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Deutschland muss jetzt FlĂĽchtlinge aufnehmen

Von Nathalie Rippich

Aktualisiert am 23.03.2020Lesedauer: 3 Min.
Ein Kind bahnt sich seinen Weg durch den Müll: Im Elendslager Moria kann niemand die Hygienevorschriften gegen die Ausbreitung des Coronavirus einhalten – das ist eine Schande für uns alle.
Ein Kind bahnt sich seinen Weg durch den Müll: Im Elendslager Moria kann niemand die Hygienevorschriften gegen die Ausbreitung des Coronavirus einhalten – das ist eine Schande für uns alle. (Quelle: imago-images-bilder)
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Wir sollen viel Abstand halten und uns regelmäßig mit Seife die Hände waschen. In der Sorge um uns selbst vergessen wir Menschen, die unsere Hilfe brauchen.

Die Elendslager für Flüchtlinge an der EU-Außengrenze müssen evakuiert werden – und zwar sofort. Das kann die einzige Lösung im Umgang mit den Geflüchteten sein, die auf den griechischen Inseln festsitzen. Denn das Coronavirus macht vor niemandem Halt. Während in der EU Ausgangssperren und Kontaktverbote gelten, weil die Infizierten- und Todeszahlen bisher stetig steigen, können die Menschen direkt an der EU-Außengrenze nichts tun als hoffen. Dass sich die Europäische Union ihrer doch noch erbarmt.

Während wir mindestens 1,50 Meter Abstand zueinander halten und uns regelmäßig die Hände waschen sollen, können etwa die 20.000 Menschen aus dem Elendscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos einander nicht aus dem Weg gehen. Sauberes, fließendes Wasser ist Mangelware. Von Seife ganz zu schweigen. Die Menschen leben auf engstem Raum im Dreck in Verhältnissen, die für die EU beschämend sind. Allein das sollte Grund genug dafür sein, die Menschen aus dem Lager zu holen.

Der "Dschungel" von Moria: Zelt an Zelt reiht sich in den Olivenhainen von Lesbos. Abstand zu halten, ist hier unmöglich.
Der "Dschungel" von Moria: Zelt an Zelt reiht sich in den Olivenhainen von Lesbos. Abstand zu halten, ist hier unmöglich. (Quelle: imago-images-bilder)
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Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Moria ist auch unser Problem. Denn das Gut der Rechtsstaatlichkeit in der EU und ihren Staaten ist ein hohes, das erkämpft werden musste und das auch heute – das sehen wir derzeit – nicht selbstverständlich ist. Das hat sich auch schon gezeigt, als das Coronavirus noch weit weg schien. Nämlich als Rechtsextreme in Scharen auf die Insel gereist sind, um die Grenzen der Staatengemeinschaft zu "schützen". So nennen sie es.

Rechtsextreme benutzen die Insel fĂĽr ihre Zwecke

Tatsächlich haben sie die Insel für die Verbreitung ihrer perfiden Weltansicht benutzt, das Engagement der meisten Bürger in den Dreck gezogen und einen Konflikt, der ohne sie schon schlimm genug war, noch zusätzlich angeheizt. Denn Fakt ist: Auf Lesbos lebt kaum noch jemand gut. Eine Insel mit knapp über 80.000 Einwohnern muss mit weit über 20.000 Geflüchteten leben. Die Infrastruktur gibt das nicht her. Die Inselbewohner können und wollen das nicht länger tragen, die Geflüchteten auch nicht.

Zu den Rechtsextremen, die die Stimmung mit Bedrohungen und körperlichen Angriffen anheizen, kommt jetzt ein Virus, das keine Grenzen kennt, keine Nationalitäten, kein Arm und Reich. Die wenigen Menschen, die vor Ort noch helfen können, tun alles, um vorbereitet zu sein auf die Katastrophe: Den Ausbruch von Covid-19 in dem engen Lager, in dem Tausende sterben könnten. Passiert das, sind das die Toten der EU. Irgendwann wird der Corona-Ausnahmezustand enden. Dann werden wir uns dafür verantworten müssen. Wir werden erklären müssen, wie es dazu kommen konnte, wie wir das zulassen konnten. Wir werden erklären müssen, wieso wir uns nur mit uns befasst haben.

Doch sind nicht nur Tausende Leben von Geflüchteten, Inselbewohnern und Helfern in Gefahr. Sondern es wird sehenden Auges ein Konflikt geschürt, der schon übergekocht ist und droht, weiter zu eskalieren. Denn wie sollen diese 20.000 Menschen in ihren elenden Verhältnissen die Ausgangssperre einhalten, die seit Montag gilt? Und was passiert in der aufgeheizten Stimmung, wenn sie es nicht tun? Wie reagieren die, denen die Geflüchteten ohnehin schon ein Dorn im Auge sind?

Deutschland muss als Vorbild fĂĽr alle Staaten agieren

Wir, die EU und jeder, der sich nicht mit seiner Stimme für die vergessenen Menschen einsetzt, riskiert mehr Gewalt als es sie ohnehin schon gibt. Gewalt in der Europäischen Union, nicht nur in Griechenland, das das Pech hat, an der Außengrenze der Gemeinschaft zu liegen, zu der 26 weitere Staaten gehören.

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Mehrere EU-Staaten hatten sich grundsätzlich dazu bereit erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen. Laut Bundesregierung sollten mehr als 1.500 Minderjährige aus den Lagern in der Ägäis geholt werden. Innenminister Horst Seehofer will an dem Plan trotz der Pandemie festhalten. Das ist richtig, doch geht längst nicht weit genug. Die Mitgliedsstaaten müssen ihre Verantwortung erkennen und umgehend handeln. Allein in Deutschland hatten sich 140 Kommunen zur Aufnahme Geflüchteter bereiterklärt.

Die Menschen können und müssen vor der Einreise untersucht werden und sich in Quarantäne begeben – das sollte die geringste Herausforderung sein. Deutschland kann zeigen, dass es möglich ist und als Vorbild agieren.

Noch kann gehandelt werden, noch können wir den Rechtsextremen, die das Leid vieler ausnutzen, um noch mehr Leid zu erzeugen, etwas entgegensetzen. Noch sind die Menschen in Moria und jene, die schutzlos an den Stränden der Insel ausharren, zu retten. Noch kann Rechtsstaatlichkeit wieder hergestellt werden und noch kann die EU ihr Gesicht zurück erlangen. Doch die Zeit wird knapp. Evakuieren – sofort!

Die Autorin war mit ihrer Kollegin Madeleine Janssen vor wenigen Tagen selbst auf Lesbos und konnte sich ein Bild von der Situation vor Ort machen.

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Von Fabian Reinbold, Schloss Elmau
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