Menü Icont-online - Nachrichten für Deutschland
HomePolitikAusland

Brasilien, Mexiko & Co.: Warum Lateinamerika der neue Corona-Brennpunkt ist


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild für einen TextDrohnenangriff auf Militäranlage im IranSymbolbild für einen TextScholz greift in Berliner Wahlkampf einSymbolbild für einen TextDschungelcamp: Diese Stars sind im FinaleSymbolbild für einen TextBärengesicht auf dem Mars entdecktSymbolbild für einen TextDonald Trump: Wütender als je zuvorSymbolbild für einen Text2. Liga: FCK dreht TraditionsduellSymbolbild für einen TextExperte: "Wir essen ständig Insekten"Symbolbild für ein VideoRussisches Manöver sorgt für AufsehenSymbolbild für einen TextPolizei verhindert Angriff von 300 FansSymbolbild für einen TextMert A. in Rimini verhaftetSymbolbild für einen TextMarie Kondo räumt nicht mehr aufSymbolbild für einen Watson TeaserIBES: Arroganz-Anfall verärgert ZuschauerSymbolbild für einen TextDiese Risiken birgt eine verschleppte Erkältung
Anzeige
Loading...
Loading...
Loading...

Die Folgen der Pandemie sind für Lateinamerika verheerend

dpa, Von D. Düttmann, N. Kaiser und M. Farmbauer

Aktualisiert am 12.06.2020Lesedauer: 3 Min.
Essensausgabe in Cali, Kolumbien: Die Corona-Krise hat dramatische Folgen für die Wirtschaft.
Essensausgabe in Cali, Kolumbien: Die Corona-Krise hat dramatische Folgen für die Wirtschaft. (Quelle: VWPics/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Lateinamerika ist der neue Corona-Hotspot. Populistische Staatschefs und tiefe Armut erschweren das Krisenmanagement. Trotzdem wollen einige Länder die Maßnahmen schon wieder lockern.

Während Europa erst einmal das Schlimmste hinter sich hat und langsam zu so etwas wie Normalität zurückkehrt, steuert die Corona-Pandemie in Lateinamerika auf einen Höhepunkt zu. Die Infektionszahlen steigen rasant. Das Gesundheitswesen ist am Limit. Die Wirtschaft liegt darnieder. Wie gehen die verschiedenen Staaten mit der Krise um?


Fotoshow: Wo das Virus aktuell am schlimmsten wütet

Nur wenige Touristen in den sonst überfüllten Straßen von Dubrovnik: Lange Zeit blieb der Südosten Europas weitestgehend von der Pandemie verschont. Doch seit kurzem melden die Staaten der Balkanregion wieder stark steigende Infektionszahlen (Stand Anfang Juli 2020). In Kroatien ist die Zahl der infizierten Personen vergangene Woche im Vergleich zur Vorwoche um über 230 Prozent angestiegen. Über 3.000 Menschen sind in dem beliebten Urlaubsland mit dem Coronavirus infiziert.
Menschen warten vor einer Klinik in Belgrad: Auch in Serbien schießen die Infiziertenzahlen wieder in die Höhe. Anfang Juli sind die Zahlen im Vergleich zur Vorwoche um 125 Prozent gestiegen. Für die Hauptstadt Belgrad, wo die meisten neuen Infektionen gemeldet wurden, hat die serbische Regierung schärfere Corona-Maßnahmen verhängt. Auch das Nachbarland Griechenland hat reagiert und seine Grenzen für serbische Reisende geschlossen.
+12

Die Zahlen

Die Länder sind unterschiedlich stark betroffen. Spitzenreiter ist Brasilien mit über 800.000 nachgewiesenen Infektionen und rund 41.000 Toten. In Peru haben sich offiziell mehr als 200.000 Menschen infiziert, in Chile über 150.000. Mexiko meldet rund 134.000 Infektionen und etwa 16.000 Todesfälle. In Argentinien hingegen ist die Lage mit gut 25.000 Infektionen und rund 700 Todesfällen noch weitgehend unter Kontrolle. Mancherorts wird allerdings äußerst wenig getestet, so dass die tatsächlichen Infektionszahlen viel höher liegen dürften.

Die Maßnahmen

Die Regierungen haben ganz unterschiedlich auf die Pandemie reagiert. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro tut das Virus als "leichte Grippe" ab. Er stemmt sich gegen jede Art von Schutzmaßnahmen. Einige Bundesstaaten und Städte haben zwar Ausgangssperren verhängt und die Schließung von Betrieben und Geschäften angeordnet. Aber es wird schon wieder gelockert. Vor Einkaufszentren in São Paulo bildeten sich lange Schlangen. Rio de Janeiro erinnert auch schon wieder an die Tage vor der Pandemie.

