Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Afghanische OrtskrÀfte: Kaum Verfolgungs-FÀlle bekannt

Von dpa
Aktualisiert am 20.01.2022Lesedauer: 3 Min.
KĂ€mpfer einer Spezialeinheit der militant-islamistischen Taliban in Kabul (Archivbild).
KĂ€mpfer einer Spezialeinheit der militant-islamistischen Taliban in Kabul (Archivbild). (Quelle: Khwaja Tawfiq Sediqi/AP/dpa./dpa)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Berlin (dpa) - Ein halbes Jahr nach dem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan haben sich BefĂŒrchtungen einer gezielten Verfolgung der einheimischen Mitarbeiter bisher nicht bestĂ€tigt.

Dem Bundesentwicklungsministerium (BMZ) sei "ein konkreter Fall bekannt, bei dem eine Ortskraft der deutschen Entwicklungszusammenarbeit fĂŒr eine Woche inhaftiert wurde", sagte ein Sprecher des Ministeriums der Deutschen Presse-Agentur. "DarĂŒber hinaus hat das BMZ keine eigenen Erkenntnisse darĂŒber, dass OrtskrĂ€fte der deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit in Afghanistan seit August 2021 von den Taliban bedroht, misshandelt oder getötet worden sind."

Kritik kam von Organisationen der FlĂŒchtlingshilfe. "Alle, die sichtbar fĂŒr westliche Organisationen gearbeitet haben, sind in Gefahr", teilte GĂŒnter Burkhardt mit, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Pro Asyl. Der Organisation lĂ€gen dramatische FĂ€lle vor, die zeigten, dass
OrtskrÀfte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sehr wohl
von den Taliban verfolgt und bedroht wĂŒrden.

Dem Entwicklungsministerium seien einzelne Berichte von OrtskrĂ€ften ĂŒber entsprechende Vorkommnisse bekannt, sagte der Sprecher. Diese könnten aber, auch aufgrund einer fehlenden deutschen PrĂ€senz vor Ort, nicht verifiziert werden.

Aus dem Verteidigungsministerium hieß es: "Über eine generelle Bedrohung von ehemaligen OrtskrĂ€ften der Bundeswehr seit MachtĂŒbernahme der Taliban einschließlich einer Verlautbarung der Taliban in diesem Sinne liegen dem Bundesministerium der Verteidigung keine nachprĂŒfbaren Informationen vor." Es wĂŒrden Einzelinformationen zur Kenntnis gebracht, nach denen ehemalige OrtskrĂ€fte oder Familienangehörige in Deutschland sowie Hilfsorganisationen ĂŒber Übergriffe oder Drohungen von Taliban gegen ehemalige OrtskrĂ€fte der Bundeswehr oder ihre Familienangehörigen berichteten.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Putins Plan geht auf
Olaf Scholz besichtigt das ehemalige GefĂ€ngnis "Number Four", in dem wĂ€hrend der Apartheid in SĂŒdafrika auch zahlreiche politische Gefangene einsitzen mussten: WĂ€hrend der Afrika-Reise des Kanzlers wird in Deutschland hitzig ĂŒber Waffenlieferungen fĂŒr die Ukraine gestritten.


Deutliche Warnung Baerbocks

Außenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) hatte vor Weihnachten angekĂŒndigt, die Bundesregierung werde die Evakuierung von besonders schutzbedĂŒrftigen Menschen - darunter Menschenrechtsverteidiger und frĂŒhere OrtskrĂ€fte - beschleunigen. "Sie sind nicht vergessen", versicherte Baerbock. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, alle in Sicherheit zu bringen." Auch steuere Afghanistan "in die grĂ¶ĂŸte humanitĂ€re Katastrophe unserer Zeit", warnte die GrĂŒnen-Politikerin mit Blick auf die schwere Hungersnot in dem Land. Große Teile der Wirtschaft in Afghanistan seien zusammengebrochen, viele Menschen mĂŒssten hungern, Familien verkauften in ihrer Verzweiflung ihre Töchter, um Nahrungsmittel kaufen zu können.

Doch ohne Mitarbeiter im Land ist die nötige Hilfe fĂŒr 24 Millionen Menschen nicht zu leisten. WĂ€hrend die Bundesregierung einerseits bemĂŒht ist, bisherige OrtskrĂ€fte und ihre Angehörigen aus dem Land nach Deutschland zu bringen, werden in Afghanistan bereits neue Mitarbeiter unter Vertrag genommen.

Um im Auftrag des Entwicklungsministeriums "Programme der DaseinsfĂŒrsorge zur Abmilderung der humanitĂ€ren Katastrophe umzusetzen", haben die Gesellschaft fĂŒr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Nichtregierungsorganisationen "in begrenztem Umfang neue OrtskrĂ€fte in Afghanistan eingestellt", sagte der Sprecher. Und: "Das BMZ hat mit den Nichtregierungsorganisationen und der GIZ die Frage der Sicherheit der OrtskrĂ€fte erörtert. Derzeit liegen dem BMZ keine Erkenntnisse vor, die auf eine GefĂ€hrdung dieser OrtskrĂ€fte schließen lassen."

Mehr als 28.000 Menschen warten auf die Ausreise

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums berichtete, das Ministerium stehe in einem engen Kontakt zu den ehemals beim deutschen PolizeiprojektbĂŒro BeschĂ€ftigten und deren Familienangehörigen. Es leiste "in enger Abstimmung mit den Ressorts unter der FederfĂŒhrung des AuswĂ€rtigen Amtes und der logistischen Hilfe der GIZ" einen Beitrag zur UnterstĂŒtzung unserer ehemaligen OrtskrĂ€fte in Afghanistan, insbesondere um eine möglichst rasche Ausreise mit den Familienangehörigen zu ermöglichen. Weitergehende AuskĂŒnfte zu deren aktueller GefĂ€hrdungssituation könnten jedoch vor dem Hintergrund der laufenden BemĂŒhungen derzeit nicht erteilt werden.

Die Bundeswehr war Ende Juni 2021 nach fast 20 Jahren aus Afghanistan abgezogen und hatte sich im August nach dem Siegeszug der Taliban elf Tage lang an einer Evakuierungsmission fĂŒr SchutzbedĂŒrftige beteiligt. Bis zum Jahreswechsel waren deutlich mehr als 5000 Menschen in Deutschland aufgenommen worden. Zuletzt warteten noch mehr als 28.000 Menschen auf die Möglichkeit zur Ausreise.

Es gibt zahlreiche Belege, dass es unter den militant-islamistischen Machthabern zu schweren Menschenrechtsverletzungen kommt. "Wir setzen uns gegenĂŒber den Taliban mit Nachdruck fĂŒr die Achtung der Menschenrechte ein und formulieren konkrete Erwartungen an sie. Wir sprechen auch gezielt Menschenrechtsverletzungen, von denen wir erfahren, gegenĂŒber den Taliban an", heißt es in der Antwort des BMZ.

Im Visier der neuen, islamistischen Machthaber scheint vor allem eine andere Gruppe: Im Dezember hatten westliche Staaten scharf die Verschleppung von Angehörigen der afghanischen SicherheitskrĂ€fte unter den neuen Herrschern kritisiert. In Berichten aus dem Land heißt es zudem, dass es zahlreiche Übergriffe gibt, bei denen afghanische Soldaten oder Polizisten verschwunden sind.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
AfghanistanAnnalena BaerbockBundesregierungDeutsche Presse-AgenturDeutschlandKabulTaliban
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website