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Trump beschuldigt China: "Seuche herausgelassen"

Von dpa
Aktualisiert am 23.09.2020Lesedauer: 3 Min.
Donald Trump: Der US-PrÀsident reagiert auf die schlimmen Opferzahlen in den USA mit Schuldzuweisungen.
Donald Trump: Der US-PrÀsident reagiert auf die schlimmen Opferzahlen in den USA mit Schuldzuweisungen. (Quelle: Evan Vucci/ap-bilder)
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Die USA haben die bittere Marke von 200.000 Toten in der Corona-Pandemie ĂŒberschritten. PrĂ€sident Trumps Reaktion ist ein erneuter Angriff auf China.

Nach dem Überschreiten der Marke von 200.000 Toten in der Corona-Pandemie in den USA hat US-PrĂ€sident Donald Trump erneut China fĂŒr die Ausbreitung des Virus verantwortlich gemacht. "Die Chinesen hĂ€tten es an ihrer Grenze stoppen sollen, sie hĂ€tten niemals zulassen dĂŒrfen, dass es sich ĂŒber die ganze Welt ausbreitet", sagte Trump am Dienstagabend (Ortszeit) im Weißen Haus. Die 200.000 Toten seien "schrecklich". Ohne das Krisenmanagement seiner Regierung hĂ€tten die USA aber "zwei Millionen, zweieinhalb Millionen und drei Millionen" Tote zu beklagen.

"Wir haben Millionen Leben gerettet", sagte Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania. "Sie haben die Seuche herausgelassen", fĂŒgte der PrĂ€sident mit Blick auf China hinzu. "Es ist das China-Virus, nicht das Coronavirus. Corona klingt nach einem Ort in Italien, einem schönen Ort. Es ist Corona. Nein, es ist das China-Virus, sie wollen es nicht sagen, wisst Ihr, die radikalen Linken, sie wollen es nicht sagen."

Am Dienstagmorgen hatte Trump bereits bei der Generaldebatte der Vereinten Nationen schwere VorwĂŒrfe gegen China erhoben. "Wir mĂŒssen die Nation zur Rechenschaft ziehen, die diese Seuche auf die Welt losgelassen hat – China", sagte Trump in seiner Videobotschaft fĂŒr die UN-Vollversammlung.

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Die Corona-Pandemie bestimmt auch den US-Wahlkampf

Die Zahl der Toten in den USA seit Beginn der Corona-Pandemie war am Dienstag nach Daten der UniversitÀt Johns Hopkins in Baltimore auf mehr als 200.000 gestiegen. Die Schwelle von 150.000 Opfern war Ende Juli erreicht worden. Mehr als 6,8 Millionen Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 sind seit Beginn der Pandemie in den USA bestÀtigt worden. Kritiker werfen dem Republikaner Trump vor, mit seinen eskalierenden Angriffen auf China vor der Wahl am 3. November vom eigenen Versagen im Kampf gegen die Pandemie ablenken zu wollen.

Trumps Herausforderer bei der PrĂ€sidentschaftswahl, der Demokrat Joe Biden, sagte: "Wir brauchen einen PrĂ€sidenten, der sich dem Problem ehrlich stellt und fĂŒhrt. Dieser PrĂ€sident hat bewiesen, dass er beides nicht kann." Biden kritisierte auch eine Aussage Trumps bei einer Wahlkampfveranstaltung am Montagabend in Ohio, bei der der PrĂ€sident mit Blick auf das Virus und auf junge Menschen gesagt hatte: "Es betrifft praktisch niemanden."

Die Sprecherin des ReprĂ€sentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, warf Trump "tödliche Desinformation und NachlĂ€ssigkeit" vor. Dass so viele Menschen gestorben seien, sei umso herzzerreißender, weil es nicht so hĂ€tte kommen mĂŒssen. "Die GeringschĂ€tzung des PrĂ€sidenten fĂŒr Wissenschaft, RegierungsfĂŒhrung und die Gesundheit des amerikanischen Volkes hat zu einer historischen nationalen Tragödie gefĂŒhrt", erklĂ€rte Pelosi.

So ist die Corona-Lage weltweit im Vergleich

Die Opferzahl in den USA, einem Land mit 330 Millionen Einwohnern, ist weltweit die bislang höchste in absoluten Zahlen. An zweiter Stelle steht derzeit Brasilien mit mehr als 137.000 Toten, gefolgt von Indien mit rund 89.000 Opfern. Relativ zur Einwohnerzahl hingegen ist die Zahl der Opfer unter anderem in Peru, Belgien, und Spanien höher als in den USA. In Peru etwa starben Johns Hopkins zufolge rund 98 Menschen pro 100.000 Einwohner, in Belgien 87, in Spanien 65. In den USA waren es bislang 61 Menschen pro 100.000 Einwohner, vergleichbar mit Italien (59). In Deutschland hingegen waren pro 100.000 Einwohnern bislang nur 11 Tote zu beklagen.

Der Erreger Sars-CoV-2 kann die Erkrankung Covid-19 auslösen, die vor allem fĂŒr Ă€ltere oder immungeschwĂ€chte Menschen lebensgefĂ€hrlich sein kann. Die Corona-Neuinfektionen pro Tag bewegen sich in den USA weiter auf hohem Niveau. Zuletzt wurden tĂ€glich rund 40.000 bestĂ€tigte Neuinfektionen gemeldet – mal mehr, mal weniger. Experten zufolge mĂŒsste diese Zahl unter 10.000 gebracht werden, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen.

Die PrĂ€sidentenwahl dĂŒrfte angesichts der verheerenden Bilanz auch zur Abstimmung ĂŒber den Kampf gegen die Pandemie werden. Mehrere Umfragen haben gezeigt, dass die meisten WĂ€hler dem frĂŒheren VizeprĂ€sidenten Biden eher als Trump zutrauen, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen. Biden liegt auch in landesweiten Umfragen seit Monaten vor Trump. Bis zum Wahltag kann sich aber noch vieles Ă€ndern – und landesweite Umfragen sind wegen des komplexen Wahlsystems nur begrenzt aussagekrĂ€ftig.

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