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Öl-Attacken auf Saudi-Arabien: Ziehen die USA jetzt in den Krieg?

Was wir wissen – und was nicht  

Öl-Attacken auf Saudis: Ziehen die USA jetzt in den Krieg?

16.09.2019, 16:15 Uhr | ds, dpa, AFP, rtr

Donald Trump (Quelle: AP/dpa)
USA: Trump verschärft Ton nach Ölangriff

"Wir haben Anlass zu glauben, dass wir den Täter kennen und warten mit geladener Waffe auf die Bestätigung", schrieb US-Präsident Donald Trump in der Nacht zum Montag auf Twitter. (Quelle: Reuters)

Donald Trump: Der US-Präsident will keinen Krieg und verschärfte den Ton nach dem Öl-Angriff trotzdem. (Quelle: Reuters)


Nach den Öl-Attacken auf Saudi-Arabien bleibt die Situation in der Golf-Region unübersichtlich. Trump und die USA drohen offen mit einem Krieg – dabei ist der Angreifer noch überhaupt nicht klar. Ein Überblick.

Droht der Golf-Region ein militärischer Konflikt? Am Wochenende ist in Saudi-Arabien eine der größten Ölraffinerien der Welt attackiert worden – die Ölproduktion des Landes ist eingebrochen. Über den Angreifer gibt es widersprüchliche Aussagen. Zwar hat sich schnell eine Rebellengruppe aus dem Jemen zu den Anschlägen bekannt – besonders US-Präsident Donald Trump hat daran aber Zweifel. Und bringt einen anderen Angreifer ins Spiel. Ein Überblick über die Situation am Golf.

Was ist passiert?

Am frühen Samstagmorgen gegen 3.31 Uhr und 3.42 Uhr (Ortszeit) erschütterten mehrere Explosionen die Anlagen des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco in Churais und Abkaik. Satellitenbilder von Nasa und Esa zeigten mehrere riesige schwarze Rauchfahnen, die sich bis zu 150 Kilometer weit über Saudi-Arabien erstreckten.

Den Angriff auf die größte Ölraffinerie des Landes sollen zehn Drohnen ausgeführt haben. Die Ölproduktion in dem Königreich ist dramatisch eingebrochen – auf rund 5,7 Millionen Barrel. Das ist die Hälfte des sonst üblichen Fördervolumens, berichtet die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA. Auch die Produktion von Flüssiggas war betroffen. Der Produktionsausfall könne aber durch Lagerbestände ausgeglichen werden. Experten gehen hingegen davon aus, dass die Ölproduktion noch lange gestört sein wird. Bis zur vollständigen Normalisierung "kann es Monate dauern", sagten zwei Personen aus dem Umfeld des staatlichen Ölkonzerns Aramco der Nachrichtenagentur Reuters.

Wer ist für den Angriff verantwortlich?

Zu dem Angriff bekannten sich die Huthi-Rebellen im benachbarten Jemen. Ein Militärsprecher der Huthis bezeichnete den Angriff als "legitime Antwort" auf die anhaltende Militärkampagne Saudi-Arabiens im Jemen. Das arabische Königreich führt im Jemen eine von den USA unterstützte Militärkoalition an, die gegen die Huthis kämpft. Diese werden wiederum vom Iran unterstützt und halten große Teile des Nordjemens inklusive der Hauptstadt Sanaa unter Kontrolle. Am Montag folgten weitere Drohungen der Rebellen: "Wir versichern dem saudischen Regime, dass unser langer Arm jeden von uns gewünschten Ort zum von uns bestimmten Zeitpunkt erreichen kann", erklärte ein Sprecher. Er warnte zudem Firmen und Ausländer davor, sich in den bombardierten Ölanlagen aufzuhalten, da diese jederzeit getroffen werden könnten.

Welchen Grund haben die Rebellen im Jemen, eine saudische Ölanlage anzugreifen?

Seit 2015 führen der Iran und Saudi-Arabien einen Stellvertreterkrieg. Saudi-Arabien führt ein Militärbündnis an – darunter die USA –, das die Huthis im Jemen unter anderem mit Luftangriffen bekämpft. Die Saudis sehen in den Rebellen einen engen Verbündeten ihres Erzrivalen Iran. Die Huthis haben bereits in der Vergangenheit mehrere Drohnen- und Raketenangriffe auf Städte, Flughäfen und Ölanlagen in Saudi-Arabien durchgeführt, die allerdings größtenteils abgefangen wurden. Saudi-Arabien wirft dem Iran vor, die Huthis mit Waffen zu beliefern. Das wird sowohl vom Iran als auch von den Rebellen immer bestritten.

Gibt es Zweifel an der Aussage der Huthi?

Die USA halten einen anderen Angreifer für wahrscheinlicher: So sollen die Luftangriffe eher aus dem Iran oder Irak und nicht aus dem Jemen verübt worden sein. Satellitenaufnahmen sollen zeigen, dass die Angriffe aus nördlicher oder nordwestlicher Richtung verursacht worden sind, berichtete die "The New York Times" nach einem Hintergrundgespräch mit US-Regierungsbeamten. Dies passe eher zu Angriffen aus dem nördlichen Persischen Golf, also dem Irak oder Iran, als aus dem südlich gelegenen Jemen. Auch sollen nicht nur zehn, sondern mindestens 17 Einschläge zu erkennen sein, was den Angaben der Huthi-Rebellen widersprechen würde.

