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Der Schock im Trump-Land: Massenentlassung bei General Motors

Massenentlassung bei General Motors  

Der Schock im Trump-Land

28.11.2018, 08:26 Uhr | dpa, pdi

Wegen geplanter Stellenstreichung: Trump kritisiert General Motors und droht mit Druck (Bildquelle: Jonathan Ernst/Reuters)
Trump kritisiert General Motors und droht mit Druck

Trump fordert von dem Automobilkonzern einen Produktionsstopp in China. (Quelle: reuters)

Trump droht mit Druck: Der US-Präsident fordert, dass General Motors weiterhin in den USA produziert. (Quelle: Reuters)


Donald Trump feiert sich als Retter der gebeutelten Industrie, der den Amerikanern verlorene Jobs zurückbringt. Doch der größte US-Autobauer GM spielt nicht mit. Das liegt auch an Trumps Politik.

Beim Wahlkampfauftritt in Tupelo ist Donald Trump voll in seinem Element: "Über Jahre habt ihr zugesehen, wie mächtige Kräfte in Washington eure Jobs wegverlagerten – das ändert sich nun", heizt der US-Präsident seinen Anhängern im Bundesstaat Mississippi ein. Dass der größte US-Autobauer General Motors kurz zuvor mitgeteilt hatte, mehrere Fabriken stillzulegen und Tausende Stellen zu streichen, erwähnt Trump mit keinem Wort.

General Motors: Der Autobauer will ein straffes Sparprogramm umsetzen. (Quelle: Reuters/Carlos Osorio)General Motors: Der Autobauer will ein straffes Sparprogramm umsetzen. (Quelle: Carlos Osorio/Reuters)

Einen Tag später droht er dem Unternehmen auf Twitter mit einem Stopp der Subventionen. Er sei sehr enttäuscht von General Motors und der Unternehmenschefin Mary Barra, schrieb Trump. Man schaue sich nun an, ob man alle GM-Subventionen kürzen könne, inklusive der für Elektroautos, fügte er hinzu. "In Mexiko und China wird nichts geschlossen. Die USA haben General Motors gerettet, und dies ist der DANK, den wir bekommen!"

Schlappe für Trump

Tatsächlich ist der Sparkurs der Auto-Ikone für den US-Präsidenten gleich in mehrfacher Hinsicht eine bittere Schlappe. Denn die Kürzungspläne zeigen nicht nur, dass die Zukunft wichtiger Wirtschaftszweige wie der Autoindustrie trotz Trumps Prahlerei über niedrige Arbeitslosigkeit und der durch seine massiven Steuersenkungen boomenden US-Konjunktur ungewiss ist. Zum schmerzhaften Realitätsschock gehört auch, dass Trump selbst eine Mitschuld trifft.

Denn die US-Autobranche ächzt unter dem vom US-Präsidenten angezettelten Zollstreit mit Handelspartnern wie der EU oder China. "Wie erwartet sind Trumps Strafzölle für alle Seiten schädlich. Die Amerikaner schneiden sich damit auch in das eigene Fleisch", meint FDP-Fraktionsvize Michael Theurer. Insbesondere die erhöhten Einfuhrschranken für Stahl und Aluminium sind eine erhebliche Belastung. "Die Zölle auf die Metalle haben uns etwa eine Milliarde Dollar Gewinn genommen", sagte Ford-Chef Jim Hackett Ende September.

Der Autobauer streicht Tausende Stellen in Nordamerika. (Quelle: AP/dpa/Frank Gunn/The Canadian Press/ Archivbild)Ein Arbeiter in einer Fabrik von General Motors in Ontario: Der Autobauer streicht Tausende Stellen in Nordamerika. (Quelle: Frank Gunn/The Canadian Press/ Archivbild/AP/dpa)

Diesen – für Trumps Regierung in Washington unangenehmen – Teil des Stellenabbaumotivs räumt GM öffentlich bislang nur indirekt mit dem Verweis auf "gestiegene Materialkosten" ein. Offiziell lauteten die Gründe für den Job-Kahlschlag am Montag: Im SUV- und Pick-up-verliebten Amerika sinke der Absatz von kleineren und mittleren Pkw, deshalb werde die Produktion den veränderten Marktbedingungen angepasst. Zudem müsse man sich mit Investitionen in E-Autos und autonomes Fahren für die Zukunft rüsten.

"Vergessen, wo sie herkommen"

GM-Chefin Mary Barra will es tunlichst vermeiden, den für seinen Jähzorn bekannten Trump weiter gegen sich aufzubringen. Die Top-Managerin informierte den US-Präsidenten bereits am Sonntagabend über ihre Pläne und versuchte offenbar, ihn milde zu stimmen. Spätestens mit dem jüngsten Tweet ist klar, dass dies nicht gelang – und schon zuvor hatte Trump seine Position durchaus klar gemacht: "Es war ein großer Fehler von GM", sagte er dem "Wall Street Journal". "Ich glaube, sie haben vergessen, wo sie herkommen".

Trump forderte von dem Autokonzern, die Produktion in China zu stoppen und stattdessen im US-Bundesstaat Ohio "verdammt noch mal schnell eine neue Fabrik (zu) eröffnen". Sollte das Werk dort dauerhaft geschlossen bleiben, habe sie "ein Problem", drohte Trump GM-Chefin Barra. Vor Reportern in Washington erklärte er zudem, die USA hätten viel für GM getan – und man sei in der Lage, großen Druck auf den Konzern mit Hauptsitz in Detroit auszuüben.

Die einflussreiche US-Autogewerkschaft UAW läuft bereits Sturm gegen den Sparkurs bei GM, sodass der Konzern es mit heftigem Widerstand einer Allianz von Trump-Anhängern und Arbeitervertretern zu tun bekommen könnte. "Die kaltschnäuzige Entscheidung von GM, den Betrieb in US-Werken zu reduzieren oder stillzulegen, während in Mexiko und China mehr für den US-Markt produziert wird, ist hochgradig schädlich für Amerikas Arbeiterschaft", polterte UAW-Vize Terry Dittes.

Schlag vor den Kopf

Tatsächlich muss GMs Sparprogramm angesichts der jüngsten Geschäftsentwicklung für jeden der fast 15.000 Mitarbeiter, die in Nordamerika entlassen werden könnten, ein Schlag vor den Kopf sein. Denn eigentlich lief es bei dem Autogiganten zuletzt rund: Im Sommerquartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 6,4 Prozent, der Nettogewinn betrug überraschend starke 2,5 Milliarden Dollar. Dass der Branchenführer trotzdem dermaßen auf die Bremse tritt, ist deshalb auch ein schlechtes Omen für die US-Wirtschaft insgesamt.


Seit 2009 ging es am US-Automarkt kontinuierlich bergauf, in den vergangenen Jahren brachte ein von billigem Sprit und günstigen Finanzierungszinsen befeuerter Absatz-Boom den Herstellern Verkaufsrekorde und dicke Gewinne. Trumps Regierung befeuerte die ohnehin schon brummende US-Wirtschaft dieses Jahr mit massiven Steuersenkungen weiter, aber mittlerweile stellen sich immer mehr Experten auf ein Ende des Aufschwungs ein. GM und Ford hatten bereits zur Jahresmitte Gewinnwarnungen herausgegeben.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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