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Henry Kissinger: Die Welt trauert um den Ex-US-Außenminister


"Geschätzter alter Freund"
Reaktionen auf den Tod von Henry Kissinger

Von t-online, aj

Aktualisiert am 30.11.2023Lesedauer: 5 Min.
Henry Kissinger erhielt von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder den Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst am Abend.Vergrößern des BildesHenry Kissinger und Markus Söder: Der gebürtige Franke erhielt von Söder den Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst. (Quelle: Daniel Vogl/dpa)
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Der Tod des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger löst gemischte Reaktionen aus. Ein Überblick.

Die einen haben ihn bewundert, die anderen verachtet: Henry Kissinger war der vielleicht berühmteste Diplomat in der Geschichte der USA. Noch im hohen Alter äußerte sich der Deutschamerikaner zu verschiedenen internationalen Themen. Der ehemalige US-Außenminister war eine kontroverse Figur. Ein Überblick über einige der Reaktionen auf seinen Tod.

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat den gestorbenen früheren US-Außenminister Henry Kissinger als Ikone der Zeitgeschichte gewürdigt. "Mit ihm verlieren wir nicht nur eine der prägenden Figuren der amerikanischen Politik, sondern einen Menschen, dessen Leben wie kaum ein anderes die Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts abbildete", teilte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern am Donnerstag mit.

Als Wissenschaftler, als Politiker und als Privatperson habe Kissinger seine Spuren in den Geschichtsbüchern hinterlassen. Und wer ihn einmal getroffen habe, der habe ihn danach niemals mehr vergessen. "Ich selbst war bei jedem Treffen aufs Neue beeindruckt von seinem würdevollen Auftreten, seiner inneren Ruhe und seiner zugleich kraftvollen und zupackenden Art", sagte Knobloch. "Mit seinem Tod ist heute auch ein Stück der bayerisch-jüdischen Geschichte verloren gegangen."

Steinmeier: Kissinger legte "Grundstein" in Europa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Kissingers Bedeutung für die US-Außenpolitik und die Weltpolitik der Nachkriegszeit. "Wir verlieren mit Henry Kissinger einen beeindruckenden Mann mit einer unglaublichen Lebensgeschichte: den Zeitzeugen eines Jahrhunderts, die treibende geistige Kraft der US-Außenpolitik vieler Jahrzehnte, den Hüter der transatlantischen Beziehungen", schrieb Steinmeier am Donnerstag in einer Pressemitteilung und würdigte unter anderem Kissingers klare Sprache und unerschrockene Diplomatie.

Der Deutschamerikaner habe mit seiner Entspannungs- und Abrüstungspolitik "den Grundstein für das Ende des Kalten Krieges und für den demokratischen Wandel im Osten Europas" gelegt. Für Steinmeier war es eine ganz besondere Ehre, Kissinger einen Freund zu nennen. "Mit Ihrem Mann verlieren wir einen großen Kämpfer für Freiheit und Demokratie", schrieb der Bundespräsident an Kissingers Frau, Nancy Sharon Kissinger, und seine Familie gerichtet.

Scholz adelt Kissinger als "besonderen Diplomaten"

Bundeskanzler Olaf Scholz hob die Bedeutung des ehemaligen US-Außenministers für die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA hervor. "Henry Kissinger prägte die amerikanische Außenpolitik wie nur wenige andere", schrieb der SPD-Politiker am Donnerstag auf der Onlineplattform X (vormals Twitter).

"Sein Einsatz für die transatlantische Freundschaft zwischen den USA und Deutschland war bedeutend." Kissinger, der 1923 in Franken geboren wurde, sei seiner deutschen Heimat stets verbunden geblieben, fügte Scholz hinzu. "Die Welt verliert einen besonderen Diplomaten."

Söder trauert um den Bayern Kissinger

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) würdigte den im Alter von 100 Jahren gestorbenen Kissinger. Auf der Plattform X schrieb Söder, Bayern trauere um Kissinger, einen bedeutenden Staatsmann, "der mit Weitsicht und großem analytischen Scharfsinn die Menschen überzeugen konnte".

Kissinger sei einer der einflussreichsten außenpolitischen Beobachter und Denker gewesen. "Nicht alle seiner Positionen waren unumstritten. Aber er war einer der wichtigsten und klügsten Außenpolitiker des vergangenen Jahrhunderts."

Zudem unterstrich Söder am Donnerstag die bayerische Herkunft des früheren Politikers: "Er war Bayer, Franke, Fürther und seiner alten Heimat und dem jüdischen Leben bis zuletzt verbunden." Er freue sich, einige Male die Gelegenheit gehabt zu haben, "diese beeindruckende Persönlichkeit aus nächster Nähe zu erleben". Zuletzt seien sie einander im Sommer dieses Jahres anlässlich des 100. Geburtstages von Kissinger begegnet.

