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Jerewan: TĂŒrkei schießt armenisches Flugzeug ab

Von dpa
Aktualisiert am 29.09.2020Lesedauer: 3 Min.
TĂŒrkischer F-16-Kampfjet: Laut armenischen Angaben soll die TĂŒrkei ein armenisches Flugzeug abgeschossen haben.
TĂŒrkischer F-16-Kampfjet: Laut armenischen Angaben soll die TĂŒrkei ein armenisches Flugzeug abgeschossen haben. (Quelle: /imago-images-bilder)
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Die KĂ€mpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan dauern an – auf beiden Seiten gab es zahlreiche Tote und Verletzte. Der Bericht ĂŒber ein abgeschossenes Flugzeug gibt zusĂ€tzlich Öl ins Feuer.

Im blutigen Konflikt um die Unruheregion Berg-Karabach ist nach armenischen Angaben ein Kampfjet des Typs Suchoi-25 abgeschossen worden. Der Pilot sei dabei getötet worden, teilte die Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums in Jerewan am Dienstag mit. Sie behauptete, dass ein tĂŒrkisches F-16-Kampfflugzeug am Dienstagvormittag die Maschine mit Hilfe aus Aserbaidschan abgeschossen hĂ€tte. DafĂŒr gab es aber keine BestĂ€tigung. Aserbaidschan gab bislang an, keine militĂ€rische UnterstĂŒtzung aus dem Nachbarland TĂŒrkei zu bekommen und selbst kein F-16-Kampfflugzeug zu besitzen.


Das MilitĂ€r in Aserbaidschan dementierte die Angaben umgehend und bezeichnete die VorwĂŒrfe als LĂŒge. Auch der Kommunikationsdirektor des tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan, Fahrettin Altun, sagte, dass es sich dabei um "billige Propagandatricks" handle. Die Behauptungen stimmten definitiv nicht.

Kanzlerin startet Vermittlungsversuch

Die KĂ€mpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan dauern seit Sonntag an. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Tote und Verletzte. Beide LĂ€nder sprachen bereits von Hunderten Toten auf der gegnerischen Seite. Diese Behauptungen wurden immer wieder dementiert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die beiden verfeindeten Nachbarstaaten zum Waffenstillstand aufgefordert. Dazu telefonierte Merkel mit dem armenischen MinisterprĂ€sidenten Nikol Paschinjan und dem aserbaidschanischen Staatschef Ilham Aliyev, wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag in Berlin mitteilte. Die Kanzlerin habe deutlich gemacht, dass ein Waffenstillstand und Verhandlungen dringlich seien. Basis dafĂŒr könnte die Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sein.

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Konflikt um Bergkarabach: Auf dem Bild, das aus vom aserbaidschanischen Verteidigungsministerium am Sonntag, 27. September 2020, veröffentlichten Filmmaterial stammt, schießen aserbaidschanische Soldaten aus einem Mörser auf die Kontaktlinie der selbsternannten Republik Bergkarabach, Aserbaidschan.
Konflikt um Bergkarabach: Auf dem Bild, das aus vom aserbaidschanischen Verteidigungsministerium am Sonntag, 27. September 2020, veröffentlichten Filmmaterial stammt, schießen aserbaidschanische Soldaten aus einem Mörser auf die Kontaktlinie der selbsternannten Republik Bergkarabach, Aserbaidschan. (Quelle: Uncredited/Azerbaijan's Defense Ministry/dpa-bilder)

Armenien setzt im Fall einer weiteren Eskalation auf Russland als Schutzmacht. Der russische MilitĂ€rstĂŒtzpunkt in Gjumri sei der wichtigste Sicherheitsfaktor in der Region, sagte der armenische Botschafter in Moskau, Wardan Toganjan, der Agentur Interfax. "Die Basis hat immer eine stabilisierende Rolle gespielt", sagte er. Gjumri liegt rund 120 Kilometer nördlich der armenischen Hauptstadt Eriwan. Zu dem MilitĂ€rstĂŒtzpunkt gehört auch eine Garnison in Eriwan. Insgesamt sind an den Standorten etwa 3.500 russische Soldaten stationiert. Zu dem StĂŒtzpunkt gehören ein Panzerbataillon, Dutzende Kampfflugzeuge und Raketenabwehrsysteme. Die Truppen sind auch fĂŒr die Grenzsicherung zustĂ€ndig. Der Vertrag ĂŒber die russische MilitĂ€rbasis lĂ€uft bis 2044.

KĂ€mpfe seit Sonntag

In der Region gibt es seit Sonntag wieder Kampfhandlungen. Die verfeindeten Staaten Armenien und Aserbaidschan haben den Kriegszustand verhĂ€ngt. Die internationale Gemeinschaft fordert ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen und eine RĂŒckkehr zum Verhandlungstisch fĂŒr eine friedliche Lösung des Konflikts.

In der Hauptstadt Stepanakert in Bergkarabach warf Parlamentschef Artur Towmassjan Aserbaidschan und der TĂŒrkei vor, sich fĂŒr die Sprache der Gewalt entschieden zu haben. "Dieser Krieg, den das aserbaidschanisch-tĂŒrkische Tandem vom Zaun gebrochen hat, ist kein Krieg des aserbaidschanischen Volkes, sondern ein Krieg fĂŒr den persönlichen Machterhalt von Ilham Aliyev", sagte der Politiker. Der autoritĂ€re aserbaidschanische PrĂ€sident Aliyev hatte wiederum Armenien vorgeworfen, sein Land angegriffen zu haben.

Mit Stand Montagabend bestÀtigte Bergkarabach insgesamt 89 Tote seit Sonntag. Aserbaidschan gab neun TodesfÀlle an, darunter Zivilsten. Es gab zudem viele Verletzte auf beiden Seiten.

Derweil forderte UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres erneut ein sofortiges Ende der KĂ€mpfe. Guterres habe das dem aserbaidschanischen PrĂ€sidenten Ilham Aliyev und dem armenischen Regierungschef Nikol Paschinjan per Video-Telefonschalte mitgeteilt, sagte ein UN-Sprecher am Montag in New York. Bereits am Sonntag hatte sich Guterres "extrem besorgt" ĂŒber die Eskalation des Konflikts gezeigt. Er forderte die sofortige Wiederaufnahme von Verhandlungen und die Wiederentsendung von OSZE-Beobachtern in die Region.

Aserbaidschan mit TĂŒrkei verbunden

Mehrere Mitglieder des UN-Sicherheitsrats beantragten unterdessen, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Die Initiative ging von Deutschland und Frankreich aus und wurde von Belgien, Großbritannien und Estland unterstĂŒtzt, hieß es aus Diplomatenkreisen.

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Die Linke-Europaabgeordnete Martina Michels nannte den erneuten Krieg in Bergkarabach einen "schweren RĂŒckschlag fĂŒr verbindende Projekte besonders im SĂŒdkaukasus." Zwar drĂ€ngten die EuropĂ€ische Union und die Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) auf eine "schnelle RĂŒckkehr an den Verhandlungstisch." DarĂŒber hinaus mĂŒsse die EU aber auch ihre Zusammenarbeit mit der TĂŒrkei in allen Beziehungen "auf eine völkerrechtlich gesicherte Basis" stellen. Derzeit sehe die EU nur zu, "wie die TĂŒrkei auch die Region der östlichen Nachbarschaft destabilisiert".

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