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Türkei blockiert Nato-Geheimplan für Osteuropa

Abschreckung gegen Russland  

Türkei blockiert Nato-Geheimplan für Osteuropa

15.06.2020, 19:22 Uhr | dpa

Türkei blockiert Nato-Geheimplan für Osteuropa. Recep Tayyip Erdogan beim Nato-Gipfel in London: Die Türkei blockiert geheime Verteidigungspläne der Nato für Osteuropa. (Archivfoto) (Quelle: imago images/ZUMA Press)

Recep Tayyip Erdogan beim Nato-Gipfel in London: Die Türkei blockiert geheime Verteidigungspläne der Nato für Osteuropa. (Archivfoto) (Quelle: ZUMA Press/imago images)

Seit der Annexion der Krim fühlen sich die baltischen Staaten und Polen von Russland bedroht. Einen Plan zur Verteidigung dieser Gebiete blockiert die Türkei – und stellt Forderungen.

Die Türkei blockiert in der Nato die Umsetzung von neuen Verteidigungsplanungen für Osteuropa. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa will Ankara der Arbeit mit den geheimen Dokumenten erst dann zustimmen, wenn die Bündnispartner der Türkei im Gegenzug eine stärkere Unterstützung ihrer Interessen zusichern. Die Türkei fordert beispielsweise, die Kurdengruppen PYD und YPG als Terrororganisationen einzustufen. Etliche Bündnispartner lehnen das ab.

Brisant ist die Blockade vor allem, weil die Planungen ein Schlüsselelement der Abschreckungsmaßnahmen der Nato gegen Russland sind. Sie geben zum Beispiel detailliert vor, wie bedrohte Alliierte im Krisen- oder Angriffsfall unterstützt werden sollen. Dazu werden beispielsweise konkrete Alarmierungszeiten für die superschnelle Nato-Eingreiftruppe (VJTF) festgelegt.

Eigentlich sah es gut aus für die Pläne der Nato

Die Erarbeitung der sogenannten GRPs (Graduated response plans) war 2015 beschlossen worden, nachdem Russland sich 2014 die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim einverleibt hatte. Vor allem die baltischen Staaten und Polen fühlen sich seitdem verstärkt von Russland bedroht.

Beim Nato-Gipfel im vergangenen Dezember in London hatte es zuletzt eigentlich so ausgesehen, als sei der Weg für die neuen Pläne frei. Man habe sich auf den aktualisierten Plan für die baltischen Staaten und Polen geeinigt, verkündete Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg damals in der Abschlusspressekonferenz. Dies zeige, dass man in der Lage sei, voranzukommen.

Nato äußert sich nicht zur Blockade der Türkei

Was Stoltenberg damals nicht sagte: Der Plan muss noch promulgiert, also zur Verwendung freigegeben werden. Auch dafür ist eine einstimmige Entscheidung aller Nato-Partner erforderlich. Dies verhindert die Türkei bislang.

Die Nato-Zentrale wollte sich zu der Blockade auf Anfrage der dpa nicht äußern. Ein Sprecher sagte lediglich, das Bündnis habe Pläne zur Verteidigung aller Alliierten. Zu Details könne man sich aus Geheimhaltungsgründen nicht äußern. Die türkische Vertretung teilte mit: "Wir halten es nicht für angebracht, dass Themen, die für die Allianz von sensibler und vertraulicher Natur sind, Gegenstand von Presseartikeln werden."

Besonders für die baltischen Staaten dürfte der bündnisinterne Streit bitter sein. Sie hatten den neuen GRP bereits im Dezember als lange überfälligen Schritt bezeichnet. "Wenn wir die gleiche Sicherheit für die Bürger aller Nato-Mitgliedstaaten wollen, muss dieser Plan gelten", sagte der lettische Verteidigungsminister Artis Pabriks damals der lettischen Nachrichtenagentur Leta. Er lege für die ganze Allianz konkrete Vorbereitungen für den Krisenfall fest und werde es auch erlauben, auf das Thema einer möglichen Truppenaufstockung im Baltikum zurückzukommen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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