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Ursula von der Leyen: "Wir sind gefährlich vom Weg abgekommen" | Klimakrise


Wir sind gefährlich vom Weg abgekommen

Gastbeitrag von Ursula von der Leyen und anderen

Aktualisiert am 17.09.2023Lesedauer: 4 Min.
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imago images 0299471497Vergrößern des Bildes
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: Die Politikerin fordert mehr Tempo bei der Energiewende. (Quelle: IMAGO/JONAS ROOSENS)

Die Klimakrise schreitet voran. Die Klimakonferenz COP 28 muss daher endlich die globale Energiewende vorantreiben, fordert EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen neben anderen in einem exklusiven Gastbeitrag.

Die Welt ist beim 1,5-Grad-Ziel des Übereinkommens von Paris nicht auf dem richtigen Weg; die globale Energiewende ist gefährlich vom Kurs abgekommen. Der Bericht über die weltweite Bestandsaufnahme zum Übereinkommen von Paris bestätigt, was wir in unserem Alltag bereits erfahren und spüren. Dieses Jahr gehört zu den heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Waldbrände, Dürren, Überschwemmungen und extreme Wetterereignisse, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind, haben weltweit verheerende Verluste und Schäden verursacht.

Dies ist ein gemeinsamer Gastbeitrag von I.E. Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission; S.E. Dr. Sultan Al-Jaber, designierter Präsident der COP 28, VAE-Sondergesandter für Klimawandel; S.E. William Ruto, Präsident Kenias; I.E. Mia Mottley, Premierministerin von Barbados; Dr. Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur;
Francesco La Camera, Generaldirektor der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen geht davon aus, dass die Auswirkungen des Klimawandels bis zum Jahr 2030 die Länder weltweit bis zu 300 Milliarden US-Dollar jährlich kosten werden. Aber es gibt Hoffnung. Wir sind entschlossen, Einfluss auf die Zukunft unseres Planeten zu nehmen. Wir können wieder auf Kurs kommen, indem wir jetzt dringend notwendige Maßnahmen ergreifen. Wir können immer noch die Instrumente nutzen, von denen unserer Meinung nach mit die größte Wirkung bei der Reduzierung der Emissionen ausgeht – nämlich die Beschleunigung des Einsatzes erneuerbarer Energien und die Förderung der Energieeffizienz.

Die einschlägigen Lösungen sind technisch ausgereift und preislich konkurrenzfähig. Der Einsatz erneuerbarer Energien und die Förderung der Energieeffizienz können neben der Bereitstellung sauberer Energie und der einhergehenden verringerten Nachfrage nach weniger umweltfreundlicher Energie zahllose zusätzliche Vorteile mit sich bringen. Sie schaffen zukunftssichere Arbeitsplätze, stärken unsere Umwelt und verbessern die Luftqualität – und schützen so unsere Gesundheit und unser Wohlergehen. Sie können uns darüber hinaus auf dem Weg zu einer gerechteren und nachhaltigeren Industrialisierung unterstützen, auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern.

UN-Klimakonferenz COP 28

Vom 30. November bis 12. Dezember 2023 findet die UN-Klimakonferenz COP 28 in Dubai statt. Das Ziel der jährlich stattfindenden Weltklimakonferenz ist die Eindämmung der Klimakrise, die alle Menschen auf diesem Planeten betrifft. 198 Länder nehmen an ihr teil.

Schließlich sitzen wir alle im selben Boot. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind zwar nicht die einzigen Lösungen für die Bekämpfung des Klimawandels, doch sind sie von entscheidender Bedeutung, um die Welt beim 1,5-Grad-Ziel wieder auf Kurs zu bringen – bevor es außer Reichweite gerät. Wir verfügen über die notwendigen Lösungen und wir haben in den letzten Jahren bereits große Fortschritte beim Ausbau der globalen Kapazitäten für erneuerbare Energien und bei der Steigerung der Energieeffizienz erzielt. Jedoch sind die Fortschritte noch zu langsam.

Wie Analysen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) und der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) zeigen, müssen wir gemeinsam auf globaler Ebene die Kapazitäten für erneuerbare Energien auf 11.000 Gigawatt verdreifachen und gleichzeitig die jährlichen Energieeffizienzverbesserungen verdoppeln. Diese Ziele lassen sich durch stärkere politische Maßnahmen erreichen, die auf der derzeitigen Dynamik aufbauen können. Der Einsatz von Solar- und Windenergie nimmt weltweit rapide zu, da die Länder die Vorteile dieser Energiequellen für die Energieversorgungssicherheit zunehmend anerkennen.

