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"M├╝ssen Putin das Handwerk legen": Habeck widerspricht Baerbock

Von Markus Brandstetter

Aktualisiert am 11.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Robert Habeck (Archivbild): In der j├╝ngsten Lanz-Sendung wurden Spenden f├╝r die Ukraine gesammelt.
Robert Habeck (Archivbild): In der j├╝ngsten Lanz-Sendung wurden Spenden f├╝r die Ukraine gesammelt. (Quelle: /imago-images-bilder)
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Markus Lanz f├╝hrte durch die Spezialsendung "Ein Abend f├╝r die Ukraine". Dabei kam es auch zu einer ├╝berraschenden Kritik von Vizekanzler Habeck an einer ├äu├čerung von Annalena Baerbock.

Der anhaltende milit├Ąrische Angriff Russlands auf die Ukraine stellt nicht nur Europa vor schwierige und potenziell folgenreiche Entscheidungen. Eine komplette Abkopplung von russischem Gas bedeutet ohne Zweifel einen massiven Einschnitt auch f├╝r die deutsche Bev├Âlkerung, eine etwaige Lieferung von Kampfjets m├Âglicherweise eine Eskalation der Lage.


Das dramatische Ausma├č des Ukraine-Kriegs

24 Kilometer von Kiew entfernt steht ein Einwohner vor einem brennenden Wohnhaus.
Zhytomyr: Geb├Ąude liegen in Schutt und Asche.
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Dies war nur einer der Punkte, die an diesem Abend bei "Markus Lanz" thematisiert wurden ÔÇô aber ohne Zweifel ein wesentlicher.

Die G├Ąste

  • Natalia Klitschko, Ehefrau von Vitali Klitschko
  • Anna Kostiuchenko, Betroffene
  • Wladimir Klitschko, Ex-Boxer
  • Sophia Maier, Journalistin
  • Robert Habeck, Vizekanzler und Wirtschaftsminister
  • Katrin Eigendorf, Journalistin
  • Nancy Faeser, Innenministerin
  • Florian Wichelmann
  • Gerald Knaus, Soziologe
  • Olivia Kortas, Journalistin
  • Andrey Melnik, Diplomat
  • Rebecca Barth, Journalistin
  • Elmar Thevesen, Journalist
  • Rainer K├Ânig, Leiter der Bahnhofsmission am Berliner Hauptbahnhof
  • Claudia Major, Sicherheitspolitikexpertin
  • Alexander Graf Lambsdorff, Politiker

Habeck: "Wir reden von Hunderttausenden, die ihre Arbeit verlieren"

Die Folgen eines Gasboykotts gegen├╝ber Russland seien f├╝r die deutsche Bev├Âlkerung gravierender, als man sie gemeinhin darstelle, so Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck. "Wir reden von Hunderttausenden, die ihre Arbeit verlieren, wir reden von Armut durch explodierende Energiepreise", warnte Habeck.

Er bewundere es, wenn Menschen sagen, f├╝r diesen Konflikt fr├Âren sie gerne. "Es ist gut so, wenn wir uns den Opfermut behalten, aber darum geht es nicht." Vielmehr sei eine komplette Abwendung von Russlands Gasangebot auf Dauer nicht realistisch: "Ich bezweifle, dass wir in diesem Moment es durchhalten, diese Entscheidung zu leben. Weil es keine Durchschnittsentscheidung ist. Bestimmte Branchen werden so hart getroffen werden, dass wir es als Gesellschaft meiner Analyse nach nicht lange durchhalten werden."

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F├╝r Habeck ist eines klar: "Wir m├╝ssen alles daf├╝r tun, Putin das Handwerk zu legen. Aber wir d├╝rfen auf keinen Fall eine Entscheidung treffen, die wir dann zur├╝cknehmen ÔÇô dann hat er obsiegt." Man m├╝sse Putin alles zumuten, was man "im Zweifelsfall drei oder vier Jahre" durchhalten k├Ânne ÔÇô etwas, mit dem man dem "Regime maximalen Schaden zuf├╝gt, aber sich selbst nichts aufb├╝rdet, was man nicht durchhalten kann".

