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Belarus: Das sagt die Presse zu Witali Schischow und Kristina Timanowskaja


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"Zeugt von einer zunehmenden Paranoia Lukaschenkos"

Von dpa, t-online
Aktualisiert am 04.08.2021Lesedauer: 3 Min.
Gedenken an Witali Schischow vor der belarussischen Botschaft in Kiew: "Lukaschenko hat seine Macht mit eiserner Faust wiederhergestellt".
Gedenken an Witali Schischow vor der belarussischen Botschaft in Kiew: "Lukaschenko hat seine Macht mit eiserner Faust wiederhergestellt". (Quelle: Efrem Lukatsky/dpa-bilder)
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Ein erhängter Aktivist im Exil, eine Olympiasportlerin in Angst: Die europäische Presse ist erschüttert von den Schicksalen der zwei jungen Belarussen Witali Schischow und Kristina Timanowskaja.

In Kiew wird der belarussische Aktivist Witali Schischow erhängt in einem Park gefunden, zuvor entgeht die Olympiaathletin Kristina Timanowskaja in Tokio offenbar knapp einer Entführung. So kommentiert die Presse in Europa die beiden Fälle:

"Financial Times" aus London: "Das harte Vorgehen gegen die Opposition zeugt von einer zunehmenden Paranoia Lukaschenkos. Kritiker sagen, dass westliche Sanktionen ihn nur weiter in die Arme des russischen Präsidenten Wladimir Putin treiben, während sich die Lage der Belarussen verschlechtert. Lukaschenko hat jedoch Jahre damit verbracht, Brüssel gegen Moskau auszuspielen und seine Macht dabei immer mehr gefestigt. Die westlichen Länder können nicht länger hinnehmen, dass er sein eigenes Volk misshandelt und die Gesetze im In- und Ausland missachtet."


"La Vanguardia" aus Barcelona: "Belarus ist die letzte Diktatur Europas. Sie wird mit eiserner Faust von Lukaschenko regiert, der zwar die harten Sanktionen der EU und der USA ertragen muss, dank der Hilfe des Nachbarn Russland aber überlebt. Er ist der letzte politische Dinosaurier aus der Sowjetära und er wird sich an der Macht halten, solange er vom Kreml unterstützt wird. Aber seine innenpolitische Position wird immer schwächer, da die Bürger den Mangel an Freiheiten satt haben und die immer härtere und willkürlichere Repression offen anprangern."

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"Corriere della Sera" aus Rom: "Ein angekündigter Angriff. Mit dem Auto verfolgt und belauert: Witali Schischow fühlte sich seit seiner Flucht in die Ukraine im vergangenen Jahr aufgrund der heftigen Repressionen Lukaschenkos gegen die Wiederwahlbewegung ständig überwacht. Der Fall hat die Konturen einer demonstrativen Hinrichtung durch den belarussischen KGB. "

"de Volkskrant" aus Amsterdam: "Nach den gefälschten Wahlen vom August 2020 schien Lukaschenkos Position eine Zeit lang durch massive Straßenproteste und Streiks ins Wanken zu geraten. Aber er hat seine Macht mit eiserner Faust wiederhergestellt. Natürlich zahlt Belarus auch einen Preis dafür. Junge Menschen fliehen aus dem Land. Belarus hat sich von Russland abhängig gemacht, was Lukaschenko immer vermeiden wollte. Aber all das ist zweitrangig, solange er nur an der Macht bleibt."

t-online aus Berlin: "Die Schreckensnachrichten aus Belarus reißen nicht ab. Erst die versuchte Entführung einer Olympia-Athletin, gestern wurde der ins ukrainische Exil geflohene Aktivist Witaly Schischow tot aufgefunden – und heute beginnt in Minsk der Prozess gegen die Oppositionellen Maria Kolesnikowa und Maxim Snak. Kolesnikowa, die lange als Kulturmanagerin in Stuttgart gearbeitet hat. Die Regime-Schergen werfen ihr Verschwörung und Extremismus vor. Ihr und ihrem Mitstreiter drohen bis zu zwölf Jahre Haft – und in der EU beginnt man zu begreifen, dass selbst die härtesten Sanktionen gegen das Terrorregime verpuffen."

"Rossijskaja" aus Moskau: "Die von Schischow geleitete Organisation behauptete sofort, dass sein Tod auf eine 'KGB-Spur' zurückzuführen sei. Hier lohnt es sich aber, auf Details zu achten. So war Schischow nie ein öffentlich wahrnehmbarer Gegner des belarussischen Präsidenten Lukaschenko: Er gab keine Pressekonferenzen und Interviews, koordinierte keine Proteste und war praktisch nicht präsent in den sozialen Netzwerken. Er leitete schlicht und unauffällig das "Belarussische Haus in der Ukraine" – eine typische Organisation, die von ausländischen Zuschüssen und Spenden lebt."

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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  • Jonas Mueller-Töwe
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