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Video gegen CNN: Trump hetzt mit Wrestling-Taktik gegen Journalisten

Mit Prügel-Video gegen CNN  

Trump hetzt mit Wrestling-Taktiken gegen Journalisten

03.07.2017, 16:00 Uhr | AP, pdi

Video gegen CNN: Trump hetzt mit Wrestling-Taktik gegen Journalisten. US-Präsident Donald Trump. (Quelle: dpa)

US-Präsident Donald Trump. (Quelle: dpa)

Ein auf dem Twitter-Account des US-Präsidenten veröffentlichtes Video zeigt Donald Trump, wie er neben einem Wrestling-Ring einen Mann verprügelt, dessen Gesicht durch ein CNN-Logo verdeckt ist. Trump scheint nicht zum ersten Mal vom Wrestling inspiriert gewesen zu sein.

Großspuriges Prahlen. Charakteristische Parolen rufen. Die Namen von Rivalen mit Beleidigungen verbinden. Vermeintliche Feinde niederbrüllen: Wenn die jüngsten Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf Fernsehmoderatoren, Journalisten und politische Rivalen ans professionelle Wrestling erinnern, dann ist das möglicherweise kein Zufall.

Wrestling-Kennern zufolge hat Trump, der eine langjährige Verbindung zu dem Unterhaltungsgenre hat, viele seit langem bewährte Taktiken aus dem Ring entlehnt, um seine Rolle des Antihelden zu kultivieren - eine Figur, die um jeden Preis gewinnt, Empörung hervorruft und nur ihren eigenen Regeln folgt.

Am Sonntag wirkte Trumps Vorliebe für Wrestling offensichtlich, als auf seinem Twitter-Account ein Spottvideo veröffentlicht wurde, in dem er neben einem Wrestling-Ring einen Mann im Anzug verprügelt, dessen Gesicht durch das Logo des Fernsehsenders CNN verdeckt ist. Das Video schien eine bearbeitete Version von Trumps Auftritt bei einer Veranstaltung von World Wrestling Entertainment im Jahr 2007 zu sein.

Trump verbindet Wrestling mit Politik

Dan Madigan, der als Autor für den Veranstalter WWE tätig ist, fielen die Parallelen zum ersten Mal letzten Sommer beim Parteikonvent der Republikaner auf. Trump wurde von hinten angestrahlt und erschien als deutliche Silhouette, bevor er in Cleveland auf die Bühne schlenderte - wie der berüchtigtste Antiheld des Wrestlings, The Undertaker. "Sein Verhalten, die Dauer seines Gangs zum Podium, wie er mit der Menge spielt - reiner Undertaker", sagt Madigan.

Und Trumps tigerhaftes Schreiten auf der Bühne hinter Hillary Clinton während der zweiten Präsidentschafts-Debatte letzten Herbst in St. Louis? Auf diese Weise pirschen sich Wrestler während der Verhöhnungs-Auftritte vor Kämpfen an ihre Gegner heran.

In den folgenden Monaten mit Trumps Tweets und öffentlichen Fehden wurde Madigan und anderen ehemaligen WWE-Dramaturgen klar, dass Trump bewusst oder unbewusst Wrestling in seine Politik einführt. "Die Parallelen sind frappierend", sagt Domenic Cotter, ein Filmproduzent, der vor einigen Jahren für WWE tätig war.

"Du bist Fake News!"

Je nach politischer Einstellung eines Beobachters scheint Trump einen von zwei klassischen Wrestling-Charakteren zu spielen, sagen die Autoren: den "Heel" oder ultimativen Bösewicht, der um jeden Preis gewinnt, oder das "Baby Face", den Guten.

"Ich halte Donald Trump für das ultimative Baby Face", sagt Cotter. "Beinahe in der Art von "Stone Cold" Steve Austin, der diese Wut-gegen-die-Maschinerie-Figur war, gegen Autoritäten und das Establishment gerichtet."

Cotter beobachtete, wie Trump eine klassische Wrestling-Taktik während seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Wahlsieg anwandte, als er CNN-Reporter Jim Acosta befahl, ruhig zu sein, und schnauzte: "Du bist Fake News!" Diese Szene erinnerte Cotter an die verbalen Fehden von Wrestlern vor einem Kampf. "Im Wrestling redet ein ekeliger Heel weiter und weiter und weiter und das Baby Face kontert mit einem Witz und das Publikum dreht durch."

Vielleicht liegt das in Trumps Natur. Er war 1988 und 1989 der Gastgeber von Wrestling-Veranstaltungen in seinem Trump Plaza in Atlantic City. Und dann gab es 2007 den berühmten "Kampf der Milliardäre", als er den WWE-Boss Vince McMahon in die Luft schleuderte und auf den Boden warf und dann dessen Kopf rasierte. Jüngst wählte Trump McMahons Frau Linda, die in Connecticut zwei Mal erfolglos für den US-Senat kandidierte, zur Chefin der Behörde für Kleinunternehmen.

Auch Ranjan Chhibber, ein Professor für Geistes- und Filmwissenschaft am Florida State College in Jacksonville, der über Wrestling geschrieben hat, sieht ein Trump-Pendant im Ring: CM Punk, in der Branche gegenwärtig der zum Helden gewandelte Bad Boy, der als "Stimme der Unterdrückten" bezeichnet wird.

Die CM-Punk-Figur sagt oft Dinge, die sich niemand anderes auszusprechen traut. Wrestling-Autoren haben für ihn eine neue Rolle geschaffen, die im gegenwärtigen politischen Umfeld der durchgesickerten E-Mails und inoffiziellen Dossiers beinahe maßgeschneidert wirkt: Die Geheimnisse des Geschehens hinter der Bühne zu verraten. "Das ist schriftstellerisches Genie im professionellen Wrestling", sagt Chhibber.

"Man schaut immer, was der böse Junge sagt"

Beim Wrestling schaffen Autoren Dramen, die eine Saison andauern und die Matte in eine Bühne für die Fantasie verwandeln. Erzählungen stellen Gut gegen Böse, starke Persönlichkeiten gewinnen gegen zurückhaltendere, und Moderatoren rechtfertigen die Um-jeden-Preis-Taktik der "Heels".

Wenn Trump öffentlich den russischen Präsidenten Wladimir Putin unterstützt, den US-Geheimdienste als eine Art globalen "Heel" dargestellt haben, dann spiele er de facto die Rolle des Moderators, der im Ring den Bad Boy aufbaut und sein Alphatier-Verhalten rechtfertigt, sagt Madigan.

Und wenn Trump den Namen seiner politischen Rivalen mit Vorsätzen versieht (man denke an "Niedrig-IQ Crazy Mika" Brzezinski oder "Korrupte Hillary" Clinton), dann eifere er quasi dem langjährigen Wrestling-Moderator Bobby "The Brain" Hennan nach, der "Heels" bejubelte und "Baby-Face"-Wrestler diskreditierte.

"Der Held ist langweilig. Er macht die gleichen ganz normalen Sachen", sagt Madigan. "Man schaut immer, was der böse Junge sagt und macht."

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