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Donald Trump im Wahlkampf: Die Gewalt soll den US-Präsidenten retten


Die Gewalt soll ihn retten

Von Fabian Reinbold

Aktualisiert am 02.09.2020Lesedauer: 4 Min.
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Donald Trump in Kenosha: Der Präsident verurteilt nur die Gewalt einer Seite.
Donald Trump in Kenosha: Der Präsident verurteilt nur die Gewalt einer Seite. (Quelle: Leah Millis/Reuters-bilder)
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Die gewaltsamen Zusammenstöße in Amerika kommen Donald Trump gelegen. Seine Berater sind überzeugt: Sie haben ein Thema, mit dem sich die Wahl gewinnen lässt – eine riskante Strategie.

Der Bürgermeister wollte ihn nicht vor Ort haben, der Gouverneur ebenso wenig. Doch Donald Trump konnte es sich gar nicht entgehen lassen, dem Städtchen Kenosha im Bundesstaat Wisconsin einen Besuch abzustatten.


Vier Jahre Präsident Trump: Seine Amtszeit in Bildern

Immer wieder streitet Trump seit dem das Wahlergebnis ab. Mit mehreren Klagen versucht er die angeblich "gestohlene Wahl" zurückzugewinnen – bislang erfolglos.
Das Auszählen der Stimmen dauerte lange. Und während sich abzeichnete, dass Joe Biden die Präsidentschaftswahl gewinnen würde, fuhr Trump auf den Golfplatz. Am 7. November erfuhr er dort dann von seiner Niederlage. Mit 46,9 Prozent verliert er gegen seinen Konkurrenten Joe Biden die US-Wahl.
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Schließlich sieht er in den Geschehnissen, die die Stadt am Ufer des Lake Michigan heimsuchten, eine Steilvorlage: Dort war dem Schwarzen Jacob Blake von Polizisten sieben Mal in den Rücken geschossen worden, umgehend brachen gewaltsame Proteste aus und schließlich erschoss ein 17-jähriger Weißer, aus dem Nachbarstaat Illinois angereist, mutmaßlich zwei Protestierende. Nun schritt Trump ausgiebig zerstörte Geschäfte ab, lobte die Polizei, versprach Millionenhilfen für Behörden und Wiederaufbau.

Nur ein Name kam ihm am Dienstag in seinen drei Stunden vor Ort kein einziges Mal über die Lippen: Jacob Blake.

Der Besuch in Kenosha verdeutlicht, wie Donald Trump gut zwei Monate vor der US-Präsidentschaftswahl Strategie und Botschaften scharf stellt. Trump reiste nicht als Präsident, der eine geplagte Stadt zusammenbringen wollte, sondern als Wahlkämpfer, der einen Konflikt befeuern will.

Der Präsident befeuert eine Seite

Er ergreift Partei gegen die Demonstranten, die wegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße gehen. Er verneint ihr Anliegen und sagt, es gebe keinen systematischen Rassismus im Land. Er verbreitet Verschwörungstheorien über Krawallmacher und spricht von "Inlandsterror", während er gleichzeitig bewaffnete Gegendemonstrationen, die ihm nahestehen, ermutigt.

Trump, der in den Umfragen seit Monaten hinter seinem Konkurrenten Joe Biden liegt, stellt sich als Beschützer von Recht und Ordnung dar. Doch er verurteilt nur die Gewalt einer Seite.

Zuletzt schien er gar dem 17-jährigen mutmaßlichen Todesschützen informell seinen Segen zu geben. Hätte dieser nicht geschossen, wäre er sonst "wohl getötet worden", unkte Trump. Seine Anhänger in Portland wiederum hätten sich nur verteidigen wollen, so Trump, als sie von ihren Pick-up-Trucks hinab Demonstranten mit Farbkugeln beschossen.

Die Botschaft: Dem Land droht ein Inferno

Die Gewalt und Toten in Kenosha, die Konfrontation von Linken und Trump-Anhängern mit einem weiteren Todesopfer im liberalen Portland, die Plünderungen vor wenigen Wochen in Chicago oder der aggressive Protest in der Hauptstadt Washington – Trump strickt sich aus alldem seine Botschaft ans Volk: In den von Demokraten regierten Städten tobe schon jetzt der Mob und bei einem Machtwechsel in Washington drohe dem gesamten Land solch ein Inferno.

