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Bergkarabach-Konflikt: Türkei soll armenisches Flugzeug abgeschossen haben

Krieg um Bergkarabach  

Jerewan: Türkei schießt armenisches Flugzeug ab

29.09.2020, 19:18 Uhr | dpa

Dutzende Tote: Weiter Gefechte um Berg Karabach

Zwischen Armenien und Aserbaidschan gab es nach Angaben der jeweiligen Verteidigungsministerien schweres Artilleriefeuer. (Quelle: Reuters)

Schweres Artilleriefeuer: Die Gefechte um Berg Karabach gehen weiter. (Quelle: Reuters)


Die Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan dauern an – auf beiden Seiten gab es zahlreiche Tote und Verletzte. Der Bericht über ein abgeschossenes Flugzeug gibt zusätzlich Öl ins Feuer. 

Im blutigen Konflikt um die Unruheregion Berg-Karabach ist nach armenischen Angaben ein Kampfjet des Typs Suchoi-25 abgeschossen worden. Der Pilot sei dabei getötet worden, teilte die Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums in Jerewan am Dienstag mit. Sie behauptete, dass ein türkisches F-16-Kampfflugzeug am Dienstagvormittag die Maschine mit Hilfe aus Aserbaidschan abgeschossen hätte. Dafür gab es aber keine Bestätigung. Aserbaidschan gab bislang an, keine militärische Unterstützung aus dem Nachbarland Türkei zu bekommen und selbst kein F-16-Kampfflugzeug zu besitzen.



Das Militär in Aserbaidschan dementierte die Angaben umgehend und bezeichnete die Vorwürfe als Lüge. Auch der Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Fahrettin Altun, sagte, dass es sich dabei um "billige Propagandatricks" handle. Die Behauptungen stimmten definitiv nicht.

Kanzlerin startet Vermittlungsversuch

Die Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan dauern seit Sonntag an. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Tote und Verletzte. Beide Länder sprachen bereits von Hunderten Toten auf der gegnerischen Seite. Diese Behauptungen wurden immer wieder dementiert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die beiden verfeindeten Nachbarstaaten zum Waffenstillstand aufgefordert. Dazu telefonierte Merkel mit dem armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan und dem aserbaidschanischen Staatschef Ilham Aliyev, wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag in Berlin mitteilte. Die Kanzlerin habe deutlich gemacht, dass ein Waffenstillstand und Verhandlungen dringlich seien. Basis dafür könnte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sein. 

Konflikt um Bergkarabach: Auf dem Bild, das aus vom aserbaidschanischen Verteidigungsministerium am Sonntag, 27. September 2020, veröffentlichten Filmmaterial stammt, schießen aserbaidschanische Soldaten aus einem Mörser auf die Kontaktlinie der selbsternannten Republik Bergkarabach, Aserbaidschan.  (Quelle: dpa/Uncredited/Azerbaijan's Defense Ministry)Konflikt um Bergkarabach: Auf dem Bild, das aus vom aserbaidschanischen Verteidigungsministerium am Sonntag, 27. September 2020, veröffentlichten Filmmaterial stammt, schießen aserbaidschanische Soldaten aus einem Mörser auf die Kontaktlinie der selbsternannten Republik Bergkarabach, Aserbaidschan. (Quelle: Uncredited/Azerbaijan's Defense Ministry/dpa)

Armenien setzt im Fall einer weiteren Eskalation auf Russland als Schutzmacht. Der russische Militärstützpunkt in Gjumri sei der wichtigste Sicherheitsfaktor in der Region, sagte der armenische Botschafter in Moskau, Wardan Toganjan, der Agentur Interfax. "Die Basis hat immer eine stabilisierende Rolle gespielt", sagte er. Gjumri liegt rund 120 Kilometer nördlich der armenischen Hauptstadt Eriwan. Zu dem Militärstützpunkt gehört auch eine Garnison in Eriwan. Insgesamt sind an den Standorten etwa 3.500 russische Soldaten stationiert. Zu dem Stützpunkt gehören ein Panzerbataillon, Dutzende Kampfflugzeuge und Raketenabwehrsysteme. Die Truppen sind auch für die Grenzsicherung zuständig. Der Vertrag über die russische Militärbasis läuft bis 2044.

Kämpfe seit Sonntag

In der Region gibt es seit Sonntag wieder Kampfhandlungen. Die verfeindeten Staaten Armenien und Aserbaidschan haben den Kriegszustand verhängt. Die internationale Gemeinschaft fordert ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen und eine Rückkehr zum Verhandlungstisch für eine friedliche Lösung des Konflikts.

In der Hauptstadt Stepanakert in Bergkarabach warf Parlamentschef Artur Towmassjan Aserbaidschan und der Türkei vor, sich für die Sprache der Gewalt entschieden zu haben. "Dieser Krieg, den das aserbaidschanisch-türkische Tandem vom Zaun gebrochen hat, ist kein Krieg des aserbaidschanischen Volkes, sondern ein Krieg für den persönlichen Machterhalt von Ilham Aliyev", sagte der Politiker. Der autoritäre aserbaidschanische Präsident Aliyev hatte wiederum Armenien vorgeworfen, sein Land angegriffen zu haben.

Mit Stand Montagabend bestätigte Bergkarabach insgesamt 89 Tote seit Sonntag. Aserbaidschan gab neun Todesfälle an, darunter Zivilsten. Es gab zudem viele Verletzte auf beiden Seiten.

Derweil forderte UN-Generalsekretär António Guterres erneut ein sofortiges Ende der Kämpfe. Guterres habe das dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev und dem armenischen Regierungschef Nikol Paschinjan per Video-Telefonschalte mitgeteilt, sagte ein UN-Sprecher am Montag in New York. Bereits am Sonntag hatte sich Guterres "extrem besorgt" über die Eskalation des Konflikts gezeigt. Er forderte die sofortige Wiederaufnahme von Verhandlungen und die Wiederentsendung von OSZE-Beobachtern in die Region.

Aserbaidschan mit Türkei verbunden

Mehrere Mitglieder des UN-Sicherheitsrats beantragten unterdessen, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Die Initiative ging von Deutschland und Frankreich aus und wurde von Belgien, Großbritannien und Estland unterstützt, hieß es aus Diplomatenkreisen.

Die Linke-Europaabgeordnete Martina Michels nannte den erneuten Krieg in Bergkarabach einen "schweren Rückschlag für verbindende Projekte besonders im Südkaukasus." Zwar drängten die Europäische Union und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) auf eine "schnelle Rückkehr an den Verhandlungstisch." Darüber hinaus müsse die EU aber auch ihre Zusammenarbeit mit der Türkei in allen Beziehungen "auf eine völkerrechtlich gesicherte Basis" stellen. Derzeit sehe die EU nur zu, "wie die Türkei auch die Region der östlichen Nachbarschaft destabilisiert".

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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