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Emmanuel Macron: Corona-infiziertem Präsidenten geht es offenbar schlechter

Frankreich in Sorge  

Corona-infiziertem Macron geht es offenbar schlechter

18.12.2020, 16:08 Uhr | AFP

Emmanuel Macron: Corona-infiziertem Präsidenten geht es offenbar schlechter. Emmanuel Macron am Dienstag in Paris: Der französische Präsident ist an Covid-19 erkrankt und zeigt deutliche Symptome. (Quelle: AP/dpa/Francois Mori)

Emmanuel Macron am Dienstag in Paris: Der französische Präsident ist an Covid-19 erkrankt und zeigt deutliche Symptome. (Quelle: Francois Mori/AP/dpa)

Erst gestern war die Covid-Erkrankung von Frankreichs Präsident Macron bekannt geworden. Nun wendet er sich erstmals an die Öffentlichkeit: Seine Symptome sind wohl stärker, als zunächst bekannt.

Sorge um Frankreichs Präsident Emmanuel Macron: Der 42-Jährige ist durch seine Corona-Infektion stärker erkrankt als zunächst bekannt. "Mir geht es gut", sagte der 42-Jährige in einen Freitag via Twitter verbreiteten Video. Er leide aber an den Corona-Symptomen Kopfschmerzen, Husten und Müdigkeit.

Die französische Gesundheitsbehörde äußerte sich vor Beginn der Weihnachtsferien am Samstag "besorgt" über das jüngste "Wiederaufleben der Epidemie".

Macron hat sich im Jagdschlösschen La Lanterne am Rande des Schlossparks von Versailles isoliert, das Frankreichs Präsidenten als Wochenendsitz dient. Der Staatschef hatte sich seit seiner Wahl 2017 dorthin häufig mit seiner Frau Brigitte zurückgezogen. In dem 1787 erbauten Schlösschen aus der Zeit Ludwigs XVI. dürfte er am Montag auch seinen 43. Geburtstag verbringen. Seine 67-jährige Frau Brigitte blieb im Pariser Elysée-Palast in Quarantäne.

Corona-Berater: Covid kann jeden treffen

Der Vorsitzende des wissenschaftlichen Corona-Beirats der Regierung, Jean-François Delfraissy, sagte dem Sender BFM-TV, die Erkrankung des Präsidenten zeige, dass die Lungenkrankheit Covid-19 jeden treffen könne – ob jung oder alt. "Das Virus bleibt präsent, und es besteht ein Risiko, deshalb muss sich jeder an die Abstandsregeln halten", mahnte Delfraissy.

Die Regierung geht davon aus, dass sich Macron beim EU-Gipfel Ende der vergangenen Woche angesteckt haben könnte. Wegen der Vielzahl seiner Kontakte ist dies jedoch unmöglich nachweisbar. Nach Bekanntwerden von Macrons positivem Testergebnis hatte sich am Donnerstag eine Reihe von Spitzenpolitikern aus Frankreich und der EU vorsorglich in Quarantäne begeben – darunter der spanische Regierungschef Pedro Sánchez und EU-Ratspräsident Charles Michel.

Muss der Senatspräsident einspringen?

Sollte sich Macrons Covid-19-Erkrankung derart verschlimmern, dass er sein Amt nicht mehr ausüben könnte, würde eine Nachfolgeregelung greifen. Dann würde die Nummer zwei im Staat kommissarisch die Amtsgeschäfte übernehmen. Laut Artikel 7 der französischen Verfassung von 1958 ist dies der Senatspräsident. Derzeit ist dies der Konservative Gérard Larcher von der größten Oppositionspartei Les Républicains.

Senatspräsident Gérard Larcher: Muss er für Macron die Amtsgeschäfte führen? (Quelle: imago images/E-PRESS PHOTO.com)Senatspräsident Gérard Larcher: Muss er für Macron die Amtsgeschäfte führen? (Quelle: E-PRESS PHOTO.com/imago images)

Der 71-jährige Larcher hätte als Interimspräsident alle Vollmachten – mit zwei Ausnahmen: Er könnte weder ein Referendum organisieren noch die Nationalversammlung auflösen. Ist auch der Senatspräsident verhindert, muss laut der Verfassung "die Regierung" die laufenden Geschäfte übernehmen. Wer genau das Ruder übernimmt, ist nicht ausformuliert. Vermutlich wäre es Premierminister Jean Castex als ranghöchstes Regierungsmitglied.

In der Nachkriegszeit gab es zwei Fälle, in denen der Präsident sein Amt nicht mehr ausüben konnte: 1969 nach dem Rücktritt von Charles de Gaulle und 1974 nach dem Tod von Georges Pompidou. Beide Male sprang der langjährige Senatspräsident Alain Poher bis zur Neuwahl ein.

Diskussion über Informationspolitik

Die Regierung hat derweil "Transparenz" über Macrons Gesundheitszustand versprochen. Dies ist jedoch nicht unumstritten: Der Vorsitzende der französischen Zentrumspartei UDI, Jean-Christophe Lagarde, wünschte sich größere Diskretion. "Ich ziehe es vor, dass weniger kommuniziert wird und man aufhört zu lügen, wie es unter Mitterrand und Chirac der Fall war", sagte der Vorsitzende, dessen Oppositionspartei mit Macron "konstruktiv" zusammenarbeitet.

Francois Mitterrand (1916-1996): Seine Krebserkrankung wurde in den 1980er Jahren als Staatsgeheimnis behandelt. (Quelle: imago images/Sven Simon)Francois Mitterrand (1916-1996): Seine Krebserkrankung wurde in den 1980er Jahren als Staatsgeheimnis behandelt. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Der frühere sozialistische Präsident François Mitterrand hatte aus seinem Rückenleiden und seiner Krebserkrankung in den 1980er Jahren ein Staatsgeheimnis gemacht, um nicht schwach zu erscheinen. Die degenerative Nervenerkrankung von Altpräsident Jacques Chirac wurde 2011 erst durch einen Pressebericht bekannt, im vergangenen Jahr starb er.

Gesundheitsbehörde: Lage in Frankreich riskant

Die nationale Gesundheitsbehörde in Paris stellte erneut "eine Zunahme der Verbreitung des Virus" fest, nachdem die Corona-Kennzahlen zunächst stagniert hatten. Vor den Feiertagen mit ihrer Vielzahl von Begegnungen sei die Lage besonders riskant, warnte die Gesundheitsbehörde.

Am Donnerstagabend waren mehr als 18.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert worden. Der Epidemiologe Arnaud Fontanet warnte im Fernsehsender BFM-TV vor einem dritten Lockdown im Januar, wenn sich die Franzosen an den Feiertagen nicht diszipliniert verhielten. Nach einer Umfrage für den Sender RTL und den Telekomkonzern Orange wollen 68 Prozent der Bürger an Heiligabend keine Maske tragen, obwohl Virologen dies empfehlen.

Durch den strikten Lockdown seit Ende Oktober waren die Neuinfektionen in Frankreich zunächst deutlich gesunken, auch der Druck auf die Krankenhäuser ließ nach. Seit Ende November sind alle Geschäfte wieder offen, auch die Ausgangsbeschränkungen wurden gelockert. Zu Weihnachten dürfen die Franzosen zu ihren Familien reisen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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