücknahme von illegal nach Griechenland übergesetzten Syrern weitreichende Konzessionen zu machen.

"Es sollte keine Zugeständnisse bei Fragen der Menschenrechte oder der Kriterien für die Visa-Liberalisierung geben", warnte der französische Präsident François Hollande. Für den Pakt macht sich vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stark.


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