Die saudische Regierung erklärte am Montag, die Waffen für den Angriff kämen aus dem Iran. Außerdem deute die Kombination aus vielen Drohnen und Raketen auf einen Grad an Präzision, Finesse und Umfang hin, der über die Fähigkeiten der Rebellen allein hinausgehe, zitierte das Blatt einen US-Regierungsbeamten. 

Der Iran wies die Vorwürfe prompt und vehement zurück. Pompeos Unterstellungen seien absurd, unerklärlich und daher auch halt- und wirkungslos, so der iranische Außenamtssprecher Abbas Mussawi zu der iranischen Nachrichtenagentur Isna. Was im Jemen passiere, sei der Widerstand der Jemeniten gegen die Kriegsverbrechen der von den Saudis angeführten Militärkoalition."Weil die US-Politik des maximalen Drucks auf den Iran gescheitert ist, sind die Amerikaner nun auf die der maximalen Lügen umgestiegen."

Wie reagieren die anderen Staaten auf die Attacken?

Die USA befinden sich nach den Drohnen-Attacken im Angriffsmodus. US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter, man warte nun darauf, wen Saudi-Arabien für die Angriffe verantwortlich mache. Den Urhebern drohte Trump mit einem Vergeltungsschlag.

Andere Staaten reagierten hingegen besonnener: Der britische Außenminister Dominic Raab verurteilte die Angriffe auf die saudi-arabischen Raffinerien zwar scharf, mahnte aber zu Geduld bei Schuldzuweisungen und Reaktionen. "In der Frage der Verantwortung ist das Bild nicht eindeutig", sagte Raab am Montag. Reaktionen müssten auf internationaler Ebene erfolgen, zuvor aber alle Fakten auf dem Tisch liegen. "Es handelt sich um eine sehr ernste, ungeheuerliche Tat, und wir müssen international klar und möglichst geeint darauf antworten."

Der deutsche Außenminister Heiko Maas befürchtet, dass die Angriffe die Lage in der Region verschärfen werden. "Ich verurteile diese Angriffe", sagte der SPD-Politiker am Montag in Berlin. Die Lage sei schon so schwierig genug. Nötig sei eine Deeskalation. "Die Lage ist außerordentlich besorgniserregend." Deutschland analysiere zusammen mit seinen Verbündeten, wer für die Taten verantwortlich sei.

Auch die EU nannte die Angriffe eine "Bedrohung der regionalen Sicherheit". Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Martin Griffiths, warnte vor einer Eskalation auf der arabischen Halbinsel. Solche Zwischenfälle würden den von den Vereinten Nationen geleiteten politischen Prozess im Jemen gefährden. Die UN bezeichnen den Krieg im Jemen als die derzeit größte humanitäre Katastrophe der Welt. Der Kreml sprach von einem "alarmierenden Ereignis". So etwas trage nicht zur Stabilisierung des Energiemarktes bei, sagte Sprecher Dmitri Peskow der Zeitung "Wedomosti". Der prominente russische Außenpolitiker, Konstantin Kossatschow, warnte davor, den Iran dafür verantwortlich zu machen. "Es gibt keinen Grund, Teheran in diesem Fall zu beschuldigen", schrieb er auf Facebook. Für Washington sei der Iran für alles Schlechte im Nahen Osten verantwortlich.

Droht nun ein militärischer Konflikt zwischen den USA und dem Iran?

Die Region im Golf gilt bereits seit vielen Jahren als Pulverfass. Besonders der Krieg im Jemen rückt dabei immer wieder in den Fokus. Dass die USA den Iran als Aggressor in der Region ausgemacht haben, verschärft die Konflikte weiter. In den vergangenen Monaten gab es bereits mehrere Krisenherde. Nachdem mehrere ausländische Öltanker in der Region angegriffen wurden, machten die USA den Iran verantwortlich. Auch der Abschuss einer US-Drohne dort soll auf das Konto der iranischen Führung gehen.

Immer wieder stand ein Krieg auf der arabischen Halbinsel kurz vor dem Ausbruch. So auch jetzt: Trump drohte dem Iran unverhohlen auf Twitter. Die USA warteten "mit geladener Waffe auf die Bestätigung", schrieb der US-Präsident. Auch Außenminister Mike Pompeo attackierte offen den Iran: "Inmitten aller Appelle für eine Deeskalation hat der Iran einen beispiellosen Angriff auf die weltweite Energieversorgung gestartet".

Doch einen Krieg können die USA eigentlich nicht wollen. Der Grund: Der bevorstehende US-Präsidentschaftswahlkampf. Trump hatte immer wieder angekündigt, US-Soldaten aus dem Mittleren Osten abzuziehen. Ein offenerer militärischer Konflikt würden ihm viele Wählerstimmen kosten. Auch der Iran ist für einen Krieg gegen die USA eigentlich nicht gerüstet. Zwar sagte der Luftwaffenchef der Revolutionsgarden, Amirali Hadschisadeh, der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Tasnim zufolge, der Iran sei bereit für einen Krieg. Doch daran muss gezweifelt werden – militärisch hätte Teheran den US-Truppen nur wenig entgegenzusetzen.
 

 
Wahrscheinlicher ist, dass die USA gezielte Angriffe auf iranische Militärstellungen durchführen werden. So hatte Trump bereits im April 2018 in Syrien reagiert, als das syrische Regime unter Assad Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt haben soll. Damals waren syrische Militäreinrichtungen das Ziel von Hunderten US-Raketen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, AFP

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