"Ihr seid in Joe Bidens Amerika nicht sicher", lautet seit einer Woche seine viel zitierte Botschaft. Deshalb brauchte Trump aus Kenosha vor allem die Bilder der Zerstörung – und dass sich während seines Besuchs dann noch Gegner und Anhänger scharfe Wortgefechte lieferten: umso besser.

Szene am Rande des Trump-Besuchs: Trump-Anhänger und "Black lives matter"-Demonstranten im Wortgefecht.
Szene am Rande des Trump-Besuchs: Trump-Anhänger und "Black lives matter"-Demonstranten im Wortgefecht. (Quelle: Morry Gash/ap-bilder)

In Kenosha kommt alles zusammen: Die Stadt liegt in einem heiß umkämpften Wahlbezirk in einem heiß umkämpften Bundesstaat für die Präsidentschaftswahl. 2016 gewann Trump Kenoshas Wahlbezirk und Wisconsin knapp.

Biden will die Wahl zum Referendum über Trump und dessen Versagen bei der Bekämpfung von Corona machen – aktueller Stand: sechs Millionen bestätigte Fälle, 184.000 Tote. Trump will davon ablenken und setzt auf ein Thema, das tatsächlich immer größeren Raum einnimmt.

Das Thema Gewalt hat Auftrieb

Die Bilder aus Kenosha und Portland dominierten die vergangenen Tage im US-Fernsehen. Schon vor einem Monat war den Amerikanern laut einer Umfrage des unabhängigen Pew Research Center Gewaltverbrechen das fünftwichtigste Thema bei der Wahl, hinter Themen wie Konjunktur, Krankenversorgung und Pandemie, doch vor Waffenrecht, Einwanderung oder Klimawandel. Die Zahlen dürften nun steigen.

Die Berater Trumps wissen auch, dass die Zustimmung zur "Black lives matter"-Bewegung, die nach dem Tode George Floyds durch Polizisten Ende Mai in neue Höhen schoss, langsam zurückgeht. Im Bundesstaat Minnesota, wo Floyd starb und die Proteste begannen, rechnen sich seine Berater nun plötzlich einen Sieg aus – obwohl der Staat traditionell für die Demokraten stimmt.

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Sie sind erst einmal von Hoffnung getrieben, nicht von Gewissheit. Ob und wie die Gewalt das Rennen um die Präsidentschaft beeinflusst, ist unklar. Und das Vorhaben ist riskant: Auf dem Höhepunkt der Proteste im Juni verlor Trump mit seiner Nicht-Anerkennung des systematischen Rassismus, der die Menschen auf die Straße trieb, viel an Unterstützung. Ist die Stimmung nun im Herbst wirklich eine andere?

"Fühlt ihr euch sicherer unter Trump?"

Die große Frage lautet, wie nachhaltig die gewaltvollen Episoden in diesen Städten ein verunsichertes Land umtreiben, in dem nach wie vor Tag für Tag tausend Corona-Tote zu beklagen sind, Millionen ihren Job verloren haben und Millionen Familien nicht wissen, wann und wie ihre Kinder in die Schulen zurückkehren können.

Auf diese Themen setzt sein Kontrahent Biden weiter. Er war durch Trumps Wahlkampf mit dem Thema Sicherheit unter Druck geraten. Am Montag wagte er sich erstmals seit Monaten zu einem Auftritt aus seinem Heimatstaat Delaware heraus und stellte klar, dass auch er die Gewalt der Proteste verurteilte.

Doch er fasste das Thema bewusst weiter. Biden zählte die Bilanz der Corona-Krise auf, betonte, dass der Präsident die staatliche Krankenversicherung und das soziale Sicherungsnetz beschneiden wolle. Dann fragte er: "Fühlt ihr euch wirklich sicherer unter Trump?"

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • Pew Research Center: Important issues in the 2020 election
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