Habeck ├╝bt Kritik an Baerbocks ├äu├čerung

Habeck widersprach ├╝berraschenderweise ÔÇô zumindest teilweise ÔÇô auch seiner eigenen Parteikollegin, Au├čenministerin Annalena Baerbock. Auf ihr Zitat angesprochen, dass man in der Russland-Frage die Wahl zwischen Pest oder Cholera habe, erwiderte Habeck: "Die Regierung ist gezwungen, klug und abgewogen zu reagieren. Das hei├čt aber nat├╝rlich nicht, dass wir wirkungslos sind. Es sind keine Pestentscheidungen."

Auch die Diskussion ├╝ber weitere Waffenlieferungen an die Ukraine war an diesem Abend pr├Ąsent. F├╝r Habeck gelte es, jede Option rational zu Ende zu denken. Bei Waffen sei man deshalb zum Entschluss gekommen, Panzerf├Ąuste und Raketen an die Ukraine zu liefern. "Das sind Waffen, die wirklich etwas k├Ânnen, die dort eingesetzt werden und der russischen Armee schwer schaden. Und auch Menschen t├Âten, das muss man sagen."

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Allerdings gibt es bei den Waffenlieferungen laut Habeck eine rationale Grenze: "Was wir nicht liefern werden sind Kampfflugzeuge und Panzer, weil wir dann riskieren, dass es einen unbegrenzten, m├Âglicherweise nicht mehr zu stoppenden Krieg gibt. Bis hin zum dritten Weltkrieg."

Lambsdorff ├╝ber Polens Vorschlag: "Ein Debakel"

Dass die polnische Regierung auf eigene Faust eine Lieferung ├╝ber Umwege von MiG-29-Flugzeugen an die ukrainische Armee zur Debatte gestellt hat, bezeichnete FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff als Debakel. "Das sind Fragen, die m├╝ssen Regierungen hinter geschlossenen T├╝ren miteinander kommunizieren."

Lambsdorff weiter: "Emotional hat niemand ein Problem damit, alles zur Verf├╝gung zu stellen, was geht. Rational muss man die Dinge durchdenken. Das muss hinter geschlossenen T├╝ren passieren und nicht auf dem Marktplatz, wie es die polnische Regierung getan hat."

F├╝r Sicherheitspolitikexpertin Claudia Major gebe die Frage nach MiG-29-Kampfflugzeugen Aufschluss ├╝ber die Gesamtsituation: "Diese Frage zeigt die Zerrissenheit der Nato. Einerseits will man der Ukraine helfen, andererseits aber auch sagen, dass die Nato nicht aktiv in den Krieg eingreifen will", so Major.

Die aus dem Krieg resultierende Fl├╝chtlingswelle stand ebenfalls auf der Agenda des Abends. F├╝r Innenministerin Nancy Faeser ist die Situation nicht mit jener von 2015 vergleichbar.

"Ich glaube, dass es etwas anderes ist, weil die Menschen jetzt sp├╝ren, es ist Krieg mitten in Europa. Es ist sehr viel n├Ąher und wir haben diesmal eine Riesenhilfsbereitschaft von vielen europ├Ąischen Staaten. 2015 war das nicht so. Ich denke, dass wir etwas gelernt haben aus 2015", so die Politikerin. Auf eine Obergrenze von Fl├╝chtlingen in Deutschland wollte sie sich nicht festlegen.

Videobotschaft von Wladimir Klitschko

Neben Berichten von Betroffenen sandte auch Wladimir Klitschko eine Videobotschaft aus Kiew. Darin appellierte er an die Deutschen, die Ukrainer zu unterst├╝tzen: "Russland und die Politik des russischen Pr├Ąsidenten Putin haben einen Krieg angefangen. Gegen die Ukraine, gegen die Souver├Ąnit├Ąt unseres Landes. Dabei sterben viele Zivilisten und vor allem auch Kinder. Wir verteidigen nicht nur die Ukraine und die demokratischen Werte, wir verteidigen den Frieden in Europa. Unterst├╝tzen Sie uns", so Klitschko.

Wie Markus Lanz am Ende der Sendung verk├╝ndete, kamen an diesem Abend ├╝ber 4,17 Millionen Euro an Spenden zusammen.

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Von Nilofar Eschborn
Annalena BaerbockEuropaMarkus LanzRobert HabeckRusslandUkraineWladimir Klitschko
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