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TV-Duell gegen Pence – Kamala Harris: Trump hat Recht auf Wiederwahl verwirkt

"Größtes Scheitern einer US-Regierung"  

Harris: Trump-Regierung hat Recht auf Wiederwahl verwirkt

08.10.2020, 12:35 Uhr | AFP, dpa, aj

TV-Debatte: Harris wirft Trump-Regierung Versagen vor

In der einzigen TV-Debatte der Vize-Kandidaten vor der US-Präsidentenwahl war die Corona-Pandemie ein zentrales Thema.

TV-Duell mit Kontrahent Mike Pence: Kamala Harris warf der Trump-Regierung Versagen im Umgang mit der Pandemie vor. (Quelle: Reuters)


Wenige Wochen vor der US-Wahl haben sich die Vizekandidaten Kamala Harris und Mike Pence einen Schlagabtausch im TV geliefert. Die Demokratin hat dabei vor allem scharf gegen US-Präsident Trump geschossen.

Die demokratische Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris hat den Umgang der Regierung von Präsident Donald Trump mit der Corona-Pandemie auf das Schärfste kritisiert. "Das ist das größte Scheitern einer US-Regierung in der Geschichte unseres Landes", sagte Harris am Mittwochabend (Ortszeit) beim TV-Duell mit Vizepräsident Mike Pence. Sie verwies insbesondere auf die Zahl von mehr als 210.000 Corona-Toten in den USA – die höchste Zahl weltweit – und warf der Regierung "Inkompetenz" vor.

Pence verteidigte das Vorgehen der Regierung. Trump habe "vom ersten Tag an" die Gesundheit der US-Bürger an erste Stelle gestellt. Ohne die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen wären noch viel mehr Menschen ums Leben gekommen. Pence warf Harris im Gegenzug vor, das Vertrauen der Bürger in einen künftigen Corona-Impfstoff zu "untergraben".

Auch Trump schaltete sich während der Debatte ein und kritisierte Harris per Twitter. "Sie ist eine Ausrutscher-Maschine", schrieb der US-Präsident während des laufenden TV-Duells. Voll des Lobes war Trump in seinem Tweet für seinen Vizepräsidenten. "Mike Pence macht das großartig!", schrieb Trump.

Corona-Pandemie als großes Wahlkampfthema

Die TV-Debatte zwischen Harris und Pence weniger als vier Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Nach Trumps Corona-Infektion saßen die Vize-Kandidaten in Salt Lake City im Bundesstaat Utah durch Plexiglas getrennt auf der Bühne. Zwischen ihnen bestand zudem ein Sicherheitsabstand von mehr als dreieinhalb Metern. Der Auftritt verlief auch viel geordneter als das Duell von Trump und Herausforderer Joe Biden, das eine Woche zuvor im Chaos versunken war. Der Auslöser dafür war vor allem, dass Trump immer wieder Biden ins Wort fiel.

Die Vize-Kandidaten unterbrachen einander kaum – auch weil Harris zwei Anläufe von Pence mit einem resoluten "Mr. Vizepräsident, jetzt rede ich" unterband. Dafür überzog Pence immer wieder die ihm zugeteilte Zeit. Er ließ sich auch von der Moderatorin - der Journalistin Susan Page von der Zeitung "USA Today" – nicht stoppen und redete einfach weiter.

Pence fiel auch damit auf, dass er mehrfach einfach die Fragen ignorierte und stattdessen die Botschaften platzierte, die er unterbringen wollte. So redete er bei einer Frage nach der Position zu Abtreibungen zunächst einmal darüber weiter, wie die Trump-Regierung Irans Top-General Ghassem Soleimani mit einem Raketenangriff getötet hatte.

Frage zu einer friedlichen Machtübergabe bleibt offen

Beide Kandidaten wichen der Frage aus, wie ihre Absprachen mit den jeweiligen Präsidentschaftsanwärtern für eine Machtübergabe sind. Es ist ein wichtiger Punkt: Trump ist 74 Jahre alt und an Covid-19 erkrankt, Biden ist 77. Jeder der beiden wäre bei Amtsantritt im Januar 2021 der älteste Präsident in der US-Geschichte. Moderatorin Page hakte nicht nach.

