"Kranke Mentalität"

Trumps Wunsch-Botschafter stänkerte gegen Deutschland

05.08.2020, 13:46 Uhr

Douglas Macgregor: CNN spürte alte Aussagen des designierten Botschafters auf. (Quelle: Dan Neal/U.S. Army/dpa)

Der designierte US-Botschafter in Berlin hat die Deutschen mehrfach heftig kritisiert. CNN berichtet von "fremdenfeindlichen und rassistischen Kommentaren". Kostet ihn das den Job? 

Der designierte Berlin-Botschafter der USA hat Deutschlands Politik in der Flüchtlingskrise und den Umgang mit der Geschichte in den vergangenen Jahren wiederholt mit harschen Worten kritisiert. So bezeichnete Douglas Macgregor das Konzept von Deutschlands Vergangenheitsbewältigung als "kranke Mentalität".

In einem Interview im Jahr 2018 sagte Macgregor: "Es gibt eine Art kranker Mentalität, die besagt, dass Generationen um Generationen für etwas büßen müssen, was in dreizehn Jahren deutscher Geschichte passiert ist, und die anderen 1.500 Jahre Deutschland ignorieren." Der Nachrichtensender CNN machte diese und andere Äußerungen im Zuge einer Recherche am Dienstag öffentlich.

Fast vier Jahre Präsident Trump: Seine Amtszeit in Bildern

Der US-Präsident polarisiert mit seinen Aussagen. Egal, ob es um den richtigen Umgang mit dem Coronavirus oder Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt geht. Der Kurznachrichtendienst Twitter kennzeichnet immer wieder Tweets von Donald Trump. Kein Präsident vor ihm nutzte die Sozialen Medien in einer solchen Frequenz. (Quelle: MediaPunch/imago images)

Donald Trump vor dem Krankenhausschiff "USNS Comfort" Ende März 2020: Die Coronavirus-Pandemie hat die Vereinigten Staaten hart getroffen. Der Präsident hatte die Gefahr des Virus lange nicht ernst genommen. Nun wird ihm das zum Verhängnis. Zur Hochphase des Präsidentschaftswahlkampfes sinken seine Umfragewerte. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Er ist einer von vielen, die gehen mussten: Ex-Sicherheitsberater John Bolton. Trump feuert regelmäßig Mitarbeiter, das Personalkarussell im Weißen Haus dreht sich schnell. Im Sommer 2020 setzt ein Enthüllungsbuch Boltons den Präsdenten unter Druck. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine: Wollte Donald Trump mit Hilfe des Landes im Osten in den US-Wahlkampf eingreifen und seinen Herausforderer Joe Biden verunglimpfen? Der Präsident streitet ab. Ein Amtsenthebungsverfahren überstand Donald Trump im Januar 2020. Das Verfahren leitete unter anderem: Nancy Pelosi. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Im Juni 2019 wurde Donald Trump zum ersten amtierenden US-Präsidenten, der nordkoreanischen Boden betritt. Auf dem Foto trifft er Diktator Kim Jong Un in der demilitarisierten Zone zwischen den beiden Koreas. Den Konflikt mit Nordkorea vermochte Trump bisher trotz der Treffen nicht auszuräumen. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Hier reichen sie sich die Hand. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie politische Gegner sind: Als Sprecherin des Repräsentantenhauses macht Nancy Pelosi Donald Trump das Leben schwer. Die Demokraten sind hier in der Mehrheit und blockieren regelmäßig Vorhaben des Präsidenten. Etwa die Finanzierung der Mauer zwischen Mexiko und den USA. Das Foto entstand am Tag der Rede zur Lage der Nation am 5. Februar 2019. (Quelle: Everett Collection/imago images)

Am 14. Januar 2019 präsentierte Trump das traditionelle Essen des Weißen Hauses für die Gewinner der College-Football-Championship. Wegen des Shutdown im US-Haushalt musste man auf Fast-Food zurückgreifen. Trump selbst schien das zu gefallen: Er isst ohnehin fast täglich Fastfood. (Quelle: imago images)

Rededuell im Weißen Haus: Am 17. Dezember 2018 kommt es bei einer Pressekonferenz zum Eklat. Gegen den Willen von Trump will der CNN-Reporter Jim Acosta weitere Fragen an den US-Präsidenten stellen. Als eine Mitarbeiterin dem Reporter das Mikrofon abnehmen will, wehrt sich dieser dagegen. Acosta wird nach dem Vorfall die Akkreditierung entzogen. (Quelle: Jonathan Ernst/Reuters)

Trump und Putin. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert (Quelle: Kevin Lamarque/Reuters)

Trump lässt den G7-Gipfel mit einem Eklat enden (Quelle: Jesco Denzel/Bundesregierung/Getty Images)

In den Armen des Feindes: Am 12. Juni 2018 trafen Donald Trump und Kim Jong Un in Singapur aufeinander. Der US-Präsident hatte bei dem Besuch sichtlich Spaß und ließ sich vom Diktator Kim sogar am Rücken tätscheln. Beachtlich, wenn man bedenkt, wie feindlich die USA und Nordkorea sich normalerweise gegenüberstehen. Doch das sollte nicht das letzte persönliche Treffen der beiden sein. (Quelle: imago images)