Mit Mundschutz, ohne Abstand: Vor einem Einkaufszentrum in Sao Paulo herrscht bei der Wiedereröffnung am Donnerstag Gedränge.
Mit Mundschutz, ohne Abstand: Vor einem Einkaufszentrum in Sao Paulo herrscht bei der Wiedereröffnung am Donnerstag Gedränge. (Quelle: Zuma Wire/imago-images-bilder)

In Mexiko rief die Regierung nach langem Zögern die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben – Pflicht ist das aber nicht. Manche Industrien wurden als unerlässlich eingestuft, der Rest musste vorübergehend den Betrieb einstellen. In Lebensmittelgeschäften gilt Maskenpflicht, nicht aber in allen Behörden. Argentinien hingegen verhängte bereits Mitte März eine weitgehende Ausgangssperre, die zumindest im Großraum Buenos Aires noch bis heute gilt.

Die Bevölkerung

Die Akzeptanz der Maßnahmen hängt auch von der wirtschaftlichen Lage ab. In Peru gelten sehr strenge Ausgangsbeschränkungen, trotzdem verzeichnet der Andenstaat nach Brasilien die meisten Infektionen. Dort – wie auch in Mexiko und anderswo – sind viele Menschen im informellen Sektor beschäftigt. Schuhputzer, Müllsammler, fliegende Händler und Tagelöhner können es sich oft nicht leisten, zu Hause zu bleiben. In Brasilien waren trotz Ausgangssperren Märkte noch voll. Die Argentinier respektierten die Beschränkungen anfangs. Nach fast drei Monaten sind allerdings viele mit der Geduld am Ende.

Sie wollen nach Hause: Diese in Argentinien gestrandeten Venezolanerinnen klagen vor der Botschaft ihres Landes in Buenos Aires über ihre Lage.
Sie wollen nach Hause: Diese in Argentinien gestrandeten Venezolanerinnen klagen vor der Botschaft ihres Landes in Buenos Aires über ihre Lage. (Quelle: Agencia EFE/imago-images-bilder)

Wirtschaftliche Folgen

Sie sind verheerend. Die Weltbank sagt für dieses Jahr einen Rückgang der Wirtschaftskraft um 7,2 Prozent voraus. Die Folgen der Rezession dürften in Lateinamerika dramatisch ausfallen, weil es kaum soziale Sicherungssysteme gibt. Die Organisation Aktion gegen den Hunger fürchtet, dass fast 30 Millionen Menschen in die Armut stürzen könnten. So lockern manche Länder – wie Brasilien, Kolumbien, Mexiko und Honduras – aus wirtschaftlichen Gründen bereits ihre Maßnahmen, obwohl die Kurven weiter steigen. Einigen Ländern fehlt es an Geld, ihre Wirtschaft anzukurbeln.

In Mexiko – zweitgrößte Wirtschaft Lateinamerikas nach Brasilien – bleibt die Regierung bei ihrer Sparpolitik. Das ohnehin unterfinanzierte Gesundheitssystem ist an seinen Grenzen. Ärzte in Krankenhäusern müssen Schutzausrüstung selbst kaufen. Argentinien versucht, die größten Härten abzufedern. Neun Millionen Menschen, die arbeitslos sind, im informellen Sektor arbeiten oder nur sehr wenig verdienen, erhalten pro Monat 10.000 Peso (rund 130 Euro) Staatshilfe. Kleinunternehmern werden zinslose Kredite gewährt.

Meistgelesen
Daniela Katzenberger: Ihr Mann Lucas Cordalis nimmt am Dschungelcamp teil.
Daniela Katzenberger: "Ab morgen ist dieser ganze Scheiß vorbei"
Anzeige
Loading...
Loading...
Loading...
Handshake in Brasilien: Obwohl die Zahlen eine andere Sprache sprechen, spielt Präsident Jair Bolsonaro die Corona-Krise herunter.
Handshake in Brasilien: Obwohl die Zahlen eine andere Sprache sprechen, spielt Präsident Jair Bolsonaro die Corona-Krise herunter. (Quelle: Agencia EFE)

Die Präsidenten

Nicht alle werden ihrer Vorbildfunktion in der Pandemie gerecht. Während sich Argentiniens Staatschef Alberto Fernández als besonnener Krisenmanager gibt, schlägt Brasiliens Präsident Bolsonaro alle Warnungen in den Wind. Er lässt sich von Anhängern feiern – Selfies ohne Maske inklusive. Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador behauptet entgegen der Statistiken seiner eigenen Regierung schon seit einem Monat, die Infektionskurve sei in Mexiko abgeflacht. Mit Mundschutz sieht man den Linkspopulisten nie.

Grenzen und Tourismus

In Lateinamerika sind die Grenzen weitgehend dicht. Auf dem Landweg dürfen lediglich Gütertransporte die Grenzen passieren. Auch Flüge sind in einigen Ländern noch möglich. Allerdings wollen erste Länder wie Kuba bereits bald ihre Grenzen wieder öffnen. Dahinter dürften handfeste wirtschaftliche Interessen stecken: In Mexiko, der Dominikanischen Republik und vielen anderen Karibikstaaten gehört der Tourismus zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Costa Rica und Kolumbien wollen im Ökotourismus Beschäftigte erst einmal in anderen, "grünen" Jobs unterbringen.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingAnzeigen

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
  • Marianne Max
Von Marianne Max
BrasilienChileCoronavirusEuropaJair BolsonaroKolumbienMexikoPeruTodesfall

t-online - Nachrichten für Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagramYouTubeSpotify

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlängerung FestnetzVertragsverlängerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website