Genauso wenig beantwortete Harris die von Pence gestellte Frage, ob Biden und die Demokraten im Falle ihres Wahlsiegs und der Rückeroberung der Mehrheit im Senat das Oberste Gericht vergrößern würden. Die Republikaner versuchen gerade, die Juristin Amy Coney Barrett in das höchste US-Gericht zu bringen. Sie würde eine konservative Mehrheit im Gericht zementieren. Pence ging nicht darauf ein, ob Trump und er eine Wahlniederlage akzeptieren würden. "Ich denke, wir werden diese Wahl gewinnen", sagte der Vizepräsident. Trump liegt in landesweiten Umfragen deutlich hinter Biden zurück.

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Harris betonte, dass Biden als Präsident die Steuerreform von Trump rückgängig machen würde. Pence erklärte daraufhin, dass dies Steuererhöhungen für die Wähler bedeuten würde. Harris versicherte: "Joe Biden wird für niemanden die Steuern erhöhen, der weniger als 400.000 Dollar im Jahr verdient." Harris sagte auch, dass eine Biden-Regierung "mit Stolz" wieder dem Pariser Klimaschutz-Abkommen beitreten würde.

Pence weicht Frage zum Klimawandel aus

Pence wich unterdessen der direkten Frage aus, ob er den Klimawandel für eine existenzielle Bedrohung halte. "Das Klima ändert sich, wir werden der Wissenschaft folgen", sagte er. Harris bezeichnete den Klimawandel als "eine existenzielle Bedrohung für uns als Menschen".

Pence griff mehrfach die politische Vergangenheit von Joe Biden als Vizepräsident von Barack Obama und US-Senator an. Unter anderem hielt er ihm vor, dass Jobs an China verlorengegangen seien und dass die Gesundheitsreform von Obama versagt haben.

Vize werden als Kandidaten für nächste US-Wahl gehandelt

Das einzige TV-Duell zwischen Pence und Harris wurde mit besonderer Spannung erwartet:  Auch wegen des hohen Alters der beiden Präsidentschaftskandidaten liegt in diesem Jahr ein besonders starkes Augenmerk auf den Vize-Kandidaten. Pence oder Harris würden die Amtsgeschäfte des künftigen Präsidenten übernehmen, sollte dieser beispielsweise wegen einer schweren Erkrankung amtsunfähig werden. Sowohl der 61-jährige Pence als auch die 55-jährige Harris werden zudem als mögliche Präsidentschaftskandidaten bei der nächsten Wahl 2024 gehandelt.

Pence dient Trump seit dessen Amtsantritt Anfang 2017 betont loyal als Stellvertreter. Der frühere Gouverneur des Bundesstaates Indiana agiert weitgehend im Schatten des Präsidenten und ist bekannt für ein nüchternes, trockenes Auftreten. Seit dem Frühjahr leitet er den Corona-Krisenstab des Weißen Hauses. Als evangelikaler Christ soll er dem Präsidenten bei der Wahl am 3. November den Rückhalt der religiösen Rechten sichern, einer wichtigen und gut organisierten Wählergruppe.

Pences Rivalin Harris hatte sich zunächst selbst um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten beworben, war dann aber aus dem Rennen ausgestiegen. Im August machte Biden die Senatorin mit jamaikanisch-indischen Wurzeln zu seiner Vize-Kandidatin. Bei einem Wahlsieg im November würde die frühere Generalstaatsanwältin des Bundesstaates Kalifornien als erste Frau und erste Schwarze die Vizepräsidentschaft übernehmen.

Umfragen sehen Biden derzeit teils deutlich vor Trump. Das Rennen könnte aber in einer Reihe besonders wichtiger Bundesstaaten sehr eng werden.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, afp
  • Eigene Recherchen

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