George W. Bush erinnerte sich an Kissinger für seine "Weisheit, seinen Charme und seinen Humor". "Ich bewundere seit langem den Mann, der als kleiner Junge aus einer jüdischen Familie vor den Nazis floh und sie dann in der US-Armee bekämpfte. Als er später Außenminister wurde, sagte seine Ernennung als ehemaliger Flüchtling ebenso viel über seine Größe aus wie über die Größe Amerikas", hieß es in einer Erklärung des ehemaligen US-Präsidenten. "Er arbeitete in den Regierungen von zwei Präsidenten und beriet viele weitere. Ich bin dankbar für seine Dienste und Ratschläge, aber am dankbarsten bin ich für seine Freundschaft."

Ein anderer ehemaliger US-Außenminister, Mike Pompeo, teilte mit, Kissinger habe einen unauslöschlichen Eindruck in der Geschichte Amerikas und der Welt hinterlassen. "Ich werde ihm immer dankbar sein für seinen freundlichen Rat und seine Hilfe während meiner Zeit als Außenminister", schrieb Pompeo auf X. "Immer unterstützend und immer informiert, hat mich seine Weisheit nach jedem unserer Gespräche besser und besser vorbereitet gemacht."

Der ehemalige US-Botschafter in China, Winston Lord, der eng mit Kissinger zusammenarbeitete, würdigte ihn als einen "unermüdlichen Verfechter des Friedens". Gegenüber Reuters sagte Lord: "Henry vereinte den europäischen Sinn für Tragödien mit dem Sinn für Hoffnung der amerikanischen Einwanderer. In mehr als sieben Jahrzehnten hat er Amerikas Rolle in der Welt verändert, die Nation während einer Verfassungskrise zusammengehalten, visionäre Bände verfasst, führende Politiker der Welt beraten und den nationalen und internationalen Diskurs bereichert."

US-Diplomatin und Ehefrau des verstorbenen republikanischen Senators John McCain, Cindy McCain, teilte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters mit: "Henry Kissinger war im Leben meines verstorbenen Mannes immer präsent. Während John in Kriegsgefangenschaft war, und in den späteren Jahren als Senator und Staatsmann. Die Familie McCain wird seinen Witz, seinen Charme und seine Intelligenz schrecklich vermissen."

Zahlreiche Kritik an Kissinger in den sozialen Medien

Doch nicht alle Reaktionen fielen positiv aus. Die Kritik an Kissinger war besonders stark in den sozialen Medien, wo er von zahlreichen Menschen als "Kriegsverbrecher" bezeichnet wurde. Kritiker sehen in ihm einen Machtpolitiker ohne Moral, der auch Diktaturen unterstützte – solange es nur seinen Interessen nützte. Dabei, so der Vorwurf, habe der Zweck die Mittel geheiligt. Neben den außenpolitischen Erfolgen gibt es eine ganze Liste an Kriegen und Krisen, in denen Kissinger eine mindestens zweifelhafte Rolle spielte.

Kissinger diente zwei Präsidenten, Richard Nixon und Gerald Ford. Er gilt als einer der größten Diplomaten des 20. Jahrhunderts. Kissinger übte auch noch lange nach seinem Ausscheiden aus der US-Regierung einen ungewöhnlichen Einfluss auf die Weltpolitik aus. Erst im vergangenen Juli traf er den chinesischen Staatschef Xi Jinping in Peking, als die bilateralen Beziehungen der USA mit China auf einem Tiefpunkt waren.

Chinas Botschafter: Ein enormer Verlust für beide Länder

Xi sagte ihm, dass beide Seiten "neue Entscheidungen" treffen müssten, die zu stabilen Beziehungen und "gemeinsamem Erfolg und Wohlstand" führen könnten. Zu seinen größten Erfolgen zählt die Annäherung der USA an China Anfang der 1970er Jahre. Hier lesen Sie mehr über Kissinger.

Der chinesische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Xie Feng, drückte seine Trauer über den Tod von Kissinger auf X aus: "Es ist ein enormer Verlust für unsere beiden Länder und die Welt. Die Geschichte wird sich daran erinnern, was der Hundertjährige zu den chinesisch-amerikanischen Beziehungen beigetragen hat, und er wird in den Herzen des chinesischen Volkes immer als ein sehr geschätzter alter Freund lebendig bleiben", schrieb Xie Feng.

Verwendete Quellen
  • twitter.com
  • reuters.com: "Reaction to the death of US diplomat Henry Kissinger" (englisch)
  • apnews: "Death of Henry Kissinger met with polarized reaction around the world" (englisch)
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP
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