Außerdem haben fast 50 Staaten im Rahmen der IEA die jüngste Erklärung von Versailles unterzeichnet und sich damit zu dem Ziel einer Verdoppelung der Energieeffizienz verpflichtet. Wir müssen jedoch ein globales Ambitionsniveau festlegen, einen gemeinsamen Horizont fixieren, um alle Länder hinter diesen entscheidenden Zielen zu vereinen und so ein starkes Signal an die gesamte Menschheit zu senden.

Herausforderungen auf der ganzen Welt

Die Bedeutung eines regionalen Ansatzes kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, wenn es darum geht, die Klimaziele zu erreichen und einen fairen und gerechten Übergang zu nachhaltigen Energiesystemen zu erleichtern. Auf der ganzen Welt müssen wir gleichzeitig den Herausforderungen unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten begegnen. In kleinen Inselstaaten, die durch den Klimawandel besonders gefährdet sind, bieten erneuerbare Energien und Energieeffizienz die Perspektive einer raschen Dekarbonisierung kleiner, oft nicht vernetzter Energiesysteme.

Während in Afrika fast 600 Millionen Menschen keinen Zugang zu Strom haben und fast eine Milliarde keinen Zugang zu sauberem Kochen hat, lässt die Fülle erneuerbarer Ressourcen auf einen zuverlässigen und kosteneffizienten Zugang zu Energie für alle bis 2030 hoffen. Wir müssen das volle Potenzial der globalen Zusammenarbeit ausschöpfen, indem wir sie durch starke nationale und regionale Ansätze und Initiativen vorantreiben, die vielversprechende Dynamik des Afrika-Klimagipfels von dieser Woche verstärken und sie im Rahmen der G20 und der kommenden Klimawochen auf dem Weg zur COP 28 weitertragen.

Die COP 28 wird der Welt eine wichtige Möglichkeit bieten, bei der Bekämpfung des Klimawandels eine Kurskorrektur vorzunehmen. Kein Land kann dies alleine tun. Der Kampf gegen den Klimawandel ist die entscheidende Herausforderung der Menschheit in diesem Jahrhundert. In einem ersten Schritt müssen wir solidarisch handeln. Auf internationaler und einzelstaatlicher Ebene müssen wir entsprechend den unterschiedlichen nationalen Gegebenheiten wichtige Maßnahmen ergreifen.

Gemeinsames Handeln

Dazu gehört die Verbesserung der nationalen Ziele, Strategien, politischen Maßnahmen und national festgelegten Beiträge für den Rest dieses Jahrzehnts. Dazu gehören auch eine Aufstockung der Finanzmittel, insbesondere in Entwicklungsländern, die Netzverstärkung und der Ausbau der damit verbundenen Infrastruktur, die Gewährleistung rechtzeitiger Genehmigungen und eine investitionsfördernde Gestaltung der Marktvorschriften. Jedes Jahr zählt, wenn wir sicherstellen wollen, dass wir auf Kurs bleiben.

Wir fordern alle Regierungen auf, dieses gemeinsame Vorhaben zu unterstützen – eine globale Zusage zur Verdreifachung der Kapazitäten für erneuerbare Energien und zur Verdoppelung der jährlichen Energieeffizienzverbesserungen bis 2030 sowie zur Beschleunigung einer gerechten und ökologisch verantwortlichen Energiewende. Wir sollten diese einmalige Chance auf der COP 28 gemeinsam nutzen und beim 1,5-Grad-Ziel auf Kurs bleiben – für uns alle und für die nächste Generation.

Unterzeichnet von:
I.E. Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission
S.E. Dr. Sultan Al-Jaber, designierter Präsident der COP 28, VAE-Sondergesandter für Klimawandel
S.E. William Ruto, Präsident Kenias
I.E. Mia Mottley, Premierministerin von Barbados
Dr. Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur
Francesco La Camera, Generaldirektor der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien

Dieser Text erscheint in Deutschland exklusiv bei t-online. Im Ausland wird er ebenfalls bei der italienischen "La Repubblica", "El Mundo" in Spanien, "Le Monde" in Frankreich, der belgischen "Le Soir" wie in englischer Sprache bei "Politico" veröffentlicht. Die im Gastbeitrag geäußerten Ansichten geben die Meinungen der Autorinnen und Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online-Redaktion.

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