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Angriffe in Saudi-Arabien: Trump will Krieg mit Iran "sicherlich vermeiden"

Angriffe in Saudi-Arabien  

Trump will keinen Krieg mit Iran – und droht trotzdem

17.09.2019, 05:37 Uhr | dpa, rtr, AFP, dru, aj

Donald Trump (Quelle: AP/dpa)
USA: Trump verschärft Ton nach Ölangriff

"Wir haben Anlass zu glauben, dass wir den Täter kennen und warten mit geladener Waffe auf die Bestätigung", schrieb US-Präsident Donald Trump in der Nacht zum Montag auf Twitter. (Quelle: Reuters)

Donald Trump: Der US-Präsident will keinen Krieg und verschärfte den Ton nach dem Öl-Angriff trotzdem. (Quelle: Reuters)


Die Angriffe auf saudische Ölanlagen befeuern die Sorgen vor einer Eskalation am Golf. An den Börsen herrscht bereits Alarmstimmung. US-Präsident Trump sagt, er wolle einen Krieg vermeiden.

US-Präsident Donald Trump hat nach den Angriffen auf Ölanlagen in Saudi-Arabien den Iran als möglichen Verantwortlichen ins Visier genommen. "Es sieht danach aus", dass der Iran hinter den Angriffen stecke, sagte Trump am Montag im Weißen Haus in Washington. Er würde einen solchen Konflikt mit Teheran aber "sicherlich vermeiden wollen", sagte er.

Trump bekundete allerdings zugleich seine Bereitschaft, Saudi-Arabien nach diesen Attacken zu "helfen". "Das war ein sehr großer Angriff", führte Trump weiter aus. "Er könnte von unserem Land sehr leicht mit einem viel, viel größeren Angriff erwidert werden." Die Vereinigten Staaten, so der US-Präsident, seien mehr als jedes andere Land auf einen Konflikt vorbereitet.

Die Angriffe am Samstag hatten die Sorge vor einer militärischen Eskalation im Nahen Osten befeuert und den Ölpreis in die Höhe getrieben. Deutschland, Russland und China riefen alle Beteiligten am Montag zu Besonnenheit auf. Die Lage ist ohnehin angespannt: Seit der einseitigen Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die US-Regierung vor gut einem Jahr hat sich der Konflikt zwischen Washington und Teheran immer weiter verschärft.

Sorge an den Finanzmärkten

An den Finanz- und Rohstoffmärkten sorgten die Entwicklungen in Nahost am Montag für Nervosität. Die Ölpreise stiegen so sprunghaft an wie seit dem Golfkrieg Anfang der 1990er Jahre nicht mehr, zu Handelsbeginn waren es bis zu 20 Prozent. Viele Investoren brachten ihr Geld in Sicherheit. Gefragt waren Anleihen und Gold, während Aktien auf der Verkaufsliste standen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,5 Prozent tiefer auf 27.076 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab 0,3 Prozent auf 8.153 Punkte nach und der breit gefasste S&P 500 büßte 0,3 Prozent auf 2.997 Punkte ein. Dax und EuroStoxx50 gingen jeweils etwa 0,7 Prozent tiefer auf 12.380 beziehungsweise 3.518 Punkten aus dem Handel.

Fünf Prozent der weltweiten Rohöl-Produktion weggebrochen

Am Samstagmorgen hatten mehrere Explosionen Anlagen von Saudi Aramco erschüttert. Nach Angaben des staatlichen Ölkonzerns ist der Komplex in Abkaik die größte Raffinerie des Landes und die größte Rohölstabilisierungsanlage der Welt. Angaben zufolge führten die Angriffe zu einem Ausfall von fünf Prozent der weltweiten Rohöl-Produktion. In Saudi-Arabien sei die Produktion um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Tages-Volumens zurückgegangen, hatte die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA berichtet.

Zu den Angriffen in Saudi-Arabien hatten sich die jemenitischen Huthi-Rebellen bekannt, die mit dem Iran verbündet sind; sie kündigten weitere Attacken an. Trump drohte den Urhebern mit einem Vergeltungsschlag. Er machte wie schon US-Außenminister Mike Pompeo Iran direkt für den Angriff verantwortlich. "Es sieht danach aus", sagte er am Montag. Teheran bestreitet jegliche Beteiligung.

Nach Aussage des von Saudi-Arabien angeführten Militärbündnisses, das in Jemen gegen die Huthis kämpft, stammten die eingesetzten Drohnen aus dem Iran. Zudem seien die Waffen nicht im Jemen gestartet worden, erklärte der Sprecher der Kriegskoalition, Oberst Turki al-Maliki. Die US-Regierung ging laut der "New York Times" davon aus, dass die Attacken aus dem Iran oder Irak verübt wurden. Auf Satellitenaufnahmen seien mindestens 17 Einschläge zu erkennen, verursacht durch Angriffe aus nördlicher oder nordwestlicher Richtung. Der Jemen liegt südlich von Saudi-Arabien. Saudi-Arabien kündigte an, die Vereinten Nationen und internationale Experten einladen zu wollen, sich an den Ermittlungen zu beteiligen.