Donald Trump und der französische Präsident Emmanuel Macron beim Händchenhalten. Das wirkte allerdings etwas verkrampft. Kein Wunder, auch mit dem Franzosen hat sich Trump schon mal inhaltlich überworfen und seinen Unmut über Twitter laut gemacht. Über die Frau des Franzosen sagte Trumps, sie sei noch gut in Form. Auch das kam nicht gut an. Das Foto entstand am 24. April 2018 in Washington, DC. (Quelle: imago images)

Ein Symbolbild für den Charakter Donald Trumps? Obwohl immer wieder eindringlich davor gewarnt wird, guckt der US-Präsident am 21. August 2017 während einer Sonnenfinsternis demonstrativ in die Sonne. Dafür erntete er viel Spott. (Quelle: Kevin Lamarque/Reuters)

Bereitet er sich gut auf seine Termine vor? Beim sogenannten "Asian Handshake" überkreuzen die Teilnehmer die Arme und halten so in einer langen Kette die Hände. Diesen Handschlag lernte Trump erst am 13. November 2017 kennen. Das Händeschütteln mit dem vietnamesischen Premierminister Nguyen Xuan Phuc, links, und dem Präsident der Philippinen, Rodrigo Duterte, bereitete Trump bei seiner Asienreise offenbar Schwierigkeiten. (Quelle: dpa)

Im März 2017 besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren amerikanischen Kollegen das erste Mal in Washington. Während sie seinen Ausführungen folgt, entgleitet ihr scheinbar das Gesicht. Kein Wunder: Immer wieder polarisiert Donald Trump mit seinen Aussagen. (Quelle: Jonathan Ernst/Reuters)

Die Amtseinführung von Donald Trump: Seit dem 20. Januar 2017 ist der ehemalige Geschäftsmann der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er gewann bei der Wahl im November 2016 gegen die Demokratin Hillary Clinton und folgte damit auf Barack Obama. (Quelle: imago images)

CNN attestiert Macgregor eine "Geschichte fremdenfeindlicher und rassistischer Kommentare über Einwanderer und Flüchtlinge in Deutschland und den USA." So behauptete der frühere Oberst der US-Armee in einem Interview im Jahr 2018, dass die Bundesrepublik kein Geld in die Bundeswehr stecke und es stattdessen für "muslimische Invasoren" ausgebe.

"Extrem bizarre Regierung" in Berlin

Macgregor sprach damals mit Bezug auf die Bundesregierung von einer  "extrem bizarren Regierung, die sich mehr darum schert, kostenlose Dienste für Millionen ungewollter muslimischer Invasoren anzubieten, um es deutlich zu sagen, als um die Streitkräfte zur Verteidigung ihres Landes". Die Flüchtlinge, sagte er in einem weiteren Gespräch im Jahr 2016, kämen mit dem Ziel, "Europa in einen islamischen Staat zu verwandeln". 

Donald Trump hatte Macgregor Ende Juli als neuen Deutschland-Botschafter nominiert. Schon zur Bekanntgabe der Personalie wurden frühere kritische Äußerungen Macgregors über die Berliner Verteidigungspolitik diskutiert. (Hier lesen Sie mehr über Macgregor und die Hintergründe seiner Berufung.) Die nun von CNN hervorgeholten Aussagen sind allerdings in Inhalt und Ton extremer.

Die Äußerungen wecken Erinnerungen an seinen Vorgänger Richard Grenell, der zu seinem Amtsantritt ebenfalls per Interview Partei für Einwanderungsgegner in Europa ergriffen hatte und während seiner Amtszeit auch sonst für großen Unmut in Berlin sorgte.

Zweifel an einer Bestätigung Macgregors

Macgregor muss, um sein Amt in Berlin antreten zu können, vom US-Senat mit einfacher Mehrheit bestätigt werden. Schon vor den neuen Berichten gab es in Washington große Zweifel daran, dass es vor der Präsidentschaftswahl im November noch dazu kommen würde.

Interessieren Sie sich für US-Politik? Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt über seine Arbeit im Weißen Haus und seine Eindrücke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Bestätigung Macgregors kommt, dürfte nun weiter sinken. In den früheren Interviews forderte Macgregor auch eine harte Hand gegen Einwanderer an der US-Südgrenze zu Mexiko, die "keine Fähigkeiten und die falsche Kultur" in die USA brächten. Es handelt sich dabei vor allem um Gespräche auf dem Sender Fox News und in konservativen Radio-Sendungen.

Eine Äußerung zum Ukraine-Krieg

Während des Ukraine-Kriegs im Jahr 2014 sagte in er einem Gespräch mit dem vom russischen Staat kontrollierten Sender RT, dass Bewohner der Ost- und Südukraine eindeutig Russen seien und es einen Bedarf für die Anerkennung dieses Umstands gebe. Die EU und USA halten die Annexion der Krim durch Russland und den Krieg im Donbass für illegal und haben Moskau deshalb mit Sanktionen belegt.

Das Weiße Haus verteidigte Macgregor im Zuge des CNN-Berichts als "enorm qualifiziert". Tatsächlich klingen seine Äußerungen, auch wenn sie im Kongress für Widerstand sorgen dürften, nicht grundlegend anders als Aussagen von Präsident Trump.

Zwischen Washington und Berlin herrschen momentan starke Verstimmungen. Am vergangenen Mittwoch hatte das Pentagon die Pläne für den Abzug von 12.000 US-Soldaten aus Deutschland bekanntgegeben. Trump rechtfertigt den Vorgang mit Deutschlands zu geringen Ausgaben für Verteidigung – auch diese Sicht teilt er mit seinem Wunsch-Botschafter Macgregor.

Mehr zum Thema