Dieses von der US-Regierung und DigitalGlobe zur Verfügung gestellte Foto zeigt zeigt Schäden an der Infrastruktur von Ölraffinerie des saudischen Ölriesens Saudi Aramco nach dem Drohnenangriff. (Quelle: dpa)Dieses von der US-Regierung und DigitalGlobe zur Verfügung gestellte Foto zeigt zeigt Schäden an der Infrastruktur von Ölraffinerie des saudischen Ölriesens Saudi Aramco nach dem Drohnenangriff. (Quelle: dpa)

US-Verteidigungsminister Mark Esper betonte am Nachmittag (Ortszeit) die Entschlossenheit seiner Regierung, die internationale Ordnung zu "verteidigen". Esper schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, Beratungen von Regierung und Militär der USA mit internationalen Partnern über eine Antwort auf diese "beispiellosen" Attacken seien im Gange. Der Pentagonchef beschuldigte Teheran, damit "die internationale, auf Regeln basierende Ordnung" zu untergraben.

Der Iran steht im Jemen auf der Seite der Huthis, die gegen die gewählte Regierung kämpfen. Diese wird von Saudi-Arabien unterstützt, einem engen Verbündeten der USA. Seit 2015 fliegt eine Allianz unter Führung von Saudi-Arabien Luftangriffe auf die Rebellen.

Deutschland tastet Reserven noch nicht an

Vor dem Hintergrund der extrem angespannten Lage genehmigte US-Präsident Trump am Wochenende die Freigabe von nationalen Ölreserven im Falle von Engpässen. Er schrieb am Sonntagabend auf Twitter, ausgehend von dem Angriff, "der sich auf die Ölpreise auswirken könnte", habe er – falls erforderlich – die Freigabe genehmigt. Die Menge habe er noch nicht festgelegt, aber sie werde ausreichend sein, "um die Märkte gut zu versorgen". Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris sieht zunächst keine Versorgungsprobleme.
 

 
Auch das Bundeswirtschaftsministerium reagierte zurückhaltend. "Bei uns ist es so, dass eine Freigabe einer strategischen Erdölreserve zur Behebung von weltweiten Versorgungsstörungen gemeinschaftlich mit den IEA-Mitgliedstaaten erfolgen müsste", sagte eine Sprecherin zu möglichen Abstimmungen mit der IEA. "Und hierzu gibt es aktuell keine Überlegungen." Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei aktuell nicht berührt.

In Deutschland fachten die Angriffe die Debatte über eine Wiederaufnahme von Rüstungsexporten nach Saudi-Arabien an. Die Grünen im Bundestag lehnen eine aus der Union geforderte Wiederaufnahme von Rüstungsexporten in das Königreich ab.

"Es ist aberwitzig, angesichts der Eskalation im Golf die Risiken dort mit weiteren Rüstungsexporten noch mehr zu erhöhen", sagte die Grünen-Verteidigungspolitikerin Agnieszka Brugger der Deutschen Presse-Agentur. An der Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien und dem blutigen Krieg im Jemen habe sich nichts geändert. Ein deutscher Rüstungsexportstopp nach Saudi-Arabien läuft am 30. September aus.

Heizölpreis zieht deutlich an

Erste Auswirkungen der dramatischen Entwicklung in Nahost bekamen Verbraucher in Deutschland dennoch bereits zu spüren. Der Preis für Heizöl sprang am Montag regional unterschiedlich um drei bis fünf Cent je Liter nach oben, teilte der Messgeräte-Hersteller Tecson mit. Der bundesweite Durchschnittspreis für 100 Liter Heizöl (bei Abnahme von 3.000 Litern, inkl. MwSt) erhöhte sich demnach um rund vier Euro von 66,60 auf 70,50 Euro. Das bedeutete jedoch kein neues Jahreshoch.

An den Tankstellen waren die Auswirkungen der Marktausschläge noch nicht eindeutig erkennbar. Zwar stiegen bis mittags die bundesweiten Durchschnittspreise für Diesel und Superbenzin E10 um ein bis zwei Cent im Vergleich zum Vortag. Da die Tankstellenpreise täglich mehrmals verändert werden und im Tagesverlauf oft sinken, ist das aber noch keine belastbare Tendenz.

Nach Einschätzungen der Mineralölwirtschaft sollten die Auswirkungen auf Autofahrer hierzulande aber überschaubar bleiben. Aus Saudi-Arabien komme nur wenig Öl nach Deutschland, hieß es beim Branchenverband MWV. Der globale Ölpreis könnte zwar kurzfristig steigen. Ob sich das spürbar und dauerhaft auf deutsche Tankkunden auswirke, sei aber offen.

Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 66,66 US-Dollar. Das waren 6,44 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 5,59 Dollar auf 60,44 Dollar.
 

 
Wie stark die Erdölpreise auf den Drohnenangriff reagieren werden, hängt nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs vor allem von der Dauer des Ausfalls ab. Der Produktionsausfall von etwa der Hälfte der saudischen Tagesproduktion sei jedenfalls "eine historisch große Störung", heißt es in einer Studie der US-Bank.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, AFP

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